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Ein Kompass liegt auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Zu sehen ist eine Studentin, die in einem leeren Hörsaal steht.
Theorie an der Hochschule und Praxis im Unternehmen – das verbindet ein duales Studium. Foto: Jörg Moritz

Studium und Praxis im Verbund: Dual studieren

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Marie Theres Spreckelmeyer (21) hat sich nach dem Abitur für ein ausbildungsintegriertes duales Studium entschieden: Auf einer Informationsveranstaltung an ihrer damaligen Schule hörte sie das erste Mal vom dualen Studienmodell. „Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis sagte mir sofort zu. Ich bewarb mich ein Jahr vor Ende der Schulzeit zuerst bei verschiedenen Unternehmen, die in meiner Heimat als Ausbildungspartner für duale Studiengänge in Frage kamen. Von der Firma Bischof + Klein in Lengerich erhielt ich eine Zusage“, erzählt die junge Frau.

Das Unternehmen produziert Verpackungen sowie technische Folien aus Kunststoff und sogenannten Kunststoffverbunden. „Bischof + Klein arbeitet eng mit der Hochschule Osnabrück zusammen. Ich habe mich dann in Osnabrück um einen Studienplatz im dualen Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen beworben und wurde auch angenommen.“

Studien- und Praxiseinheiten im Wechsel

Marie Theres Spreckelmeyers Studienphasen an der Hochschule Osnabrück finden am Standort Lingen statt und wechseln regelmäßig mit dreimonatigen Praxisphasen im Unternehmen ab. Sie belegt u.a. Module in BWL, Marketing, Mathematik, Mechanik, Physik und Rechnungswesen und besucht sogenannte Brückenkurse, um ihre Kenntnisse in Excel und CAD-Programmen zu verbessern. „Im fünften Semester kann man sich für einen Studienschwerpunkt entscheiden, z.B. technisches Controlling, Produkt- oder Projektmanagement. Ich habe als Schwerpunkt Vertriebsmanagement gewählt.“

Mittlerweile befindet sich die Studentin im sechsten Fachsemester und hat bereits die integrierte Ausbildung zur Industriekauffrau erfolgreich abgeschlossen. „Die Zeit vor der IHK-Prüfung, als gleichzeitig auch Klausuren im Studium anstanden, war schon recht stressig. Aber mit etwas Engagement ist ein duales Studium gut zu schaffen“, erklärt die angehende Wirtschaftsingenieurin. Im Ausbildungsbetrieb durchlief sie verschiedene Abteilungen – vom Vertrieb, Einkauf und der Finanzbuchhaltung bis hin zur Entwicklungsabteilung.

Typen des dualen Studiums

Antje Leichsenring hat rötlich gefärbte Haare und trägt eine Brille.

Foto: BIBB

„Ein ausbildungsintegriertes duales Studium, bei dem sowohl der Bachelorabschluss als auch eine staatlich anerkannte Berufsausbildung erworben werden (siehe auch Reportage: ), ist nur eine Variante. Daneben gibt es das weit verbreitete praxisintegrierende duale Studium, bei dem die Studierenden ebenfalls geregelte Praxisphasen im Partnerunternehmen durchlaufen, aber keinen zusätzlichen Ausbildungsabschluss erlangen (siehe auch Reportage: ). Und als dritte Möglichkeit wird das berufsintegrierende duale Studium angeboten, das sich hauptsächlich an Personen richtet, die bereits im Berufsleben stehen oder eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können und ihre berufliche Tätigkeit mit dem Theoriestudium an einer Hochschule verzahnen wollen. Die häufigsten Fachdisziplinen im dualen Modell sind Ingenieurwesen (39 Prozent), Wirtschaftswissenschaften (32 Prozent), Informatik (12 Prozent) sowie Sozialwesen, Erziehung, Gesundheit und Pflege (11 Prozent)“, erläutert Antje Leichsenring, Projektleiterin der Initiative AusbildungPlus des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Hinweise:
  • Von Bundesland zu Bundesland kann es zu abweichenden Bezeichnungen kommen. So wird in Bayern z.B. das ausbildungsintegrierte duale Studium durchgängig als Verbundstudium bezeichnet. Nähere Informationen zu den verschiedenen Typen finden Sie hier sowie bei AusbildungPlus.
  • Achtung: An privaten Hochschulen bzw. Berufsakademien fallen i.d.R. Studiengebühren an.

