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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Zu sehen ist eine junge Frau, die einer älteren Dame den Blutdruck misst.
Ein Aufgabenfeld: Da es immer mehr alte Menschen gibt, steigt der Bedarf an Altenpfleger(inne)n. Foto: Martin Rehm

Ausbildungs-/Studienberufe mit Zukunft: Soziale Arbeit und Pflege

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‚Ich möchte gern etwas mit Menschen machen‘ – so lautet der Berufswunsch vieler Schulabsolvent(inn)en. Auch Lea Riek (22) ging es so, weshalb sie nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvierte. Danach schlug sie zunächst eine ganz andere Richtung ein und begann ein Mathematikstudium. „Ich merkte jedoch recht schnell, dass mir das keinen rechten Spaß machte – zu theoretisch“, berichtet sie. Nach einem Semester brach sie das Mathestudium ab und orientierte sich neu.

Sie erinnerte sich an die positiven Erfahrungen aus dem FSJ und entschied sich nach reiflicher Abwägung zum Neustart mit einem Studium der Sozialen Arbeit. „Da ich ja schon wusste, dass mir eine zu theoretische Ausrichtung nicht so sehr liegt, habe ich bei der erneuten Studiengangsuche bewusst nach praxisnahen dualen Studienangeboten Ausschau gehalten.“

Lea Riek wurde schließlich an der staatlichen Hochschule Fulda fündig: „Soziale Arbeit (BASA-dual)“ heißt der achtsemestrige Bachelor-Studiengang, den sie als praxisintegrierendes duales Online-Studium absolviert. Doch bevor sie sich an der Hochschule bewerben konnte, benötigte sie noch eine Praxisstelle an einer Einrichtung, die mit der Hochschule Fulda kooperiert.

Die Studentin hatte Glück: Eine örtliche Wohngruppe, in der geistig behinderte Menschen zusammenleben, suchte gerade eine/n Betreuer/-in, um die Bewohner/-innen im Alltag zu unterstützen, d.h. sie z.B. zu waschen, anzuziehen, mit ihnen spazieren zu gehen und ihnen vorzulesen. Nach zwei Tagen Probearbeiten war klar, dass Lea Riek die Stelle bekommen würde und wie geplant das Studium in Fulda beginnen konnte.

Tagsüber arbeiten, abends und am Wochenende studieren

Lea Riek hat lange lockige rötliche Haare und trägt eine dicke Wollmütze.

Lea Riek

Foto: Privat

Mittlerweile befindet sich die Studentin im zweiten Fachsemester. „Der Spagat zwischen Studien- und Praxisphasen gelingt mir gut. Mein Studienalltag ist geprägt von einer Mischung aus Online- und Präsenzeinheiten. Ich lerne meist abends und an den Wochenenden für das Studium und arbeite tagsüber in der Wohngruppe. Ein großer Teil des Selbststudiums besteht aus Lesen“, erklärt Lea Riek.

Einmal im Monat findet an einem Freitag und Samstag jeweils ein Präsenzblock an der Hochschule statt. Dort werden dann Vorfälle und Herausforderungen aus dem Praxisalltag besprochen. Außerdem gibt es Präsenzseminare, in denen z.B. berufliche Situationen anhand von Rollenspielen eingeübt werden: Wie spreche ich mit Pflegebedürftigen? Wie verhalte ich mich gegenüber den Angehörigen? Welches ist der beste Umgangston?

Später möchte Lea Riek gern noch einen Master dranhängen: „Mein berufliches Ziel ist es, in der Erwachsenenbildung zu arbeiten und dafür möchte ich mich weiterqualifizieren.“

‚Qual der Wahl‘

Wer sich wie Lea Riek für ein Studium im Bereich Soziale Arbeit oder Pflege entscheidet, kann aus einer großen Bandbreite an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten wählen: An Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien bzw. Dualen Hochschulen gibt es z.B. die praxisnahen Studiengänge „Gesundheitsökonomie“, „Gesundheits- und Pflegewissenschaft“, „Pflegeleitung“, „Pflegepädagogik“, „Pflegemanagement“ sowie „Soziale Arbeit“ (siehe auch Masterreportage: „“). Eine traditionelle schulische Ausbildung ist u.a. in den Bereichen „Altenpflege“ oder „Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege“ möglich (siehe auch Ausbildungsreportage: „“).

