
Zwischen Netzausbau und Artenschutz
Carina Schmalz ist eine „Verteidigerin der Natur“: Als Ingenieurökologin bei einem Netzbetreiber achtet sie darauf, dass der Bau von Stromtrassen Tiere und ihre Lebensräume möglichst wenig beeinträchtigt.
Mehr Windkraftanlagen und Solarparks bedeuten mehr Energie in deutschen Stromnetzen, die eingespeist und verteilt werden muss. Eine Herausforderung für Netzbetreiber: „Die bisherigen 110-kV-Netze können diese Mengen an dezentral erzeugtem Strom in einigen Bereichen nicht mehr aufnehmen – sie müssen verstärkt und zum Teil neu gebaut werden“, erklärt Carina Schmalz, Ingenieurökologin bei der Avacon Netz GmbH in Helmstedt. So ist es auch bei einer 45 Kilometer langen Trasse in Niedersachsen, mit der sie sich derzeit beschäftigt. Diese soll leistungsstärker werden und wird deshalb neu gebaut. Die neue Trasse soll möglichst direkt neben der bisherigen verlaufen. „Die technischen Planer haben sogenannte Zwangspunkte: Sie müssen etwa auf die Geradlinigkeit der Trasse achten und Raumwiderstände wie Siedlungen umgehen.“ Wenn diese sogenannten Trassierer einen aus technischer Sicht möglichen Verlauf entworfen haben, ist Carina Schmalz an der Reihe: „Als Verteidigerin der Natur kämpfe ich um jeden Quadratmeter.“ Sie muss den Spagat schaffen: „Wie lassen sich die technischen Anforderungen mit einem geringstmöglichen Eingriff in Natur und Landschaft realisieren?“
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Als Verteidigerin der Natur kämpfe ich um jeden Quadratmeter.
Carina Schmalz, Ingenieurökologin bei der Avacon Netz GmbH
Projektmanagement trifft Umweltplanung
Mit ihrer Arbeit hat Carina Schmalz ihre Bestimmung gefunden: Gemeinsam mit einem Team aus verschiedenen Fachbereichen, darunter Mitarbeitende, die für Leitungsrechte und Genehmigungsverfahren zuständig sind, Konstrukteure sowie die erwähnten Trassierer, leistet sie einen Beitrag zur Energiewende. Interdisziplinäres Arbeiten hat sie bereits in ihrem Masterstudium der Ingenieurökologie an der Technischen Universität München zu schätzen gelernt. Damit wollte sie nach ihrem Bachelorabschluss in „Landschaftsarchitektur und Umweltplanung“ an der Universität Hannover noch tiefer in die Materie einsteigen. Module wie Ökosystemmanagement und Renaturierungsökologie gaben ihr dafür den passenden fachlichen Hintergrund. Der Berufseinstieg gelang problemlos: Sie konnte aus mehreren Zusagen wählen. Ihr heutiges Aufgabenfeld umfasst eine Mischung aus Projektmanagement und Umweltplanung. Es erfordert Verständnis für die unterschiedlichen Fachbereiche, technisches Wissen, Organisationstalent, Verständnis für rechtliche Vorgaben sowie Kommunikationsfähigkeit.
Der Knotenpunkt beim Netzausbau
Bei Carina Schmalz laufen mehrere Fäden zusammen: Sie beauftragt externe und damit unabhängige Umweltgutachter, die die geplante Trasse auf Flora und Fauna untersuchen und umweltfachliche Unterlagen erstellen, darunter den Landschaftspflegerischen Begleitplan und den Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag. Die fertigen Gutachten analysiert sie anschließend selbst. Zudem kommuniziert Carina Schmalz mit den zuständigen Behörden und achtet darauf, dass die Planungen den rechtlichen Vorgaben entsprechen: „Das Bundesnaturschutzgesetz brauche ich jeden Tag.“ Dort steht beispielsweise, dass Moore und Sümpfe eine besondere Bedeutung als Biotope haben und dass Fledermäuse und Fischotter streng geschützt sind. „Man muss genau hinschauen und abwägen, wie man beim Netzausbau am wenigsten in Konflikt mit Natur- und Artenschutz gerät.“ Oft bedeuten die Vorhaben im Netzausbau jedoch einen Eingriff: „Da kommen wir nicht drumherum, wenn wir die Energiewende schaffen wollen.“ Was langfristig auch den gefährdeten Arten zugutekomme. „Durch unsere interdisziplinäre Zusammenarbeit können wir wirklich etwas bewirken. Das motiviert mich jeden Tag.“
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