Nebenjob

Jobben neben dem Studium

Für das Plus im studentischen Geldbeutel

Restaurantgäste bezahlen beim Kellner.
Foto: Martin Rehm

Ob zur Finanzierung des Studiums, als zusätzliches Taschengeld oder um berufliche Kontakte zu knüpfen – zwei Drittel der deutschen Studierenden jobben neben dem Studium. Hierfür bieten sich vielfältige Möglichkeiten.

Im Durchschnitt verdienen sich deutsche Studierende monatlich 384 Euro dazu – das ergab die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2017. „Die meisten arbeiten als Werkstudierende“, erklärt Fabian Schmidt, der als politischer Referent beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in der Abteilung Jugend und Jugendpolitik arbeitet. „Das heißt konkret, sie arbeiten in der Vorlesungszeit bis maximal 20 Stunden pro Woche. In den Semesterferien und an Wochenenden ist mehr erlaubt.“

Allerdings dürfen Studierende im Laufe des Beschäftigungsjahres nicht mehr als 26 Wochen (oder 181 Kalendertage) lang über 20 Wochenstunden arbeiten und brauchen hierfür die Genehmigung ihrer Krankenkasse. Der Vorteil für Werkstudierende: Sie sparen sich die Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung und zahlen nur den Arbeitnehmeranteil zur Rentenversicherung – die Höhe des monatlichen Gehalts spielt hierbei keine Rolle. „Selbstverständlich können Studierende auch mehr arbeiten, dann werden sie aber wie normale Arbeitnehmer behandelt und müssen ganz regulär Sozialbeiträge bezahlen“, weiß Fabian Schmidt.

Viele sind in einem Unternehmen und in einer zum Studiengang passenden Branche tätig. „Ob man Logistik nur aus dem BWL-Lehrbuch kennt oder in einem Betrieb in diesem Bereich arbeitet, macht schon einen großen Unterschied“, betont Fabian Schmidt. „Bei solchen Tätigkeiten mit Bezug zum Studium gibt es erste Einblicke in die spätere Arbeitspraxis, die Themen sind dann weniger abstrakt.“ Außerdem, ergänzt der DGB-Experte, knüpfe man wertvolle Kontakte, die bei der späteren Jobsuche ein Vorteil sein können. Das alles gilt natürlich auch für die Arbeit als studentische Hilfskraft, bei der man von der Hochschule angestellt wird und Dozenten oder Fachbereiche in organisatorischen Aufgaben unterstützt.

Von Minijobs bis Praktika

Eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist die geringfügige Beschäftigung in einem fachfremden Bereich, etwa als Putzkraft oder in der Lagerarbeit. Beim sogenannten Minijob verdient der Arbeitnehmer maximal 450 Euro. Ab 450 Euro und einem Cent gilt man dann als Midijobber und bezahlt, je nach Verdienst, reduzierte Beiträge zur Sozialversicherung. Seit 2019 kann man als Midijobber bis zu 1.300 Euro brutto pro Monat verdienen. Wessen Brutto-Jahreseinkommen nicht über dem jährlichen Steuerfreibetrag von 9.408 Euro (Stand: 2020) liegt, der muss in der Regel keine Steuern zahlen. Auch kurzzeitige Beschäftigungen wie auf Messen oder als Saisonarbeiter in den Semesterferien sind möglich.

Fachliches Know-how oder Firmenkontakte erlangt man auch durch Praktika. Und wer lieber im Ausland arbeiten möchte, kann sich zum Beispiel bei der Studienberatung der Hochschule über die Vorgaben informieren. In den meisten europäischen Ländern besteht Arbeitnehmerfreizügigkeit, außerhalb Europas gelten je nach Land unterschiedliche Visa- und Arbeitsbedingungen.

Beispiele aus der Praxis: Jobben neben dem Studium

Vor- und Nachteile kennen

Egal für welches Arbeitsmodell man sich letztlich entscheidet, man sollte sich immer über die jeweiligen Vor- und Nachteile im Klaren sein. So müssen sogenannte Pflichtpraktika, die in der Prüfungsordnung vorgeschrieben sind, beispielsweise nicht vergütet werden. „Anders ist das bei freiwilligen Praktika“, betont Fabian Schmidt. Dauert dieses länger als drei Monate, muss der Arbeitgeber die Arbeit minimal mit dem Mindestlohn vergüten.

In Sachen Arbeitsvertrag rät er: „Auch wenn ein mündlich geschlossener Vertrag bereits gültig ist und man erst nach einem (Arbeits-)Monat ein Recht auf einen schriftlichen Vertrag hat, sollte man sich den Arbeitsvertrag möglichst vor Arbeitsbeginn geben lassen. Dann ist man auf der sicheren Seite.“

Und noch ein weiterer Punkt liegt dem Referenten für Jugendpolitik am Herzen: „Für Studierende werden oft Jobs mit einem geringen Stundenumfang pro Woche angeboten. Gerade für diejenigen, die kein BAföG oder Unterhalt von den Eltern bekommen, wären aber mehr Arbeitsstunden wichtig, um sich den Lebensunterhalt verdienen zu können.“ Deshalb hätten viele Studierende zwei Nebenjobs, was das Studium nicht gerade erleichtert. Sein Tipp: sich über die Studienfinanzierung bei den Studentenwerken oder auf der Website der DGB-Jugend informieren, ob nicht doch andere, individuell greifende Optionen bestehen.

Der Weg zum Studentenjob

Und wie finde ich einen Nebenjob als Studierende/-r? „Die Studentenwerke haben dafür oft Arbeitsvermittlungen, in Berlin gibt es zum Beispiel die ‚Heinzelmännchen‘. Außerdem werden oft am Schwarzen Brett in der Hochschule oder der Mensa aktuelle Stellengesuche ausgehängt. Auch in der JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit (wird verlinkt) oder anderen Online-Stellenportalen kann man fündig werden. Und manchmal sind eben, wie bei jedem anderen Job auch, Empfehlungen von Freunden und Bekannten Gold wert“, sagt Fabian Schmidt vom DGB.

Weitere Informationen

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

In der Suche lässt sich gezielt nach geringfügigen Beschäftigungen und Minijobs filtern.

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Jobben neben dem Studium.

www.studienwahl.de/finanzielles/finanzierungsmoeglichkeiten/jobben

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Finanzen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung etc.

www.studentenwerke.de

DGB Jugend

Abteilung des Deutschen Gewerkschaftsbunds insbesondere für junge Menschen mit Tipps zu Finanzen, Arbeitsrecht und Versicherungen

www.jugend.dgb.de/studium

Deutsche Rentenversicherung

Minijob-Zentrale