„Die Zahl der Einsatzfelder und Zielgruppen ist entsprechend groß“, betont Jens Homberg, Berufs- und Studienberater von der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Absolvent(inn)en dieser Fachrichtungen können u.a. mit Behinderten arbeiten, Familien in sozial schwierigen Situationen beraten, Straffälligen, Drogenabhängigen oder auch älteren Personen bzw. Menschen mit Migrationshintergrund helfen.“

Vor der Bewerbung gut informieren

Jens Homberg hat kurze grau-blonde Haare und trägt einen Anzug mit gestreiftem Hemd.

Jens Homberg

Foto: Privat

Die unterschiedlichen Angebote sollte man auch vergleichen: Anders als an staatlichen werden an privaten Berufsfachschulen und Hochschulen (teilweise auch an kirchlichen Einrichtungen) meist hohe Gebühren erhoben. Außerdem wird je nach Studiengang der Zugang durch Zulassungshürden erschwert, von einem mehrwöchigen Vorpraktikum bis hin zur längeren Berufserfahrung. Das Studium wird darüber hinaus – wie auch das Beispiel von Lea Riek zeigt – häufig im dualen Modell angeboten (ausbildungsintegriertes, praxisintegrierendes oder berufsintegrierendes duales Studium).

Hintergrund für die Zunahme an (dualen) Studienangeboten im Bereich der Sozialen Arbeit und Pflege ist auch ein Ziel des Wissenschaftsrates: Demnach sollen in Zukunft 10 bis 20 Prozent der Pflegekräfte eine akademische Qualifikation besitzen (siehe www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/pm_1812.pdf sowie auch Interview: „“).

Hohe persönliche Anforderungen, aber auch gute Arbeitsmarktaussichten

Jens Homberg gibt allen Interessierten zu bedenken: „Die Arbeit mit hilfe- bzw. pflegebedürftigen Menschen ist meist sehr fordernd und jede/-r sollte vor Aufnahme eines entsprechenden Bildungsweges ausgiebig getestet haben, ob man selbst die notwendige psychische Stabilität und Belastbarkeit mitbringt. Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich auf die Menschen intensiv einzulassen, gleichzeitig muss man aber auch die notwendige Distanz wahren können. Das ist oft eine Gratwanderung.“ Der Berufs- und Studienberater empfiehlt deshalb, bereits vor Beginn einer Ausbildung bzw. eines Studiums ein mehrmonatiges Praktikum oder einen Freiwilligendienst zu absolvieren.

Die Jobperspektiven werden indes als gut eingeschätzt: „Der demografische Wandel und der damit einhergehende wachsende Bedarf an sozialer Betreuung und Beratung älterer Menschen trugen in den letzten Jahren ebenso wie der Ausbau der Kinderbetreuungs-einrichtungen, der Schulsozialarbeit und der Ganztagsschulen zu einer positiven Arbeitsmarktentwicklung bei – auch wenn viele Stellen befristet und in Teilzeit angeboten werden“, erläutert Susanne Meßmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Dementsprechend hat die Zahl der Erwerbstätigen stark zugenommen. So lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2013 bei unter 2,5 Prozent.“

Interview

Zunehmender Bedarf an Fachkräften

Welche aktuellen Trends lassen sich in der Sozialen Arbeit und Pflege beobachten? Studienwahl.de sprach mit Johanna Knüppel, Referentin der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V.

Johanna Knueppel hat dunkle Haare und trägt eine Brille.

Foto: Privat

Studienwahl.de: Frau Knüppel, welche Ausbildungs- und Studienberufe sind in ihrer Branche derzeit besonders beliebt?

