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Studienmöglichkeiten rund um Tiere
Eine junge Frau mit Notizblock im Stall. Hinter ihr sieht man mehrere Kühe, die Heu fressen.
Foto: Axel Jusseit

Von Agrarwirtschaft bis Zoologie: Im Beruf mit Tieren zu tun zu haben, davon träumen viele Schülerinnen und Schüler. Damit sich aus dieser vagen Idee jedoch ein konkreter beruflicher Werdegang mit Perspektive entwickeln kann, ist es wichtig, die unterschiedlichen Möglichkeiten zu kennen. Tiere sind Gegenstand vieler Berufe in unterschiedlichsten Branchen: Mal sind sie Forschungsobjekt, mal steht der Umgang mit ihnen im Vordergrund, mal spielen sie eher am Rande eine Rolle. Ein Überblick.

„Wer etwas mit Tieren machen möchte, sollte sich genau überlegen, in welche Richtung es gehen soll“, weiß Astrid Schipper vom Team akademische Berufe der Arbeitsagentur Berlin Nord. Das Feld der Möglichkeiten ist groß, doch – vor allem beim bekanntesten Berufsbild Tiermediziner/in – herrschen bei vielen Interessierten unzutreffende Vorstellungen von den Berufsinhalten vor: „Viele verherrlichen den Beruf und denken dabei nur an den Heiler in eigener Kleintier-, Pferde- oder Nutztierpraxis“, bestätigt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.. Ihr Tipp: „Praktika im Vorfeld sind sehr sinnvoll, um sich ein realistisches Bild von der Arbeit in der Praxis machen zu können.“ Die Tiermedizin ist zudem so beliebt, dass es schwer ist, einen Studienplatz zu bekommen. Wer den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang antreten möchte, muss sich zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) bewerben. Und wer im Abitur nicht eine Traumnote (1,6 oder besser - je nach Bundesland) erreicht hat, muss mit einer langen Wartezeit (zzt. 6 Jahre - Tendenz steigend) rechnen.

Grundsätzlich rät Astrid Schipper allen jungen Menschen, die einen Beruf mit Tieren anstreben, sich gut zu informieren und zu prüfen, ob die nötigen persönlichen Voraussetzungen vorhanden sind: „Man sollte mit den Umständen und Belastungen zurechtkommen, die Tierarbeit in der Regel mit sich bringt“, weiß die Berufsberaterin. „Konkret bedeutet das: Körperlich fit sein, Arbeit im Freien mögen und kein Problem mit ‚schmutziger Arbeit’ haben. Wichtig sind auch Einfühlungsvermögen und gute Kommunikationsfähigkeiten, da zum Teil auch der Kontakt zu den Tierhaltern eine Rolle spielt. All diese Eigenschaften sollten einhergehen mit der Fähigkeit zu angewandtem naturwissenschaftlichem Denken.“

Agrarstudiengänge oder Pferdewirtschaft

Als überaus breiten Einsatzbereich nennt Astrid Schipper die Landwirtschaft. Zugangswege können Studiengänge wie Agrarbiologie, Agrarwirtschaft und Agrarwissenschaften sein. „Hier ist es natürlich auch möglich, sich durch Praxiserfahrung und Arbeitsplatzsuche gezielt in Richtung Tiere zu orientieren.“ Agraringenieurinnen und -ingenieure etwa können auch bei Tierzuchtverbänden arbeiten oder in der Futtermittelproduktion tätig werden. Andere, spezialisierte Studiengänge wiederum konzentrieren sich ganz auf die Gattung Pferd, so der Master in Pferdewissenschaft an der Universität Göttingen und der Bachelor in Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen (siehe unten). Pferdewirtschafter/innen können beruflich in den Bereichen Zucht, Haltung, Ernährung, Pferdesport und Marketing arbeiten. Arbeitgeber sind beispielsweise Zuchtbetriebe, Pferdesportverbände, Rennvereine oder Reitschulen.

Doch auch ein klassisches Biologiestudium ermöglicht eine Spezialisierung auf Themen rund um Tiere, etwa mit den Studienschwerpunkten Zoologie, Meeresbiologie oder Verhaltensforschung. Absolventinnen und Absolventen können etwa in der wissenschaftlichen Forschung arbeiten, aber auch das Verhalten, die Entwicklung und die Fortpflanzung von Tieren in zoologischen Gärten und Naturparks untersuchen. Weitere berufliche Möglichkeiten bieten etwa Tier- und Naturschutzverbände. Für alle, die nicht direkt mit lebenden Tieren zu tun haben wollen, kommt vielleicht ein Studium der Lebensmittelchemie infrage. Lebensmittelchemiker/innen können unter anderem in der Lebensmittelüberwachung arbeiten, wo auch Tierärztinnen und Tierärzte oder Biologinnen und Biologen zum wissenschaftlichen Personal zählen.

