Umweltschutz studieren
Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder Klimaforschung: Wie kann ein sogenannter „grüner Studiengang" aufgebaut sein und welche beruflichen Perspektiven gibt es im Anschluss? Studienwahl fragt nach an der Bauhaus-Universität Weimar.
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studienwahl.de: Um den Entwicklungen des Klimawandels entgegenzuwirken, werden zunehmend Fachkräfte benötigt, die sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder Klimaforschung auseinandersetzen. Sogenannte grüne Studiengänge werden an zahlreichen Universitäten in ganz Deutschland angeboten und bilden Absolventinnen und Absolventen für eine Vielzahl an Themen aus. Wie kann ein solches Studium aufgebaut sein und wie sind die Berufsperspektiven? Studienwahl fragt nach an der Bauhaus-Universität Weimar.
Saskia Wagner: Ja, ich bin die Saskia, 28 Jahre alt. Ich habe an der Uni in Weimar Umweltingenieurwesen studiert und arbeite derzeit bei der Thüringer Aufbaubank in Erfurt.
studienwahl.de: Studiengänge im Bereich Umweltschutz behandeln die Thematik meist aus ökologischer oder technischer Sicht. Auch Schnittstellen werden vermehrt abgedeckt, um Studierende bestmöglich auf die vielfältigen Einsatzbereiche vorzubereiten.
Saskia Wagner: Ich wusste schon nach dem Abi, dass ich eher in eine technische Richtung gehen möchte, aber auf jeden Fall was Interdisziplinäres haben wollte. Und durch Zufall bin ich damals noch oldschool über diese Bücher, die überall ausgelegen haben in den Gymnasien, auf das Studium Umweltingenieurwissenschaften in Weimar gekommen und da kam dann sofort raus, dass das sehr interdisziplinär ist. Also eigentlich auch die meisten grünen Studiengänge beschäftigen sich ja mit den natürlichen Kreisläufen, mit Wasser, mit der Luft, mit dem Boden. Und da hat sich sozusagen für mich dann alles vereint, was ich machen wollte. Und genau hier in Weimar, das war eigentlich auch so ein bisschen wegen der Verwurzelung in Thüringen, aber auch, weil mir die Unistadt sehr gefallen hat.
studienwahl.de: Das Thema Umweltschutz betrifft die verschiedensten Bereiche, in die die damalige Studentin schon früh Einblicke bekam.
Saskia Wagner: Ich hatte mich schon vorher sehr für Wasser und die Wasserkreisläufe interessiert. Und dann auch als ich an der Uni war, hat sich das bestätigt, dass ich kommunales Abwasser und Trinkwasser sehr spannend finde. Daneben aber auch die ganzen Projekte, die so ein bisschen alle verschiedenen Fächer, Vertiefungsrichtung wieder miteinander verbunden haben. Da gab es Projekte, man musste sich vorstellen, man ist auf einer einsamen Insel und man musste sich nachhaltig versorgen. Oder auch hier, wie gerade hier im Technikum: Man hat seine Labor Praktika gemacht. Das war alles schon sehr spannend.
studienwahl.de: Schon im Studium ist ein hoher Praxisanteil entscheidend, um bestmöglich auf den späteren Arbeitsalltag vorbereitet zu sein.
Saskia Wagner: Ich habe dann die Fachrichtung Wasserwirtschaft vertieft, habe darin auch meinen Masterabschluss gemacht. Nebenbei habe ich aber auch viele Fächer der Energiewirtschaft, der Ressourcenwirtschaft oder auch der Verkehrsplanung besucht. Der Praxisanteil war hoch. Schon im Bachelorstudium hatten wir ein Pflichtpraktikum zu absolvieren. Da konnten wir uns aber auch aussuchen, wo man so hingeht. Während des Studiums wurden wie gesagt, Laborpraktika durchgeführt und wenn man möchte, konnte man sich auch immer als wissenschaftliche Mitarbeiterin engagieren und bewerben. Und dann hatte man noch viel tiefere Einblicke in die eigentliche Laborarbeit und in die Forschungsarbeit bereits.
studienwahl.de: Absolventinnen und Absolventen grüner Studiengänge arbeiten in planerischen kaufmännischen, analytischen oder technischen Bereichen.
