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Florian Wingert konnte das letzte Schuljahr gelassen absolvieren: Seinen Ausbildungsvertrag zum Bankkaufmann hatte er schon in der Tasche. Bereits anderthalb Jahre vor dem geplanten Ausbildungsbeginn hatte der Mühldorfer sein Berufsziel durchdacht, sich über Ausbildungsangebote informiert, ein Praktikum bei der HypoVereinsbank gemacht und sich gezielt dort beworben. Seine gute Vorbereitung überzeugte die Personalverantwortlichen.
"Wir bekommen jedes Jahr rund 18.000 Bewerbungen von Schülern, haben aber nur etwa 500 Ausbildungsplätze,"
berichtet Max Lehmann, Leiter Personalmarketing und Recruiting bei der HypoVereinsbank in München.
"Da ist es schon wichtig, dass der Bewerber seine Motivation gut begründet."
Mit Standardschreiben, die nicht auf den Arbeitgeber abgestimmt sind, gelingt das in der Regel nicht. Eine Bewerbung muss auf Anhieb einen guten Eindruck machen, ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. Diese Gratwanderung ist nicht ganz leicht – doch Schritt für Schritt können Sie es schaffen. Die Geheimnisse sind: Rechtzeitig anfangen, gut planen, Unterstützung nutzen und nicht aufgeben! Egal, ob Sie sich um einen betrieblichen Ausbildungsplatz, eine schulische Ausbildung, ein Praktikum oder für einen dualen Studiengang bewerben möchten.
studienwahl.de hat mit Personalverantwortlichen gesprochen und zeigt Ihnen in sechs Schritten, worauf es bei einer erfolgreichen Bewerbung ankommt.
Die Grundlage jeder Bewerbung ist eine fundierte Berufswahl. Sie können Personalchefs nur für sich gewinnen, wenn Sie selbst von Ihrer Entscheidung überzeugt sind. Schon zwei Jahre vor Schulabschluss sollten Sie beginnen zu überlegen, wo Ihre Stärken und Interessen liegen und welche Berufe zu Ihnen passen könnten. Wie Sie das herausfinden können, lesen Sie zum Beispiel in unserem Artikel Abi – und dann?.
Etwa anderthalb Jahre vor Ausbildungsbeginn sollten Sie die Suche nach einem Ausbildungsbetrieb beginnen.
"Beispielsweise bei Behörden oder in dualen Studiengängen werden Bewerbungen oft schon im Frühjahr des Vorjahres angenommen,"
sagt Peter Kruse, Berufsberater in der Agentur für Arbeit Hamburg.
"Andere Unternehmen sammeln die Sommerferien über Bewerbungen ein und machen im Herbst das Auswahlverfahren fürs kommende Jahr."
Doch auch wer sich kurzfristig für eine Ausbildung interessiert, kann noch Glück haben:
"Wir bekommen auch immer wieder Stellenangebote für sofort. Ich empfehle Schülern daher, regelmäßig die Jobbörse unter www.arbeitsagentur.de zu sichten und sich bei uns als Bewerber registrieren zu lassen. Am besten vereinbart man über die bundesweite Rufnummer 01801 555 111 einen Termin bei der nächstgelegenen Berufsberatung."
Die Berater/innen können bei der Berufswahl helfen, die Bewerbungsunterlagen checken, Tipps zu Ausbildungsbetrieben geben und manche Plätze vermitteln, die die Betriebe gar nicht öffentlich ausschreiben. Arbeitsagenturen veranstalten auch Bewerbertrainings und Azubi-Messen und haben viele Infomaterialien über Berufe und Bewerbungswege vorrätig. Die Meldung bei der Berufsberatung hat auch einen ganz pragmatischen Vorteil, erklärt Peter Kruse:
"Registrierte Bewerber können pro Bewerbung fünf Euro Kostenerstattung bekommen, wenn sie dies vorher beantragen und das Budget noch nicht ausgeschöpft ist. Auch Fahrten zu Vorstellungsgesprächen können wir unter Umständen bezahlen, wenn der Arbeitgeber dies nicht tut. "
Florian Wingert hat die Beratungsangebote an seiner Fachoberschule genutzt.
