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Ein Tablet und ein Apfel liegen auf der Wiese

Offizieller Studienführer für Deutschland

Foto von Paris mit Blick auf den Eifelturm.
Frankreich gehört bei deutschen Studierenden zu den beliebtesten Ländern für einen Auslandsaufenthalt. Foto: WillmyCC / Möller
Studieren in Frankreich
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Nachdem Sophie Zimmer während ihres Bachelorstudiums der Kulturwissenschaften ein Jahr in Südkorea verbracht und die angespannte Sicherheitslage dort hautnah miterlebt hatte, wollte sie sich auch akademisch mit diesem Thema beschäftigen. Am Pariser Institut d’études politiques, kurz Sciences Po genannt, fand sie einen Masterstudiengang, der perfekt zu ihren Interessen passte: Internationale Sicherheitspolitik mit Schwerpunkt Nordostasien. Die Grande École zählt zu den Elitehochschulen des Landes, wer hier studiert, strebt in der Regel eine internationale Karriere oder eine hochrangige Position in der nationalen Administration an. Auch der Traum von Sophie Zimmer ist es, nach dem Studium bei einer internationalen Organisation wie der UNO zu arbeiten.

Eine Europakarte

Foto: WillmyCC

Im Sommer 2012 ging es für die 24-Jährige von Frankfurt an der Oder nach Paris – nach einem aufwändigen Bewerbungsverfahren: Neben Empfehlungsschreiben von zwei Professor(inn)en und zwei Arbeitgeber(inne)n musste sie auch ein Motivationsschreiben bei der Bewerbung einreichen. „Daran habe ich besonders lange gesessen. Ich habe versucht, genau zu beantworten, was ich mit dem Studium erreichen will und warum ich mich für diesen Studienort interessiere“ erzählt Sophie Zimmer. „Am Ende habe ich das Schreiben auch von Freund(inn)en lesen lassen, die an der Sciences Po studiert haben.

Eine weitere Voraussetzung war eine sehr gute Note im Bachelorabschluss, die sie mit einem Schnitt von 1,5 vorweisen konnte. Für das Zusammenstellen der Unterlagen, die online bei der Hochschule eingereicht werden, holte sie sich Hilfe vom Institut Français in Berlin, wo sie ihre Zeugnisse beglaubigen ließ. Dort half man ihr auch, Dokumente wie ihr Abiturzeugnis zu übersetzen.

Voraussetzungen und Bewerbung

Frankreich gehört bei deutschen Studierenden zu den beliebtesten Ländern für ein Studium oder einen Studienaufenthalt im Ausland – laut Bericht „Deutsche Studierende im Ausland 2012“ des Statistischen Bundesamts belegt es konstant Rang sechs unter den beliebtesten Studiendestinationen.

Wer zum Studieren nach Frankreich gehen möchte – für einige Semester oder wie Sophie Zimmer für ein komplettes Studium – der benötigt zunächst einmal zumindest die (fachgebundene) Hochschulreife, europäisches Abitur oder das an vielen Gymnasien angebotene deutsch-französische Abitur „Abibac“ (= Kombination aus Abitur und baccalauréat). Mit der deutschen Fachhochschulreife kann man lediglich mit Aufnahmegenehmigung und erfolgreicher Sonderprüfung ein Studium in Frankreich aufnehmen.

Foto von Peggy Rolland

Foto: Privat

Das Bewerbungsverfahren um ein Studium in Frankreich läuft an den meisten Unis vom 20. Januar bis zum 20. März über das Internetportal „Admission Post Bac“. „Manche Hochschulen haben jedoch noch ihr eigenes Zulassungssystem. Es ist also empfehlenswert, sich zuerst an der gewünschten Universität über die Zulassung zu informieren“, rät Peggy Rolland vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Dies gilt auch für Grandes Écoles wie die Sciences Po, bei denen es oftmals spezielle Zulassungsverfahren für ausländische Studierende gibt. Je nach Studiengang sind außerdem Sprachnachweise erforderlich. Informationen über die Sprachbedingungen erhält man bei den Immatrikulationsbüros oder akademischen Auslandsämtern (Service des Relations Internationales) der Hochschulen. Wesentlich einfacher ist das Procedere, wenn Interessierte sich für einen binationalen Studiengang der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) mit Doppelabschluss entscheiden (siehe Reportage „“).

