Studieren mit Behinderungen oder chronischer Erkrankung

Welche speziellen Angebote für Studierende mit Behinderungen gibt es an Hochschulen? Studienwahl fragt nach bei der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

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studienwahl.de: Welche speziellen Angebote für Studierende mit Behinderungen gibt es an Hochschulen? Studienwahl fragt nach bei der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Salome Höfler: Hallo, ich bin Salome Höfler. Ich bin stellvertretende Beauftragte für Studierende mit Beeinträchtigung und chronischer Erkrankung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Sabrina: Ich bin die Sabrina und ich studiere in Erlangen an der FAU Medienwissenschaften im Master. Ich war damals interessiert an der Herstellung von Serien, tatsächlich. Aber ich hatte eine Woche nachdem ich meine Bachelorarbeit abgegeben hatte einen schweren Verkehrsunfall mit schwerem Schädelhirntrauma. Und die Auswirkungen waren dann Jahre, also ich ich glaube drei Jahre habe ich gebraucht, bis ich jetzt wieder ins Leben eintreten konnte, soweit, dass ich versuchen werde, das Studium hier zu vollenden. Ich hatte mit der Studienvertretung für behinderte Menschen auch eine Begehung gemacht, dass sie mich hier herumgeführt hat und mir alles gezeigt hat. Und dann war ich so ... Das ist echt hübsch. Ich wollte eh den Master in Medienwissenschaften weitermachen, weil ich ja den Bachelor in Medienwissenschaften auch schon gemacht habe. Dann hat sich das eine mit dem anderen ergeben und dann habe ich hier angefangen.

studienwahl.de: Wer mit einer Einschränkung studiert, kann auf verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen. Eine davon ist eine Beratungsstelle für Studierende mit Behinderungen oder chronischer Erkrankung.

Salome Höfler: Es ist im Endeffekt keine Option der Uni, ob es so eine Beauftragte gibt, sondern es ist in dem Gesetz festgelegt. Und unsere Aufgabe ist Beratung von Studierenden mit Beeinträchtigungen jeglicher Art, also Behinderungen oder chronische Erkrankungen. Darunter zählen auch psychische Erkrankungen. Auch direkt Schüler und Schülerinnen, die sich für ein Studium an der FAU interessieren, dürfen sich auch gerne bei uns melden, denn auch da beraten wir schon vorab, was das Studierendenleben und das Studium anbelangt und vor allem machen wir Beratung zum Thema Nachteilsausgleich für Prüfungen an der Uni. Wichtig ist dabei, dass es eben um eine Teilhabe geht, dass es um Chancengerechtigkeit geht. Das bedeutet im Unterschied zur Chancengleichheit, dass nicht für alle das Gleiche gilt, sondern dass sozusagen die Personen die Ressourcen bekommen, die sie benötigen. Es gibt im Endeffekt keinen Blanko Nachteilsausgleich, sozusagen einen Nachteilsausgleich pro Krankheitsbild, sondern es erfolgt immer die individuelle Fallprüfung. Es kann auch denkbar sein, die Prüfungszeit zu verlängern, wenn zum Beispiel die Fokussierung auf die Prüfungsaufgabe ein Thema ist oder wenn Texte häufig gelesen werden müssen. Es kann auch möglich sein, Pausenzeiten einzubauen, wenn hilfreich ist, die Prüfung einmal zu unterbrechen. Natürlich gibt es auch technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel einen Laptop. Wenn eine Person nicht mit der Hand schreiben kann. Oder es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Klausuraufgaben größer zu drucken. In Ausnahmefällen kann es auch mal denkbar sein, die Prüfungsform zu verändern, also beispielsweise einen schriftlichen Test statt einer mündlichen Prüfung anzubieten. Wobei, und da ist eben wichtig, dass die Fächer immer mit im Boot sind. Also dass nicht wir als Beratende die Entscheidung treffen, sondern die Fächer am Ende, die Prüfungsausschüsse die Entscheidung treffen, weil immer die Frage ist, was ist der Zweck der Prüfung? Und es kann schon durchaus möglich sein, dass der Prüfungsausschuss sagt, Der Zweck der Prüfung ist das Sprechen vor Menschen. Im Lehramtsstudium zum Beispiel kann es denkbar sein, dass es ganz wichtig ist, dass Leute Referate halten und mündliche Prüfungen ablegen. Und dann ist es denkbar, dass der Prüfungsausschuss sagt, diesem Nachteilsausgleich können wir nicht zustimmen oder nur in veränderter Form zustimmen. Und was wir auch oft machen, ist zum Beispiel Termine mit den Unterstützungsnetzwerken der Personen, also dass zum Beispiel auch mal die Eltern im Termin mit sind.