"Ich habe ein Bewerbertraining der AOK mitgemacht und war bei der Infoveranstaltung der HypoVereinsbank in unserer Schule. Die haben auch angeboten, dass sie Unterlagen mit Bewerbungstipps zuschicken – die habe ich natürlich gleich angefordert."
Wer solche Unterlagen nicht kostenlos bekommt, sollte sich im Buchhandel einen Bewerbungsratgeber mit Musterbewerbungen kaufen. Sie sind vor allem nützlich, um beim Layout und beim grundsätzlichen Aufbau der Bewerbung nichts falsch zu machen. Doch Sätze einfach abzutippen reicht nicht aus – Vorlagen sind nur das Gerüst, das Sie mit Ihren persönlichen Argumenten füllen müssen!
Florian sammelte sich seine Argumente endgültig über sein Schulpraktikum.
"Die Wochen bei der HypoVereinsbank in Mühldorf haben mir sehr geholfen, mir den Berufsalltag besser vorzustellen. Gleichzeitig war es natürlich auch eine Art Vorprüfung – am Ende bekam ich ein Zeugnis von der Bank, das ich natürlich gleich meiner Bewerbung beilegen konnte."
Wer nicht gleich so einen Treffer landet, sollte möglichst breit nach ausbildenden Unternehmen suchen. Eine gute Online-Jobbörse für Ausbildungsplätze gibt es unter www.arbeitsagentur.de. Auch Lokalzeitungen haben Anzeigen und regionale Fach- oder Jobmessen sind eine weitere gute Quelle. Versuchen Sie, im Vorfeld möglichst viel über jeden potenziellen Ausbildungsbetrieb herauszufinden: Was stellt er her oder welche Dienstleistung bietet er an? Wo hat er Standorte? Wie viele Mitarbeiter/innen beschäftigt er in welchen Abteilungen? Gibt es aktuelle Berichte über ihn in der Presse (am einfachsten über Online-Suchmaschinen zu finden)? Die meisten Ausbildungsbetriebe informieren inzwischen auf ihren Webseiten über ihr Ausbildungsangebot, manche verschicken auch Broschüren dazu oder bieten Schnuppertage an. Lesen Sie gut nach, was verlangt und geboten wird, und überlegen Sie, warum Sie genau dieser Ausbildungsbetrieb interessiert.
Klären Sie vorab auch, ob es Bewerbungsfristen gibt, ob man die Bewerbung an einen bestimmten Ansprechpartner richten soll und welche Form das Unternehmen bevorzugt – eine Bewerbungsmappe per Post, eine E-Mail mit Anhängen, oder eine Bewerbung über ein Online-Formular, meist ebenfalls mit Anhängen. Rufen Sie im Zweifel ruhig an und fragen Sie nach, denn die Geschmäcker sind hier ganz unterschiedlich:
"Wir bevorzugen grundsätzlich Online-Bewerbungen, alternativ akzeptieren wir aber auch schriftliche Bewerbungen,"
sagt Daniela Kalweit, Leiterin Ausbildungsmarketing und -recruiting der BASF SE in Ludwigshafen. Kerstin Brüggehagen ist stellvertretende Personaldirektorin im Münchner Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski. Sie findet Mappen meist übersichtlicher – E-Mail-Bewerbungen druckt sie aus. Die HypoVereinsbank dagegen hat das Ziel, den Anteil der Online-Bewerbungen in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen.
"Das Online-Formular ist relativ kurz und für Bewerber wie Entscheider am leichtesten zu handhaben,"
findet Max Lehmann.
"Optimal ist es, wenn die Anhänge als gut formatierte PDF-Dateien vorliegen, weil bei Word-Dokumenten sich Umbrüche leicht mal verschieben."
