Studieren – aber was?

Auf Umwegen zum Ziel

Auf einer grünen Wiese sind betrachten zwei Personen in Arbeitskleidung einen freigelegten Erdballen
Foto: Bundesagentur für Arbeit

Stefanie Wentzel (37) konnte ihr Wunschstudienfach aufgrund des hohen Numerus Clausus nicht studieren. Ihren Traumjob fand sie trotzdem.

Ein Porträt-Foto von Stefanie Wentzel
Foto: privat

Eigentlich wollte Stefanie Wentzel Biologie studieren, am liebsten Meeresbiologie. Sie liebt es, in der Natur zu sein und dem Meer fühlt sie sich als gebürtige Rostockerin besonders verbunden. Doch ihr Abiturschnitt war für einen Studienplatz in der Heimat nicht gut genug. Da sie nicht ins Ausland gehen wollte, schaute sie sich vor Ort nach Alternativen um und fand den Studiengang Agrarökologie: „Die Agrarindustrie spielt zwar auch eine Rolle bei Klimawandel, Artensterben und Biodiversitätsverlust, in diesem Studium aber lag der Fokus auf ökologischen Fragestellungen, und ich wusste, damit eigne ich mir die Grundlagen an, um wieder geraderücken zu können, was die Menschen schon zerstört haben“, erklärt sie. Sowohl der Bachelor als auch der Master wurden an der Universität Rostock angeboten und letztendlich war Stefanie Wentzel sehr glücklich mit ihrer Entscheidung. Dass sie damit über kurz oder lang in ihrem Traumjob landen würde, stellte sich erst später heraus.

Beispiele aus der Praxis: Studieren – aber was? Kriterien für die Entscheidung

Ein sinnvoller Job

Nach dem Masterabschluss entschloss sich die 37-Jährige zu einer Promotion. Als Agrarökologin hatte sie die Möglichkeit, ein bodenbiologisches Thema zu wählen und war damit plötzlich wieder ganz nah dran an ihrem ursprünglichen Studienwunsch. Sie fand eine spannende und unbefristete Stelle beim mittelständischen Unternehmen Nagola Re im brandenburgischen Jänschwalde.

Einer ihrer Aufgabenbereiche ist hier die Betreuung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten (FuE). „Wir stellen Saatgut auf der Basis von regionalen Wildpflanzen her. Weil dieser Bereich noch recht jung ist, tauchen immer wieder Fragen dazu auf, wie man zum Beispiel den Anbau optimieren kann und welche geeigneteren Erntetechniken dafür zu entwickeln sind. In Zusammenarbeit mit unserem Team und den jeweiligen Projektpartnern erstelle ich Anträge und betreue die bewilligten FuE-Projekte fachlich und koordinativ.“, erklärt die Agrarökologin, die die Arbeit an einer sinnvollen Sache schätzt.

Draußen in der Natur glücklich

Darüber hinaus ist Stefanie Wentzel für ihren Arbeitgeber im praktischen Artenschutz im Rahmen von Bauprojekten tätig. Das heißt: Wenn in einem Gebiet Bauprojekte (Bahngleise, Autobahnen, Industrieparks etc.) geplant werden, siedelt sie die hier beheimateten Tiere – etwa Eidechsen, Ringelnattern oder geschützte Waldameisen – um. Diese Arbeit in der Natur gefällt der jungen Frau besonders gut, obwohl sie teilweise körperlich sehr anstrengend ist. „Im Sommer beginnt mein Arbeitstag oft schon morgens um drei Uhr, wenn die Aktivität der Ameisen noch gering ist, und er dauert nicht selten zwölf Stunden.“, erklärt Stefanie Wentzel.

Manchmal würde sie sich eine bessere Bezahlung wünschen und dass die Politik der Arbeit im Artenschutz mehr Aufmerksamkeit entgegenbringt. Möglicherweise, sagt Stefanie Wentzel, hätte sie in einem größeren Unternehmen die Chance auf ein besseres Gehalt. Aber dann hätte sie wahrscheinlich einen 9-to-5-Job im Büro. Eine Option ist das für sie nicht, denn sie hat genau den Job gefunden, den sie machen möchte.