Zwischen Licence und l’année universitaire

Die meisten Studierenden in Frankreich sind an Universitäten immatrikuliert. Daneben gibt es die Grandes Écoles, die in der Regel auf eine Fachrichtung spezialisiert sind und erst nach einer Aufnahmeprüfung besucht werden dürfen. Dementsprechend ist die Anzahl der Studierenden hier niedriger und die persönliche Betreuung besser. Hinzu kommen die Instituts Universitaires de Technologie (IUT) sowie Kunst- , Musik- und Architekturhochschulen.

Eine französische und eine englische Flagge.

Foto: WillmyCC

Das französische Pendant zum Bachelorabschluss ist die „Licence“, die man ebenfalls innerhalb von drei Jahren erwerben kann. Der Master kann fünf, das Doktorat acht Jahre nach dem Abitur erworben werden. Die meisten Hochschulen unterscheiden zwischen praxisnahen Masterstudiengängen und solchen, bei denen der Schwerpunkt auf der Forschung liegt. Da das System nicht unkompliziert und die Begriffe zahlreich sind, lohnt es sich, die ausführlichen Informationen zum Hochschulsystem auf den Seiten von Campus France zu nutzen. Das Infobüro ist ein Service der Französischen Botschaft in Deutschland mit Sitz im Berliner Institut Français.

Das Studium in Frankreich kann ausschließlich zum Wintersemester aufgenommen werden, also zu Beginn des Studienjahres („l’année universitaire“) zwischen Mitte September und Anfang Oktober. Mitte Januar ist das erste Semester zu Ende. Das zweite Semester dauert von Februar bis April / Mai. Ein Semester endet immer mit einer Prüfungsphase.

Kosten und finanzielle Unterstützung

Die französischen Studiengebühren liegen im Durchschnitt bei rund 180 Euro pro Licence- und etwa 250 Euro pro Master-Studienjahr. Private Unis und einige Grandes Écoles erheben höhere Beiträge. Zu den Immatrikulationsgebühren kommen ungefähr 200 Euro für die studentische Sozialversicherung hinzu, von der deutsche Studierende befreit sind, wenn sie über die europäische Krankenversicherungskarte nachweisen können, dass Sie in Deutschland versichert sind. Auch beim Thema Gebühren helfen die Informationen von Campus France weiter.

Foto von Sophie Zimmer

Foto: Privat

Unterstützung bei der Finanzierung des Auslandsaufenthalts erhalten deutsche Studierende unter anderem vom DAAD, der Jahresstipendien anbietet, für die man sich frühestens ab dem zweiten Semester bewerben kann. Der Antragstermin ist einmal jährlich zum 1. November. Das Stipendium umfasst eine monatliche Rate von 725 Euro sowie eine Reisekostenpauschale und Versicherungsleistungen. Über das DAAD-Programm PROMOS bieten die Hochschulen verschiedene Kurzstipendien an, zum Beispiel Semesterstipendien und Sprachkursstipendien. Das Angebot variiert von Hochschule zu Hochschule.
Außerdem können sich die Studierenden an ihrer Hochschule um einen Austausch im Rahmen des ERASMUS-Programms bewerben (siehe Reportage „“). Auch die Hochschulen im Netzwerk der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) vergeben Stipendien. „BAföG-Empfänger/-innen haben zudem die Möglichkeit, Auslands-BAföG zu beantragen“, erläutert Peggy Rolland.

Grundsätzlich empfiehlt die DAAD-Expertin jedem, vor dem Auslandsaufenthalt in einem Sprachkurs die eigenen Französischkenntnisse aufzufrischen. Bevor Sophie Zimmer für ihren Master nach Paris ging, hatte sie einen Vorbereitungskurs an der Humboldt-Universität Berlin besucht. Dort konnte sie sich nicht nur sprachlich vorbereiten, sondern erfuhr unter anderem, wie man in Frankreich eine Wohnung findet und ein Konto eröffnet. Zwar findet ihr Studium auf Englisch statt, dennoch hat sich ihr Französisch enorm verbessert, seit sie in Paris ist. Denn: „Was die Verwaltung angeht, läuft in der Uni alles auf Französisch.“

