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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Zu sehen ist ein Qualitätsmanager, der eine Lebensmittelprobe überprüft.
Die Qualitätssicherung ist ein beliebtes Tätigkeitsfeld. Foto: Thomas F. Starke

Ernährung im Fokus: Ökotrophologie studieren

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Rixte Osterloh (25) ist von der fachlichen Bandbreite ihres Studiums angetan: Die junge Frau absolviert den sechssemestrigen Studiengang „Oecotrophologie“ (B.Sc.) an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach und ist momentan im vierten Fachsemester.

Ihr Weg ins Studium war eher ungewöhnlich, denn die junge Frau machte zunächst eine Ausbildung zur Industriemechanikerin und arbeitete drei Jahre lang im Beruf. „Parallel dazu besuchte ich ein Abendgymnasium, um mein Abitur nachzuholen. Ich wollte unbedingt noch studieren. Im Internet habe ich mich über verschiedene naturwissenschaftliche Studiengänge informiert und bin dabei auf Ökotrophologie gestoßen“, berichtet sie.

Naturwissenschaftliche Grundlagenmodule,
viele Praktikumsmöglichkeiten

Die gebürtige Friesin bewarb sich an der Hochschule Niederrhein und wurde zugelassen. In den ersten drei Semestern stehen u.a. Grundlagenmodule in Anatomie, Chemie, Ernährungslehre, Mathematik und Physik auf dem Programm. „Zu Beginn saßen auch Studierende des Studiengangs ‚Catering and Hospitality Services‘ mit in den Vorlesungen, später teilte es sich dann auf“, erklärt sie.

Bis zum dritten Semester muss ein achtwöchiges Vorpraktikum nachgewiesen werden, das Rixte Osterloh in ihrem Heimatort Varel bei der Firma Bahlsen absolvierte. Ein weiteres – diesmal freiwilliges – Praktikum führte sie in die Lehrküche für Ernährungsberatung einer Kurklinik in Usedom sowie in einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Rixte Osterloh hat lange rötliche Haare und trägt ein helles Oberteil.

Rixte Osterloh

Foto: Privat

Seit Beginn des vierten Semesters hat sich die junge Frau auf betriebliche Gesundheitsförderung spezialisiert. „Als Ökotrophologin kann ich später z.B. Arbeitnehmer/-innen beraten und ihnen dabei helfen, am Arbeitsplatz gesund und leistungsfähig zu bleiben“, erläutert sie.

Endgültig festgelegt auf eine berufliche Richtung hat sie sich allerdings noch nicht. Bei der Entscheidung für den richtigen Beruf könnte ihr ein Praxissemester helfen, das sie laut Prüfungsordnung auf Wunsch im sechsten Semester einlegen kann. Die Studienzeit verlängert sich dann automatisch um ein halbes Jahr. „Absolvent(inn)en des Studiengangs haben mir bestätigt, dass ein solches Praxissemester sehr sinnvoll sein und den Berufseinstieg erleichtern kann.“ Wo sie das Praxissemester machen wird und ob sie danach ein Masterstudium anschließen möchte, ist noch offen.

Ein Fach mit zahlreichen Facetten

„Das Studium der Ökotrophologie zeichnet sich durch viele interdisziplinäre Bezüge aus. Das ist auch kein Wunder, wenn man allein auf die Herkunft des Wortes blickt: ‚Ökotrophologie‘ stammt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus ‚oikos‘ (Haus), ‚trophé‘ (Ernährung) und ‚lógos‘ (Lehre) – die ‚Haushalts- und Ernährungswissenschaften‘“, erklärt Anja Staffler, Diplom-Ökotrophologin und Studienberaterin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Angehende Ökotropholog(inn)en müssen sich sowohl mit medizinisch-naturwissenschaftlichen Themen als auch mit betriebs- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Das lässt sich an folgendem Beispiel gut nachvollziehen: Eine gesunde Ernährung hängt nicht nur von naturwissenschaftlich erforschbaren Prozessen ab. Hier spielen auch wirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Faktoren eine Rolle, wie etwa das Lebensmittelangebot, die persönliche Lebenssituation, die vorherrschende Esskultur usw. Studierende der Ökotrophologie verbringen daher viel Zeit im Labor und in der Bibliothek“, führt die Studienberaterin weiter aus.

