Psychologie

Psychologie gehört zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland. Neben den Klassikern bieten Hochschulen interdisziplinäre Studienmöglichkeiten der Psychologie sowie vielfältige Vertiefungsmöglichkeiten an, vor allem im Masterstudium. Welche genau? Studienwahl fragt nach an der Friedrich -Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

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studienwahl.de: Psychologie gehört zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland. Neben den Klassikern bieten Hochschulen interdisziplinäre Studienmöglichkeiten der Psychologie sowie vielfältige Vertiefungsmöglichkeiten an, vor allem im Masterstudium. Welche genau? Studienwahl fragt nach an der Friedrich -Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. Dr. Susanne Bruckmüller: Mein Name ist Susanne Bruckmüller. Ich bin Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Sozialpsychologie mit Schwerpunkt Gender und Diversity an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof Dr. Matthias Berking: Mein Name ist Matthias Berking. Ich leite den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Madita Herget: Ich bin Madita. Ich bin 23 Jahre und ich studiere jetzt im fünften Semester Psychologie im Bachelor an der FAU in Erlangen. Ich habe einfach in der Schulzeit gemerkt, dass es so sehr viele Bereiche gibt, die mich interessieren, also sowohl der gesellschaftswissenschaftliche Bereich als auch ebenso der naturwissenschaftliche, neurobiologische Bereich und habe einfach gemerkt durch verschiedene Gespräche, dass die Psychologie die gemeinsame Komponente hinter allem ist beziehungsweise sich eben mit all diesen Bereichen irgendwo beschäftigen kann oder da einen Blickwinkel drauf wirft. Im Hintergrund war auch so ein bisschen die Idee eines therapeutischen Beruf, also den mal zu ergreifen, aber das war jetzt für mich persönlich nicht unbedingt maßgebend.

studienwahl.de: Die Nachfrage nach Studienplätzen im Fach Psychologie ist so groß, dass das Fach an allen deutschen Hochschulen örtlich zulassungsbeschränkt ist. Aufbau und Studieninhalte sind deutschlandweit sehr ähnlich geregelt.

Prof. Dr. Susanne Bruckmüller: Das Psychologiestudium ist in Erlangen so aufgebaut wie an den meisten deutschen Universitäten. Wir haben erst mal einen grundständigen Bachelor, den sogenannten polyvalenten Bachelor, der sozusagen die Psychologie in ihrer ganzen Breite so ein bisschen abdeckt und qualifiziert für verschiedene Masterstudiengänge in der Psychologie. Das gibt sozusagen erst mal die Grundlagenfächer. Da gehört zum Beispiel dazu die Allgemeine Psychologie, wo es um so Prozesse geht wie Emotionen, Motivation, Wahrnehmung, Kognition, Denkprozesse. Dann gibt es die Sozialpsychologie, in der es geht um Menschen in sozialen Kontexten: Wie agieren wir in Gruppen? Welche Rolle spielt die soziale Identität?

Madita Herget: Ich hatte meistens so drei bis vier Vorlesungen in der Woche und dann meistens noch so zwei Seminare circa. Da hatte ich eines, wo ich mich daran erinnere, in pädagogischer Psychologie, wo es um Bildungsmythen ging, zum Beispiel um die Frage, ob kleinere Klassen wirklich das Leistungsniveau oder das Bildungsniveau heben, ob Sitzenbleiben etwas bringt und solche Sachen. Und das war auch richtig spannend, weil man so einen wissenschaftlichen Blick auf diese Sachen, zu denen man ja eigentlich schon eine sehr feste Meinung hat, entwickelt hat. Wie hoch der Praxisanteil ist, hängt schon auch von dem Semester ab, in dem man sich gerade befindet. Es gibt die Feldforschungs- und Experimentalforschungspraktika, wo man dann eben eine Studie designt und durchführt. Ansonsten gibt es auch immer in Seminaren Ab und an mal so kleine Praxisanteile. Gerade auch im klinischen Seminar beispielsweise. Das ist auch häufiger so gemacht, dass so eine Person aus unserem Seminar geschauspielert hat und dann eine andere Person hat mit ihr geredet. Oder wir haben so Therapietechniken mal ausprobiert.

studienwahl.de: Abiturientinnen und Abiturienten, die Psychologie studieren möchten, benötigen in der Regel einen sehr guten Abiturschnitt, um zugelassen zu werden. Außerdem ist Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten sowie eine hohe Stressresistenz erforderlich.