Auf die Frage, ob es mit Blick auf Berufseinstieg und Karriereplanung sinnvoll ist, einen der neu entstandenen speziellen ‚Tierstudiengänge‘ zu absolvieren, zum Beispiel nach einem Bachelor in Agrarwissenschaften einen spezialisierten Master wie ‚Animal Biology and Biomedical Sciences’ in Hannover anzuschließen, gibt Astrid Schipper zu bedenken: „Es braucht immer eine gewisse Zeit, bis sich Neues am Markt durchsetzt. Zu den Chancen, die sich durch neu geschaffene Tierstudiengänge ergeben, lassen sich zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.“

Ausbildung als Alternative

Neben dem Studium gibt es auch einige Berufsausbildungen rund um Tiere, die sich als Alternative anbieten, etwa wenn eine Wartezeit bis zum Tiermedizinstudium überbrückt werden muss. Hier bietet sich vor allem die Ausbildung zum/zur tiermedizinischen Fachangestellten an, deren Inhalte durchaus auch als Grundlagenwissen für ein späteres Studium dienen können. „Allerdings ist die Stellensituation auch in diesem Beruf schwierig, zumindest in Berlin“, gibt Astrid Schipper zu bedenken.

 

Interview:

„Die Vorstellungen hinterfragen“

Ein Klassiker unter den Studiengängen ist die Tiermedizin. Doch was steckt hinter dem Beruf Tierarzt/Tierärztin und welche Einsatzgebiete gibt es für Absolventen? Astrid Schipper vom Team akademische Berufe der Arbeitsagentur Berlin Nord informiert.

Viele Abiturientinnen und Abiturienten, die studieren und beruflich etwas mit Tieren machen möchten, denken an den Klassiker Veterinärmedizin. Der Run auf das Studienfach ist groß. Was raten Sie Interessierten?

Porträtfoto der Berufsberaterin. Foto: PrivatAstrid Schipper: Zunächst sollte man prüfen, ob die eigenen Vorstellungen überhaupt zur Realität dieses Berufes passen, die häufig verklärt wird. Tiermedizin ist ganz ausdrücklich kein Kuschel-Studiengang, bei dem es allein um den Umgang mit Kleintieren geht, sondern führt auch in das Gebiet der Großtierpraxis. Im Alltag kann das mit harter körperlicher Arbeit, ungewöhnlichen Arbeitszeiten und psychischen Belastungen verbunden sein.

Was verstehen Sie in diesem Fall unter Belastungen?

Astrid Schipper: Es geht hier keineswegs immer nur um das Heilen von Tieren. Beispielsweise können Tierärztinnen und Tierärzte, die in ländlichen Gegenden arbeiten, mit der Situation konfrontiert werden, dass sie bei einer nicht erfolgreichen Kalbsgeburt ein totes Kalb aus dem wertvollen ‚Wirtschaftsgut’ Kuh herausschneiden müssen.

Führt ein Studium der Tiermedizin immer in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik?

Astrid Schipper: Nein, es gibt noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten. Veterinärmediziner/innen übernehmen zum Beispiel in der Fleisch- und Lebensmittelhygiene die Tierbeschau im Hinblick auf Schädlingsbefall. Weitere Beispiele sind die pharmazeutische Industrie oder der Bereich Tierschutz. Wichtig ist es also, frühzeitig zu schauen, was davon überhaupt zu den eigenen Interessen passt.

 

Diagnose bei Pferd, Rind & Co.

Auf Umwegen zum Ziel: Für ihren Wunschstudienplatz Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover musste Sonja Nevoigt (25) einige Hürden nehmen. Es ist ihr gelungen und sie studiert heute im fünften Semester.

