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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Ein kleines Kind spielt im Sandkasten.
Vormittags in die Vorlesung, nachmittags in den Sandkasten, nachts an den Schreibtisch: Kinderbetreuung und Studium unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach. Es gibt aber viel Unterstützung. Foto: Frank Pieth

Zwischen Hörsaal und Kindergarten Studieren mit Kind

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Eine normale Familienplanung sollte doch trotz Studium möglich sein, fand Vanessa Klassmann (30). Sie hatte ihr Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch und Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begonnen und wünschte sich zusammen mit ihrem Mann Stefan ein Baby. „Einige meiner Kommilitonen hatten bereits Kinder bekommen, dadurch fühlten wir uns auch ermutigt“, erinnert sie sich. Nach dem Abschluss ihres Grundstudiums kam der heute dreijährige Till zur Welt. „Es passte zufällig bestens, denn die Geburt war am Ende eines Wintersemesters und mir wurde angeboten, die relevanten Prüfungen noch vor den Weihnachtsferien zu machen. So konnte ich danach gleich in den Mutterschutz gehen“. Um sich ihrem Sohn ganz widmen zu können, nahm sie drei Jahre Elternzeit. Die Hochschule besuchte sie in dieser Zeit ausschließlich für einzelne Sprachkurse.

Nach der Elternzeit wieder an die Uni

Vanessa Klassmann mit Sohn Till.

Vanessa Klassmann mit Sohn Till.

Foto: Privat

Inzwischen hat sie ihr Studium mit einem Fachwechsel von Gymnasial- auf Mittelschullehramt wieder aufgenommen und der Kleine geht in den Kindergarten. „Wir haben uns für eine Minimalbetreuung mit vier Stunden vormittags entschieden“, erklärt sie. „Das macht es organisatorisch etwas aufwändiger. Ich lerne zum Beispiel meist am Wochenende, wenn mein Mann zuhause ist und sich um Till kümmern kann.“ Ungefähr zwölf Stunden pro Woche, schätzt sie, befasst sie sich mit dem Studium. „In der Prüfungszeit ist das jedoch mehr. Besonders die letzten Wochen vor Semesterende sind immer ziemlich fordernd“, erzählt sie. Der Wiedereinstieg fiel ihr leichter als gedacht. „Die Dozenten haben viel Verständnis, einmal konnte ich Till sogar in eine Vorlesung mitnehmen. Der Studiengang ist allerdings recht verschult; bei vielen Veranstaltungen gibt es eine Anwesenheitspflicht. Zum Glück werden wir selten krank, andernfalls wäre die ganze Sache schon deutlich problematischer.“

Auch finanziell muss sich das Paar einschränken, trotz Stefans Vollzeitjob. „Es ist schon knackig, zumal wir uns für einen privaten Kindergarten entschieden haben, der etwas mehr kostet. Große Sprünge können wir gerade nicht machen“, sagt Vanessa Klassmann. Sie erhält kein BAföG, gibt aber als ausgebildete Kangatrainerin Sportkurse für Schwangere und Mütter.

Trotz der Einschränkungen sind die beiden zufrieden mit ihrer Entscheidung. „Klar könnte ich mehr Lehrveranstaltungen belegen, um schneller fertig zu werden, aber mir ist es wichtig, dass Till nicht den ganzen Tag in der Kita ist.“ Lange dachte sie darüber nach, ihr Studium vorzeitig zu beenden – mit einem Bachelorabschluss statt dem Staatsexamen. „Doch es gefällt mir so gut, gerade auch weil hier viele andere Eltern studieren.“

Familiengründung während des Studiums

Sechs Prozent der Studierenden in Deutschland hatten im Sommersemester 2016 mindestens ein Kind. Das geht aus der aktuellen 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor. Es gibt also ca. 131.000 studierende Eltern in Deutschland – Frauen sind dabei mit 71.000 in der Überzahl. Über die Hälfte dieser Studierenden haben ein Kind, ein knappes Drittel zwei und der Rest drei oder mehr. Die meisten sind verheiratet oder leben in einer festen Partnerschaft. Zehn Prozent der Studierenden mit Kind sind alleinerziehend (mehr dazu in der Reportage „Engpässe und wertvolle Unterstützung“).