„Eine gute Anlaufstelle, um sich über duale Studienangebote an staatlich anerkannten Hochschulen und Berufsakademien zu informieren, stellt z.B. die Datenbank von AusbildungPlus dar“, empfiehlt Antje Leichsenring. Auch mit Hilfe der Erweiterten Suche im FINDER können Interessierte gezielt nach dualen Studienangeboten recherchieren.

Da das duale Studium immer beliebter wird und die Nachfrage nach Studienplätzen entsprechend hoch ist, empfiehlt die Expertin, sich ein Jahr vor Studienbeginn bei den Partnerunternehmen zu bewerben. „Das ist der übliche Weg. Erst danach steht die Immatrikulation bei der Hochschule an. In seltenen Fällen muss man sich schon zu Beginn parallel bei der Hochschule bewerben.“

Chancen und Anforderungen

„Grundsätzlich bietet ein duales Studium viele Vorteile“, fasst Antje Leichsenring zusammen. „Meistens erhält der Student bzw. die Studentin bereits ein Gehalt bzw. eine Ausbildungsvergütung. Des Weiteren sammelt er/sie wertvolle Berufserfahrungen und lernt die betrieblichen Prozesse genau kennen. Und oft werden die dual Studierenden später vom Betrieb übernommen“ (siehe auch: ).

Doch es gibt auch Schattenseiten: „Für viele ist die Doppelbelastung von Studium und Praxis eine Herausforderung. Viel Freizeit bleibt da nicht und oftmals gibt es auch keine echten Semesterferien. Zudem müssen dual Studierende zeitlich sehr flexibel sein.“ Doch das Fazit fällt unter dem Strich positiv aus: „Nirgendwo sonst bekommt man in so kurzer Zeit so viel theoretisches und praktisches Wissen vermittelt wie in einem dualen Studium.“

Arbeitgeberstatements

Gute Übernahme- und Aufstiegschancen

Was müssen dual Studierende für den Arbeitsmarkt idealerweise mitbringen? Und welche Einsatzmöglichkeiten und Karriereperspektiven haben sie? Studienwahl.de hat bei drei Personalverantwortlichen nachgefragt.

Bettina Schooß hat braune, schulterlange Haare und trägt einen Anzug.

Foto: Privat

Bettina Schooß,
Fachreferentin Ausbildung der TUI AG in Hannover:

„Wer sich für ein duales Studium bewerben möchte, sollte gute Noten mitbringen, v.a. in Mathematik, Deutsch und Englisch. Auch Praktika, außerschulisches Engagement und Auslandsaufenthalte werden bei uns honoriert. Bewerber/-innen sollten zudem über ein hohes Maß an Motivation und Selbstständigkeit verfügen und sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren. Während der Praxisphasen werden dual Studierende in verschiedenen kaufmännischen und touristischen Fachabteilungen eingesetzt sowie vier Wochen lang in der Reiseleitung einer TUI-Destination. Absolvent(inn)en können später verschiedene Positionen im Konzern übernehmen, etwa im Hotelbereich oder Personalwesen.“

Martin Biller hat kurze, dunkelbraune Haare und trägt einen Anzug mit Krawatte.

Foto: Privat

Martin Biller,
Teamleiter technische Ausbildung bei der Leoni Kabel Holding GmbH in Roth:

„Wir setzen betriebswirtschaftliches Interesse, technisches Verständnis, eigenverantwortliches Arbeiten und Spaß an Teamarbeit voraus. Zudem verlangen wir gute Leistungen in Mathematik, Deutsch, Englisch sowie – je nach Studiengang – auch in Wirtschaft und Recht. Die dual Studierenden sammeln bei uns Erfahrungen in unterschiedlichen Abteilungen, u.a. in Verfahrenstechnik, Forschung und Entwicklung, Produktmanagement sowie Produktion. BWL-Studierende erwerben außerdem fundierte Kenntnisse in den Bereichen Vertrieb, Rechnungswesen, Einkauf und Personal. Ein erfolgreich abgeschlossenes duales Studium bietet die perfekte Grundlage für eine Führungsposition im Unternehmen.“

Birgit Klimek hat braune, schulterlange Haare, trägt eine Brille und einen roten Schal.

