Typisch Frau – typisch Mann?

Plane deine Zukunft ohne Rollenklischees! Die Arbeitswelt wandelt sich. Trotzdem gelten manche Jobs immer noch als „typisch weiblich“ oder „typisch männlich“. Dabei geht es bei der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium einzig und allein darum, wo deine Stärken und Interessen liegen - und was du werden möchtest.

Viele Entscheidungen bei der Berufswahl werden noch immer von traditionellen Rollenbildern beeinflusst. Aber es tut sich etwas: In den Ingenieurberufen sind mittlerweile etwa 5 Prozent mehr Frauen beschäftigt als 2012. In den Berufen der Informations- und Kommunikationstechnik-arbeiten inzwischen 18 Prozent Frauen, 2014 waren es noch 16 Prozent. 

Der Anteil von Studienabsolventinnen im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik lag 2023 bei fast 34 Prozent, also bei einem Drittel der Studierenden. Ein ähnliches Bild zeigt sich in sozialen Berufen: Derzeit sind etwa 20 Prozent der Beschäftigten Männer. In der Pflege und im Rettungsdienst arbeiten inzwischen rund 23 Prozent Männer, in Kindertagesstätten knapp 8 Prozent. 

Die Zahlen machen deutlich, dass sich etwas bei der klischeefreien Berufswahl bewegt – ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit und Vielfalt in der Arbeitswelt. 

Die Grafik zeigt die am stärksten besetzten Studienfächer männlicher und weiblicher Studierender im Wintersemester 2023/24. Bei Männern: erstens Betriebswirtschaftslehre, zweitens Informatik, drittens Maschinenbau/-wesen, viertens Wirtschaftsinformatik , fünftens Elektrotechnik/Elektronik, sechstens Rechtswissenschaft, siebtens Wirtschaftswissenschaften, achtens Wirtschaftsingenieurwesen, neuntens Bauingenieurwesen/Ingenieurbau, zehntens Medizin. Bei Frauen: Erstens Betriebswirtschaftslehre, zweitens Psychologie, drittens Medizin, viertens Rechtswissenschaft, fünftens Soziale Arbeit, sechstens Germanistik, siebtens Erziehungswissenschaft, achtens Wirtschaftswissenschaften, neuntens Biologie, zehntens Anglistik. Quelle: Statistisches Bundesamt

MINT und SAHGE sind für alle interessant

Foto: Christof Stache
Eine junge Frau beim Radwechsel am Flugzeug.

Heute wissen wir: Jeder Mensch ist einzigartig, daher auch jede Studienfachwahl.

Studiengänge und Berufe im Bereich „MINT“ (das steht für: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), aber auch „SAHGE“ (das steht für: Soziale Arbeit, Haushaltsnahe Dienstleistungen, Gesundheit und Pflege sowie Erziehung und Bildung) bieten nämlich für alle Studieninteressierten attraktive Chancen.

Mit zahlreichen Initiativen und Angeboten wenden sich Hochschulen und Verbände deshalb an Schülerinnen, um diese noch stärker als bisher für technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungen oder MINT-Studienfächer zu begeistern. Und für Schüler gibt es an verschiedenen Hochschulen spezielle Angebote, um den geringen Männeranteil in einigen Fächern (z.B. Lehramt Grundschule, Erziehungswissenschaften, Pädagogik) zu erhöhen.

Informationen und Angebote für Schülerinnen und Studentinnen

Umfangreiche Informationen rund um das Thema Frauen und MINT bietet die Webseite des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT“ (www.komm-mach-mint.de).

Am sogenannten Girls’Day (www.girls-day.de) können Mädchen technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Berufe sowie Studiengänge kennenlernen. Auf der Aktionslandkarte „Girls’Day-Radar“ tragen sich Unternehmen, Hochschulen, Forschungszentren und ähnliche Einrichtungen ein, die bei dem Aktionstag mitmachen und Veranstaltungen anbieten.

Technik schnuppern

Du möchtest konkret wissen, worauf du dich mit einem technischen Studium einlässt? Dann frag an den Hochschulen in deiner Umgebung nach, ob die entsprechenden Fachbereiche Frauen-Schnuppertage, -Sommeruniversitäten o.Ä. anbieten, bei denen du die Fächer und deren Studieninhalte kennenlernen könntest.

  • Das „Niedersachsen-Technikum“ etwa bietet jungen Frauen Einblicke in naturwissenschaftlich-technische Berufe und Studienfächer. Es beinhaltet u.a. ein sechsmonatiges Praktikum in einem Unternehmen (www.niedersachsen-technikum.de).
  • Eine regionale Übersicht über Schnupperangebote von Hochschulen für Frauen und Mädchen gibt es z.B. für Baden-Württemberg im Portal scientifica.de, beim Netzwerk „Zukunft durch Innovation“ (zdi) (zdi-portal.de), für Bayern unter schnuppertage.thws.de sowie bei der „Thüringer Koordinierungsstelle für Naturwissenschaft und Technik“ (www.thueko.de).