Alle drei Personalentscheider sind sich einig, dass die äußere Form der Bewerbung stimmen muss – ob Briefpapier oder Bits und Bytes. Daniela Kalweit betont:
"Bewerbungsunterlagen sollten vollständig und übersichtlich strukturiert sein. Oft wird unterschätzt, dass Online-Bewerbungen genauso gewissenhaft zusammengestellt werden müssen wie Papier-Bewerbungen. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Je einfacher der Bewerber es macht, sich in der Bewerbung zurechtzufinden und einen Eindruck von der Person zu bekommen, desto besser. Leider reichen Bewerber häufig unvollständige Bewerbungsunterlagen ein, so dass wir Teile nachfordern müssen."
Ebenso häufig sind Rechtschreibfehler.
"Man sollte jede Bewerbung von jemand anderem auf Fehler gegenlesen lassen,"
empfiehlt Kerstin Brüggehagen.
Alle Dokumente sollten sorgfältig in einer neuwertigen Bewerbungsmappe abgeheftet sein, wie man sie in Schreibwarenläden kaufen kann – Klarsichthüllen für jedes Blatt werden inzwischen eher abgelehnt. Das Anschreiben legt man klassischerweise nicht in die Mappe, sondern lose oben darauf. Vor allem sauber und ordentlich sollten die Unterlagen sein, mit einem guten Drucker gedruckt und in einem kartonierten A4-Umschlag versandt.
Und was gehört nun in die klassische Bewerbung? Ein Anschreiben, ein Lebenslauf und das letzte Schulzeugnis sind das Minimum. Florian Wingert hat seine Mappe noch etwas ausgebaut:
"Oben hatte ich ein Deckblatt, auf dem stand, für welche Ausbildung ich mich wo bewerbe und welche Unterlagen ich beigefügt habe. Dann kamen das Anschreiben, mein Lebenslauf, mein Foto, mein letztes Schulzeugnis und die Praktikumsbescheinigung."
Wer beispielsweise an Sprach- oder Computerkursen teilgenommen hat, kann auch solche Bescheinigungen beilegen.
Der Lebenslauf ist meist leichter zu verfassen als das Anschreiben. Fangen Sie am besten damit an – und überlegen Sie auch hier schon, wie Sie die Fakten am besten auf den Ausbildungsbetrieb zuschneiden können.
"Bei Schülern sollte der Lebenslauf eine Seite umfassen, maximal zwei. Da Personaler sehr viele Bewerbungen sichten müssen, möchten sie das Wichtigste auf einen Blick erfassen. Wer viele Praktika gemacht hat, sollte die einschlägigen Erfahrungen daraus hervorheben,"
meint Max Lehmann von der HypoVereinsbank.
"Sprach- oder EDV-Kurse, Hobbys und persönliches Engagement können ebenfalls einen guten Eindruck machen, zum Beispiel wenn man eine Gruppe im Sportverein geleitet hat,"
ergänzt Berufsberater Peter Kruse.
Diese Punkte sollte ein Lebenslauf umfassen:
Name, Geburtsdatum, Anschrift
Besuchte Schulen mit Datum, Leistungskurse oder andere Schwerpunkte
Ggf. andere Stationen im Leben (z.B. Auslandsaufenthalte)
Interessante Zusatzqualifikationen, wie Praktika, Kurse, Führerscheine oder Sprachkenntnisse
Interessante Hobbys, ehrenamtliches Engagement u.ä.
Sie können den Lebenslauf chronologisch verfassen oder auch rückwärts chronologisch, also mit Ihrem aktuellen Schulstand beginnen. Am Ende der Seite versehen Sie den Lebenslauf mit Datum und Unterschrift.
Wichtig ist auch ein gutes Foto. Zwar darf ein Foto offiziell nicht mehr angefordert werden, doch viele Personalentscheider bevorzugen einen persönlichen Eindruck vom Bewerber – wenn dieser Eindruck denn gut ist! In der Hotelbranche ist ein gepflegtes Äußeres Voraussetzung, betont Kerstin Brüggehagen:
"Wenn ein Foto vorhanden ist, sollte es professionell aufgenommen worden sein. Ein Urlaubsfoto oder ein Bild, das Freunde mit der Digitalkamera geknipst haben, hinterlassen keinen guten Eindruck. Und man sollte ordentlich angezogen sein, ohne Piercings und mit einer gepflegten Frisur."
