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Ein Tablet und ein Apfel liegen auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Eine junge Studierende sitzt mit ihren Unterlagen neben einer Photovoltaikanlage.
In vielen der Studiengänge stehen zu Beginn vor allem Mathematik, Physik und Chemie auf dem Lehrplan. Foto: Christof Stache
Nachhaltig studieren: Die Zukunft ist grün
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Vor wenigen Jahren waren es vor allem Naturwissenschaftler/innen und Ingenieure/-innen, die sich im Rahmen eines allgemeinen Physik-, Biologie- oder Chemiestudiums, im Maschinenbau und teilweise auch in der Geographie mit nachhaltigen Prozessen und Rohstoffressourcen beschäftigten. Mittlerweile ist die Zahl der Studiengänge, die spezifisch auf das Thema Umweltschutz zugeschnitten sind, stark angestiegen. Allein 342 Treffer zeigt der FINDER beim Stichwort Umwelt (Stand: Dezember 2011), darunter an die 150 Bachelorstudiengänge, von der klassischen Energie- und Umweltsystemtechnik, die sich mit Solar- und Windenergie, Wasserkraft und Geothermie befasst, über das Entsorgungsingenieurwesen bis hin zum Technischen Umweltschutz, der sich mit Strategien zur Vermeidung von Umweltrisiken auseinandersetzt.

Hinzu kommen knapp 200 Masterstudiengänge, die sich mit Erneuerbarer Energie, Klima- und Wasserwirtschaft oder auch der Erhaltung der Artenvielfalt befassen. Waren bei der Entwicklung neuer Studiengänge die Fachhochschulen Vorreiter, haben die Universitäten mittlerweile nachgezogen.

Grundlagenwissen aus Natur und Technik

Mit Blick auf die Inhalte umweltrelevanter Studiengänge wird klar, dass die meisten weiterhin in den Natur- und Ingenieurwissenschaften angesiedelt sind: Es geht um Themen wie Wasserwesen und Energietechnik, Elektromobilität, Ver- und Entsorgungswirtschaft oder Holzwirtschaft, aber auch um Umwelt- und ressourcengerechtes Bauen, Verkehr und Infrastruktur sowie Bodenschutz und Geotechnik. „Daher reicht es auch nicht aus, ein ausgeprägtes Interesse an ökologischen Themen mitzubringen. Im Grundstudium werden die technisch-naturwissenschaftlichen Voraussetzungen vermittelt, und das bedeutet je nach Studiengang: Chemie, Biologie, Mathematik und Physik“, erklärt Susanne Minnmann, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Oldenburg.

Das bestätigt auch Professor Burkhard Berninger, Leiter des Studiengangs Umwelttechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Amberg: „Umwelttechnik ist ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang. In den ersten beiden Semestern stehen vor allem Mathematik, Physik und Chemie auf dem Lehrplan. Darauf bauen anwendungsorientierte Module wie Thermodynamik und Strömungsmechanik sowie spezifische Themen der Umwelttechnik auf.“ Selbst Wirtschaftsstudiengänge, etwa mit dem Schwerpunkt Umweltmanagement, sind interdisziplinär angelegt und umfassen sowohl natur- und sozialwissenschaftliche als auch ökonomische und technologische Fragestellungen.

Breite Basis oder Spezialisierung?

Studiengänge, die in den Geisteswissenschaften beheimatet sind, sind (noch) die Ausnahme, wie etwa „“ der Universität Lüneburg. Beim Schwerpunkt Wirtschaft und Umweltrecht bietet die Universität Kassel ein spezielles Masterprogramm an, das mit einem Master of Laws abschließt. Eine weitere Nische besetzen Studiengänge, die den Bogen zwischen Nachhaltigkeit und Tourismus schlagen wie „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ (Hochschule Eberswalde) oder  „Alternativer Tourismus“ (FH Kleve).

Der Trend ist klar: Die Differenzierung, allen voran in den Ingenieur- und MINT-Studiengängen, nimmt zu. Doch wer sich gleich im Bachelorstudiengang spezialisiert, sollte sich wirklich zu 100 Prozent sicher sein, dass das gewählte Fachgebiet das richtige ist: „Möchte man später die Branche wechseln, ist man mit einem allgemeinen Studiengang in Maschinenbau, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen sicher flexibler“, gibt Beraterin Minnmann zu bedenken.