Anja Staffler hat braune Haare, trägt eine Brille und einen Anzug.

Anja Staffler

Foto: Uni Gießen

Hierzulande gibt es rund ein Dutzend Universitäten sowie Fachhochschulen, an denen die Fachdisziplin studiert werden kann. In den meisten Fällen ist das Studium im gestuften Bachelor-/Mastermodell möglich. Spätere Tätigkeitsfelder ergeben sich u.a. in der Gesundheitsberatung und -förderung, in der Hotellerie und Gastronomie, im Bereich der Qualitätssicherung und des -managements, in der Verbraucherberatung, in der Verfahrens- und Produktentwicklung, im Vertrieb, in der Forschung und Lehre, im Wissenschaftsjournalismus und auch als Lehrer/-in an berufsbildenden Schulen (siehe auch Interview: „“ sowie Masterreportage: „“).

Stabiler Arbeitsmarkt

Die Arbeitsmarktsituation ist solide: „Laut Mikrozensus gab es 2013 rund 6.000 Personen, die als sozialversicherungspflichtig angestellte oder selbständige Ernährungswissenschaftler/-innen bzw. Ökotropholog(inn)en tätig waren. Diese Daten sind hochgerechnet und dementsprechend mit Unsicherheiten behaftet. Zugleich lag die Zahl der 2014 gemeldeten arbeitslosen Ökotropholog(inn)en bei 800 und ist über Jahre hinweg recht konstant geblieben“, erläutert Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Interview

„Hauptarbeitgeber ist die Lebensmittelwirtschaft“

Ob Lebensmitteltechnologie, Qualitätsmanagement oder Marketing – wer Ökotrophologie studiert, dem stehen viele Tätigkeitsfelder offen. Studienwahl.de sprach mit Dr. Monika Düngenheim, Diplom-Ökotrophologin und Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE).

Monika Düngenheim  hat lange schwarze Haare und braune Augen.

Foto: Privat

Studienwahl.de: Frau Düngenheim, in welchen Bereichen sind Ökotropholog(inn)en besonders gefragt?

Monika Düngenheim: Das Studium der Ökotrophologie ist interdisziplinär ausgerichtet. Dementsprechend vielfältig sind auch die Arbeitsbereiche, in denen Absolvent(inn)en tätig werden. Das Qualitätsmanagement liegt seit einigen Jahren auf Platz eins aller Stellenangebote für die Berufsgruppe. Ökotropholog(inn)en können wegen ihrer breiten Ausbildung v.a. an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Verbraucher(inne)n viel bewirken. Hauptarbeitgeber ist die Lebensmittelwirtschaft, insbesondere die Lebensmittelindustrie. Aber auch die Pharmabranche bietet Möglichkeiten. Hier ist die Bezahlung oft am besten (siehe auch Berufsreportage: „“).

Studienwahl.de: Was sollte man vor und während des Studiums beachten, damit der Berufseinstieg gelingt?

Monika Düngenheim: Wer schon zu Beginn des Studiums weiß, in welche berufliche Richtung er/sie später gehen will, sollte sich die Profile der einzelnen Studiengänge genau ansehen, denn die Hochschulen setzen durchaus unterschiedliche Schwerpunkte. Auch während des Studiums lassen sich je nach Neigung bestimmte Module belegen, die für die eine oder andere Berufsrichtung qualifizieren. Wichtig ist zudem, schon während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Passende Nebenjobs und Praktika sind daher sehr zu empfehlen, eine Abschlussarbeit zu einem berufsrelevanten Thema ebenfalls. Im Anschluss an das Studium kann eine Trainee-Stelle oder ein Volontariat beim Berufseinstieg helfen.

Studienwahl.de: Was raten Sie Absolvent(inn)en, die als selbstständige Ernährungsberater/-innen arbeiten wollen?