Johanna Knüppel: Gefragt ist seit Jahren etwa der Ausbildungsberuf zum/r „Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in“ (siehe auch Ausbildungsreportage: „“). Hier haben wir interessanterweise einen fast 100-prozentigen Anteil an Abiturient(inn)en. Vielleicht liegt das daran, dass es gerade in diesem Beruf vielfältige Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten gibt. Zugleich kann man beobachten: Nicht wenige Berufstätige entscheiden sich nach einigen Jahren Praxiserfahrung noch für ein weiterbildendes Studium. Häufig aus Interesse, aber auch, weil das Arbeiten in Schichten – das typisch für diese Branche ist – auf Dauer sehr belastend sein kann. Das weiterbildende Studium erfolgt dann meist in einem berufsnahen Fach wie Pflegewissenschaft, Medizin, BWL oder Psychologie. Beliebt sind dabei das berufsbegleitende Studienmodell und Fernstudiengänge.

Studienwahl.de: Wie beurteilen Sie die aktuelle Fachkräftesituation vor dem Hintergrund des demografischen Wandels?

Johanna Knüppel: V.a. in der Altenpflege herrscht Fachkräftebedarf. Dieser wird in Zukunft noch größer werden – denn die Bevölkerung hierzulande wird ja immer älter und immer weniger ältere Menschen werden direkt von ihren Angehörigen gepflegt. Leider entscheiden sich nach wie vor viel zu wenig junge Leute für eine Ausbildung im Pflegebereich, was mancherorts sicherlich auch mit den Anstellungsbedingungen zu tun hat.

Studienwahl.de: Wohin wird sich der Bereich Ihrer Ansicht nach entwickeln?

Johanna Knüppel: Mit den Vorgaben des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2012, wonach die akademische Qualifikation in den Gesundheitsfachberufen gestärkt werden soll, orientiert sich die Politik an der internationalen Entwicklung. Eine Hochschulbildung im Bereich Pflege ist in vielen Ländern heutzutage schon Standard. Die angestoßene Akademisierung wird mit Sicherheit zu einem fachlichen Mehrwert führen.

Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin

„Leidenschaft ist ein Muss“

Der Kontakt mit Menschen und das Gefühl, etwas Wichtiges zu tun – das gefällt Ilona Schienstock (19) an ihrer Ausbildung zur „Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin“, die sie seit 2013 am St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn absolviert.

Ilona Schienstock hat lange blonde Haare und trägt einen weiße Pflegekittel.

Foto: Privat

Ilona Schienstock konnte sich schon früh für ihren Ausbildungsberuf begeistern: Während der Schulzeit absolvierte sie ein dreiwöchiges Praktikum auf einer Kinderstation. Als Schulabschluss erwarb sie die fachgebundene Hochschulreife mit Schwerpunkt Gesundheitswesen. „Das war beides eine sehr gute Vorbereitung und hat mir Türen geöffnet.“

Eine Hochschulreife ist für ihre Ausbildung zwar nicht zwingend notwendig, wird von Ausbildungseinrichtungen und Arbeitgebern aber gern gesehen. „Ganz wichtig sind jedoch Vorerfahrungen, etwa in Form von Praktika“, betont Ilona Schienstock. „Und Leidenschaft für den Beruf ist ein Muss.“

Praktische Vorerfahrungen sind wichtig

In der hauseigenen Kinderkrankenpflegeschule des St. Vincenz-Krankenhauses lernt sie alles, was für den späteren Pflegealltag wichtig ist: Krankheitsbilder, Umgang mit Patient(inn)en, Erstversorgung, Wundpflege, Medikamentenkunde und Dokumentation. Regelmäßig wechseln die Theorieeinheiten mit sechs- bis achtwöchigen Einsätzen in der Klinik ab.

Ilona Schienstock lernte im Krankenhaus zunächst die Säuglingsstation kennen. Ihre Aufgaben: Baden, Füttern und Wickeln von Säuglingen, Beobachten der Sauerstoffzufuhr sowie Blutdruck messen. Am Ende ihres ersten Einsatzes musste sie eine Probezeitprüfung ablegen, die aus einem mündlichen, einem schriftlichen und einem praktischen Teil bestand.

