Studieren fürs Weltall

Der Blick ins All fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Doch was muss man studieren, um später im Bereich Weltraum und Raumfahrt zu arbeiten? Studienwahl fragt nach beim Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum und der Agentur für Arbeit Nürnberg.

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studienwahl: Der Blick ins All fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Doch was muss man studieren, um später im Bereich Weltraum und Raumfahrt zu arbeiten? Studienwahl fragt nach beim Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum und der Agentur für Arbeit Nürnberg.

Michael Zuber: Mein Name ist Michael Zuber, ich bin der Museumsdirektor des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums in Feucht bei Nürnberg.

studienwahl: Die Weltraumforschung ist so vielfältig wie das All selbst. Immer sind die Menschen auf der Suche nach dem nächsten großen Durchbruch.

Michael Zuber: Wenn wir über die Bedeutung der Raumfahrt für uns heute sprechen, dann lassen sie uns einfach an unseren Alltag denken. Heute, wenn wir uns in der Tagesschau oder anderen Nachrichtensendungen die Wettervorhersage anschauen, dann geht die nicht ohne Satellitenbilder und damit nicht ohne Raumfahrt. Und der Gewinn, den wir davon haben, ist ganz klar eine höhere Genauigkeit der Vorhersage. Das ist aber nur ein Aspekt. Denken Sie an Ihr Handy und an GPS oder Galileo - die Positionierungssysteme. Das ist alles satellitengestützt und woran Sie möglicherweise gar nicht denken, ist das Zeitsignal, das uns die Satelliten geben. Das ist die Grundlage für unser Weltwirtschaftssystem. Und dazu brauchen Sie ein global verlässliches Zeitsignal. Das kriegen Sie von Satelliten im Weltall. Aktuell gibt es ein Thema, das die ganze Branche in Atem hält. Das ist die Frage nach Rechenzentren und nach KI, die weltallgestützt entstehen soll. Was heute schon ein Thema ist, auch bei uns hier in Deutschland maßgeblich, ist Quantenkryptografie von Satelliten aus, um verschlüsselte Kommunikation möglich zu machen oder noch höher auflösende Erdbeobachtungsdaten ... um eben noch genauer vorhersagen zu können, wie zum Beispiel die Zugstraße eines Taifuns oder eines Hurrikans sein wird, wie sich das Wetter entwickelt. All solche Dinge sind in der Forschung heute ein Thema. Und wenn Sie zum Beispiel an die Landwirtschaft denken, auch das ist ein Thema der Raumfahrt, weil dadurch die Landbewirtschaftung effizienter abgewickelt werden kann. Es sind im Übrigen nicht nur Forschungsthemen, sondern es sind auch Themen tatsächlich von Startups oder von mittelständischen Unternehmen, die hier tatsächlich ein Geschäftsmodell sehen.

studienwahl: Die beruflichen Möglichkeiten, die das All bietet, sind vielseitig.

Michael Zuber: Wenn wir über die Raumfahrt als großen Sektor sprechen und einen Berufszugang oder ein Studienzugang in dieses Feld, dann hätten wir vor fünf, zehn Jahren noch ein relativ enges Feld gehabt. Aber da sich die Raumfahrt stark kommerzialisiert, sind auch Regelungsbedürfnisse größer geworden. Das heißt, ich nenne mal als erste Möglichkeit Juristen. Tatsächlich ist die Frage, wenn immer mehr Unternehmen im Erdorbit oder sogar irgendwann darüber hinaus sich betätigen, wie muss man das eigentlich alles rechtlich beurteilen?

studienwahl: Welche Studiengänge ebnen den Weg in diese Bereiche?

