Zwischenmenschliche Beziehungen

Psychologie studieren

Zwei Fachzeitschriften mit dem Namen "Psyche" liegen auf einem Tisch
Foto: Axel Jusseit | Bundesagentur für Arbeit

Was Menschen an- und umtreibt – damit beschäftigen sich Psycholog(inn)en. Ihre Fachkompetenz ist in Krankenhäusern ebenso gefragt wie in Unternehmensberatungen, vor Gericht oder in der IT-Branche. Diese Vielfalt hat auch Alexander Schäfer (22) dazu bewogen, Psychologie zu studieren.

Wie glaubhaft ist der Zeuge? Wie wirkt Werbung auf uns? Was treibt Menschen in einen Burn-out? Und was hilft ihnen bei einer Zwangsstörung? Die Psychologie befasst sich mit den Gedanken, Gefühlen und dem Verhalten des Menschen. Und so vielfältig diese sind, so vielfältig ist auch die Wissenschaft.

Ein Porträt-Foto von Alexander Schäfer
Foto: Romy Böhme

„Wie groß die Bandbreite ist, war mir lange nicht klar“, gibt Alexander Schäfer zu. Der 22-Jährige studiert im vierten Bachelorsemester Psychologie an der TU Dresden. Nach dem Abitur hatte er eher technische Studiengänge im Sinn. „Bei Psychologie habe ich – wie die meisten –nur an Psychotherapie gedacht“, erzählt er. Erst als er Psychologiestudierende kennenlernte, merkte er, wie viel mehr dahintersteckt. „Das hat mich fasziniert – aber dass es so etwas wie Ingenieurpsychologie gibt, habe ich auch erst im Studium erfahren.“

Äußerst beliebtes Studienfach

„Psychologie ist als Studienfach zurzeit sehr gefragt“, sagt Petra Reinert, Studien- und Berufsberaterin für Abiturienten bei der Agentur für Arbeit Karlsruhe. Um einen Studienplatz zu bekommen, braucht man einen sehr guten Abiturnotendurchschnitt – 1,1 bis 1,3 seien keine Seltenheit. „Nur wenige Universitäten setzen auf hochschulinterne Auswahlverfahren, wie etwa Göttingen, Mannheim, Witten/Herdecke, die Medizinische Hochschule Brandenburg oder die der Bundeswehr“, erklärt die Beraterin.

Viele fangen ein Studium mit dem Berufswunsch Psychotherapeut/-in an, Petra Reinert rät jedoch dazu, auch die Bandbreite von der Arbeits- und Organisationspsychologie über die Rechtspsychologie bis hin zur Verkehrspsychologie im Blick zu behalten: „Psychologen sind überall gefragt.“

Im Wintersemester 2017/2018 studierten rund 80.000 junge Frauen und Männer Psychologie. „Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren“, sagt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Doch die Nachfrage sei da: „Der Arbeitsmarkt für Psychologen entwickelt sich seit Jahren positiv: Die Erwerbstätigkeit wächst, die Arbeitslosigkeit ist gering.“ Neben Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken werden Psycholog(inn)en im Bildungswesen, in der öffentlichen Verwaltung, in Unternehmensberatungen und verstärkt auch im IT-Bereich gesucht. „Im Bereich Mensch-Maschine-Interaktion oder künstliche Intelligenz entstehen ständig neue Tätigkeitsfelder“, ergänzt die Berufsberaterin Petra Reinert.

Master eigentlich Pflicht

Im Bachelorstudium stehen für Alexander Schäfer zunächst Grundlagen auf dem Lehrplan: Sozialpsychologie, Biologische und Persönlichkeitspsychologie, aber vor allem: Grundlagen der Methodik. „Man muss sich auf jeden Fall klarmachen, dass Mathematik und Statistik wichtige Teile des Studiums sind.“ Neben Einfühlungsvermögen und Kommunikationstalent zählt der Student deshalb ein naturwissenschaftliches Grundverständnis zu den Fähigkeiten, die Studierende mitbringen sollten. Und: „Fleiß! Es ist schon ein lernintensives Studium.“ Petra Reinert gibt außerdem zu bedenken: „In der Psychologie ist der Master eigentlich Pflicht; es gibt kaum berufliche Einsatzmöglichkeiten, für die ein Bachelorabschluss reicht.“

Mit dem Master spezialisieren sich die Studierenden. „Für die Entscheidung sind Praktika sehr wichtig“, sagt die Berufsberaterin. Alexander Schäfer tendiert zwar eher dazu, in den wirtschaftlichen Bereich zu gehen, will aber dennoch zunächst ein Praktikum in einer Klinik machen. „Einfach um zu schauen, ob es nicht doch etwas für mich sein könnte.“

Allen, die sich vor allem für die Psychotherapie interessieren, rät die Beraterin, die Reform des Psychotherapeutengesetzes im Auge zu behalten. Die mehrjährige Ausbildung nach dem Studium soll ab 2020 von einem fünfjährigen Universitätsstudium abgelöst werden. Anschließend soll eine Weiterbildung folgen, ähnlich der Facharztweiterbildung.