„Die Zahlen zeigen unter anderem, dass die Themen Familiengründung und Ausbildung immer häufiger auf den gleichen Zeitpunkt fallen“, kommentiert Annett Peukert die Zahlen. Die Diplompädagogin arbeitet als Sozialberaterin im Campusbüro „Uni mit Kind“ beim Studentenwerk Dresden. Wie wichtig die materielle Absicherung für ein Studium mit Kind ist, spiegele sich darin wider, dass fast drei Viertel der Partner/-innen erwerbstätig sind, sagt sie. „Zwar gibt es staatliche Unterstützungen wie zum Beispiel einen Zuschuss zum BAföG, allerdings stehen diese nur bei tatsächlichem BAföG-Anspruch zur Verfügung.“

Herausforderungen und Unterstützung

„Mit Kind zu studieren bedeutet Elternschaft, Partnerschaft und Ausbildung miteinander zu vereinbaren“, bringt Annett Peukert die Herausforderungen auf den Punkt. „Kinderbetreuungsangebote und familienfreundliche Studienbedingungen mit Beratungs- und Vernetzungsangeboten spielen deshalb eine besondere Rolle.“ Die Hochschulgesetze der Bundesländer geben Maßnahmen vor, um Studierende in besonderen Lebenslagen zu unterstützen und zur Chancengerechtigkeit beizutragen. Diese Möglichkeiten können also je nach Bundesland variieren. „So stehen etwa in Sachsen Studierenden mit Kind bis zu sechs Urlaubssemester innerhalb der ersten drei Lebensjahre zu, in denen trotz Beurlaubung weiterstudiert werden kann“, erklärt die Beraterin. Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese Frist außerdem verlängert werden.

Mit einem „Nachteilsausgleich“ können individuelle Regelungen zur Erbringung von Studienleistungen vereinbart werden, zum Beispiel Fristverlängerungen, alternative Prüfungsmodalitäten oder Stillpausen. „Nicht selten werden noch zusätzlich individuelle studienerleichternde Absprachen zwischen Prüfern und Studierenden getroffen, etwa bei der Abgabe von Hausarbeiten und Belegen.“

Die Studentenwerke ergänzen die Maßnahmen der Hochschulen im Servicebereich, indem sie Beratungsangebote, Informationsveranstaltungen, Kinderbetreuung und Angebote zur Vernetzung von Studierenden mit Kind ermöglichen (mehr dazu im Interview „Tatkräftige Unterstützung“). Ziel der Beratung ist laut Annett Peukert vor allem, Studierende mit Kind darin zu unterstützen, individuelle Lösungen für ihre Herausforderungen zu finden. „Hierzu gehört zum einen die Beratung zur Finanzierung, beispielsweise im Urlaubssemester oder danach, bei Studienfachwechsel oder am Ende des BAföG-Bezugs. Außerdem bieten wir Unterstützung bei Antragstellung und Rechtsdurchsetzung sowie die Möglichkeit, Schwierigkeiten im Studienverlauf aufzufangen.“ Entscheidend sei dabei vor allem eins: „Es gibt nicht den einen Weg oder die eine Lösung. Vielmehr ist es notwendig, weitere Schritte zu überlegen und individuelle Lösungswege aufzuzeigen.“

Interview

Tatkräftige Unterstützung

Im Interview mit studienwahl.de macht Astrid Schäfer, Leiterin des Referats Beratungsangebote und der Servicestelle Familienfreundliches Studium beim Deutschen Studentenwerk, deutlich, dass studierende Mütter und Väter nicht allein gelassen werden.

studienwahl.de: Frau Schäfer, welche Herausforderungen in der Studienorganisation kommen auf Studierende mit Kind zu?

Foto von Astrid Schäfer.

Astrid Schäfer, Leiterin des Referats Beratungsangebote und der Servicestelle Familienfreundliches Studium beim Deutschen Studentenwerk

Foto: Privat

Astrid Schäfer: Dazu gehören etwa nur jährlich angebotene Pflichtveranstaltungen, denn dadurch wird die Fortsetzung des Studiums auch bei kürzeren Unterbrechungen in die Länge gezogen. Lehrangebote in den Abendstunden und am Wochenende sind für Studierende mit Kindern ebenfalls eine Herausforderung, weil es für diese Zeiten keine regulären Kinderbetreuungsangebote gibt. Präsenzpflichten lassen sich mit Kinderkrankheiten schwer vereinbaren und Blockseminare mit Reiseaufwand sind ebenfalls nicht so einfach umzusetzen. Alle diese Herausforderungen verstärken sich noch einmal bei alleinerziehenden studierenden Eltern.

studienwahl.de: Welche Art der Unterstützung ist also nötig?

