
Gut vorbereitet ins Ausland
Mit Erasmus+ ins Ausland: Wie bewerbe ich mich? Wann starte ich mit der Planung? Und was gilt für Versicherung und Finanzierung? studienwahl.de beantwortet die wichtigsten Fragen – mit fachlicher Unterstützung von Katharina Ritz, Erasmus+-Koordinatorin an der Eberhard Karls Universität Tübingen.
Wo informiere ich mich, wenn ich ein Auslandssemester machen möchte?
Die erste Anlaufstelle ist das International Office (auch Akademisches Auslandsamt genannt) deiner Hochschule. Dort erhältst du Informationen zu Partnerhochschulen, Bewerbungsfristen und zuständigen Ansprechpartner*innen für deinen Studiengang.
Katharina Ritz empfiehlt: „Eine frühe Beratung hilft dir, Fristen, Finanzen, passende Partnerunis und die Kursauswahl rechtzeitig zu klären. So vermeidest du Verzögerungen im Studium, kannst Fördermöglichkeiten optimal nutzen und bekommst hilfreiche Tipps zu Unterkunft, Sprache und zur kulturellen Vorbereitung – damit du entspannt und gut vorbereitet ins Ausland starten kannst.“
Ist das International Office auch die richtige Anlaufstelle für ein Praktikum im Ausland?
Ja, auch für Erasmus+-Praktika ist das International Office zuständig. Es informiert über Fördervoraussetzungen, Bewerbungsabläufe und notwendige Unterlagen. Die Suche nach einer passenden Praktikumsstelle – etwa bei Unternehmen, Organisationen oder Forschungseinrichtungen – erfolgt in der Regel eigenständig.
Wie bewerbe ich mich für ein Studium im Ausland?
Der Bewerbungsprozess besteht meist aus drei Schritten:
1.Bewerbung an der Heimathochschule
Dafür werden in der Regel ein tabellarischer Lebenslauf, eine Leistungsübersicht und ein Motivationsschreiben verlangt.
2. Nominierung/Bewerbung an der Partnerhochschule im Ausland
Nach der Auswahl schlägt die Heimathochschule geeignete Bewerber*innen der favorisierten Partnerhochschule vor. Anschließend folgt die formale Bewerbung an der Partnerhochschule.
3. Bewerbung für das Erasmus+-Stipendium
Hier geht es um die Beantragung der finanziellen Unterstützung, für die verschiedene spezifische Bewerbungsformulare notwendig sind. Dein International Office unterstützt dich dabei.
Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum im Ausland?
Du suchst dir selbst eine passende Praktikumsstelle. Voraussetzung für die Förderung ist die Einschreibung an einer deutschen Hochschule sowie eine Praktikumsdauer von mindestens zwei Monaten. Sobald du eine Zusage hast, stellst du über das International Office den Antrag auf Erasmus+-Förderung. „Auch hier hilft eine frühe Beratung zu Fristen, Bewerbung und Finanzierung“, betont die Koordinatorin.
Welche Sprachkenntnisse werden verlangt?
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Gasthochschule und Studienfach. Häufig werden Englischkenntnisse auf B1- oder B2-Niveau erwartet, teilweise auch Kenntnisse der jeweiligen Landessprache. An vielen Partnerunis gibt es Sprachkurse, die vor Semesterbeginn starten, oder spezielle Angebote für Erasmus+-Studierende. „Und keine Sorge: Vor Ort und im Alltag verbesserst du deine Sprachkenntnisse automatisch“, merkt Katharina Ritz an.
Wie steht es um die Finanzierung?
„Mit einem Erasmus+ Stipendium musst du keine Studiengebühren an der Partnerhochschule zahlen, sondern erhältst sogar noch einen finanziellen Zuschuss für den Alltag“, erklärt Katharina Ritz.
Die Höhe der Erasmus+-Förderung hängt vom Zielland, der Aufenthaltsdauer sowie der Art des Aufenthalts ab und reicht von 540 Euro monatlich für ein Studium, beispielsweise in Bulgarien oder Slowenien, bis zu 750 Euro für ein Praktikum in Dänemark oder Finnland.
Das Elterneinkommen spielt keine Rolle. Zusätzliche Förderung gibt es im Erasmus+-Programm zum Beispiel für Studierende mit Kind, Behinderung, chronischer Erkrankung, aus einem nicht-akademischen Elternhaus oder bei Erwerbsausfall (250 € pro Monat). Für die Reise erhältst du einen einmaligen Zuschuss, der je nach Distanz zwischen 28 und 1.735 Euro liegen kann – bei umweltfreundlicher An- und Abreise, etwa mit Bahn oder Bus statt mit dem Flugzeug, anteilig erhöht.
„Für die erste Zeit vor Ort solltest du etwas Geld einplanen“, rät Katharina Ritz, „denn bis alles läuft und das Stipendium ausbezahlt wird, müssen Miete, Kaution oder Alltagssachen erst mal aus eigener Tasche finanziert werden“.
Was muss ich beachten, wenn ich BAföG bekomme?
Bis zu 300 Euro der Erasmus+-Förderung bleiben anrechnungsfrei. Beiträge darüber hinaus werden auf das BAföG angerechnet. Wichtig: Die Erasmus+-Förderung ist ein Stipendium und muss – anders als BAföG – nicht zurückgezahlt werden. Auch wer im Inland kein BAföG erhält, sollte prüfen lassen, ob für einen Auslandsaufenthalt ein Anspruch besteht. Hier gelten oft andere Regelungen. Zuständig sind die Auslands-BAföG-Ämter.
Wie läuft die Wohnungssuche?
Die Unterkunft organisierst du selbst. Viele Partnerhochschulen bieten Wohnheimplätze oder private Wohnungsangebote auf speziellen Onlineportalen an. „Auch bei der Wohnungssuche lohnt es sich, früh anzufangen. Die Partneruni und lokale Erasmus-Netzwerke sind oft die besten Anlaufstellen für Tipps und seriöse Angebote“, ergänzt Katharina Ritz.
Darf man während des Erasmus+-Aufenthalts arbeiten?
Ja, ein Nebenjob ist erlaubt, solange dein Studium im Mittelpunkt steht und du die vereinbarten Studienleistungen (Credits) erbringst. Du solltest die Regelungen des Gastlands beachten.
Bin ich im Ausland krankenversichert?
Innerhalb der EU deckt die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) medizinisch notwendige Behandlungen ab. Viele Hochschulen empfehlen zusätzlich eine private Auslandskrankenversicherung, insbesondere für Rücktransporte oder Zusatzleistungen.
Wie lange kann ich mit Erasmus+ ins Ausland?
Das Erasmus+ Programm bietet aktuell verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel „Blended Intensive Programs“, eine Mischung aus Online-Kursen und einem kurzen Aufenthalt von meistens einer Woche an einer Partnerhochschule.
Ein Semesteraufenthalt richtet sich nach den Semesterzeiten der Partnerhochschule, die sich häufig von den Semesterzeiten in Deutschland unterscheiden.
„Wenn es dir aber super gut im Ausland gefällt, kannst du, nach Absprache mit dem International Office, auch länger bleiben“, erklärt Katharina Ritz.
Kann ich Studium und Praktikum im Ausland kombinieren?
Ja, das ist im Erasmus+ Programm möglich. Informiere dich frühzeitig bei deiner Heim- und Gasthochschule über die Möglichkeiten.
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