Studienreportage: Das Gehirn in Einsen und Nullen

Cognitive Science, Kognitionswissenschaft, vereint so unterschiedliche Fächer wie Psychologie und Informatik, Linguistik und Neurowissenschaften – und ist „unglaublich spannend“, wie Masterstudentin Franziska Brändle (25) sagt.

Franziska Brändle gerät schnell ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Studium erzählt. „Im ersten Semester habe ich mich in so viele Veranstaltungen wie möglich gesetzt. Alles klang so spannend.“ Nach einigen Wochen hat sie aussortiert, aber nach wie vor belegt die 25-Jährige noch mehr Kurse, als sie müsste. „Man kann es auch entspannter angehen“, sagt sie und lacht.

Ein Porträt-Foto von Franziska Brändle
Foto: Bromberger

Die Wissenschaft versucht – grob gesagt – zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert und sucht nach Wegen, diese Prozesse in technische Systeme zu übersetzen. Je nachdem für welche Richtung sich Studierende interessieren, können sie ihr Studium ausrichten. „Ich glaube, es gibt hier keine zwei Studierenden, die dieselben Kurse belegen“, sagt Franziska Brändle. Interessierte sollten auf jeden Fall gerne interdisziplinär arbeiten und es ist ein Vorteil, wenn man sich für technische Fächer ebenso begeistern kann wie für Geisteswissenschaften.

Avatare in einer virtuellen Realität

Sie selbst hat sich für eine technische Richtung entschieden, ihre Schwerpunkte sind „Artificial Intelligence“ und „Neuroinformatics and Cognitive Robotics“. Die englischen Begriffe sind nicht nur Etiketten: Bis auf einige Grundlagenfächer findet das Studium auf Englisch statt. Entsprechend müssen Bewerber/-innen gute Englischkenntnisse nachweisen – und treffen im Studium auf Menschen aus der ganzen Welt.

In ihren Seminaren befasst sich die 25-Jährige mit virtueller Realität, Mensch-Maschine-Interaktion, lernt programmieren und sammelt in Studienprojekten Praxiserfahrung. Derzeit schreibt Franziska Brändle ihre Masterarbeit darüber, wie Avatare in einer virtuellen Realität aussehen müssen, damit sie bestmöglich zusammenarbeiten. „Da spielt Psychologie natürlich eine wichtige Rolle: Welche Auswirkungen hat die Präsenz des Avatars auf das Gegenüber?“

Ganz unterschiedliche Fachrichtungen

Im Bachelor hat Franziska Brändle zunächst noch etwas völlig anderes studiert: audiovisuelle Medien. Ihre Kommiliton(inn)en kommen ebenfalls aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Psychologie, Informatik, Neurologie oder Philosophie. „Ich bin über eine Internetrecherche bei Cognitive Science gelandet und fand das sofort unglaublich spannend“, erzählt sie. Da ihr Bachelorstudium nicht so viele Bezüge zu Cognitive Science hatte, legte sie ihrer Bewerbung ein Motivationsschreiben bei und holte in den ersten Semestern einige Grundlagenfächer wie „Methods of Artificial Intelligence“ oder „Foundations of Logic“ nach.

Was sie nach ihrem Studium machen will, weiß die Masterstudentin noch nicht genau. „Eine interessante Aufgabe zu virtueller Realität oder künstlicher Intelligenz wäre toll.“ Ob diese sie dann zu einer Promotion an der Uni führt, zu einem Internetgiganten oder einem kleinen Start-up, ist ihr relativ egal. „Es kommt ganz auf das Projekt an“, sagt sie.

Berufsreportage: Der Arbeitsplatz als Wohlfühlort

Wie gestaltet man einen Arbeitsplatz so, dass sich Menschen dort wohlfühlen und gesund bleiben? Mit dieser Frage setzt sich die Arbeits- und Organisationspsychologin Rosanna Brand (31) auseinander.