Astrid Schäfer: Um Zeit für ein Studium zu haben, brauchen Studierende vor allem verlässliche Kinderbetreuungsangebote – insbesondere für Kinder unter drei Jahren. Studierende Eltern können oft nicht auf ein familiäres Netzwerk zurückgreifen, weil sie an einem anderen Ort studieren oder weil die eigenen Eltern selbst berufstätig sind. Deshalb brauchen sie zu den klassischen auch ergänzende Betreuungsangebote: Die Studentenwerke bieten Randzeitenbetreuung beziehungsweise Betreuung außerhalb der Regelbetreuungszeit an. Ein besonderes Angebot ist die flexible Kurzzeitbetreuung, die studierende Eltern nutzen können, um zum Beispiel in die Bibliothek zu gehen oder eine Sprechstunde bei einer Dozentin wahrzunehmen – in Phasen, in denen sie noch keine dauerhafte reguläre Tagesbetreuung nutzen möchten. Einige Studentenwerke bieten auch Kinderbetreuung am Wochenende oder in den Ferien an.

studienwahl.de: Und abgesehen von der Betreuung, welche Angebote gibt es noch?

Astrid Schäfer: Zu den häufigsten Angeboten zählen spezielle Wohnangebote, Wickel-, Still- und Aufenthaltsräume sowie Spielecken in der Mensa. Viele Studentenwerke bieten auch kostenloses Mensaessen für Kinder von Studierenden und finanzielle oder materielle Unterstützung an (mehr dazu in der Übersicht „Zuschläge, Kindergeld & Co.“). Die Studentenwerke kooperieren dabei eng mit den Hochschulen – die Mehrzahl von ihnen ist in das „audit familiengerechte hochschule“ eingebunden und leistet dazu einen wesentlichen Beitrag.

studienwahl.de: Wie sieht es speziell bei den Beratungsangeboten aus?

Astrid Schäfer: Um den komplizierten Dschungel an Sozialleistungen für Studierende mit Kind zu durchschauen, passende Finanzierungsmodelle zu entwickeln oder den weiteren Studienverlauf zu planen, brauchen viele studierende Eltern professionelle Berater/-innen, die mit der Lebenswelt Studierender vertraut sind. Diese Beratungsangebote gehören daher auch zu den zentralen Angeboten der Studentenwerke, genauso wie ergänzende Informationsmaterialien und -veranstaltungen. In der Psychologischen Beratung werden studierende Mütter und Väter dabei unterstützt, ihr Studium zu meistern – auch wenn die Belastungen ihnen einmal über den Kopf wachsen sollten oder es zu einer Krise kommt.

studienwahl.de: Was bedeuten diese Angebote noch für die Studierenden?

Astrid Schäfer: Die meisten dieser Angebote haben auch einen wunderbaren „Nebeneffekt“ – sie bringen Studierende mit Kindern zusammen. Durch Schwangerschaft, Studienunterbrechung nach der Geburt sowie begrenzte Zeitressourcen verlieren studierende Eltern oft ihr bestehendes Netzwerk. Die Studentenwerke unterstützen Begegnungen untereinander – in den Betreuungsangeboten, in der Mensa und oft auch ganz gezielt bei Veranstaltungen für Familien, wie zum Beispiel regelmäßige Eltern-Treffs, Stammtische, Eltern-Kind-Spielgruppen sowie Kurse und Workshops.

studienwahl.de: Zu welchen Zeitpunkten und in welchen Situationen können oder sollten sich Studierende an ihr zuständiges Studentenwerk wenden?

Astrid Schäfer: Studierende können sich zu jedem Zeitpunkt in ihrem Studium oder ihrer Familienplanung an die Studentenwerke wenden – im Stadium des Kinderwunsches, als Eltern, die planen, ein Studium aufzunehmen, wenn das Kind auf dem Weg ist oder bereits geboren. Insbesondere für Beratung ist es nie zu spät. Wie immer ist es aber natürlich von Vorteil, sich möglichst früh um Studienfinanzierung und Kinderbetreuung zu kümmern, da dann die Chancen besser stehen, alle im Einzelfall möglichen Sozialleistungen und familienfreundlichen Angebote auch nutzen zu können. Auch studienorganisatorische Fragen sollten frühzeitig geklärt werden. Die Beratungsangebote der Studentenwerke sind in der Regel sehr gut mit verschiedenen Angeboten und Akteuren am Hochschulstandort vernetzt – und deshalb immer eine gute erste Anlaufstelle.

Finanzierungsmöglichkeiten

Zuschläge, Kindergeld & Co.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es bei einem Studium mit Kind und was gilt es dabei zu beachten? Ein Überblick.

Ein Mädchen spielt mit einer Eisenbahn.