Sabrina: Tatsächlich bin ich positiv überrascht gewesen, weil es im Master hier ... Das ist sehr freundlich zu mir, weil ich habe individuell das Problem, dass ich nicht so stressresistent bin. Und ich werde ... Ich komme nicht gut klar, wenn ich Stress habe, aber ich kann gut entzerren hier. Und ich kann auch mit allen Dozierenden individuell ausmachen, was ich und wie und wann und wie lange ich haben kann. Und ich kann auch so viele Master verlängern, wie ich halt brauche. So viele Semester verlängern, wie ich halt brauche. In meinem Fall in Medienwissenschaften gab es bisher keine Klausuren, weil das wäre ein Problem für mich, weil ich nicht schnell genug schreiben kann, weil ich eine Spastik in der rechten Hand habe, die auch meine führende und Schreibehand ist und aber da ... Man schreibt ja einfach Hausarbeiten und das Tippen schaffe ich dann schnell genug, weil ich habe da genug Zeit und deswegen bin ich auch froh, dass ich ... Aber man kann es auch mit den Dozierenden vereinbaren, was für eine Prüfungserhebung für dich das Beste wäre. Und das finde ich sehr angenehm.

studienwahl.de: Ein Auslandssemester ist auch für Studierende mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung möglich.

Salome Höfler: Es gibt einen Fördertopf über Erasmus tatsächlich speziell für Studierende mit Beeinträchtigungen. Da kann man eben noch mal finanzielle Mittel geltend machen. Und es gibt eine Beratungsstelle bei uns an der Uni, gerade auch für Erasmus und für Erasmus plus. Da würde ich den Studis raten oder den Schüler*innen raten, sich hin zu wenden, denn da gibt es Möglichkeiten und oftmals ist es nicht so bekannt, oder ist die Angst groß, mit Beeinträchtigung ins Ausland zu gehen.

studienwahl.de: Der Terminkalender von Sabrina ist neben dem Studium gut gefüllt.

Sabrina: Meine Therapien, ich habe Physiotherapie und ich habe einmal Neuropsychologie und dann gehe ich noch gerne ins Fitnessstudio, weil für mich ist natürlich die körperliche Fitness auch wichtig. Und dann brauche ich auch einfach gut Pause, weil ich sonst schnell überfordert sein könnte. Gleich im ersten Semester kam ich halt mit ... Ich hatte damals noch so Walking Stöcke zum sicheren ... , dass ich sicher alles gehen konnte und so. Und dann, wenn du, wenn du auf jemanden triffst, der halt entsprechend anders ist als normal, dann haben die Leute gleich ein bisschen Angst. Und dann ... Es wurde besser, aber der Master ist ja nicht lang und dann wurde es grad besser und war dann zu Ende der Master. Und das heißt, es hat nicht gut funktioniert für mich mit den Freundschaften herstellen, aber die waren alle respektvoll und nett zu mir. Ich wohne in einem Studentenapartment, also alleine ... relativ zentral auch. Und es gibt da einen Aufzug da, was ich gut finde. Einmal habe ich zweimal die Woche für vier Stunden jemand vom Verein für körperbehinderte Menschen und die machen für mich ambulante Wohnbetreuung. Das heißt, sie gehen mir einkaufen und putzen für mich meine Glasdusche oder mein Fenster oder was. Und ansonsten ... auch die Studienberatung für behinderte Menschen hat mir sehr geholfen. Immer wenn ich Fragen habe wegen irgendwas behindertenspezifischen, was ich vielleicht ... wo ich nicht sicher bin, dann habe ich da auch viele ... Beratung bekommen, immer und jederzeit auch.

studienwahl.de: Hilfe bekommen die Studierenden auch beim Übergang vom Studium zum Beruf.

Salome Höfler: Bei uns an der Uni gibt es einen Career Service, der berät zum Thema Berufseinstieg. Und dann gibt es eben diese Überschneidung Berufseinstieg mit Beeinträchtigung. Da mache ich zusammen mit dem Büro für Gender und Diversity einmal im Jahr eine Veranstaltung, eine Zoomveranstaltung für Studierende mit Beeinträchtigung, bei der wir verschiedene Arbeitgeber einladen, die ihre Möglichkeiten aufzeigen, die sie tatsächlich in ihrem Betrieb für Studierende mit Beeinträchtigung haben. Nicht immer ist eine Beeinträchtigung sichtbar und nicht immer schränkt die Beeinträchtigung bei der Arbeit ein. Das heißt, da gibt es ganz viele Möglichkeiten und es gibt auch Arbeitgeber, die da sehr offen sind.

Sabrina: Ich hätte gerne etwas Spannendes, was nicht nur stumpf am Computer arbeiten wäre, sondern auch vielleicht mit Menschen oder mit ein bisschen Abwechslung, dass ich irgendwo hin muss oder so, aber was halt in meinem Rahmen funktioniert.

studienwahl.de: Für die Zukunft hat Sabrina einen großen Wunsch.

Sabrina: Also ich würde mir wünschen, dass man vielleicht ein bisschen mehr Austauschmöglichkeiten hätte mit anderen behinderten Studierenden. Weil ich kenne ... ich hatte jetzt einen anderen jungen Mann, den hatte ich über meine Mutter kennengelernt, der seine Mutter kannte. Aber ansonsten hatte ich halt gar keinen anderen. Ich weiß gar nicht, gibt es andere? Ich bin unsicher, aber ich war auch, weil ... die Möglichkeit, mit anderen sich zu vernetzen ist schwierig, wenn man ein bisschen eingeschränkt ist. Und dann ... es wäre vielleicht interessant, dann einfach sich mal auszutauschen, ein bisschen.

Beispiele aus der Praxis: Studieren mit Behinderungen oder chronischer Erkrankung

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    Josia Topf studiert im neunten Semester Jura an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Er hat das TAR-Syndrom, kam ohne Arme, ohne…read more »
Stand: 01.06.2026