Überblick

Typisch Frau – typisch Mann?

Man mag es heute kaum noch glauben: Der Besuch von Hochschulen war bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts fast ausschließlich dem männlichen Geschlecht vorbehalten. Frauen stellten hier eine Minderheit dar.

In den zurückliegenden Jahrzehnten allerdings hat sich diese Situation grundlegend verändert, die Zahl der weiblichen Studierenden hat stetig zugenommen. Im Wintersemester 2018/19 begannen 432.422 Personen ihr Studium, davon waren mehr als die Hälfte Frauen.

Fächerwahl folgt klassischen Mustern

Eine junge Frau beim Radwechsel am Flugzeug.
Foto: Christof Stache

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung hat sich die Fächerwahl nicht wesentlich verändert: Männer und Frauen studieren nach wie vor überwiegend „geschlechtertypische“ Fächer, traditionelle Muster werden nur langsam aufgebrochen.

Studienanfängerinnen entscheiden sich häufiger für ein Fach aus den Sprach- und Kulturwissenschaften, den Sozialwissenschaften, für einen Studiengang im Bereich Gesundheit und soziale Dienste oder für ein Lehramtsstudium. In ingenieurwissenschaftlichen sowie in einigen naturwissenschaftlichen Fächern dagegen sind Studentinnen unterrepräsentiert. Ihr Anteil in den Ingenieurfächern ist in den vergangenen Jahren allerdings leicht gestiegen. Die Arbeitsmarktentwicklungen zeigen, dass Frauen in technischen Berufen gute Chancen und Berufsperspektiven haben.

Doch auch männliche Studienanfänger orientieren sich bei ihrer Fächerwahl an klassischen Mustern: Sie belegen überwiegend Fächer mit einem traditionell hohen Männeranteil, nahezu entgegengesetzt der Studienwahl von Studentinnen. Männer stellen in den MINT-Fächern (= Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) die Mehrheit und sind gleichzeitig z.B. in den Gesundheits- und Pflegewissenschaften oder den Sprach- und Kulturwissenschaften unterrepräsentiert.

Die Grafik zeigt die Studiengangswahl von Männern und Frauen.
Quelle: DSW/DZHW 21. Sozialerhebung

Traditionelle Rollenbilder?

Den Hintergrund für diese geschlechtsstereotype Berufs- und Studienfachwahl bilden oft auch unterbewusst Geschlechterrollenbilder, die nach wie vor Männlichkeit mit Technik und Weiblichkeit mit sozialen und kommunikativen Kompetenzen verbinden. Diese traditionellen Rollenbilder werden auch vermittelt, wenn die Leistungsfähigkeit von Mädchen in mathematischen und naturwissenschaftlichen bzw. die von Jungen in sozial-kommunikativen Fächern unterschätzt bzw. herabgewürdigt wird.

Die Grafik zeigt die beliebtesten Studienfächer von Männern und Frauen.
Quelle: Statistisches Bundesamt

Mit zahlreichen Initiativen und Angeboten wenden sich deshalb Hochschulen und Verbände an Schülerinnen, um diese für technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungen oder Studienfächer zu begeistern. Auch für Schüler gibt es mittlerweile an verschiedenen Hochschulen spezielle Angebote, um den geringen Männeranteil in einigen Fächern zu erhöhen.

Informationen und Angebote für Schülerinnen und Studentinnen

Umfangreiche Informationen rund um das Thema Frauen und MINT bietet die Webseite des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen („Komm, mach MINT“).

Auf www.komm-mach-mint.de finden Sie u.a. eine Projektlandkarte mit derzeit bundesweit rund 1.000 Projekten, Schnuppertagen, Stipendien, Mentoring-Angeboten und Wettbewerben für Schülerinnen und Studentinnen.

Ähnliche Angebote gibt es auf der Seite des Girls’Day (www.girls-day.de). Am sogenannten Mädchen-Zukunftstag können Mädchen technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Berufe sowie Studiengänge kennenlernen. Auf der Aktionslandkarte „Girls’Day-Radar“ tragen sich Unternehmen, Hochschulen, Forschungszentren und ähnliche Einrichtungen ein, die bei dem Aktionstag mitmachen und Veranstaltungen anbieten.

Schülerinnen der Klassen 7 bis 10 können das Angebot der Girls’Day Akademie nutzen, um verschiedene Studiengänge und Ausbildungsbetriebe im Bereich MINT kennenzulernen und dabei an spannenden Projekten teilzunehmen. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.girls-day-akademie.de

Technik schnuppern

Ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium beginnen, ohne zu wissen, was einen wirklich erwartet? Hier schaffen zahlreiche Hochschulen mit Veranstaltungen speziell für Schülerinnen Abhilfe. Wenn Sie konkret wissen möchten, worauf Sie sich einlassen, fragen Sie an den Hochschulen Ihres Interesses nach, ob die entsprechenden Fachbereiche Frauen-Schnuppertage, -Sommeruniversitäten o.Ä. anbieten, bei denen Sie die Fächer und deren Studieninhalte kennenlernen können.