Foto: Nancy Heusel

Die Finanzierungsmöglichkeiten unterscheiden sich grundsätzlich gar nicht so sehr von denen, die „normale“ Studierende auch haben. „Neben dem BAföG und eigener Erwerbstätigkeit sichern Studierende mit Kind ihren Lebensunterhalt in unterschiedlichen Konstruktionen ab. Finanzierungsquellen sind unter anderem die eigenen Eltern, Stipendien und Kredite sowie familienpolitische Leistungen wie Kindergeld, SGB-II-Leistungen für die Studierenden oder ihre Kinder, Unterhaltsleistungen, Stiftungsmittel oder auch Wohngeld,“ sagt Astrid Schäfer, Leiterin des Referats Beratungsangebote und der Servicestelle Familienfreundliches Studium beim Deutschen Studentenwerk. Beim BAföG wird ein Kinderbetreuungszuschlag angerechnet. Bei den Begabtenförderungswerken gibt es Familienzuschläge für Stipendiat(inn)en mit Kind, oft ist dabei – wie auch beim BAföG – eine Förderung über die Regelstudienzeit hinaus möglich.

Weitere (weniger verbreitete) Angebote seitens der Studentenwerke sind zum Beispiel ein Begrüßungsgeld für Neugeborene und finanzielle oder materielle Unterstützung, etwa durch einmalige Beihilfen oder die Bereitstellung einer Grundausstattung für werdende Eltern.

Unabhängig vom Studium kann zum Familieneinkommen außerdem Elterngeld beitragen. Wenn etwa der Vater oder die Mutter wegen der Betreuung des Kindes in Elternzeit zuhause bleibt (während z.B. der/die andere studiert), können Eltern für insgesamt 14 Monate diese Leistung beantragen und sich die Betreuungszeiten dabei auch aufteilen. Zudem erhalten alle Eltern ab der Geburt des Kindes Kindergeld als staatlichen Zuschuss.

Kindergeld – unter Umständen sogar zweifach

Foto von Corinna Spinger.

Corinna Spinger, Leiterin des Geschäftsbereichs Recht und Verfahren bei der Familienkasse-Direktion der Bundesagentur für Arbeit

Foto: Privat

Für ein Kind, welches das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und ein Studium absolviert, erhalten Eltern Kindergeld, bis das Studium abgeschlossen ist oder bis das Kind das 25. Lebensjahr vollendet. „Dies gilt auch, wenn das Kind, vielmehr die Studentin, während des Studiums schwanger wird und nach der Geburt selbst Kindergeld für ihr eigenes Kind bezieht, sofern sie weiter studiert“, erklärt Corinna Spinger, Leiterin des Geschäftsbereichs Recht und Verfahren bei der Familienkasse-Direktion der Bundesagentur für Arbeit.

Liegt ein Beschäftigungsverbot nach dem Mutterschutzgesetz vor oder lässt sich die Studentin wegen der Schwangerschaft vom Studium beurlauben, wird auch in dieser Zeit Kindergeld für die Studentin gezahlt. „Eine wegen Schwangerschaft beurlaubte Studentin ist in dem Semester, in dem die Geburt ihres eigenen Kindes erwartet wird, bis zum Ablauf des Monats, in dem die Mutterschutzfristen nach der Geburt enden, weiter als Kind in Ausbildung zu berücksichtigen“, erklärt die Expertin. „Das bedeutet, bis dahin kann den Eltern der Studentin Kindergeld gezahlt werden. Darüber hinaus allerdings nur, wenn sie das Studium im daran anschließenden Semester fortsetzt.“ Und sie hat dazu noch einen Hinweis: „Sofern die Studentin nicht mehr bei ihren Eltern wohnt und von diesen keinen Unterhalt erhält, kann sie auch beantragen, dass das Kindergeld, das ihren Eltern für sie zusteht, an sie selbst ausgezahlt wird.“

Unterbricht die Studentin jedoch das Studium wegen Kinderbetreuung, zum Beispiel im Rahmen einer Elternzeit, besteht kein Anspruch der Eltern mehr auf Kindergeld für die Studentin. „Der Anspruch der Studentin auf Kindergeld für ihr eigenes Kind bleibt davon selbstverständlich unberührt und besteht weiter“, betont Corinna Spinger. Sie weist zudem darauf hin, dass ausnahmsweise während der Unterbrechung wegen Kinderbetreuung Kindergeld für die Studentin gezahlt werden kann. „Und zwar, wenn das jeweilige Hochschulrecht es zulässt, dass während einer Beurlaubung Leistungsnachweise erworben werden, und die Studentin während der Beurlaubung nachweislich ernsthaft und nachhaltig weitere Ausbildungsschritte unternimmt.“ Das hängt allerdings von den Regelungen der jeweiligen Hochschule ab.