Foto: Privat

Birgit Klimek,
Leiterin Nachwuchskräfte der Berliner Sparkasse:

„Grundvoraussetzung für eine Tätigkeit bei uns ist ein ausgeprägtes Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen. Außerdem sollten Bewerber/-innen kundenorientiert sein, Freude an der Arbeit im Team haben sowie analytisch denken können. Dual Studierende durchlaufen bei der Berliner Sparkasse verschiedene Stationen im Vertrieb. Der Fokus liegt auf der Privat- und Firmenkundenberatung – dazu gehören z.B. der Zahlungsverkehr sowie das Kredit- und Wertpapiergeschäft. Wir bieten im Anschluss an ein duales Studium vielfältige Übernahmechancen und attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Praxisintegrierendes Studium „Onlinemedien“

Internet und Multimedia in Theorie und Praxis

Der hohe Praxisbezug ihres Studiums hat es Jill Zander angetan: Die 21-Jährige studiert den praxisintegrierenden dualen Bachelor „Onlinemedien“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach. Parallel dazu arbeitet sie am Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS).

Jill Zander hat lange braune Haare und trägt ein weißes Oberteil.

Foto: Privat

Die Welt der Medien hat sie schon immer fasziniert – doch sie wollte auch von Anfang an Praxiserfahrungen sammeln. Da war ein Studium an der DHBW eine naheliegende Option. „Um einen Studienplatz zu bekommen, muss man zunächst einen Arbeitgeber finden, der mit der DHBW kooperiert. Mit der Zusage des Praxispartners erhält man i.d.R. auch den Studienplatz an der DHBW“, erklärt Jill Zander. „Auf der Website der Hochschule fand ich eine Liste mit Partnerunternehmen und bewarb mich bei mehreren dieser Einrichtungen. Vom HITS erhielt ich schließlich eine Zusage.“ Bevor das eigentliche Studium losging, musste sie jedoch noch ein dreimonatiges Vorpraktikum am Forschungsinstitut absolvieren – eine zusätzliche Bedingung ihres Arbeitgebers.

Seit drei Semestern lernt sie nun alles, was zum Bereich Online-Medien dazugehört: von der Programmierung mit HTML, CSS und Java bis hin zu Themen wie E-Commerce, Online-Shops, Marketing und „Usability“ (Benutzerfreundlichkeit). Auch Multimedia, Online-Recht, Statistik, Fotografie und Film sind Inhalte des Studiums. „Im vergangenen Semester haben wir z.B. einen Film gedreht, der inzwischen auch auf Youtube zu sehen ist“, berichtet die Studentin.

Festes Gehalt, Einblicke in die Arbeitswelt

Ein duales Studium hat aus ihrer Sicht viele Vorteile: „Da ich bereits ein festes Gehalt bekomme, kann ich mir meinen Alltag selbst finanzieren. Ich erhalte zudem direkte Einblicke in die Arbeitsabläufe eines Unternehmens. Und die Wahrscheinlichkeit, nach dem Studium vom Partnerunternehmen übernommen zu werden, ist hoch.“ Dennoch warnt sie: „Man darf die Arbeitsbelastung nicht unterschätzen. Eine 40-Stunden-Woche ist bei mir die Regel. Selbst in den Theoriephasen gibt es oft Projekte außerhalb der Vorlesungszeiten. Laut Studienplan wechseln sich Theorie- und Praxisphasen etwa alle drei Monate ab, wobei einzelne Abschnitte auch etwas länger gehen können.“

Derzeit arbeitet sie in ihren Praxisphasen schwerpunktmäßig an dem HITS-Krankenatlas – einer interaktiven Anwendung, bei der man herausfinden kann, an welchen Orten in Deutschland bestimmte Krankheitsbilder besonders häufig auftreten. „Ich habe hierzu u.a. die Programm-Oberfläche entworfen und Testverfahren mit sogenannten Eyetrackern durchgeführt, um zu sehen, wo der Nutzer bzw. die Nutzerin auf der Website hinschaut“, erklärt Jill Zander stolz.