Studiengänge nur "für sie"

Einige Hochschulen bieten spezielle Frauenstudiengänge an. Hierzu gehören z.B. Studienangebote verschiedener Fachhochschulen in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen oder Informatik. Die Studienpläne umfassen neben den (auch für die männlichen Kommilitonen verbindlichen) Fachinhalten zusätzliche Lehrveranstaltungen und Schwerpunktsetzungen.

Infos und Service für Frauen an Hochschulen

An den meisten Hochschulen gibt es Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte. Diese haben ein spezielles Angebot für Studentinnen, Doktorandinnen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Professorinnen aufgebaut. Gleichstellungsbüros an Hochschulen bieten unterschiedliche Alltagshilfen wie Informationen und Kontakte zur Wirtschaft und zu Berufsverbänden sowie Unterstützung bei Diskriminierung und sexueller Belästigung.

Die Adressen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten findest du direkt bei den Hochschulen oder im Zentralen Verzeichnis Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an den Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland sowie auf der Webseite von BuKoF, der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen unter www.bukof.de.

Bei vielen Hochschulfrauenbüros gibt es zudem Informationen und Unterstützungsangebote zum Thema „Studieren mit Kind“. Die Webseiten der Hochschulen und der Studierendenwerke bieten dir auch die Möglichkeit, Informationen über die Vereinbarkeit von Familie und Studium abzurufen.

Mentoring und Karriereförderung für Studentinnen

Beim Mentoring begleitet eine erfahrene Person (Mentorin bzw. Mentor) eine Studentin in den ersten Fachsemestern (Mentee), um diese zu unterstützen und in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern.

  • Im „Mentorinnen Netzwerk für Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ in Hessen engagieren sich berufserfahrene Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft, um Studentinnen und Absolventinnen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern. Studentinnen wiederum können als Mentorinnen für Schülerinnen aktiv werden (www.mentoringhessen.de).
  • Im „Ada-Lovelace-Projekt“ in Rheinland-Pfalz motivieren Studentinnen der MINT-Fächer Mädchen und junge Frauen zu einem Studium oder einer Ausbildung in diesen Fächern. Die Mentorinnen geben den Schülerinnen z.B. praktische Tipps und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen (www.ada-lovelace.de).
  • „CyberMentor“ vermittelt Schülerinnen eine persönliche E-Mail-Mentorin, die in Wirtschaft oder Wissenschaft im MINT-Bereich beruflich tätig ist oder ein MINT-Fach studiert. So lassen sich Einblicke in den Beruf und praktische Tipps für die Studien- und Berufswahl gewinnen: (www.cybermentor.de)
  • Das Programm „Careerbuilding“ von Femtec GmbH gibt den Studentinnen höherer Semester die Chance, frühzeitig die richtigen Weichen für den beruflichen Ein- und Aufstieg zu stellen (https://my.career-building.org).

Vernetzung erleichtert den Weg zum Erfolg

Gemeinsam sind sie stark: Gerade Frauen mit Berufen in sogenannten Männerdomänen verbünden und vernetzen sich, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten, einen an ihren Bedürfnissen orientierten fachlichen und beruflichen Austausch zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen. Auch für junge Frauen sind solche Netzwerke oft eine gute Anlaufstelle, um sich ein Bild über die konkrete berufliche Situation des gewählten Fachs zu machen. Über die wichtigsten Frauen-Netzwerke, insbesondere für den Technik- und Informatikbereich, informiert die Webseite des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. (www.kompetenzz.de).

Informationen und Angebote für Schüler und Studenten

Darüber hinaus gibt es auch Informations- und Unterstützungsangebote speziell für junge Männer.

Zu nennen ist hier in erster Linie der Jungen-Zukunftstag Boys‘Day, den das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. koordiniert. Auf der Aktionslandkarte, dem „Boys‘Day-Radar“ kannst du Angebote in deiner Region recherchieren: www.boys-day.de.

In manchen Regionen (etwa in Baden-Württemberg) wird eine Boys’Day-Akademie angeboten. Schüler allgemeinbildender Schulen können dort aktiv die zukunftsorientierten Ausbildungs- und Studienberufe aus den Bereichen Erziehung, Pflege, Soziales und Gesundheit kennenlernen.

Für die Bereiche Pflege und Erziehung gibt es darüber hinaus Angebote speziell für junge Männer:
www.zukunftsberuf-pfleger.de
www.zukunftsberuf-erzieher.de

Stand: 21.04.2026