Saskia Wagner: Damals hatte ich einen ziemlich fließenden Übergang zwischen Studium und Job. Ich habe dann auch schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin erst angefangen, wurde an der Professur Energiesysteme, dann auch als richtige wissenschaftliche Mitarbeiterin übernommen und hatte dann dort das Glück, zwei Praxisprojekte begleiten zu dürfen. Diese haben sich in dem Bereich Wasserstoffwirtschaft und Wasserstofferzeugung befunden, also auch ein sehr interessantes Zukunftsfeld. Und als diese Projekte dann vorbei waren, habe ich geguckt und habe mich beworben. Ich wollte mal nach Erfurt und dort bin ich durch Zufall auf die Thüringer Aufbaubank gekommen. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich mal in einer Bank arbeite. Aber auch in der Bank gibt es viele Ingenieure, die sich eben mit den verschiedenen Fachbereichen beschäftigen. Denn wir haben ja vorhin über viele Infrastrukturen gesprochen, die es braucht, um Umweltschutz betreiben zu können. Also es braucht die Abwasserentsorgung, es braucht die Recyclingcenter, es braucht Verkehrswege und all diese Infrastrukturen müssen gebaut werden. In vielen Regionen funktioniert das heutzutage nur noch mit Fördermitteln. Diese Fördermittel müssen verwaltet werden, und dazu braucht es dann auch fachkundige Personen, die prüfen: Ist die Baumaßnahme, wie sie geplant ist, in Ordnung? Kann sie umgesetzt werden? Sind alle erforderlichen Genehmigungen da. Und das ist sozusagen meine jetzige Aufgabe auch.
studienwahl.de: In Saskias dynamischem Arbeitsumfeld wechseln sich die Arbeit am Schreibtisch und spannende Außeneinsätze ab.
Saskia Wagner: Mein Arbeitsalltag sieht meistens so aus, dass ich die Anträge der Zuwendungsempfänger bearbeite. Das heißt, es sind bei uns die Zweckverbände. Zweckverbände kümmern sich im Allgemeinen um die Abwasser- und Wasserversorgung der Menschen und stellen bei uns Anträge für Infrastrukturen. Das können Kanäle sein, Kläranlagen oder Erweiterungen von Kläranlagen. Und ich prüfe dann die Anträge, schaue mir an: Was ist geplant? Haben sie alle Genehmigungen vorliegen? Ist das Bauvorhaben im Prinzip durchführbar? Und am Ende, wenn alles gut geklappt hat, darf ich mir das fertige Bauvorhaben auch in echt angucken. Dann fahren wir raus zu den sogenannten Vor-Ort-Kontrollen. Das ist mit der schönste Teil bei meinem jetzigen Job. Momentan bin ich eigentlich sehr zufrieden da, wo ich jetzt bin. Ich bin wieder in meiner alten Vertiefungsrichtung angekommen, in der Wasserwirtschaft und fühle mich da sehr, sehr wohl. In Zukunft kann ich mir vorstellen, weiter in diesem Feld zu arbeiten. Und da gibt es auch sehr, sehr viele Aufgaben. Prinzipiell kann man eigentlich sagen, dass mich das Studium befähigt, in sehr, sehr vielen unterschiedlichen Branchen zu arbeiten. Wer weiß, was die Zukunft in dem Bereich auch noch bringen mag. Ich finde auch Forstwirtschaft, Landwirtschaft, ...viele Dinge interessant. Und da sind wir wieder bei der Interdisziplinarität: Dieses Studium schneidet einfach so viele Bereiche an, dass man sich da meiner Meinung nach auch immer wieder weiterentwickeln und ein bisschen neu entdecken kann.