Eigentlich wollte Rosanna Brand nie Psychologin werden. Ihre Mutter ist systemische Therapeutin, ihre Tante Psychoanalytikerin. „Ich wollte mich da eher abgrenzen“, sagt die 31-Jährige. Bis sie ein Berufswahl-Heft der Bundesagentur für Arbeit zum Thema Psychologie in die Hände bekam. „Da wurde mir erst klar, was man damit alles machen kann – von der Säuglingsforschung bis zur Organisationspsychologie.“

Ein Porträt-Foto von Rosanna Brand
Foto: privat

Also studierte sie doch Psychologie, damals noch im Diplomstudiengang, an der Universität Koblenz-Landau. Während des Studiums absolvierte sie Praktika in einer Klinik und in der Personalentwicklung eines Unternehmens. „Danach war mir klar, dass ich eher in die Wirtschaft gehen will“, erzählt Rosanna Brand. „Diese persönlichen Schicksale, denen man in einer Klinik begegnet – ich konnte mich da nicht gut abgrenzen.“ Die Mischung zwischen konzeptioneller Arbeit und dem direkten Kontakt mit Menschen in der Personalentwicklung entsprach ihr eher. „Der Mensch verbringt acht bis zehn Stunden täglich am Arbeitsplatz. Und diesen bestmöglich zu gestalten und so auch Burn-out oder Stress vorzubeugen – das empfinde ich als sehr sinnstiftend.“

Viel unterwegs

Im Hauptstudium wählte sie deshalb Arbeits- und Organisationspsychologie als ein Hauptfach. Nach dem Studium fing Rosanna Brand in der Personalabteilung einer Baumarkt-Kette an und leitete später die Personalentwicklung eines internationalen Unternehmens der Öl- und Gasbranche. „Ich war viel unterwegs“, sagt die junge Frau. Doch irgendwann wurde selbst das ständige Unterwegssein zur Routine und sie wollte wieder mehr psychologisch arbeiten. „Mir haben die direkte Beratungssituation und der psychologische Bezug gefehlt.“

Mittlerweile arbeitet die 31-Jährige als Arbeits- und Organisationspsychologin bei der ias-Gruppe, die Unternehmen im Bereich Gesundheits- und Leistungsfähigkeitsmanagement berät. Vor allem setzt sie sich damit auseinander, wie sich Mitarbeiter/-innen in einem Unternehmen wohlfühlen und gesund bleiben. „Dabei geht es um Burn-out-Prävention, aber auch um Organisationsentwicklung und das Coachen von Teams und Führungskräften.“

Praktika für Berufswahl wichtig

Einen typischen Arbeitstag kann Rosanna Brand nicht schildern. „Das kommt immer auf den Kunden an“, erklärt sie. Unterwegs ist sie immer noch viel – allerdings eher regional. Sie hätte eine 40-Stunden-Woche, arbeitet derzeit allerdings nur 60 Prozent. Vor zwei Jahren hat sie ein Kind bekommen und beschreibt ihre jetzige Tätigkeit als „gut vereinbar“ mit der Familie.
Sie schätzt die Selbstständigkeit, mit der sie ihre Arbeit angehen kann, und den Gestaltungsspielraum, den sie hat. „Für jemanden, der genaue Vorgaben braucht, ist dieser Beruf eher nichts“, sagt Rosanna Brand, die sich vorstellen kann, später als selbstständige Beraterin zu arbeiten.

Aus eigener Erfahrung rät die Psychologin Studierenden dazu, Praktika gut auszuwählen: „Da blieb bei mir am meisten hängen.“

Übersicht: Rund um Psychologie

Die Psychologie beschreibt und erklärt menschliches Erleben und Verhalten – entsprechend vielfältig sind die Beschäftigungsfelder für Psycholog(inn)en. Und es entstehen immer neue: ob bei Systemen zum automatisierten Fahren oder der benutzerfreundlichen Gestaltung von Apps. studienwahl hat eine Übersicht zusammengestellt.

Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsycholog(inn)en setzen sich mit den Fragen auseinander, was Menschen auf der Arbeit zufrieden stimmt, was sie stört oder sogar krankmacht, wie sie sich entwickeln können und gute Führungskräfte werden. Aber auch damit, wie Menschen Kaufentscheidungen treffen und sich durch Werbung beeinflussen lassen.

Gesundheits- und Rehabilitationspsycholog(inn)en stellen sich die Frage, wie biologische, soziale und psychologische Faktoren Gesundheit sowie Krankheit beeinflussen. Sie wollen herausfinden, was Menschen dazu motiviert, gesund zu bleiben oder krankmachendes Verhalten zu ändern und was ihnen hilft, nach Krankheiten oder Unfällen schnell wieder gesund zu werden.