Das Foto kleben Sie entweder auf den Lebenslauf oder auf das Deckblatt, wenn Sie eines beilegen.
Die Kür der Bewerbung ist nun das überzeugende Anschreiben. Sie müssen auf einer Seite darstellen, warum Sie diesen Beruf lernen wollen, wieso darin Ihre Stärken liegen und was Sie an diesem Ausbildungsbetrieb reizt.
"Am wichtigsten ist mir die Motivation: Warum will jemand eine Banklehre machen und warum gerade bei uns?,"
so Max Lehmann.
"Wer das zum Beispiel mit seinen Erfahrungen im Praktikum begründet, kann leicht überzeugen – ob das nun bei einer Bank war oder auch im Handel oder einer anderen vertriebsnahen Tätigkeit."
Kerstin Brüggehagen achtet ebenfalls darauf, warum Kandidaten ins Vier Jahreszeiten Kempinski möchten.
"Man sollte erkennen, dass derjenige sich schon im Vorfeld informiert hat, zum Beispiel über unsere Website oder Prospektmaterial."
Ein weiterer Tipp von Berufsberater Peter Kruse:
"Gerade gute Abiturienten sollten überzeugend darstellen, dass sie eine praktische Ausbildung suchen und nicht bei der nächsten Gelegenheit ins Studium entschwinden."
Diese Punkte sollte das Anschreiben enthalten:
Briefkopf mit Ihrer Anschrift, der Anschrift des Empfängers und dem Datum (entfällt bei E-Mails)
Betreffzeile, z.B. "Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Industriekauffrau: Ihre Anzeige im Azubi-Anzeiger vom 11.10.2008"
Anrede (am besten mit Namen des richtigen Ansprechpartners, ansonsten "Sehr geehrte Damen und Herren")
Darstellung, welchen Beruf Sie lernen möchten, ab wann und ggf. wo (in welcher Filiale)
Begründung, warum der Beruf Sie interessiert
Begründung, warum Sie für den Beruf geeignet sind, am besten mit praktischen Beispielen
Begründung, warum Sie dieser Arbeitgeber interessiert
Schlussformel, z.B. "Ich würde mich freuen, bald von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen, Sara Schmidt"
Verweis auf Ihre Anlagen (Anlagen: Lebenslauf, Schulzeugnis, Praktikumsbescheinigung – es sei denn, Sie haben eine solche Auflistung schon in einem Deckblatt untergebracht)
Viele anspruchsvolle Ausbildungen – vor allem in größeren Betrieben – bekommt man nur über mehrstufige Auswahlverfahren. Vor dem Vorstellungsgespräch finden in diesem Fall noch Einstellungstests oder ein ganzes Assessment-Center statt (Letzteres wird oft auch "Bewerbertag" oder "Auswahlrunde" genannt).
"Kurz nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, bekam ich schon die Einladung für ein Assessment-Center in Rosenheim,"
erinnert sich Florian Wingert.
"Ich wusste nicht recht, was ich mir darunter vorstellen sollte, und habe mir deshalb im Buchhandel ein Vorbereitungsheft gekauft, um diese Art von Testaufgaben zu üben. Außerdem habe ich einen ehemaligen Azubi gefragt, der mir sagte, mit was ich ungefähr rechnen müsste."
Das Assessment-Center bei der HypoVereinsbank ging von 8 bis 17 Uhr.
"So ein Auswahltag ist natürlich auch ein gewisser Stresstest: Wir setzten die Bewerber zwar nicht unnötig unter Druck, aber man sieht, wer nach mehreren Stunden noch konzentriert dabei ist,"
meint Max Lehmann. Florian Wingert trat gleich passend auf: in Anzug und Krawatte, wie die Mitarbeiter der Bank sie auch im Alltag tragen.
"Am Anfang gab es 90 Minuten schriftliche Tests: Rechtschreibung und logisches Denken. Wir mussten außerdem Rechenaufgaben ohne Taschenrechner lösen oder herausfinden, welche grafische Form als nächste in einer Reihe kommen musste. Für jeden Aufgabenblock hatte man nur eine bestimmte Menge Zeit, ohne Vor- und Zurückblättern."