Studienstrukturen starrer als in Deutschland

„Es wird oft gesagt, dass das französische Hochschulsystem viel verschulter sei als das deutsche. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Aufbau des Studiums einer ziemlich starren Struktur folgt“, sagt Peggy Rolland. An den Universitäten sind die Lehrveranstaltungen meist in Form von Modulen aufgebaut. Ein Modul ist eine Gruppe von Lehrveranstaltungen, die aus „Cours Magistraux“ (Vorlesungen) und aus „Travaux Dirigés“ (TD) oder „Travaux Pratiques“ (TP) bestehen. Bei den „Cours Magistraux“ kann die Teilnehmerzahl zwischen 100 und 1000 Studierenden liegen. Der Dozent oder die Dozentin liest einen Vortrag ab, den die Hörer mitschreiben. In den TD und TP wird in einer kleineren Runde der Inhalt der Vorlesung vertieft. „Innerhalb eines Semesters kann man die Kurse nur bedingt auswählen. Oft besteht eine Grundstruktur, von der man nur geringfügig abweichen darf.“

Eine Frau hält ein Französisch Wörterbuch in der Händen

Foto: Armin Weigl / WillmyCC

Auch Sophie Zimmer verlangt das Studium viel ab, lernen am Wochenende gehört dazu. „Man hat gar nicht die Möglichkeit, einen Tag nichts für die Uni zu tun, sonst hängt man hinterher“, beschreibt sie den stressigen, aber spannenden Unialltag an der Sciences Po. Viele ihrer renommierten Dozent(inn)en kommen aus der Praxis und können spannende Lebensläufe vorweisen. So werden die Studierenden zum Beispiel von einem Kriegsmediator der Vereinten Nationen in Konfliktverhalten unterrichtet. Und auch in den Ferien warten häufig anspruchsvolle Projekte. „Das kann man nur schaffen, wenn man sich regelmäßig Freiräume schafft“, weiß die Studentin mittlerweile. Sie freut sich riesig, wenn sie demnächst einmal ganz frei hat und endlich durch die Pariser Museen streifen kann.

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Interview

Eine Vielzahl an Möglichkeiten

Agnès Bousset, Leiterin des Informationsbüros Campus France Deutschland in Berlin, gibt im Interview Auskunft über Bewerbungsmodalitäten und Studienmöglichkeiten in Frankreich.

studienwahl.de: Frau Bousset, welche Möglichkeiten haben deutsche Studierende, die in Frankreich studieren möchten?

Foto von Agnès Bousset

Foto: Privat

Agnès Bousset:
Eine beliebte Möglichkeit ist das bi- oder trinationale Bachelor- oder Masterstudium, das von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) angeboten wird. Die DFH ist ein Verbund von rund 180 Partnerhochschulen in Deutschland und Frankreich. Binationale Studierende aus Deutschland absolvieren häufig das erste Studienjahr an einer deutschen Hochschule, anschließend geht es nach Frankreich. Man bewirbt sich direkt bei einer deutschen Hochschule, die an dem Programm der DFH teilnimmt. Von Geschichtswissenschaft bis Mechatronik werden die unterschiedlichsten Fachrichtungen angeboten. Eine andere Möglichkeit ist, sich individuell für einen Studiengang an einer französischen Hochschule einzuschreiben. Viele Studierende, die sich für diese Variante entscheiden, haben sowohl das deutsche Abitur als auch das französische „baccalauréat“ (Abibac) oder schon während der Schulzeit ein Jahr in Frankreich verbracht.

studienwahl.de: Und wie sieht es mit kürzeren Studienaufenthalten aus?

Agnès Bousset: Hier empfiehlt sich das ERASMUS-Programm der europäischen Union. Im Rahmen des Programms geht man für ein oder zwei Semester an eine Partneruni der eigenen Hochschule. In der Regel sind ausreichend Plätze vorhanden, und auch die Anerkennung der im Ausland erworbenen Studienleistungen ist gesichert. Vor der Abreise unterzeichnet man mit dem ERASMUS-Beauftragten der eigenen Uni ein sogenanntes Learning Agreement: Darin wird festgelegt, dass die Kurse, die man in Frankreich belegt, bei der Rückkehr anerkannt werden und wie viele ECTS-Punkte man pro Semester sammelt. Wer mit ERASMUS ins Ausland geht, erhält außerdem ein europäisches Stipendium in Höhe von ungefähr 180 Euro pro Monat. Man sollte aber bedenken, dass das Leben beispielsweise in Paris viel teurer ist als in Berlin.

studienwahl.de: Und wenn man bei den Partnerunis der eigenen Hochschule keinen passenden Studiengang findet?