Als Schülerin machte Sonja Nevoigt ein Praktikum beim Tierarzt – und ihr Berufswunsch stand fest. Damit hatte sie sich ein hohes Ziel gesteckt, denn Tiermedizin zählt zu den beliebtesten Studiengängen und wird bundesweit nur an fünf Hochschulen angeboten: Berlin, Hannover, München, Gießen und Leipzig. „Damals schlug ich mir das schnell wieder aus den Kopf, denn ich hatte nur die Mittlere Reife“, erinnert sie sich. Stattdessen machte sie zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Ihren Traumberuf aber konnte sie nicht vergessen. Deswegen holte Sonja Nevoigt nach Abschluss ihrer Ausbildung auf dem Weg über die Fachoberschule und anschließend die Berufsoberschule in zwei Jahren das Abitur nach. „Weil ich es nun unbedingt noch schaffen wollte, konnte ich meine Leistungen deutlich verbessern.“ Im Jahr 2008 schloss sie die Berufsoberschule ab und erreichte die allgemeine Hochschulreife mit Note 1,5.

Zwar reichte es auch mit dieser Note nicht für eine direkte Zulassung zu ihrem Wunschstudienplatz an der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die Abiturbestenquote bei hochschulstart.de: Nötig war zum damaligen Zeitpunkt ein Notendurchschnitt von 1,4. In der zweiten Runde aber hatte sie Erfolg und wurde von der Hochschule zum internen Auswahlverfahren eingeladen. Den schriftlichen Motivationstest, in dem Persönlichkeitsmerkmale, Interessen und Neigungen abgefragt werden, bestand sie mit gutem Ergebnis. Auch ihre Ausbildung im Gesundheitswesen wurde bei der Auswahl von der Hochschule berücksichtigt. Schließlich hatte sie die Zusage in der Tasche.

Vom Vorphysikum bis zur Fachärztin

Auch das Studium hatte es in sich: „In den ersten Semestern ging es vor allem um Grundlagen wie Physik, Chemie und Zoologie“, berichtet Sonja Nevoigt. „Dieses Wissen wurde dann im Vorphysikum abgeprüft.“ Praxisbezogener sei das darauf folgende Physikum gewesen: Auf dem Plan standen nun Fächer wie Anatomie, Embryologie, Histologie und Tierzucht. In den vorlesungsbegleitenden, klinischen Einführungskursen (Propädeutik-Kurse) durfte die Studierende auch schon lebende Tiere untersuchen. Im Anatomiekurs musste sie allerdings auch Tierkadaver sezieren. Ein Problem hatte sie damit nicht. „Manchen war dabei schon mulmig zumute, aber man wächst in diese Aufgaben hinein.“

Eine junge Frau hält ein Ferkel in den Händen. Foto: PrivatInzwischen steht Sonja Nevoigt kurz vor dem sechsten Semester und damit mitten im klinischen Teil des Studiums. Dort stehen neben den Vorlesungen vor allem Gruppenveranstaltungen in der Pferde-, Kleintier-, Geflügel- oder Klauentierklinik auf dem Stundenplan. „Nun werden wir an selbstständige Untersuchungen herangeführt.“ Das gilt auch für die Arbeit im Labor. Im Rahmen der Diagnostik nimmt sie zum Beispiel Blutzellen, Bakterien und Viren unter die Lupe. Diese Kenntnisse wird sie im ‚Praktischen Jahr‘ (PJ) brauchen, das im neunten und zehnten Semester ansteht. „Dabei müssen wir verschiedene Praktika absolvieren, etwa in Tierarztpraxen und -kliniken.“ Das Ziel besteht nicht nur darin, Differenzialdiagnosen zu erstellen und schriftliche Krankenberichte zu verfassen, es geht auch ums Zwischenmenschliche: Im PJ kommen die Studierenden auch direkt mit den Tierbesitzern ins Gespräch.

Zuletzt gilt es, das Staatsexamen zu bestehen. „Dann bin ich Tierärztin“, freut sich Sonja Nevoigt. Nach einigen Jahren Berufserfahrung möchte sie dann die Facharztausbildung absolvieren. „Dabei spezialisiert man sich auf ein bestimmtes Gebiet, etwa Großvieh oder Kleintiere, Öffentliches Veterinärwesen oder Milchhygiene“, erklärt die Studierende. Ihre Richtung steht schon fest: „Ich möchte auf jeden Fall noch promovieren und später gerne selber über Land zu den Schweine- und Rinderbetrieben fahren.“

 

Zwischen Reithalle, Stall und Seminar

Als Student der Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen macht Joschka Werdermann (21) seine Leidenschaft zum Beruf.