Alleinerziehend

Engpässe und wertvolle Unterstützung

Studium und Familienalltag zugleich zu bewältigen ist für Alleinerziehende eine große Herausforderung. Doch dass es möglich ist, beweist Claudia Ziesch (31). Sie studiert Psychologie und kümmert sich um ihren achtjährigen Sohn.

Claudia Ziesch und ihr Sohn Lucian schaukeln.

Claudia Ziesch und ihr Sohn Lucian

Foto: Privat

Kurz vor ihrer Abschlussprüfung als Erzieherin brachte Claudia Ziesch Lucian zur Welt. Ihre weiteren beruflichen Pläne standen da schon fest. „Noch während der Ausbildung hatte ich beschlossen, anschließend mein Abitur nachzuholen und Psychologie zu studieren“, erzählt sie. Trotz der Mehrfachbelastung gelang es der alleinerziehenden Mutter, die Hochschulreife im Ganztagsunterricht auf einem Kolleg zu erlangen und einen Studienplatz für ihr Wunschfach an der TU Dresden zu bekommen.

Inzwischen hat sie das achte Semester erreicht – die Regelstudienzeit einzuhalten, ließ ihre Situation mit Kind nicht zu. Der inzwischen Achtjährige besucht die Grundschule. Während er dort ist, kann Claudia Ziesch an Veranstaltungen in der Hochschule teilnehmen, für eine zusätzliche Kinderbetreuung fehlt ihr jedoch das Geld. „Das bedeutet schon eine ziemliche Einschränkung, denn die Tutorien finden zum Beispiel oft in den Abendstunden statt.“ Vieles lässt sich dennoch organisieren. „Bei zeitlich ungünstigen Seminaren habe ich die Verantwortliche der Studienorganisation darum gebeten, mich in eine andere Gruppe zu nehmen. Das war auch schon möglich, und viele haben Verständnis. Doch es kam zum Beispiel auch schon vor, dass ich bei einer Prüfung verpflichtet war zu erscheinen, obwohl sie in den Ferien morgens um 7:30 Uhr war – eine Zeit, die mit den Öffnungszeiten des Ferienhorts absolut nicht zu vereinbaren ist.“

Rat und Tat bei Formalitäten

Durchschnittlich 30 Stunden pro Woche investiert Claudia Ziesch in das Studium, ein Nebenjob hat dabei keinen Raum mehr. Mit BAföG,  Wohn- und Kindergeld kommt sie über die Runden. „Die Finanzierung war und ist für mich die größte Herausforderung. Das Geld ist immer knapp, aber man kann sich über Wasser halten“. Tatkräftige Unterstützung bekommt die Studentin bei der Beratungsstelle „Uni mit Kind“ an der Hochschule, einer Einrichtung des ansässigen Studentenwerks. „Hier hat mir meine Beraterin schon oft bei Formalitäten und anderen Fragen geholfen, zum Beispiel, als der Unterhaltsvorschuss auslief und plötzlich rund 200 Euro im Monat fehlten, oder bei den Verlängerungsanträgen für mein Studium.“ Auch eine Alleinerziehendengruppe gehört zu den dortigen Angeboten.

Nun hat Claudia Ziesch es fast geschafft: Sie schreibt gerade ihre Bachelorarbeit zum Thema „Verlaufsmerkmale der Depression und deren Zusammenhang mit Partnerschaftsqualität“. Um sich der Arbeit komplett widmen zu können, hat sie für die letzten beiden Monate einen Studienabschlusskredit in Anspruch genommen. „Ich bekam keine BAföG-Verlängerung mehr, mit dem Kredit kann ich nun unseren Lebensunterhalt für die letzten zwei Monate sichern.“ Trotz der oftmals schweren Zeiten ist sie froh, es gewagt zu haben. „Es gibt schon ziemlich viele Hürden, doch wenn man das Ziel vor Augen hat, kann man es auf jeden Fall schaffen – auch dank der Unterstützung vom Studentenwerk.“

Weitere Informationen

studienwahl.de
Rubrik: Studieren > Organisation
www.studienwahl.de/de/chstudieren/chorganisation.htm

abi>>
Rubrik: Wie studieren?
www.abi.de/studium/hochschule.htm?zg=schueler

Technische Universität Dresden
www.tu-dresden.de

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
www.fau.de

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
www.bmfsfj.de

Deutsches Studentenwerk
www.studentenwerke.de

21. Sozialerhebung
www.sozialerhebung.de

berufundfamilie gGmbH
www.berufundfamilie.de

Hinweis: Links in älteren Themen des Monats werden nicht aktualisiert.

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