Anschließend wurde der Test sofort ausgewertet, und etwa die Hälfte der Teilnehmer kam in die nächste Runde. Trotz der Testsituation war die Atmosphäre übrigens angenehm:
"Ich habe ein paar nette Leute kennen gelernt, und wir wurden von Azubis der Bank durch den Tag geführt,"
erinnert sich Florian Wingert.
Der zweite Testteil war eine Gruppendiskussion.
"Wir waren sechs Bewerber und wurden von drei Filialleitern oder Mitarbeitern der Personalabteilung beobachtet,"
erzählt Florian Wingert.
"Wir sollten den Messeauftritt eines Sportartikelherstellers planen: Was platzieren wir wo auf der Fläche, machen wir ein Gewinnspiel, dürfen die Besucher Basketbälle probewerfen?"
Florian ergriff als erster das Wort und leitete die Diskussion.
"Ich habe mich bemüht, dass wir alle wichtigen Punkte aufgreifen, dass jeder zu Wort kommt und dass wir in der vorgegebenen Zeit ein Ergebnis auf dem Flipchart stehen hatten, das wir dann gemeinsam präsentierten."
Nach einer kurzen Pause kam die nächste Übung: ein Verkaufsgespräch.
"Man konnte auswählen, ob man ein Paar Inlineskates, ein Zelt oder ein Fahrrad verkaufen wollte, und hatte zehn Minuten Zeit zur Vorbereitung. Ich habe mir überlegt, welche Argumente für mein Zelt sprechen sollten und in welcher Reihenfolge ich sie am besten darstelle. Dann musste ich einer Filialleiterin das Zelt verkaufen, während zwei andere Beobachter sich Notizen machten."
Nachdem die "Kundin" einwandte, dass sie gar nicht gern bei Regen zeltete, konnte er sie überzeugen, dass das Zelt absolut wasserdicht und außerdem schmutzabweisend sei. Sein Eingehen auf die Kundensorgen zahlte sich aus – die Filialleiterin kaufte ihm das Zelt ab und Florian kam weiter ins Vorstellungsgespräch.
Mit einem Vorstellungsgespräch müssen Sie immer rechnen, auch wenn der Betrieb keine sonstigen Auswahlverfahren einsetzt. Wenn Sie eingeladen werden, bestätigen Sie kurz, dass Sie kommen werden, oder rufen Sie an, wenn Sie dringend einen anderen Termin brauchen. Erkunden Sie auch vorher gut, wie Sie zu dem Gespräch hinkommen, denn Pünktlichkeit ist schon der erste Pluspunkt für Sie!
Ganz wichtig ist auch die passende Kleidung. Vor allem in kundennahen Berufen, wie in der Bank oder im Hotel.
"Der erste Eindruck sagt schon viel aus,"
sagt Kerstin Brüggehagen vom Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski.
"Idealerweise trägt man einen Anzug oder ein Kostüm, oder auch eine schöne Stoffhose mit Bluse oder Hemd und guten Schuhen, dazu eine gepflegte Frisur. Dann achte ich darauf, wie der Bewerber auftritt und sich vorstellt. Steht er bei der Begrüßung auf und hat einen festen Händedruck?"
Im Gespräch klopft die stellvertretende Personaldirektorin die Motivation der Bewerberin oder des Bewerbers ab.
"Warum wollen Sie diesen Beruf lernen? Was reizt Sie an der Hotellerie und an der Dienstleistungsbranche? Was wissen Sie über die Kempinski-Gruppe, und warum wollen Sie die Ausbildung gerade bei uns machen? Was würden Sie machen, wenn Sie nicht im Hotelfach unterkämen?"
Interessant sind für sie auch die Stärken und Schwächen des Kandidaten.
"Was kann er gut, was kann er nicht so gut? Was würden Eltern und Freunde über ihn sagen? Hat er schon mal im Team gearbeitet, zum Beispiel an einem Projekt wie der Abizeitung, oder engagiert er sich sozial?"
Doch auch Bewerber/innen sollte die Zeit nutzen, um gute Fragen zu stellen.