Er sitzt ganz fest im Sattel: Schon als Jugendlicher hat Joschka Werdermann zahlreiche Reitabzeichen und Medaillen gesammelt. Gleich nach dem Abitur arbeitete er ein Jahr lang in verschiedenen Westerntrainingsställen und unterstützte Trainer bei ihrer Arbeit. „Ich war unter anderem für das Training von Turnierpferden, das Anreiten und Ausbilden von jungen Pferden und die Erziehung von Fohlen zuständig“, rekapituliert er. „Für mich war schnell klar, dass Pferde auch in meinem weiteren beruflichen Leben eine große Rolle spielen werden“, sagt der passionierte Reiter. Da passte es gut, dass in Nürtingen gerade der neue Bachelorstudiengang Pferdewirtschaft eingeführt wurde.

Weil die Zahl der Bewerber größer ist als die der freien Plätze, sind außerschulische Leistungen und Qualifikationen im Pferdesektor, eine fachnahe Berufsausbildung oder absolvierte Praktika im pferde- oder agrarwirtschaftlichen Bereich wichtiges Kriterium im hochschulinternen Auswahlverfahren. Ein mindestens dreimonatiges Vorpraktikum ist außerdem Voraussetzung für die Zulassung. Da zahlte sich die Praxiserfahrung von Joschka Werdermann aus.

Ohne Theorie geht’s nicht

Im Grundstudium geht es nun erst einmal um Grundlagen in Tierhaltung und -ernährung, aber auch in Biologie, Mathematik, Physik und Wirtschaft. „Zudem werden viele allgemeine Aspekte aus der Agrarwirtschaft behandelt“, berichtet der Studierende. Zu seinen Pflichtmodulen gehören auch die Ausbildung von Reitern und von Pferden, Pferdezucht und Pferdehaltung. Joschka Werdermann gefällt die Vielfalt des Angebots. „Man merkt, dass es den Dozenten am Herzen liegt, ein breit gefächertes Studium zu ermöglichen“, sagt er. Im vierten Semester stehen Praktika auf dem Programm. Danach können sich die Studierenden auf Fachgebiete wie Pferdewirtschaft oder Tierhaltung und -Fütterung spezialisieren. Bis dahin hat Joschka Werdermann noch Zeit, er studiert jetzt im zweiten von sieben Semestern.

Der junge Mann zeigt stolz sein Pferd. Ein zweites frisst ihm aus der Hand. Foto: PrivatMöglichkeiten nach dem Abschluss gibt es laut der HfWU mehrere: Bachelorabsolventen sind nicht nur in klassischen Bereichen wie in Gestüten oder Reitschulen einsetzbar, sondern auch in Touristik- und Veranstaltungsagenturen, in der Ausrüstungs- und Zubehörindustrie, in der Turnierorganisation sowie im gesamten landwirtschaftlichen Bereich. Konkrete Zukunftsvorstellungen hat Joschka Werdermann noch nicht, auch wenn ihm die Ausbildung von Pferden großen Spaß macht. „Das Studium sehe ich als Möglichkeit, in einem breiteren Spektrum an Betätigungsfeldern fündig zu werden“, meint er. Ein persönlicher Schwerpunkt soll aber auf jeden Fall die „Ausbildung von Westernpferden mit ihren besonderen Disziplinen wie Reined Cowhorse bleiben“. Die kann Joschka Werdermann momentan täglich mit seiner Criollo-Stute ‚Maxima de la Vieja‘ üben. Sie ist nämlich im hochschuleigenen Stall untergebracht und ‚studiert‘ mit ihm.

 

Tiere in Zucht und Produktion

Eine Wissenschaft für sich: Andre Schmitt (24) studiert Nutztierwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und lernt dabei viel über Tierhaltung, Tierernährung und Tierzucht.

Nach seinem Bachelorstudium der Agrarwissenschaften wollte Andre Schmitt sein Wissen vertiefen. „Da haben mich die Nutztierwissenschaften mit ihren interessanten Fächerkombinationen gleich angesprochen.“ Zugangsvoraussetzung für das Masterstudium war ein Bachelorabschluss mit der Mindestnote ‚gut‘. „Möglichst in den Agrarwissenschaften“, meint der Studienfachberater Professor Dr. Steffen Hoy. Möglich sei beispielsweise aber auch ein Abschluss in Ernährungswissenschaften oder Biologie. „Wir hatten auch schon Bewerber, die zuvor Bioinformatik studiert haben“, sagt Prof. Hoy. „Es ist immer eine Einzelfallentscheidung und in der Regel empfehlen wir den Studienanfängern, die nicht Agrarwissenschaften studiert haben, noch zwei bis drei Module aus dem Bachelorstudiengang zu belegen.“ Grundkenntnisse in Tierzucht, Tierhaltung und Tierernährung werden im Masterstudiengang nämlich vorausgesetzt.