Agnès Bousset: Dann besteht die Möglichkeit, sich als „Freemover“ selbständig an einer französischen Uni zu bewerben. Dafür gibt es das Programm PROMOS vom DAAD, die Bewerbung ist aber komplizierter, und das Learning Agreement muss zum Beispiel selbst organisiert werden.

studienwahl.de: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, wenn man sich für einen Studienaufenthalt in Frankreich interessiert?

Agnès Bousset: Die Hauptvoraussetzung sind natürlich gute bis sehr gute Französischkenntnisse. Das Sprachniveau wird durch ein Zertifikat nachgewiesen (DELF-DALF oder TCF). Für ingenieur- und naturwissenschaftliche Studiengänge wird in der Regel das Sprachniveau B1 vorausgesetzt, für geisteswissenschaftliche Fächer B2. An manchen Pariser Unis wird sogar das Niveau C1 verlangt. Wer sich für ein Masterstudium in Frankreich interessiert, sollte einen Bachelorabschluss in einem ähnlichen Fach mitbringen. Bei binationalen Studiengängen wird außerdem viel Wert auf die Abiturnote und das Motivationsschreiben gelegt. Wir beraten Abiturient(inn)en und Studierende beim Campus France Deutschland dazu, was alles in so ein Schreiben hinein gehört.

studienwahl.de: Werden die Studienleistungen bei der Rückkehr nach Deutschland anerkannt?

Agnès Bousset: Studienleistungen einer öffentlichen Hochschule in Frankreich kann man sich in der Regel vom jeweils zuständigen Prüfungsausschuss an der deutschen Hochschule problemlos anerkennen lassen. Bei privaten Hochschulen, vor allem bei den Écoles de commerce, kann das schwieriger sein. Hier sollte man sich vorher genau informieren. Wer mit ERASMUS nach Frankreich geht, legt vorher fest, in welcher Höhe die dort erbrachten Leistungen anerkannt werden.

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Auslandssemester mit ERASMUS

„Alle schreiben ununterbrochen mit“

Matthias Kaiser (23) studiert Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Rosenheim. Im Rahmen des ERASMUS-Programms ging er im Sommer 2012 für ein Semester ins französische Lille.

Die Französischkenntnisse aus dem Leistungskurs auffrischen, endlich mal raus aus dem Elternhaus, neue Erfahrungen sammeln – für Matthias Kaiser gab es viele gute Gründe, im fünften Semester seines Bachelorstudiums ins Ausland zu gehen. „Mein BWL-Studium bot mir wenige Möglichkeiten, mein Französisch zu vertiefen. Und natürlich weiß ich, dass auch viele Unternehmen Wert auf Auslandserfahrungen legen“, erzählt der 23-Jährige. Ein Jahr im Voraus bewarb er sich an seiner Hochschule für das ERASMUS-Programm. In der Bewerbung gab er die drei Partnerunis der FH Rosenheim an, die ihn am meisten interessierten. Ein halbes Jahr nach der schriftlichen Bewerbung wurde er zu einer Auswahlsitzung eingeladen, bei der er auch ein Motivationsschreiben vorlegen musste, und bekam wenig später die Zusage – für seine Wunschuni, die Université Lille 1.

Foto von Matthias Kaiser

Foto: Privat

Zwar hatte er sich bereits in Deutschland überlegt, welche Fächer er in Frankreich belegen wollte, und dies mit seinen deutschen Professor(inn)en abgesprochen – vor Ort sah dann aber doch alles ein bisschen anders aus, und manche Fächer wurden gar nicht angeboten. Per E-Mail konnte er mit den Verantwortlichen in der Heimat allerdings doch noch die Anerkennung der Studienleistungen klären. Seine Abschlussprüfungen am Ende des Semesters bestanden größtenteils aus Projektarbeiten, die in der Gruppe bearbeitet wurden. Nach seiner Rückkehr reichte Matthias Kaiser seine Studienleistungen bei der Prüfungskommission seiner Hochschule ein.