"Man könnte zum Beispiel fragen, was für Gäste wir haben oder welche Zimmerkategorien, wie die Ausbildung aufgebaut ist oder welche Weiterbildungen wir danach anbieten. Der Bewerber kann ruhig einen Zettel mit Fragen hervorziehen – daran sehe ich ja, dass er sich im Vorfeld Gedanken gemacht hat. Leider erlebe ich es sehr häufig, dass Bewerber sich vorher nicht gut informiert und nicht genug nachgedacht haben."
Nach dem etwa einstündigen Gespräch führt ein Kollege den Bewerber noch durch das Hotel.
"Auch das ist natürlich eine Testsituation, denn der Kollege sieht sich das Auftreten des Kandidaten ebenfalls an und freut sich, wenn er aufmerksam ist und passende Fragen stellt,"
betont sie.
Bankbewerber Florian musste im Vorstellungsgespräch noch einmal seinen Lebenslauf darstellen und wurde nach Einzelheiten aus seiner Bewerbung gefragt.
"Als ich sagte, dass ich mich schon immer für Wirtschaft interessiert habe, sollte ich gleich etwas über die aktuellen Aktienkurse erzählen. Man darf sich also auf keinen Fall verstellen, sondern nur Dinge anführen, von denen man wirklich Ahnung hat."
Am Ende des Bewerbertags bei der HypoVereinsbank hielt ein Trainee noch einen Vortrag über die Bank und das Ausbildungssystem, bei dem die Bewerber auch Fragen stellen konnten.
"Das Schöne war, dass wir dann noch am gleichen Abend unser Ergebnis mitgeteilt bekamen. Und mein Ausbildungsvertrag war wenige Tage später unterschrieben."
Die Bewerbung für ein Praktikum läuft im Prinzip ähnlich ab, außer dass Einstellungstests oder gar Assessment-Center hier nicht üblich sind. Florian Wingert bekam sein Schülerpraktikum recht unkompliziert über die Schule, da es an der Fachoberschule verpflichtend ist. Ansonsten gibt es viele Wege, an eine Praktikumsstelle zu kommen.
"Bei uns kann man einfach mit seinen Bewerbungsunterlagen in die nächstbeste Filiale gehen und sich vorstellen,"
rät Max Lehmann von der HypoVereinsbank. Die BASF SE in Ludwigshafen bietet ein- bis zweiwöchige Schnupperpraktika an.
"Der Bewerbung muss das Anmeldeformular beigelegt sein, dass auf unserer Internetseite www.basf.de/karriere zur Verfügung steht, außerdem eine aktuelle Zeugniskopie,"
informiert Daniela Kalweit. Beim Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski in München dagegen müssen Praktika mindestens drei Monate dauern.
"Wer das machen möchte, sollte uns eine Bewerbung schicken, in der er auch darstellt, welche Abteilungen ihn interessieren und warum er gerne in unserem Hotel arbeiten möchte,"
erklärt Kerstin Brüggehagen. Die Mühe kann sich lohnen: Denn neben den Schulnoten achten Personalchefs am meisten auf passende Erfahrungen, die man am besten in Praktika erwirbt.
www.planet-beruf.de
Das neu konzipierte Portal www.planet-beruf.de richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren (Sekundarstufe I). Es bietet neben vielfältigen Informationen ein interaktives Selbsterkundungsprogramm.
abi-online
Was ein gutes Anschreiben ausmacht sowie weitere Artikel zum Thema "Bewerbung" findet man bei www.abi.de Ob man fit in Sachen Bewerbung ist, kann man dort in einem "Bewerbungs-Test" überprüfen.
Bewerbungstipps des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
Im Buchhandel sind mehrere Hundert Ratgeber zu den Themen Bewerbung, Anlegen einer Bewerbungsmappe, Vorstellungsgespräch, Testvorbereitung etc. erhältlich (oft ergänzt durch eine CD-ROM mit Beispielen, Übungen, Tests).
Quelle: www.studienwahl.de 03/2008
Hinweis: In diesem archivierten Artikel werden Informationen und Links nicht aktualisiert.