Der Studierende Andre Schmitt profitierte zusätzlich von seiner Bachelorarbeit: „Dafür habe ich im Schafstall der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof in Gießen Erkenntnisse gesammelt und ausgewertet. Es ging primär um den Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht von Mutterschafen und der Gewichtsentwicklung ihrer Lämmer.“

Schwerpunkt Tierzucht

Porträtfoto. Foto: PrivatIm Masterstudiengang Nutztierwissenschaften geht es um die Grundlagen und Zusammenhänge bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Auf dem Lehrplan stehen beispielsweise Module wie Agrartechnologie, Molekulare Tierzucht und Biotechnologie, Tierernährung und Züchtung. Andre Schmitt hat sich durch die Wahl entsprechender Profil-Module auf den Schwerpunkt ‚Tierzucht‘ spezialisiert.

Vor allem die Praxisnähe des Studiengangs gefällt dem Studenten. „Unsere Dozenten achten sehr darauf, aktuelle Entwicklungen aus der Landwirtschaft in die Lehre mit einzubeziehen.“ Besondere Highlights seien die Exkursionen, an denen die Studierenden teilnehmen können. Zum Beispiel gehe es immer wieder zu Fachmessen wie der „Eurotier“ oder der „Agritechnica“ in Hannover. Das erworbene Know-how konnte der Student auch bereits auf produktive Weise einbringen: Seine Professoren ermöglichten es ihm, an einer Veröffentlichung in der wissenschaftlichen Zeitschrift ‚Züchtungskunde‘ mitzuwirken, die als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis dient.

Pläne für die Zeit nach seinem Masterabschluss hat Andre Schmitt auch schon. „Ich würde gerne bei einer Zuchtorganisation arbeiten.“ Aber ihm stehen auch andere Möglichkeiten offen: „Die Absolventen sind sehr breit aufgestellt und können beispielsweise in landwirtschaftlichen Betrieben, als Geschäftsführer von Agrarunternehmen, in der landtechnischen oder Futtermittelindustrie arbeiten“, weiß Prof. Steffen Hoy.

 

Studieren in den Niederlanden

Wer einen akademischen Beruf mit Tieren ergreifen möchte, kann durchaus auch einen Blick über die Bundesgrenzen werfen: In den Niederlanden wird eine Vielzahl von Tierstudiengängen angeboten, die es in Deutschland in dieser Form (noch) nicht gibt.

Auf Bachelor-Niveau gibt es beispielsweise den Studiengang ‚Animal Husbandry‘ (Tier- und Viehhaltung), der an verschiedenen Hochschulen angeboten wird, etwa der Inholland University of Applied Sciences, der Hogeschool HAS Den Bosch, der CAH Dronten (Hochschule für Pferdemanagement, Agrar- und Ernährungswissenschaft) und an der Hogeschool Van Hall Larenstein. An der CAH Dronten etwa werden zudem Bachelorstudiengänge wie ‚Agrarbusiness & Management‘, Pferdemanagement, Nutztierhaltung oder ‚Tier & Gesundheit‘ angeboten. Und an der Hogeschool Van Hall Larenstein beispielsweise ist es möglich, im Bachelorstudiengang Tiermanagement vielfältige Schwerpunkte zu setzen, etwa Nutztierwissenschaften, ‚Tiergestützte Therapie‘, ‚Pferd und Management‘ oder ‚Wildlife Management‘.

Eine lächelnde junge Frau mit einer Riesenschlange um die Schultern.Für letztere Variante hat sich Teresia Robitschko entschieden. Die 22-Jährige aus Süddeutschland studiert Tiermanagement mit Schwerpunkt ‚Wildlife Management‘ im fünften Semester. „Ich fand es schwierig, ein passendes Studium zu finden. Bei einem Berufsberatungstermin habe ich dann von dieser Möglichkeit erfahren.“ Von dem Angebot war sie gleich begeistert. „Ich wollte unbedingt etwas im Bereich Biologie, Naturschutz, Ökologie, aber auch Management studieren. Das passte also perfekt.“

Bevor sie mit ihrem Studium an der Hogeschool Van Hall Larenstein in Leeuwarden beginnen konnte, musste Teresia Robitschko sich über die Onlineplattform studielink.nl (www.studielink.nl) anmelden. Über dieses Portal melden sich alle Bewerber, die an einer niederländischen Hochschule studieren wollen, zentral an. Zulassungsvoraussetzung für ihren Studiengang ist neben Abitur oder Fachhochschulreife der Nachweis, dass die Fächer Mathematik, Biologie und Englisch bis zum Schulabschluss belegt worden sind. „Wer die Zulassungsbedingungen des betreffenden Ausbildungszweigs nicht erfüllt, kann aber ein Gespräch mit der Zulassungskommission beantragen. Defizite in Bereichen wie Biologie können dann in der Regel noch aufgearbeitet werden“, sagt die Studierende.