Arbeitsmarktchancen

Aufbruchstimmung im grünen Bereich

Ein junger Mann im grünen Wald begutachtet das Blatt eines Baumes.

Foto: Ralph Hoelzer

Umwelttechnik schafft Arbeitsplätze, gefragt sind in  erster Linie Ingenieurinnen und Ingenieure. In anderen Disziplinen ist eine „grüne“ Qualifikation ein Plus.

Zwar lassen sich konkrete Arbeitsmarktdaten schwer erheben, weil die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz nicht auf bestimmte Berufe oder Branchen begrenzt sind – schließlich trägt ein Citymanager, der umweltfreundliche Konzepte für den Tourismus entwickelt, ebenso zum Klimaschutz bei wie eine Elektroingenieurin, die Photovoltaik-Großanlagen plant.

Aber eines scheint klar: Generell sind Ingenieure/-innen die Gewinner am Umwelt-Arbeitsmarkt, erklärt Judith Wüllerich von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Das zeigt auch ein Blick auf die Umwelt-Exportstatistik der Bundesregierung: An erster Stelle steht der Maschinenbau vor der Mess-, Steuer- und Regel- sowie der Elektrotechnik. Technologien und Produkte zur Abwasser- und Abfallbehandlung, zur Luftreinhaltung und zur sauberen Energieerzeugung sind besonders gefragt. „Gute Jobchancen haben daher Absolventen, die das Thema Nachhaltigkeit mit einem Ingenieurstudium, einem Studium der Chemie, der Physik oder weiteren naturwissenschaftlichen Fachrichtungen kombinieren“, so die Arbeitsmarktexpertin.

Äußerst dynamisch: Solar-, Bio- und Windenergie

Laut Wissenschaftsladen Bonn hat sich die Zahl der Stellenangebote für den Bereich Erneuerbare Energien von 528 im Jahr 2006 auf 2.289 in 2010 vervierfacht, besonders in den Segmenten Solar-, Bio- und Windenergie. Gesucht werden vor allem Fachkräfte in Forschung und Entwicklung, Service und Montage, in Planung, Beratung und Verwaltung. „Gerade im Bereich Erneuerbare Energien stellen selbst Handwerksbetriebe zunehmend Ingenieure ein“, so ein Fazit von Theo Bühler, Geschäftsführer des Wissenschaftsladens, der als Wissensvermittler zwischen Wissenschaftlern/-innen und Bürgern/-innen fungiert. Zwar gebe es sicherlich Schwankungen, die mit Blick auf den Atomausstieg oder Subventionen für Biogasanlagen nicht zuletzt politisch bedingt sind, aber über die Jahre gesehen haben Solar-, Bio- und Windenergie für eine Beschäftigungsdynamik gesorgt. „Da viele Anlagen exportiert werden, ist die Branche internationaler geworden, vor allem im Bereich Windenergie. Die technische Entwicklung ist sehr dynamisch, so dass Absolventen, die eine Spezialisierung aus dem Studium mitbringen, sicherlich einen Vorsprung haben, immer vorausgesetzt, sie wollen in der Branche bleiben.“

Und welche Abschlüsse sind gefragt?

Generell können Bachelorabsolventen/-innen der Ingenieurwissenschaften laut einer Firmenbefragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zu Projekt-, Bereichs-, Abteilungs- oder Fachgebietsleiterinnen und -leitern aufsteigen. Wenn es jedoch beispielsweise um Forschung geht, wird häufig schon beim Einstieg mindestens ein Master verlangt. Das gilt vor allem auch in den rein naturwissenschaftlichen Fächern: „In der Forschung und Entwicklung sowie im wissenschaftlichen Bereich ist nach wie vor eine Promotion üblich“, erklärt Dr. Kerstin Elbing, Geschäftsführerin des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO).

Auf einem Whiteboard steht "Nachhaltigkeit", darunter folgen die Begriffe "Ökonomie, Ökologie, Soziales".