Klinische Neuropsycholog(inn)en untersuchen den Zusammenhang zwischen Hirnfunktionen und Verhalten unter Berücksichtigung klinischer Störungen, wie Sprach- oder Aufmerksamkeitsstörungen. In der neuropsychologischen Therapie werden Patienten und Patientinnen behandelt, die durch Unfälle oder Krankheiten Schädigungen des Gehirns erlitten haben.

Medienpsycholog(inn)en beschäftigen sich etwa mit der Frage, warum sich Menschen von bestimmten Medien und ihren Inhalten angesprochen fühlen und damit, welche Kompetenzen für einen sinnvollen Umgang mit Medien notwendig sind. Sie untersuchen, welchen Einfluss Medien auf unser Denken und Fühlen und somit letztlich auf unser Verhalten und unsere Entscheidungen haben.

Pädagogische Psycholog(inn)en untersuchen, wie Menschen lernen und wie sie sich entwickeln. Oft haben sie eine forschende und entwickelnde Tätigkeit, bei der es um die Vermittlung von Wissen, Bildung und Erziehung geht. Sie erstellen Unterrichtskonzepte oder vermitteln neue Erziehungsformen. Förderung im frühkindlichen Bereich gehört dabei ebenso zu den Forschungsgebieten wie die Erwachsenenbildung.

Psychotherapeut(inn)en behandeln Menschen mit psychischen Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie. Sie diagnostizieren die Störungen, planen, dokumentieren und beantragen die Therapien. Ihre Patienten und Patientinnen behandeln sie einzeln oder in Gruppen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en sind auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen bis zum 21. Lebensjahr spezialisiert.

Rechtspsycholog(inn)en arbeiten an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Recht. Als forensische Psycholog(inn)en werden sie von Gerichten als freiberufliche Gutachter im Familien-, Straf-, Sozial- oder Verwaltungsrecht einberufen oder betreuen Menschen, die straffällig geworden sind. Als Kriminalpsycholog(inn)en untersuchen sie die Entstehung von Kriminalität und Möglichkeiten der Prävention. Sie befassen sich darüber hinaus mit Opferschutz, unterstützen die Polizei bei Einsätzen und in Fallanalysen (Profiling).

Sportpsycholog(inn)en befassen sich mit mentalen Aspekten der Leistungssteigerung von Sportlerinnen und Sportlern. Sie beraten diese bei der Gestaltung ihres Trainingsplans, aber auch bei Motivationstiefs und unterstützen sie bei der Rehabilitation nach Verletzungen.

Umweltpsycholog(inn)en untersuchen die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt, also welchen Einfluss wir als Menschen auf Umwelt und Natur haben und umgekehrt. Sie beschäftigen sich etwa mit der Frage, wann Menschen eine Umgebung als angenehm oder als stressig empfinden und wollen herausfinden, wie man umweltbewusstes Verhalten motivieren kann.

Verkehrspsycholog(inn)en beschäftigen sich insbesondere damit, wie sich Menschen im Verkehr verhalten und wie das mit Unfällen und Gefahrensituationen zusammenhängt. Daneben gehören zur Verkehrspsychologie allgemeine Fragen zur Mobilität, etwa die Wahl des Verkehrsmittels oder wie diese gestaltet sein sollten. Viele Verkehrspsycholog(inn)en arbeiten auch als freiberufliche Gutachter(-innen) und bieten Fahreignungsuntersuchungen an.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Studienfelder Medizin, Gesundheitswissenschaften, Psychologie, Sport
www.studienwahl.de/studienfelder/medizin-gesundheitswesen-psychologie-sport/psychologie

abi.de

Rubrik Studium
www.studium.abi.de

berufsfeld-info

Berufsfeld Psychologie, Pflege und Therapie (nichtärztlich), Medizintechnik
www.berufsfeld-info.de/abi/psychologie-pflege-therapie-medizintechnik/psychologie

BERUFENET

Psychologie studieren – Deutsche Gesellschaft für Psychologie (mit Selbsttest)

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen

Institut für Kognitionswissenschaft an der Universität Osnabrück

Fakultät für Psychologie an der TU Dresden

Sie verwenden einen Adblocker bzw. ein Verfahren zur Ausblendung von Werbung. Bitte bedenken Sie, dass diese Internetseite durch Werbung finanziert wird. Mit Blick auf die künftige Aufrechterhaltung des Umfangs und der Qualität der Informationen bitten wir Sie, den Adblocker auszuschalten. Vielen Dank!