Seminare auf Niederländisch

Vor Antritt ihres Studiums musste Teresia Robitschko einen einmonatigen Sprachkurs in Niederländisch absolvieren. Das ist ebenfalls eine der Zulassungsvoraussetzungen, „denn die ersten drei Semester finden größtenteils auf Niederländisch statt. Danach wird in ‚Wildlife Management’ auf Englisch unterrichtet.“ Mit Niederländisch kommt die Studentin inzwischen gut zurecht, zumal die Sprache dem Deutschen ähnelt. „Der Kurs hat uns gut vorbereitet und nach einiger Eingewöhnung ist das Studium kein Problem mehr.“

Um ihr Studium und ihre Lebenshaltung finanzieren zu können, hat Teresia Robitschko in Deutschland Auslands-BAföG beantragt. Das geschieht in diesem Fall zentral über das für die Niederlande zuständige Amt für Ausbildungsförderung in Hannover. (Für die Förderung einer Auslandsausbildung sind bestimmte Förderungsämter als Auslandsämter zuständig. Jedes der insgesamt siebzehn Auslandsämter ist für einen bestimmten ausländischen Staat oder mehrere ausländische Staaten zuständig. Welches Amt über die Förderung der Auslandsausbildung entscheidet, kann über den Link www.das-neue-bafoeg.de/de/441.php abgerufen werden.) Eine willkommene finanzielle Unterstützung, denn die Studiengebühren, die jedes Jahr vom niederländischen Staat festgelegt werden, betragen im aktuellen Studienjahr 1.713 Euro. Eine Alternative für Deutsche, die keinen Anspruch auf BAföG haben und neben dem Studium in den Niederlanden jobben, kann etwa eine Studienfinanzierung vom niederländischen Staat sein. Zudem können Deutsche den sogenannten ‚Collegegeldkrediet‘ bekommen, wenn sie die Studiengebühren nicht aufbringen können (Mehr Infos zur Finanzierung eines Studiums in den Niederlanden gibt es in diesem PDF-Dokument).

Für Teresia Robitschko steht fest: Im Sommer 2012 will sie ihren Bachelorabschluss erwerben, danach am liebsten ein Masterstudium anhängen. „Aber dann möchte ich wieder zurück nach Deutschland kommen, um dort zum Beispiel in einer internationalen Naturschutzorganisation zu arbeiten“, sagt sie.

 

Weitere Informationen

 

Vorgestellte Studiengänge:

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Eine der bundesweit fünf Hochschulen, die den Studiengang „Veterinärmedizin“ anbieten.
www.tiho-hannover.de

HfWU - Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
Zuständig für den Studiengang „Pferdewirtschaft“ ist die Fakultät II.
www.hfwu.de

Justus-Liebig-Universität Gießen
Hier wird unter anderem der Masterstudiengang Nutztierwissenschaften angeboten.
www.uni-gießen.de

Van Hall Larenstein University
Tierstudiengänge in den Niederlanden
Infodesk (täglich erreichbar, außer Montags):
Tel: 0031 / 317 486 262
Fax: 0031 / 317 486 280
E-Mail: info@vanhall-larenstein.de
Internet: www.vanhall-larenstein.de

Informationsquellen zum Thema:

Bundesverband praktizierender Tierärzte
www.tieraerzteverband.de

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Hochschulkompass
Der Hochschulkompass ist ein Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) über alle deutschen Hochschulen sowie deren Studienangebote und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

KURSNET
Das Portal für berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier können Sie auch nach Studiengängen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)
Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland.
www.bibb.de

 

Studieren in den Niederlanden

Study in Holland
www.nuffic.nl/international-students

Studieren in der niederländischen Grenzregion
www.grenzpendler.nrw.de/pdf/studieren-in-der-nl-grenzregion.pdf

Stand: 16.03.2011