Prof. Dr. Susanne Bruckmüller: Ich würde schon sagen, dass das Psychologiestudium insgesamt ein sehr, sehr spannendes Studium ist, aber schon auch ein anspruchsvolles auf jeden Fall. Einfach dadurch, dass man diese verschiedenen Bereiche hat, die man abdeckt und eben auch dadurch, dass ein wissenschaftliches Fach einfach ist. Allerdings bringen das unsere Studierenden in der Regel auch mit, weil man tatsächlich auch leider sagen muss - oder was heißt leider - aber, weil man auch sagen muss, dass die Psychologie ein sehr, sehr beliebtes Fach ist und wir deswegen immer sehr viele mehr Bewerberinnen und Bewerber haben, als wir aufnehmen können, sodass man auch sehr gute Noten braucht, um einen Studienplatz in der Psychologie zu bekommen.

Madita Herget: Man muss schon in der Lage sein, mit einem gewissen Druck auch umzugehen, der einfach durch diese limitierten Masterplätze, gerade wenn man die therapeutische Richtung gehen möchte, einhergeht. Und auch dadurch, dass es natürlich schon eine sehr selektive Gruppe ist, in der man sich bewegt. Also das kann einem schon ein bisschen Druck aufbauen. Ich muss da aber auch wirklich sagen und möchte da auch zu ermutigen, dass nur wenn man vielleicht Probleme hat mit Leistungsdruck in der Schule, dass das im Studium nicht genauso sein muss. Also das Studium ist nicht Schule und es gibt einem einfach die Möglichkeit viel freier zu bestimmen.

Prof Dr. Matthias Berking: Wie sehr stört es, wenn ich selber eine psychische Störung habe, dabei Psychotherapeut zu werden? Da kann man die Position einnehmen, dass es überhaupt nicht stört, sondern dass es im Gegenteil sogar sehr hilfreich ist. Vorausgesetzt, ich habe das erfolgreich bearbeitet, dann ist es tatsächlich eine Ressource.

studienwahl.de: Nach dem grundständigen Bachelorstudium gibt die Schwerpunktwahl im Master zahlreiche Vertiefungsmöglichkeiten, die auf die unterschiedlichsten Arbeitsbereiche vorbereiten.

Prof. Dr. Susanne Bruckmüller: Viele kommen tatsächlich schon mit einem Interesse an auch der klinischen Psychologie und eben diesem ... also Psychotherapie kennt man so als Berufsbild für die Psychologie. Und dann sind manche tatsächlich überrascht, wie vielfältig die Psychologie und auch das Psychologiestudium ist. Dann haben wir zwei Masterstudiengänge. Wir haben den Master Psychologie, der von dieser Breite einfach noch einiges dann beibehält, sozusagen und für verschiedene Berufsbilder qualifiziert. Und wir haben den Master für Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie, der eben spezifisch vorbereitet auf das Berufsbild der psychologischen Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten.

studienwahl.de: Studieninteressierte mit dem Berufsziel Therapeut*in müssen ein polyvalentes Bachelorstudium Psychologie und danach einen Master mit dem Schwerpunkt Psychotherapie absolvieren.

Prof Dr. Matthias Berking: Der erste Schritt besteht eben in diesem polyvalenten Bachelor. Der muss aber zugelassen sein von den jeweiligen Landesprüfungsämtern als ein für den Approbationsstudiengang zum Psychotherapeuten oder zur Psychotherapeutin. anerkannter Bachelor. Im zweiten Schritt werde ich dann einen Master erwerben im Bereich Klinische Psychologie der Psychotherapie. Bundesweit gesehen gibt es doch relativ viele Plätze im klinischen Master. Und vielleicht kann ich dann nicht an meiner absoluten Traumuni den Masterstudiengang kriegen, sondern muss irgendwo hingehen, wo ich vielleicht alleine nicht hingegangen wäre. Aber manchmal entdeckt man auch da sein Glück und wenn man sich das klar macht, dann kann man im Bachelorstudiengang vielleicht ein bisschen entspannter auch studieren. Weil es gibt wirklich wenige, die das wollten, die bislang jetzt den Masterstudienplatz nicht gekriegt haben. Wenn er anerkannt ist, dann kriege ich durch diese beiden Studiengänge die Berechtigung, dass ich mich zur Approbationssprüfung anmelden kann, die von den Landesprüfungsämtern organisiert wird. In Zusammenarbeit mit den Universitäten. Wir bereiten unsere Studierenden hier inhaltlich darauf vor, aber auch organisatorisch. Auch mit den Räumlichkeiten unterstützen wir die Landesprüfungsämter. Und dann absolviert man diese Prüfung. Wenn man die besteht, ist man approbiert. Dann kann man aus rechtlicher Perspektive unbedenklich Psychotherapie, also Heilleistungen im Psychotherapiegereich anbieten, Personen mit psychischen Störungen behandeln. Was man aber noch nicht kann, ist, dass man jetzt seine eigene Praxis gründet und dann mit der Kassenärztlichen Vereinigung im Regelverfahren abrechnet. Da muss ich dann noch eine Weiterbildung machen nach der Approbation, nach dem Studium, die dauert dann auch noch mal fünf Jahre. Aber in der Zeit verdiene ich eigentlich schon Geld. Ich arbeite dann in einer Klinik oder in einer ambulanten Weiterbildungseinrichtung. Kriege schon ganz ordentliches Gehalt, in der Regel ist es ein E13 Gehalt und mach dann noch weitere Fortbildungsveranstaltungen. Und wenn ich dann alles, was da vorgeschrieben ist, absolviert habe, dann habe ich meine Fachkunde. Und mit dieser Fachkunde kann ich mich dann auf frei werdende Sitze bewerben, die die Kassenärztliche Vereinigung dann neu vergibt und in der Regel nach überschaubaren Wartezeiten kriege ich dann auch so einen Kassensitz und kann dann so arbeiten, wie sich viele Personen das vorstellen. Dass ich dann meinen Therapieraum habe in einem schönen Altbau.