Monika Düngenheim: Ernährungsberater/-in ist kein geschützter Begriff – d.h. theoretisch darf sich jede/-r so nennen, auch ohne ein entsprechendes Studium. Ich rate dazu, eine von Krankenkassen anerkannte Zusatzqualifikation zu erwerben, etwa das Zertifikat „Ernährungsberater/-in VDOE“. Ein solches Zertifikat ist ein Qualitätssiegel für die fachkundige Ernährungsberatung und -therapie. Krankenkassen verlangen häufig nach einer solchen Zusatzqualifikation. Diese ist meist Voraussetzung für die Bezuschussung von Beratungsleistungen. Wichtig bei einer selbstständigen Tätigkeit sind darüber hinaus Kenntnisse in Wirtschaftswissenschaften, idealerweise auch im Steuerrecht, sowie im Bereich Marketing/Kommunikation. Der VDOE berät seine Mitglieder umfassend in diesen Fragen.

Masterreportage

Ökotrophologie und Sport auf Lehramt

Schüler(inne)n das Einmaleins der Hauswirtschaftslehre beibringen – dieses Berufsziel verfolgt Gülistan Güler (29). Die gebürtige Kurdin will Lehrerin an berufsbildenden Schulen werden. Sie studiert Ökotrophologie und Sport in Osnabrück und befindet sich derzeit im zweiten Fachsemester ihres Masterstudiums.

Gülistan Güler hat lange schwarz-braune Haare und braune Augen.

Gülistan Güler

Foto: Privat

Für Haushalts- und Ernährungswissenschaften interessiere ich mich schon lange. Nach der Realschule habe ich eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert und im Anschluss daran die Fachhochschulreife an der Albrecht-Thaer-Schule Celle erworben und eine Weiterbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin gemacht“, erzählt Gülistan Güler, die ursprünglich aus der Türkei kommt und seit 20 Jahren in Deutschland lebt.

2011 bewarb sie sich um einen Studienplatz im Bachelorstudiengang „Berufliche Bildung“ an der Hochschule Osnabrück. „Das Bachelorstudium war zu diesem Zeitpunkt gerade neu geschaffen worden. Jedes Jahr stehen 25 Studienplätze zur Verfügung.“ Neben den guten Schulnoten konnte Gülistan Güler damals mit ihren praktischen Erfahrungen aus der Berufsausbildung punkten.

Im Wechsel zwischen Hochschule und Universität

„Die Vorlesungen und Seminare in Ökotrophologie fanden an der Hochschule Osnabrück statt, das Fach Sport und die Veranstaltungen in Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Osnabrück“, berichtet die angehende Lehrerin. „In den ersten drei Semestern wurden uns die Module weitgehend vorgegeben. Ab dem vierten Semester konnte ich neben Pflicht- auch Wahlmodule belegen, wie z.B. ‚Bauen und Wohnen‘.“ Außerdem absolvierte sie während des Bachelorstudiums ein fünfwöchiges Schulpraktikum.

Nach dem Bachelorabschluss machte Gülistan Güler direkt mit dem Masterstudium weiter, für das sie sich erneut bewerben musste. „Zwischen dem ersten und zweiten Mastersemester habe ich ein weiteres Schulpraktikum abgeleistet. An einer berufsbildenden Schule habe ich mehrere Doppelstunden im Fach Hauswirtschaft unterrichtet. Es hat viel Spaß gemacht, die Unterrichtsthemen vorzubereiten und vor der Klasse zu stehen. Bis zum Ende des Lehramts muss ich insgesamt 52 Wochen berufspraktische Tätigkeit nachweisen, wobei meine Berufsausbildung angerechnet wird.“

Wenn Gülistan Güler das Masterstudium erfolgreich abgeschlossen hat, wartet das Referendariat auf sie. Gerne würde sie später an ihrer alten Schule in Celle unterrichten: „Es wäre schön, wenn ich dorthin zurückkehren könnte.“

Berufsreportage

Qualitätsmanager in der Pharma-Industrie

Ein Job direkt an der Schweizer Grenze: Dr. Kay Augustin (38) hat Ökotrophologie studiert und arbeitet heute bei der Roche Pharma AG mit Sitz in Grenzach-Wyhlen (Südbaden). Als Qualitätsmanager überprüft er die Arzneimittelproduktion des Weltkonzerns und achtete darauf, dass Gesetze und Vorgaben eingehalten werden.

