Studieren – aber was?

„Akten bearbeiten heißt Menschen helfen“

Auf einem Tisch liegt ein Stapel mit Akten und verschiedenen Dokumenten.
Foto: Axel Jusseit | Bundesagentur für Arbeit

Struktur und Sicherheit statt Freiheit und Kreativität: Johannes Ellendorff (31) hat sich für ein duales Studium im öffentlichen Dienst entschieden.

Ein Porträt-Foto von Johannes Ellendorff
Foto: privat

Johannes Ellendorff wollte einen Beruf, der sinnvoll ist und ihm vor allem eine sichere berufliche Perspektive bietet. Das lag auch an den Lebens- und Berufserfahrungen, die er vor Beginn seines dualen Studiums schon gesammelt hatte: „Ich habe Soziologie studiert und nebenbei in der Gastronomie gearbeitet. Dort bin ich dann auch nach dem Abschluss geblieben, bis ich schließlich selbst Geschäftsführer eines Restaurants mit zwanzig Angestellten war. Irgendwann bekam dann der Wunsch nach einer mittelfristigen Planung einen anderen Stellenwert für mich“, erzählt er. Deshalb sah er seine Zukunft im öffentlichen Dienst, in der Exekutive des Staates. Am dualen Studium reizte ihn vor allem die Möglichkeit, schon während der Ausbildung Geld zu verdienen.

Er informierte sich unter anderem bei der Polizei und beim Auswärtigen Amt. Letzten Endes fiel seine Wahl aber auf das duale Studium bei der Deutschen Rentenversicherung. „Die Zusage von der Polizei kam zu spät, da hatte ich mich schon entschieden. Und die Bewerbung beim Auswärtigen Amt scheiterte daran, dass ich keine drei Sprachen fließend beherrsche“, begründet er seine Entscheidung. Letztlich sei ihm persönlich die Deutsche Rentenversicherung im Bewerbungsverfahren aber ohnehin am sympathischsten gewesen: „Die Karriereseite auf der Website ist übersichtlich und bietet viele Erfahrungsberichte von Studierenden. Die telefonischen Kontakte mit den Ansprechpersonen waren sehr informativ. Der Aufwand für die Online-Bewerbung hielt sich in Grenzen und die Bewerbungsgespräche waren sehr angenehm“, erinnert sich Johannes Ellendorff.

Beispiele aus der Praxis: Studieren – aber was? Kriterien für die Entscheidung

Zwischen Büroalltag und Prüfungsstress

Inzwischen ist der dual Studierende im dritten Ausbildungsjahr und sechsten Studienabschnitt an der Hochschule des Bundes im nordrheinwestfälischen Brühl. „Das Studium ist bei uns nicht in Semester aufgeteilt, sondern in theoretische und praktische Studienabschnitte, die zwischen zwei und acht Monaten lang sind“, erklärt er. Die erste Theoriephase hat der Student als besonders fordernd erlebt. Hier stehen Fächer wie VWL, BWL, Sozialwissenschaften und Fachrecht auf dem Stundenplan. „Schon rein quantitativ ist das ziemlich viel.“ Generell erlebt Johannes Ellendorff das Studium als sehr verschult: „Es gibt viele Pflichtveranstaltungen und Klausuren, dagegen nur wenige Hausarbeiten. Und weil alle Prüfungen am Ende eines Abschnitts geschrieben werden, kann es durchaus vorkommen, dass man innerhalb von zehn Tagen sechs Prüfungen bewältigen muss.“

Bis zu 40 Stunden pro Woche verbringt der 31-Jährige während der Praxisphasen in den Leistungsdezernaten der Deutschen Rentenversicherung, um Akten, Anträge und Nachfragen zu bearbeiten. Mit dieser Arbeit werden die Studierenden Stück für Stück an die Aufgaben herangeführt, die sie nach ihrem Studium erwarten. Demnächst steht für Johannes Ellendorff die Bachelorarbeit an; in acht Monaten ist sein duales Studium bei der Deutschen Rentenversicherung abgeschlossen. Dann wird er in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. „Wer Wert darauf legt, viele Freiräume zu haben und kreativ tätig zu sein, wird diese Möglichkeit hier nur in eingeschränktem Maß vorfinden. Wir sitzen im Büro und bearbeiten Akten“, gibt der Student zu. Allerdings sei die Tätigkeit nicht nur sehr strukturiert, sondern auch sehr wichtig: „Hinter den Akten stecken Menschen, denen wir mit unserer Arbeit wirklich helfen.“