Vorlesungen im wahrsten Sinne des Wortes

Vor Semesterstart besuchte er in Lille einen einwöchigen Intensivsprachkurs. Schon nach kurzer Zeit kam er gut zurecht, auch fachlich bereitete ihm der Unterrichtsstoff keine Probleme. „Aber die Vorlesungen sind anders als in Deutschland, daran musste ich mich erst gewöhnen.“ Statt eineinhalb Stunden sitzen die Studierenden häufig über drei Stunden in einer Veranstaltung. Und die gleicht oft einem Diktat. „Alle schreiben ununterbrochen mit, und man bekommt sofort einen Rüffel, wenn man sich mit etwas anderem beschäftigt oder auf sein Handy schaut. Und wer später als der Prof kommt, braucht den Hörsaal gar nicht erst zu betreten.“ Außerdem herrscht überall Anwesenheitspflicht. Auch auf dem Campus der Universität musste sich Matthias erst zurechtfinden: „Das Gelände ist so groß, dass es dort zwei U-Bahn-Stationen gibt und man von einem Büro zum anderen schon mal eine halbe Stunde zu Fuß braucht.“

Über die Uni wurde ihm ein Zimmer in einem Studentenwohnheim vermittelt. Er beantragte Wohngeld bei der französischen Familienkasse CAF, die seine Miete ab dem zweiten Monat mit 80 Euro monatlich bezuschusste. Zusätzlich erhielt er eine ERASMUS-Förderung von 170 Euro pro Monat. Studiengebühren musste er keine zahlen. Während des Auslandsaufenthalts griff der BWL-Student auch auf seine Ersparnisse zurück und wurde von seinen Eltern finanziell unterstützt. „Ich habe schnell gemerkt, dass das Leben in Frankreich deutlich teurer ist als in Deutschland. Wenn man ausgeht, bezahlt man für eine Cola schnell mal fünf Euro“, berichtet er. „Dafür ist die Lage der Stadt ideal, um am Wochenende Ausflüge in die Normandie, nach Paris oder Brüssel zu unternehmen.“

Matthias Kaiser hat während seiner Zeit in Lille nicht nur viele Franzosen, sondern auch ERASMUS-Studierende aus den unterschiedlichsten Nationen kennengelernt – und sei dadurch „viel weltoffener“ geworden. „Wichtig ist, dass man selbst die Initiative ergreift und auf andere zugeht“, rät der BWL-Student, der bereits über seinen nächsten Auslandsaufenthalt nachdenkt.

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Angewandte Politikwissenschaft

Studium im Breisgau und der Provence

Ein binationales Bachelor-/Masterprogramm mit integrierten Praxisphasen und engem Kontakt zu französischen Kommiliton(inn)en: Das bietet der Studiengang „Angewandte Politikwissenschaft“, der von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen mit dem Institut d’Études Politiques d’Aix-en-Provence angeboten wird. Dinah Abd El Aziz (24) gehört zu einem der ersten Jahrgänge, die diesen deutsch-französischen Studiengang durchlaufen. Besonders toll findet sie die Nähe zur internationalen Politik.

„Eigentlich hatte ich vor meinem Studium nicht allzu viel mit Frankreich zu tun. Französisch hatte ich in der Schule nur als Grundkurs. Für Politik habe ich mich aber schon immer begeistert“, erzählt die 24-Jährige. Auf das binationale Programm in Freiburg und Aix-en-Provence ist sie damals bei einer Internetrecherche gestoßen. „Ich habe mich dann einfach in Freiburg beworben und am Auswahlverfahren teilgenommen.“

Mehrstufiges Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren an der Uni Freiburg war anspruchsvoll: „Zunächst musste ich an einem 45-minütigen Multiple-Choice-Test teilnehmen, bei dem unter anderem Fragen zum politischen System Deutschlands und zum aktuellen Tagesgeschehen gestellt wurden. Später war dann ein schriftlicher Französisch-Test an der Reihe. Schon am nächsten Tag erfuhr ich über einen Aushang, dass ich den Französisch-Test erfolgreich bestanden hatte und an einem rund 30-minütigen Interview teilnehmen durfte. Dafür musste ich einen fünf- bis zehnminütigen Vortrag auf Französisch vorbereiten. Nachdem ich auch diesen Test bestanden hatte, war mir ein Studienplatz sicher“, berichtet Dinah Abd El Aziz. Insgesamt werden pro Jahr nur etwa zehn bis 15 deutsche und ebenso viele französische Bewerber/-innen zugelassen.