Kay Augustin hat kurze rötliche Haare und trägt ein grünes Polo-Shirt. Hinter ihm sieht man das Werksgelände der Roche Pharma AG.

Foto: Roche Pharma AG / DSM

„Den Großteil meines Arbeitsalltags verbringe ich mit Projektarbeit am Computer. Momentan beschäftige ich mich damit, geänderte europäische Richtlinien in meiner Abteilung umzusetzen“, berichtet Kay Augustin. „Die Arzneimittel von Roche können nur dann zertifiziert und für den Markt freigegeben werden, wenn sie allen Bestimmungen der Branche standhalten. Hierzu braucht es viele Informationen – etwa zu Lagerung, Transport und der eigentlichen Produktion. Ich trage diese Informationen zusammen und führe Überprüfungen durch. Die Ergebnisse halte ich in digitalen Protokollen fest“, erklärt er weiter.

Neben seinen Auswertungen am Computer nimmt Kay Augustin zudem häufig an Meetings teil – sowohl im Werk vor Ort als auch in der Schweizer Konzernzentrale in Basel, die sich nur wenige Kilometer entfernt von Grenzach-Wyhlen befindet.

Ursprünglich stammt der 38-Jährige aus Schleswig-Holstein und studierte zuerst drei Semester Pharmazie, bevor er sich 2001 für das Studium der Ökotrophologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entschied. „Ich hatte mich zwar schon immer für naturwissenschaftliche Inhalte interessiert, das Pharmazie-Studium war mir jedoch zu einseitig. Im Gegensatz dazu gefiel mir die Ökotrophologie besser, weil hier fächerübergreifende Aspekte – wie z.B. soziale und wirtschaftliche Überlegungen – eine größere Rolle spielen“, schildert Kay Augustin. Während seines Bachelorstudiums spezialisierte er sich auf Ernährungswissenschaften und legte in diesem Vertiefungsbereich auch seinen Master und die Promotion ab.

Zunächst wenig Glück bei der Jobsuche

Bei der Suche nach einer Einstiegsposition machte sich dann allerdings zunächst Ernüchterung breit: „Ich stellte fest, dass viele Arbeitgeber gezielt nach Bachelor- und Masterabsolvent(inn)en suchen und ich mit meinem Doktortitel überqualifiziert war.“ Nach einigen Absagen fand er 2008 eine Anstellung als Qualitätsmanager in der Konzernzentrale von Lidl. Einige Jahre später wechselte er schließlich zu Roche nach Süddeutschland.

Als nächsten Karriereschritt will Kay Augustin eine Weiterbildung zum Auditor in Angriff nehmen. Sein Ziel: Er möchte in ganz Europa Produktionsstätten von Roche unter die Lupe nehmen und prüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben jeweils eingehalten werden und die Mitarbeiter/-innen hierfür entsprechend geschult sind. „Eine solche Tätigkeit wäre mit einer großen Reisebereitschaft verbunden“, weiß er. Aber das ist für Kay Augustin kein Problem, denn schließlich hat er für seinen Beruf bereits ganz Deutschland durchquert.

Weitere Informationen

Studienwahl.de

In den Texten genannte Einrichtungen und Studiengänge:

Weitere Links:

  • abi» dein weg in studium und beruf
    Informationen und Tipps zum Stipendium, zugeschnitten auf Abiturient(inn)en gibt es auch unter:
    www.abi.de
  • BERUFENET
    Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild:
    http://berufenet.arbeitsagentur.de
  • Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL)
    www.bmel.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)
    www.dge.de
  • Verband für Ernährung und Diätetik e.V. (VFED)
    www.vfed.de
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