Pflegemanagement

Pionierarbeit für den Pflegeberuf

Blick auf Hände, die die Griffe eines Rollators halten.
Foto: Julien Fertl

Judith Seidel, Altenpflegerin mit einem Master in Pflege- und Gesundheitsmanagement, will die Bedingungen in der Pflegebranche verändern. Als Leiterin des Geschäftsbereichs Pflegeberufsentwicklung in Deutschlands erster Landespflegekammer ist die 33-Jährige dafür an der richtigen Position.

Ein Porträt-Foto von Judith Seidel
Foto: privat

„Der Beruf der Pflegefachfrau ist erfüllend und toll“, sagt Judith Seidel. Nicht aber die Rahmenbedingungen, unter denen er geleistet werde. Diese Erfahrung hat sie selbst gewonnen: Als gelernte Altenpflegerin arbeitete sie im ambulanten Pflegedienst, in einer stationären Einrichtung und leitete eine Tagespflegeeinrichtung. Und dachte sich irgendwann: So soll es nicht weitergehen.

Ein neues System

An der Evangelischen Hochschule Darmstadt studierte sie daher sechs Semester Pflege- und Gesundheitsförderung. Danach absolvierte sie ihren Master an der Frankfurt University of Applied Sciences im viersemestrigen Studiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement.

Und seit März 2017 arbeitet sie in genau der Position, in der sie mit ihren Praxiserfahrungen, ihrem Wissen und ihren Managementkenntnissen für den Beruf einstehen kann: Sie ist Leiterin des Geschäftsbereich Pflegeberufsentwicklung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Diese ist die erste berufsständische Vertretung für Pflegende in Deutschland – entsprechend müssen Mitarbeiter/-innen wie Judith Seidel Pionierarbeit leisten. Das Ziel: Den Pflegeberuf zu einer selbstbewussten und international anerkannten Profession weiterentwickeln. „Wir bauen ein ganz neues System auf, ich bin mit meinem achtköpfigen Team für den fachlichen Bereich zuständig“, erklärt die 33-Jährige.

Derzeit arbeiten sie an einer Weiterbildungsordnung. Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben müssen verfasst, Öffentlichkeitsarbeit geleistet, der Beruf beworben, 43.000 Pflichtmitglieder betreut – und motiviert – werden. „Die meisten Pflegefachpersonen, überwiegend Frauen, sind eher unpolitisch. Wir wollen sie befähigen, für sich selbst einzutreten“, erklärt Judith Seidel und nennt das Stichwort „Empowerment“.

Beispiele aus der Praxis: Pflegemanagement

Komplexe Prozesse managen

Das breit aufgestellte Studium habe ihr wichtiges Wissen und Fähigkeiten für ihre Aufgabe vermittelt: „Was ich dort in Seminaren geübt und theoretisch erfahren habe, begegnet mir nun in der Praxis.“ Wie man komplexe Texte verständlich aufarbeitet etwa. Unerlässlich ist ihr Wissen über Funktionsweise, Zuständigkeiten und Finanzierung des Gesundheitssystems. Sie hat sich mit „Change Management“ beschäftigt – und erfährt nun hautnah, wie komplex solche Veränderungsprozesse sind, welche Chancen sie bergen und welche Hürden genommen werden müssen.

Auch die Module zu Führungsaspekten kommen ihr zugute: Wie es gelingt, Mitarbeiter/-innen anzuleiten und sie aufzubauen, wenn es mal Rückschläge gibt. „Bei unserer Aufgabe muss man sich trauen, ins kalte Wasser zu springen – und darf keine Herausforderung scheuen!“