Im Schichtdienst verschiedene Stationen kennenlernen

Was der Pflegeschülerin besonders gut gefällt, ist ihre integrative Ausbildung – d.h. sie erhält in den ersten zwei von insgesamt drei Jahren auch Einblicke in die Erwachsenenpflege. So führte sie ihr zweiter praktischer Einsatz auf eine Kardiologie-Station. Später gab es noch weitere Einsätze in der Unfallchirurgie, Schulkinderstation, Kinderambulanz und der Entbindungsstation.

Gewöhnungsbedürftig an ihrem Ausbildungsberuf ist der Schichtdienst: „Das beschneidet meine Freizeit schon enorm“, gibt die junge Frau zu bedenken, fügt aber gleich hinzu: „Trotzdem kann ich mir keinen schöneren Beruf vorstellen!“ Es macht ihr einfach riesige Freude, etwas Wichtiges zu tun und anderen Menschen zu helfen.

Masterstudium Gesundheitsökonomie

An der Schnittstelle zwischen BWL und Gesundheitswesen

Christian Gross (26) studiert „Gesundheitsökonomie“ (M.Sc.) an der Universität zu Köln und befindet sich derzeit im dritten Fachsemester. An seinem Master-Studiengang schätzt er v.a. die große fachliche Bandbreite.

Christian Gross hat braune Haare, trägt einen Bart und ein weißes Oberteil.

Foto: Lisa Beller

„Nach dem Abitur dachte ich zunächst an ein klassisches BWL-Studium, wie es auch mein Bruder absolviert hat. Doch eigentlich war mir Betriebswirtschaft allein zu unkonkret“, erinnert sich der junge Mann. Bei einem Gespräch mit einer Studienberatung auf einer Karrieremesse erfuhr er dann vom Studiengang „Gesundheitsökonomie“ und war gleich hellauf begeistert. „Während meiner Schulzeit hatte ich bereits Biologie als Leistungskurs belegt. Außerdem interessierte ich mich schon immer für Sport und Gesundheitsthemen. Die Kombination aus Management und Medizin erschien mir daher als die richtige Lösung.“

Im Anschluss an die Karrieremesse bewarb er sich erfolgreich um das Bachelorstudium der Gesundheitsökonomie an der Universität zu Köln. Nach dem Bachelor entschied er sich, weiter zu studieren – und erhielt einen Masterstudienplatz an seiner bisherigen Hochschule. „Bei der Bewerbung um einen Masterplatz spielten die im Bachelorstudium erbrachten Leistungen eine wichtige Rolle“, erklärt der Student. „Neben einer guten Abschlussnote müssen entsprechende ECTS-Punkte in den Fächern Gesundheitsökonomie bzw. Wirtschaftswissenschaften, Medizin sowie aus dem Fachgebiet der Methodischen Gesundheitsökonomie nachgewiesen werden.“

Pendler zwischen zwei Welten

Heute befindet sich Christian Gross im dritten Semester des Masterstudiums und ist eine Art Pendler zwischen den Welten: Dank der Interdisziplinarität des Studiengangs besucht er sowohl gesundheitswissenschaftliche bzw. medizinische Module als auch Lehrveranstaltungen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

„Das Masterstudium beginnt mit einem Basis- und Aufbaubereich, in dem 48 ECTS-Punkte absolviert werden müssen. Danach wird ein Schwerpunktbereich von 30 Leistungspunkten sowie ein Ergänzungsbereich von 18 Punkten studiert.“ Während des Studiums beschäftigt sich Christian Gross z.B. mit Fragestellungen aus der gesundheitsbezogenen Versorgungspolitik, mit Management im Gesundheitswesen und mit Debatten rund um Patient(inn)ensicherheit und Medizinethik.

Kommendes Semester wird er seine Masterarbeit schreiben. Welchen Weg er danach einschlagen wird, weiß Christian Gross noch nicht genau. Er hat mehrere berufliche Optionen: „Beschäftigungsperspektiven finden sich beispielsweise im Management von Krankenhäusern, bei Versicherungen und Pharmaunternehmen, in der Sozialpolitik oder auch in der Entwicklungshilfe.“ Er freut sich schon auf spannende Aufgaben.

Weitere Informationen

Studienwahl.de

In den Texten genannte Einrichtungen und Studiengänge:

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