Foto von Dinah Abd El Aziz

Foto: Privat

Der binationale Studiengang „Angewandte Politikwissenschaft“ wurde zum Wintersemester 2006/2007 aus der Taufe gehoben und wurde über die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) akkreditiert. Auf dem Programm stehen die drei Teilbereiche der Politikwissenschaft (Internationale Beziehungen, Politische Theorie und Vergleichende Regierungslehre) sowie interdisziplinäre Aspekte, wie etwa Geschichte, öffentliches Recht, Wirtschaft oder berufsfeldorientierte Kompetenzen.

Das erste Studienjahr findet in Freiburg statt, danach geht es für ein Jahr in die Provence. Im fünften Semester absolvieren die Studierenden ein sechsmonatiges Praktikum in einem frankophonen Land oder bei einer frankophonen Einrichtung. Im sechsten Semester wird die Bachelorarbeit an der Uni Freiburg angefertigt. Das Studium schließt dann zunächst mit dem deutschen Bachelorgrad ab (Bachelor of Arts). Wer im Anschluss daran – wie im Studienprogramm vorgesehen – noch den binationalen Master dranhängt, erhält einen deutsch-französischen Doppelabschluss (Master of Arts der Uni Freiburg und Diplôme de l’Institut d‘Études Politiques).

Zwei Länder, zwei Hochschulkulturen

„Mir persönlich fiel das Pendeln zwischen Deutschland und Frankreich relativ leicht. Aber das ist sicher eine Typ-Frage. Man sollte auf jeden Fall so viel wie möglich an seinen Französischkenntnissen arbeiten“, rät die Politikstudentin. „Das Studium in Frankreich ist stark verschult. Während in Deutschland sehr viel Wert auf die Eigenrecherche und auf das Schreiben von Hausarbeiten gelegt wird, hat man in Frankreich viele Klausuren.“

Und auch das Leben in Frankreich unterscheidet sich deutlich vom Alltag in Deutschland: „Im Vergleich zu Deutschland ist Frankreich um Einiges teurer. Zum Glück bekommt man von der DFH für die Zeit in Frankreich eine Mobilitätsbeihilfe in Höhe von 270 Euro pro Monat. Außerdem konnte ich, da ich in Frankreich in einer WG gewohnt habe, Wohngeld beantragen. Um eine Wohnung in Aix-en-Provence musste ich mich aber weitestgehend selbst kümmern.“

Inzwischen befindet sich Dinah Abd El Aziz im Masterstudium und hat gerade ein mehrmonatiges Praktikum bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen in Wien hinter sich. Ihre berufliche Zukunft sieht sie auch weiterhin in der internationalen Politik: „Im Rahmen meines Masterstudiums mache ich jetzt noch ein Praktikum beim United Nations Development Programme in Indonesien. Nach dem Master möchte ich unbedingt auf dem internationalen Parkett bleiben.“

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Weitere Informationen

Studienwahl.de
Mit dem FINDER können Sie auch gezielt nach internationalen Studiengängen suchen:  www.studienwahl.de/de/studieren/finder.htm

abi >> dein weg in studium und beruf
Informationen über Studiengänge, Berufe und Arbeitsmarktchancen, zugeschnitten auf Abiturient(inn)en:
www.abi.de

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild:
http://berufenet.arbeitsagentur.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
www.daad.de/laenderinformationen/frankreich/de

Campus France
www.campusfrance.org

abibac
Informationen zum deutsch-französischen Abitur
www.ciep.fr/de/abibac

Admission Post Bac
www.admission-postbac.fr

Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH)
www.dfh-ufa.org

Sciences Po Paris
www.sciencespo.fr

Université Lille 1
www.univ-lille1.fr

Seminar für Wissenschaftliche Politik
(Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
http://portal.uni-freiburg.de/politik

Institut d'Études Politiques
(Université Paul Cézanne, Aix-Marseille III)
www.sciencespo-aix.fr/fr_FR

Appartager
Über das Portal kann man Wohngemeinschaften in Frankreich finden.
www.appartager.com

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