Foto: Sonja Brüggemann

In der Tourismusbranche kommt es hingegen auf die Erstausbildung an, das Thema Nachhaltigkeit ist hier ein Plus, mit dem Absolventen/-innen beim Arbeitgeber werben müssen: „Es ist in der Tat so, dass in den Stellenanzeigen nicht explizit steht ‚Suche nachhaltigen Touristiker‘. Unsere Absolventen merken aber oft bei den Bewerbungsgesprächen, dass ihre Ausbildung ein Zusatzpunkt ist“, erklärt Dörte Beyer, zuständig für den Masterstudiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Absolventen/-innen mit einer klassischen Tourismusausbildung im Erststudium finden tendenziell Beschäftigung bei Reiseveranstaltern, während Geographen/-innen oder Landschaftsökologen/-innen eher in der Tourismusberatung und -planung unterkommen.

Kurzporträt

Nachhaltigkeitshumanwissenschaften (Minor)

Studienort: Leuphana Universität Lüneburg

Zugangsvoraussetzungen: Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife; weitere Infos unter www.leuphana.de/college/service/erstauskunft.html

Abschluss: Bachelor of Science (Zwei-Fach-Bachelor)

Worum geht’s? Das Fach führt umfassend in das Thema der nachhaltigen Entwicklung ein und integriert soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Perspektiven. Dabei erwerben die Studierenden auch überfachliches Wissen: Methodenkompetenz, Denken in komplexen Zusammenhängen sowie die Fähigkeit zum Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Forschungs- und Praxisfelder.

Wer studiert das? Beispielsweise Lukas Borowski (24), in Kombination mit VWL im Hauptfach: „Wenn man zum Beispiel Szenarien in der Entwicklungspolitik plant, reicht der Zukunftsblick ökonomischer Modelle oft nur fünf Jahre. Nachhaltigkeitshumanwissenschaften stellt Tools zur Verfügung, die weitaus längere Prognosen zulassen.“ Das Interessante für ihn ist, dass er neben Ökonomen auch mit Kulturwissenschaftlern, Wirtschaftspsychologen oder Politikwissenschaftlern zusammenarbeitet. „Neben dem fachlichen Perspektivenwechsel lernt man, Sachverhalte der eigenen Disziplin so darzustellen, dass sie auch für andere verständlich werden.“

Das Besondere: Bachelorstudierende können am Leuphana College Hauptfächer (Major) fakultätsübergreifend mit Nebenfächern (Minor) kombinieren, um Schlüsselqualifikationen zu erwerben und interdisziplinäres Denken zu üben. Nachhaltigkeitshumanwissenschaften ist ein solches interdisziplinäres Nebenfach und kann im Rahmen eines andersnamigen Bachelorstudiengangs studiert werden.

Kurzporträt

Nachhaltiges Tourismusmanagement

Studienort: Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde

Zugangsvoraussetzungen: Bachelor in einem umweltbezogenen oder planerisch ausgerichteten Fach sowie gute Englischkenntnisse (TOEFL-Test)

Abschluss: Master of Arts

Worum geht’s? Der Studiengang verknüpft wirtschaftswissenschaftliche mit ökologischen und sozialwissenschaftlichen Inhalten und ist zwischen den Fachbereichen Landschaftsnutzung, Naturschutz und Wirtschaft angesiedelt.

Wer studiert das? Beispielsweise Alexandra Helbig (31), im Anschluss an ihr Erststudium der Geografie, in dem sie sich bereits für Umweltschutz interessiert hatte: „Mit Geografie kann man sehr viele Richtungen einschlagen, daher ist es umso wichtiger, sich ein spezifisches berufliches Profil zuzulegen.“ Im ersten Semester besucht sie nun mit etwa 40 anderen Teilnehmern Seminare in „Nachhaltiges Destinationsmanagement“ und „Ökotourismus und Schutzgebietsmanagement“.

Das Besondere: Die HNE ist bundesweit die einzige Hochschule, die sich auf Fächer mit Bezug zum ländlichen Raum spezialisiert hat und diese zusammenführt – etwa Forstwirtschaft, Landschaftsnutzung und Naturschutz, Ökolandbau, Holztechnik, Regionalmanagement oder Tourismus.

Kurzporträt

Umwelttechnik

Studienort: Fachhochschule Amberg

Zugangsvoraussetzungen: Allgemeine bzw. fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife.