studienwahl.de: Für die Arbeit in der klinischen Psychologie benötigen Absolventinnen und Absolventen eine besonders hohe emotionale Stabilität, um den Herausforderungen des Berufsalltag zu begegnen.

Prof Dr. Matthias Berking: Neben diesen Kompetenzen, die man eigentlich in jedem Studiengang braucht, gibt es jetzt im klinischen Bereich natürlich spezifische Kompetenzen, die sich darauf beziehen, dass ich dann mit dem Leid anderer Personen mehr konfrontiert bin als in anderen Berufen. Und als Psychotherapeut habe ich dann vielleicht acht Leute hintereinander, die mir ihr Leid erzählen, die von Traumata erzählen, die weinen, die aufgelöst sind, die nicht mehr wissen, wohin. Und diese Konfrontation mit dem Leid, das ist natürlich jetzt eine besondere Belastung, weswegen Psychotherapeuten schon eine psychische Stabilität brauchen. Die sollte man, glaube ich, wäre schon hilfreich, wenn ich insgesamt sowas mitbringe und dann kann ich das aber auch noch weiter aufbauen, ausbauen, trainieren.

Madita Herget: Ich tendiere gerade schon dazu, den klinischen Master zu machen. Wo es da hingeht, kann ich noch nicht ganz sagen. Also so der Therapeutinnenberuf ist auf jeden Fall was, was mich anspricht. Aber ich finde auch gerade diese Bereiche, wo man Wissen kommuniziert, also sei es jetzt in der Uni, in Seminaren oder eben auch im wissenschaftsjournalistischen Bereich ... Solche Sachen finde ich auch total toll und merke auch, dass mir das viel Freude bereitet.

studienwahl.de: Neben den klassischen Beschäftigungssbereichen stehen Absolventinnen und Absolventen der Psychologie verschiedenste Berufswege offen.

Prof. Dr. Susanne Bruckmüller: Es gibt tatsächlich viele Bereiche, in denen man als Psychologe oder Psychologin tätig sein kann. So die drei großen, würde ich sagen, ist einmal in der Arbeitswelt, dann im Gesundheitswesen und da vielleicht noch mal so ein bisschen separat davon tatsächlich in der Psychotherapie. Genau. Und dann gibt es aber auch noch vielfältige weitere Berufsmöglichkeiten, die man hat als Psychologe oder Psychologin. Also zum Beispiel haben wir hier in Erlangen im Master auch einen Schwerpunkt Rechtspsychologie und da kann man zum Beispiel ins Gutachter- bzw Gutachterinnenwesen gehen.

Madita Herget: Ich möchte einfach nur eine Ermutigung aussprechen an all die Personen, die vielleicht nicht in das stereotype Bild einer Psychologiestudentin, eines Psychologiestudenten passen, die vielleicht in erster Generation studieren oder die vielleicht chronisch erkrankt sind oder selbst mentale Probleme haben oder die alleinerziehend sind, Familie haben. So die breite Palette an Personen, wo man vielleicht nicht denkt, dass man die hier findet, aber man findet sie. Und auch ihr seid wichtig an diesem Ort und auch ihr und eure Perspektiven braucht es auch gerade in diesem Bereich.

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Stand: 01.04.2026