Gesundheitswesen

„Gerade im ersten Jahr ist die Lernkurve sehr steil“

Ein Mann im weißen Kittel, mit Stethoskop um den Hals, zeigt einer anderen Person in einem Buch eine Textpassage.
Foto: Jörg Moritz | Bundesagentur für Arbeit

Dass er später im Krankenhaus arbeiten will, wusste Dr. med. Philip Pospiech (28) schon als Schüler. Nun befindet er sich in der Facharztausbildung zum Gefäßchirurgen. Studienwahl.de berichtet er über seinen Arbeitsalltag am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Ein Porträt-Foto von Philip P.
Foto: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Wenn man Philip Pospiech fragt, was man für seinen Beruf braucht, muss der angehende Gefäßchirurg nicht lange überlegen: „In erster Linie sollte man Spaß am praktischen Arbeiten haben und entscheidungsfreudig sein. Das wird vor allem im OP nötig, zum Beispiel bei einer Operation, bei der plötzlich Komplikationen auftreten“, sagt der Assistenzarzt, der seit 2020 am Universitären Herz- und Gefäßzentrum am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) seine Facharztausbildung absolviert. „Außerdem muss man die Atmosphäre im Operationssaal mögen. Das ist etwas anderes, als zum Beispiel auf Station zu arbeiten.“ Die praktische Arbeit im OP war auch der Grund, warum er sich nach seinem Studium für die Chirurgie entschieden hat. „Ich mochte es schon immer gerne, feinmotorisch mit meinen Händen zu arbeiten.“

Der 28-Jährige sieht vor allem zwei Gruppen von  Patient*innen: Während die eine Gruppe Probleme mit der Aorta hat und zum Beispiel unter Rissen der Hauptschlagader oder Durchblutungsstörungen leidet, handelt es sich bei der anderen Gruppe um Personen, deren Gefäße durch Ablagerungen verkalkt und somit verengt sind. Das kann zum Beispiel bei Raucher*innen der Fall sein. Die Bandbreite der Behandlungsmethoden reicht von der sogenannten konservativen Therapie, also der Behandlung mit Hilfe von Medikamenten oder ambulanten Eingriffen, bis hin zu operativen Eingriffen wie dem Anlegen eines Bypass‘. Im Regeldienst beginnt Philip Pospiechs Arbeitstag um 7 Uhr morgens und endet gegen 16 Uhr. Je nachdem, wie viele Notfälle am Tag dazukommen, kann es auch später werden. In der Regel arbeitet der Assistenzarzt fünf bis sechs Tage am Stück, hinzu kommen Wochenend- und Nachtdienste, für die es freie Ausgleichstage gibt.

Der lange Weg zum Facharzt

Während eines Praktikums in der Oberstufe, das er auf einer kardiologischen Station absolvierte, merkte Philip Pospiech, wie sehr ihm die Arbeit im Krankenhaus gefällt. Nach seinem Abi begann er 2012 mit dem Medizinstudium an der Universität Lübeck. Hierbei handelte sich um den Regelstudiengang, bei dem das Studium in einen vorklinischen Teil, in dem die Theorie und insbesondere die Bereiche Anatomie, Bio-Chemie und Physiologie im Vordergrund stehen, sowie einen klinischen Teil untergliedert ist. Anschließend absolvierte der Mediziner sein praktisches Jahr in insgesamt drei Kliniken, wo er in der Inneren Medizin, der Chirurgie und seinem Wahlfach, der Orthopädie, mitarbeitete. Währenddessen schrieb er auch seine Doktorarbeit. Nach sechseinhalb Jahren Studium, dem praktischen Jahr und der anschließenden Abschlussprüfung war es soweit: Philip Pospiech erhielt seine Approbation als Arzt. Anschließend bewarb er sich als Assistenzarzt am UKE.

Zwischen OP und Station

„Gerade im ersten Jahr ist die Lernkurve sehr steil“, berichtet der 28-Jährige. Sechs Jahre dauert die Facharztausbildung insgesamt. „Man beginnt mit dem Assistieren im OP, die Schwierigkeit der Techniken und Eingriffe steigert sich mit der Zeit. Komplexere Eingriffe zum Beispiel an der offenen Aorta operiert man erst ganz zum Schluss.“ Zum Alltag gehören auch die reguläre Stationsarbeit, also die Aufnahmen von Patient*innen, die Vorbereitung von Operationen und das Sichten von Patient*innen in der Notaufnahme. „Und im Hintergrund findet permanent die theoretische Auseinandersetzung statt, wenn man Patienten behandelt.“ Dabei kann der Assistenzarzt immer seine Kolleg*innen und den Oberarzt seiner Station zurate ziehen.

Nach der Facharztausbildung besteht für ihn die Möglichkeit, entweder in einer Praxis als niedergelassener Arzt zu arbeiten oder als Facharzt im Krankenhaus zu bleiben. Die nächsten Karrierestufen sind hier der Oberarzt und schließlich der Chefarzt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, als Wissenschaftler zu arbeiten und in der Forschung aktiv zu werden. Philip Pospiech hat sich noch nicht entschieden, wie es in fünf Jahren für ihn weitergeht. In jedem Fall kann er sich einen Arbeitsalltag ohne Operationen nicht vorstellen. „Das Schönste an meiner Arbeit ist, wenn ich eine Operation durchführe und den Beschwerden des Patienten damit direkt ein Ende setzen kann. Die Chirurgie kann oftmals eine direkte Medizin sein.“

Beispiele aus der Praxis: Studiengänge aus dem Bereich Medizin/Gesundheitswissenschaften