Abschluss: Bachelor of Engineering

Worum geht’s: Um die Entwicklung und den Einsatz technischer Anlagen zum vorbeugenden oder nachsorgenden Schutz der natürlichen Umwelt. Im Studium bauen auf naturwissenschaftliches und ingenieurtechnisches Grundlagenwissen spezifische Module wie Umweltchemie, Wasser- und Abwasseraufbereitung, Luftreinhaltung, Abfallwirtschaft und Produktionsintegrierter Umweltschutz auf.

Eine junge Frau mit blonden Locken (Porträtfoto).

Lisa Weber

Foto: Privat

Wer studiert das: Beispielsweise Lisa Weber (24): „Ich hatte im Abitur Bio-Leistungskurs und habe generell ein ausgeprägtes Interesse an Naturwissenschaften. Außerdem wollte ich etwas studieren, das in jedem Fall gute Zukunftschancen hat.“ Mittlerweile ist sie im siebten Semester und schreibt ihre Bachelorarbeit für ein Unternehmen, das auf Biogasanlagen spezialisiert ist. Danach möchte sie erst einmal in den Job einsteigen, aber: „Ich kann mir gut vorstellen, später noch einen Master zu absolvieren, etwa im Bereich Umweltrecht. Das finde ich spannend.“

Das Besondere: An der FH Amberg wird parallel der Studiengang Erneuerbare Energien (EE) angeboten, bis zum vierten Semester besuchen Studierende beider Fächer die meisten Module gemeinsam.

Kurzporträt

Air Quality Control, Solid Waste and Waste Water Process Engineering – kurz WASTE

Studienort: Universität Stuttgart

Zulassungsvoraussetzungen: Guter Bachelorabschluss in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach sowie gute Englischkenntnisse (TOEFL-Test), weitere Infos unter www.waste.uni-stuttgart.de/index.php?doc=/home.html

Abschluss: Master of Science

Worum geht’s: Um die Reduzierung von Abgasen, Abwasser, Abfall und Lärm, um Verfahrens- und Prozessumstellungen zur Verringerung des Rohstoffverbrauchs, den Aufbau gemeinsamer Umweltstandards sowie um die Förderung der Kreislaufwirtschaft.

Wer studiert das: Beispielsweise Daniel Wehner (25), im Anschluss an seinen Bachelor in Verfahrenstechnik. Er ist derzeit im dritten Semester und hat sich für die beiden Schwerpunkte Abwasser und Abfall entschieden. Im vergangenen Semester erstellte er zum Beispiel eine Projektarbeit über Emissionsminderung in der Papierherstellung, im aktuellen Semester hört er Vorlesungen über Nachhaltige Produktionsprozesse und ganzheitliche Bilanzierung: „Auf diese Weise hat man sehr viele Möglichkeiten, sich ein individuelles Profil zuzulegen.“

Das Besondere: Der internationale Studiengang zieht Studierende aus aller Welt an, wird größtenteils in Englisch unterrichtet und bietet die Möglichkeit, sich dreifach zu spezialisieren: als Experte für Abfall, Abwasser und Luftreinhaltung.

Weitere Informationen

KURSNET
Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier können Sie auch nach Studiengängen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

FINDER
studienwahl.de verfügt über eine eigene Studiengangssuchmaschine, den FINDER, mit dessen Hilfe Sie auch nach nachhaltigen Studiengängen (Stichwort Umwelt) recherchieren können.
www.studienwahl.de/de/studieren/finder.htm

Hochschulkompass
Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz über alle deutschen Hochschulen, deren Studienangebot und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

BERUFENET
Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

Jobbörsen

www.energiejobs.de

www.greenjobs.de

www.NachhaltigeJobs.de

 

Infoportale

Bundesumweltamt
www.umweltbundesamt.de/klimaschutz

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
www.bmu.de

Agentur für Erneuerbare Energien
www.unendlich-viel-energie.de

VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt
www.vdi.de/41832.0.html

Wissenschaftsladen Bonn
www.wilabonn.de

TasteEE
Mit TasteEE können Sie in kleinen, praxisnahen Aufgaben ausprobieren, ob Ihre Interessen und Fähigkeiten zu den Anforderungen passen, die an Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Techniker im Bereich erneuerbare Energien gestellt werden. TasteEE wird vom Wissenschaftsladen Bonn im Rahmen des Projekts „Allianz für Zukunftsberufe – Berufsorientierungsnetzwerk für erneuerbare Energien“ angeboten und betrieben.
www.taste-ee.de

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