Daniel Grund: Mein Name ist Daniel Grund. Ich bin Berufsberater vor dem Erwerbsleben hier in der Agentur für Arbeit in Nürnberg. Also wenn ihr euch interessiert für eine Karriere im Bereich Raumfahrt, dann bieten sich eigentlich alle Studiengänge aus den sogenannten Mintberufen an. Also Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dazu gehört natürlich ganz klassisch Mathematik als Studium. Informatik - es gibt da auch die sogenannte Luft- und Raumfahrtinformatik, die da ganz interessant ist. Dann naturwissenschaftliche Studiengänge wie Astronomie, Biophysik oder zum Beispiel eben auch bei den technischen Bereichen reden wir von den Ingenieurwissenschaften. Bei den Ingenieurwissenschaften gehört da zum Beispiel eben auch die Luft- und Raumfahrttechnik mit dazu, aber auch die Luft- und Raumfahrtelektronik. Neben den klassischen Mint-Studiengängen gibt es auch Studiengänge, die man jetzt so gar nicht im Blick hat. Ganz klassische betriebswirtschaftliche Studiengänge oder eben auch juristische Studiengänge, die man eben auch in Bezug zur Raumfahrt benötigt. Also die Fähigkeiten, die man mitbringen sollte und Interessen, die man mitbringen sollte für ein Studium in dem Bereich Raumfahrt wäre auf jeden Fall Interesse an naturwissenschaftlichen und technischen Prozessen, Problemlösungskompetenzen wären ganz wichtig. Analytisches Denken ist auch noch mit dabei. Was ganz, ganz wichtig ist, ist Teamfähigkeit. Also dass man eben auch die Möglichkeit hat, in einem Team interdisziplinär mitzuarbeiten, also von verschiedenen Fachrichtungen da mit den zusammenzuarbeiten. Was auch noch eine ganz wichtige Fähigkeit ... oder welche Kenntnisse man bräuchte, wäre auf jeden Fall Englisch als Fremdsprache. Da viele Studiengänge und viele Projekte auch in der englischen Sprache eigentlich ausschließlich durchgeführt werden. Also die naturwissenschaftlichen Studiengänge beziehen sich eher darauf, grundsätzliche Forschungsarbeit in Naturphänomenen zu erkunden und daran zu arbeiten. Während hingegen die technischen Studiengänge sich eher um die Anwendung von erlangtem Wissen für die Lösung von komplexen Problemen eignen. In der Raumfahrt braucht man beides. Also man braucht einmal die Grundlagenforschung, die aus der Naturwissenschaft kommt. Und man braucht aber eben auch diese Problemlösungskompetenz und die angewandte Wissenschaft aus den technischen Studiengängen.

studienwahl: Nach dem Bachelor gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich im Bereich Weltraum weiterzubilden.

Daniel Grund: Wenn ihr schon abgeschlossenes Studium habt, gibt es verschiedene Spezialisierungsmöglichkeiten, unter anderem bei der Satellitentechnologie kann man auch einen Master machen. Es gibt auch einen Master in Astronomie, in planetarer Geologie oder auch in Luft- und Raumfahrtinformatik. Kann man auch einen Master machen. Also falls ihr ganz hoch hinaus wollt, dann könnte ich euch gerne das Beispiel geben von Alexander Gerst. Das ist ein bekannter Astronaut, der hat ursprünglich Geophysik studiert. Dann hat er weiter studiert mit Geowissenschaften und sich dann auf Vulkanologie spezialisiert. Also wirklich ein sehr spezieller Studiengang. Er hat auch in dem Bereich promoviert. Also da sieht man auch, wie so eine Karriere aussehen könnte. Ist natürlich jetzt ein sehr extremes Beispiel, aber das wäre eine Möglichkeit, was man mit diesen Studiengängen auch erreichen kann.

studienwahl: Astronaut oder Astronautin ist bei weitem nicht der einzige Beruf mit Weltraumbezug. Die Jobmöglichkeiten rund ums All sind vielfältig.

