
Die Welt als Arbeitsplatz
Internationale Politik, fremde Kulturen und der Kontakt mit Menschen – genau diese Mischung macht für Oskar den Reiz des gehobenen Auswärtigen Dienstes aus. Der 19-Jährige absolviert den Vorbereitungsdienst für den gehobenen Auswärtigen Dienst, ein spezielles duales Studium an der Diplomatenakademie des Auswärtigen Amts in Berlin-Tegel und bereitet sich damit auf einen Beruf vor, der ihn später an deutsche Auslandsvertretungen in aller Welt führt.
Der Weg zum Traumberuf begann für Oskar eher untypisch: Eine Fernsehserie über den diplomatischen Dienst machte ihn erstmals auf dieses Berufsbild aufmerksam. „Ich fand das so spannend, dass ich unbedingt mehr darüber wissen wollte.“ Aus anfänglicher Neugier wurde schließlich ein konkreter Berufswunsch. Bereits während der Oberstufe begann der Beamtenanwärter deshalb mit der Bewerbung für den Vorbereitungsdienst. „Das wollte ich unbedingt machen! Die Mischung aus Praxis und Theorie, ein duales Studium, das genau auf die spätere Tätigkeit im Auswärtigen Dienst vorbereitet, ist genau das, was ich mir nach dem Abitur vorgestellt habe“, erzählt er.
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Ich kann später Menschen helfen, indem ich Pässe oder Visa ausstelle oder einfach Deutschland repräsentiere.
Oskar, dualer Student im gehobenen Auswärtigen Dienst beim Auswärtigen Amt
Anspruchsvolles Auswahlverfahren
Nach der Bewerbung über das Online-Portal INTERAMT folgt zunächst ein mehrstufiges schriftliches Auswahlverfahren. Neben Allgemeinwissen, politischem und wirtschaftlichem Verständnis sowie logischem Denken werden auch Sprachkenntnisse und das situationsbezogene Urteilsvermögen geprüft. Wer diese Hürde meistert, wird nach Berlin eingeladen. Dort warten Interviews, ein psychologisches Gespräch, ein Kurzvortrag zu einem aktuellen politischen Thema sowie ein Rollenspiel, in dem typische Situationen aus dem Berufsalltag simuliert werden. Erst danach folgen die Gesundheitsuntersuchung und die Sicherheitsüberprüfung.
„Als dann die Mail mit der Zusage auf meinem Handy aufploppte, konnte ich es kaum glauben“, erinnert sich Oskar. Rund 100 Beamtenanwärter*innen gehören aktuell zu seinem Studienjahrgang. Wer den Vorbereitungsdienst erfolgreich abschließt, erhält ein Hochschuldiplom und wird, sofern auch die persönliche Eignung für die Beamtenlaufbahn nachgewiesen wurde, in der Regel direkt vom Auswärtigen Amt übernommen.
Studium zwischen Hörsaal und Botschaft
Der Vorbereitungsdienst dauert drei Jahre und verbindet, ähnlich wie andere duale Studiengänge, Theorie- und Praxisphasen. Das Studium ist stark auf die spätere Tätigkeit im gehobenen Auswärtigen Dienst zugeschnitten: Zunächst lernen die Studierenden an der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, Organisationsstrukturen des Auswärtigen Amts sowie rechtliche, Verwaltungs- und sprachliche Inhalte kennen. Im weiteren Verlauf stehen unter anderem internationales Privatrecht, Familien- und Namensrecht, Nachlassrecht sowie Beurkundungsrecht auf dem Stundenplan.
Ergänzt wird die Theorie durch zwei längere Praxisabschnitte. Der erste führt für vier Monate in ein Referat der Berliner Zentrale. „Man wird von Anfang an als künftiger Kollege wahrgenommen“, berichtet der angehende Diplomat. Statt typischer Praktikumsaufgaben habe er direkt an Konferenzen mitgewirkt und eigene Anträge bearbeitet. Im zweiten Praxisteil geht es für sieben Monate an eine deutsche Auslandsvertretung. Dort sammeln die Studierenden erste Erfahrungen im Rechts- und Konsularwesen sowie der Verwaltung, wenden das Gelernte im direkten Kontakt mit Bürger*innen an.
Weltweit im Einsatz
Nach dem Vorbereitungsdienst beginnt für die Absolvent*innen der Berufsalltag im Rotationsprinzip. Etwa alle drei bis vier Jahre wechseln Einsatzort und Aufgabenbereich. Dadurch ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten – von der Visastelle über die Verwaltung bis hin zur Leitung eines Rechts- und Konsularreferats oder auch der Leitung der Verwaltung einer Auslandsvertretung im späteren Verlauf der Karriere.
Oskar blickt dieser Perspektive mit Vorfreude entgegen. Für seine bevorstehende Praxisphase im Ausland hofft der 19-Jährige auf einen Einsatz in Bangkok, alternativ würden ihn auch Kuala Lumpur oder Rabat reizen. Es könnte ihn aber auch nach Brüssel, Bukarest oder in die Mongolei führen. Langfristig möchte er Verantwortung übernehmen und gleichzeitig die Vielfalt des Berufs erleben.
Was ihn besonders motiviert, ist dabei weniger das Reisen als der Kontakt zu Menschen. „Ich kann später Menschen helfen, indem ich Pässe oder Visa ausstelle oder einfach Deutschland repräsentiere“, sagt er. „Dieser Austausch mit anderen Kulturen und Menschen ist genau das, was mich begeistert.“ Dass der Vorbereitungsdienst bereits vergütet wird und Berufseinstieg sowie Übernahme praktisch feststehen, seien für ihn zusätzliche Pluspunkte – ausschlaggebend sei aber die Möglichkeit gewesen, Politik, Recht und internationale Zusammenarbeit in einem abwechslungsreichen Beruf zu verbinden.
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