Im Anschluss an ihr sechssemestriges Studium möchte sie weitere Berufserfahrungen sammeln und vielleicht noch einen Master dranhängen, z.B. in Medienpsychologie oder Design – beides Bereiche, die sie sehr interessieren.

Ausbildungsintegriertes Studium „Softwaretechnik“

Ein Studiengang, zwei Abschlüsse

Das reine Vollzeitstudium in Informatik war ihm zu theoretisch – deshalb wechselte Johannes Rottler (28) in den ausbildungsintegrierten dualen Studiengang „Softwaretechnik“ (B.Sc.) an der Fachhochschule Dortmund. Der junge Mann befindet sich derzeit im fünften Fachsemester und bereitet sich auf seine IHK-Prüfung vor.

Johannes Rottler hat kurze braune Haare, trägt ein Kapuzen-Shirt und sitzt gerade vor einem PC in einem Büro.

Foto: Vanderlande Industries

Schon in der Schule konnte sich Johannes Rottler für Informatik begeistern. „Nach dem Abitur entschied ich mich zuerst für ein reines Informatikstudium. Das hat mir aber nicht so gut gefallen – viel zu theoretisch. Ich habe mich dann nach einer Alternative umgesehen und bin auf das ausbildungsintegrierte duale Modell in Dortmund gestoßen“, erzählt der Student. Gut findet er dabei v.a., dass er zwei anerkannte Abschlüsse macht: den IHK-Abschluss als Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung nach sechs Semestern und den Bachelorabschluss nach neun Semestern.

Ohne Ausbildungsvertrag kein Studienplatz

Um zum Bachelorstudium zugelassen zu werden, musste Johannes Rottler zunächst einen Ausbildungsbetrieb suchen. Er bewarb sich bei verschiedenen Praxispartnern der FH Dortmund, durchlief diverse Assessment Center und Vorstellungsgespräche. Am Ende erhielt er eine Zusage von Vanderlande Industries, einem Dortmunder Unternehmen, das Software für automatisierte Lager- und Materialflusssysteme entwickelt. „Donnerstags und freitags arbeite ich immer im Unternehmen, montags bis mittwochs geht es an die Hochschule“, beschreibt Johannes Rottler seinen Alltag.

In seinem Studium beschäftigt er sich u.a. mit Rechnerstrukturen und Betriebssystemen, Programmierung, Datenbanken, Datenschutz und -sicherheit, Mathematik sowie Betriebswirtschaft. Die Klausuren finden meist in der vorlesungsfreien Zeit statt.

Software für Kundenprojekte

„Bei Vanderlande Industries werde ich in der Abteilung Kundenprojekte eingesetzt. Ich programmiere Software und bin verantwortlich für einzelne Projektkomponenten.“ Für seine Arbeit erhält er eine Ausbildungsvergütung.

Momentan bereitet sich Johannes Rottler auf die Fachinformatiker-Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer vor. Sollte er diese bestehen, wird er von seinem Arbeitgeber in weiteren Projekten eingesetzt, bis das Bachelorstudium fertig ist. „Danach werde ich höchstwahrscheinlich übernommen“, hofft der junge Mann. Ob er später noch einen Master absolvieren wird, hält sich Johannes Rottler momentan noch offen.

Weitere Informationen

Studienwahl.de

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In den Porträts vorgestellte Studiengänge:

Weitere Links:

  • Ausbildungplus
    Das Portal bietet einen Überblick über Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikation und duale Studiengänge:
    www.ausbildungplus.de
  • BERUFENET
    Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berusbeschreibungen in Text und Bild:
    http://berufenet.arbeitsagentur.de
  • Hochschulkompass
    Informationen über deutsche Hochschulen und deren Studienangebote von der Hochschulrektorenkonferenz:
    www.hochschulkompass.de
  • Dipolo
    Informationen verschiedener Industrie- und Handelskammern zum dualen Studium in den Regionen Nürnberg, Niederbayern und im Rheinland:
    www.dipolo.de
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