Michael Zuber: Ich habe schon von der zunehmenden Privatisierung beziehungsweise Kommerzialisierung der Raumfahrt gesprochen. Dadurch entsteht natürlich ... ich will jetzt nicht sagen Stau im All, das wäre Quatsch. ... aber ein höherer Koordinierungsbedarf. Das ist etwas, was Sie vom Boden aus in Kontrollzentren tun müssen. Und um das tun zu können, brauchen Sie Informatiker, brauchen Sie jede Art von Luft- und Raumfahrttechnikingenieuren, brauchen Sie unter anderem auch Menschen, die etwas von von Planungsprozessen verstehen. Wenn Sie jetzt zum Beispiel an eine Raumstation denken. Dort haben Sie eine Anzahl von Astronauten, deren Tagesablauf ist durchgeplant. Die machen jetzt eine halbe Stunde dieses Experiment, dann eine halbe Stunde ein anderes Experiment, dann machen sie Mittagspause, dann müssen sie Sport machen. Und das müssen sie für alle durchplanen, weil sie haben nicht für jeden gleichzeitig ein Spinningwheel oder sowas auf der Raumstation. Also Sie müssen es planen. Das ist eine Eigenschaft, die können Sie nicht studieren. Da gibt es kein Studienfach dafür. Aber es gibt Studienfächer ... wenn Sie zum Beispiel Betriebswirtschaft studieren, dann sind Ihnen Produktionsplanungsprozesse nichts Fremdes. Da gibt es eine gewisse, würde ich mal sagen, Verwandtschaft. Insofern ist da sicherlich auch eine Möglichkeit, einen Weg zu suchen. Im Bereich der Forschungsfelder ist noch zu nennen das Thema Materialwissenschaften. Natürlich muss man, um ins Weltall zu kommen, versuchen, möglichst leicht zu bauen. Das kann man natürlich mit neuen Materialien, zum Beispiel jetzt mal Kohlefaserverbundwerkstoffe und solche Dinge unter Umständen leichter erreichen als mit traditionellen Werkstoffen. Auch das Thema 3D-Druck gehört in diesen Zusammenhang hinein, denn manches Triebwerk lässt sich unter Umständen besser im 3D-Druck herstellen als in traditionellen Metallbauverfahren. Wir sind hier im Museum für Raumfahrtgeschichte. Wir schauen uns das an aus einer historischen Perspektive. Wie entwickelt sich Raumfahrt zum Beispiel? Also auch das sind jetzt nicht die Mengen an Stellen, die da zur Verfügung stehen. Aber auch das ist ein Arbeitsbereich, der durchaus interessant sein kann. Also selbst die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften würde ich da nicht außen vor lassen.

studienwahl: Gerade in den letzten Jahren hat die Raumfahrt sich enorm weiterentwickelt. Wo geht die Reise hin?

Michael Zuber: Die Raumfahrt hat sich in den letzten Jahren insofern schon massiv verändert, als wir jetzt von wiederverwendbaren Raketenstufen sprechen. Das führt dazu, dass das Geld, das wir in die Hand nehmen müssen, um ein Kilogramm Nutzlast ins All zu bringen, drastisch weniger wird. Dadurch werden bestimmte Dinge, die bisher einfach zu teuer waren ...rücken in den Bereich der Wirtschaftlichkeit. Und wenn das so ist, werden viele Anwendungen, die eine Chance haben, irgendetwas von ihren Fragestellungen im All zu klären, werden auf diesen auf diesen Zug aufspringen. Und das ist jetzt von der Raketenbauseite oder von der Ingenieurseite her noch nicht am Ende. Also das Thema wiederverwendbare Raketen wird ein Thema sein. Und dann geht es um Satellitenbau. Da ist das Thema Miniaturisierung ein Thema. Da ist das Thema wie fliegen Satelliten abgestimmt miteinander. Also wie können die miteinander kommunizieren? Da ist das Thema Laser Kommunikation ein Thema. Da kommt die Informatik ins Spiel. Also Datenverarbeitung, wo wir dann auch sehr schnell bei der KI sind. Natürlich kann ich, wenn ich mit künstlicher Intelligenz so eine Satellitensteuerung betreibe, unter Umständen sehr viel besser und schneller auf Kollisionsprobleme oder solche Dinge reagieren. Also viele technische Themen, die wir im Moment nur in einem irdischen Zusammenhang denken. Die können auch Raumfahrt verbessern, vereinfachen, interessanter machen. Und wenn Sie mich nach Dingen fragen, die jetzt dann die Raumfahrtentwicklung prägen werden, würde ich Ihnen sagen da spielt sicherlich auch das Thema Energie irgendwann eine Rolle. Also erstens Energieversorgung von Raumstationen, von Satelliten, klar. Aber unter Umständen auch eines Tages Energieversorgung für uns auf der Erde.

studienwahl: Und gerade Frauen werden in der Raumfahrt gesucht.

Michael Zuber: Im Moment ist auf der ISS eine französische ESA Astronautin. Wir haben eine Italienerin als Kommandantin der ISS gesehen. Auch die erste Deutsche war im All auf einer privaten Mission. Frauen haben nicht nur einen anderen Blick auf manche Dinge. Auch der weibliche Körper ist anders als der männliche Körper. Und Sie wissen, auf der ISS ist ein wesentlicher Bestandteil der dort praktizierten Forschung medizinische Forschung. Und hier gibt es einfach immer noch ein Delta zwischen sozusagen der Medizin des männlichen Körpers und der Medizin des weiblichen Körpers. Und insofern ist für Frauen auch diese Speerspitze, also wirklich selber als Astronautin ins Weltall zu fliegen, natürlich eine super spannende Angelegenheit.

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Stand: 02.11.2026