  • Das „Niedersachsen-Technikum“ etwa bietet jungen Frauen Einblicke in naturwissenschaftlich-technische Berufe und Studienfächer. Es beinhaltet u.a. ein sechsmonatiges Praktikum in einem Unternehmen. Weitere Informationen und die neun beteiligten Hochschulen finden Sie auf der Internetseite der Koordinierungsstelle (www.niedersachsen-technikum.de).
  • Such-Tipps für weitere derartige Angebote sind die Webseite des Kompetenzzentrums „Frauen für Naturwissenschaft und Technik“ der Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns (www.kompetenzzentrum.fh-stralsund.de) sowie die Webseiten der Hochschulfrauenbeauftragten.
  • Eine regionale Übersicht über Schnupperangebote der Hochschulen für Frauen und Mädchen gibt es z.B. auf der Webseite des Netzwerks „Frauen. Innovation. Technik.“ (F.I.T) Baden-Württemberg (www.scientifica.de), beim Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW (www.netzwerk-fgf.nrw.de), beim Netzwerk „Zukunft durch Innovation“ (zdi) (www.zdi-portal.de) sowie bei der „Thüringer Koordinierungsstelle für Naturwissenschaft und Technik“ (www.thueko.de).

Studiengänge nur "für sie"

Einige Hochschulen bieten spezielle Frauenstudiengänge an, die in besonderer Weise die Bedürfnisse und Interessen von Frauen an einem naturwissenschaftlich-technischen Studium berücksichtigen. Hierzu gehören z.B. Studienangebote verschiedener Fachhochschulen in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen oder Informatik. Die Studienpläne umfassen neben den (auch für die männlichen Kommilitonen verbindlichen) Fachinhalten zusätzliche Lehrveranstaltungen und Schwerpunktsetzungen, z.B. Projektmanagement und Kommunikationstraining.

Infos und Service für Frauen an Hochschulen

An den meisten Hochschulen gibt es Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte. Diese haben ein spezielles Angebot für Studentinnen, Doktorandinnen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Professorinnen aufgebaut. Gleichstellungsbüros an Hochschulen bieten unterschiedliche Alltagshilfen wie Informationen und Kontakte zur Wirtschaft und zu Berufsverbänden - sowie Unterstützung bei Diskriminierung und sexueller Belästigung.

Außerdem organisieren sie fachunabhängige Veranstaltungen zu Beruf und Karriere, Angebote für Frauen zur Verbesserung der Medienkompetenz und zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. Bei vielen Hochschulfrauenbüros gibt es zudem Informationen und Unterstützungsangebote zum Thema „Studieren mit Kind“.

Adressen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten finden Sie direkt bei den Hochschulen oder im Zentralen Verzeichnis Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an den Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland, nach Ländern geordnet, auf der Webseite von BuKoF, der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (www.bukof.de). Dort sind auch die Kontaktdaten der Landeskonferenzen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen zu finden (im Bereich „Service“).

Die Websites der Hochschulen und der Studentenwerke bieten Ihnen auch die Möglichkeit, Informationen über die Vereinbarkeit von Familie und Studium abzurufen.

Generell interessante Infos zu Hochschule und Studium aus Frauensicht gibt es auf der Webseite des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (Center of Excellence Women in Science CEWS).

Mentoring und Karriereförderung für Studentinnen

Beim Mentoring begleitet eine erfahrene Person (Mentorin bzw. Mentor) eine Studentin in den ersten Fachsemestern (Mentee), um diese zu unterstützen und in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern.

  • Im „Mentorinnen Netzwerk für Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ engagieren sich berufserfahrene Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft, um Studentinnen und Absolventinnen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern. Studentinnen wiederum können als Mentorinnen für Schülerinnen aktiv werden.
  • Im „Ada-Lovelace-Projekt“ in Rheinland-Pfalz motivieren Studentinnen der MINT-Fächer Mädchen und junge Frauen zu einem Studium oder einer Ausbildung in diesen Fächern. Die Mentorinnen geben den Schülerinnen z.B. praktische Tipps und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen.
  • CyberMentor“ vermittelt Schülerinnen eine persönliche E-Mail-Mentorin, die in Wirtschaft oder Wissenschaft im MINT-Bereich beruflich tätig ist oder ein MINT-Fach studiert. So lassen sich Einblicke in den Beruf und praktische Tipps für die Studien- und Berufswahl gewinnen. Daneben gibt es eine Community-Plattform für Diskussionen und Erfahrungsaustausch.
  • Zur Karriereförderung für Frauen bietet die Femtec - Hochschulkarrierezentrum für Frauen Berlin GmbH, in Kooperation mit verschiedenen Hochschulen das Programm „Careerbuilding“ für den weiblichen Führungsnachwuchs an. Das Programm gibt den Studentinnen höherer Semester die Chance, frühzeitig die richtigen Weichen für den beruflichen Ein- und Aufstieg zu stellen.

Vernetzung erleichtert den Weg zum Erfolg

Gemeinsam sind sie stark: Gerade Frauen mit Berufen in sogenannten Männerdomänen verbünden und vernetzen sich, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten, einen an ihren Bedürfnissen orientierten fachlichen und beruflichen Austausch zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen. Auch für junge Frauen sind solche Netzwerke oft eine gute Anlaufstelle, um sich ein Bild über die konkrete berufliche Situation des gewählten Fachs zu machen. Über die wichtigsten Frauen-Netzwerke, insbesondere für den Technik- und Informatikbereich, informiert die Webseite des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.

Informationen und Angebote für Schüler und Studenten

Neben den Angeboten für junge Frauen wird inzwischen auch zunehmend Unterstützung speziell für junge Männer angeboten.

Das bundesweite Vernetzungsprojekt und Service-Büro „Neue Wege für Jungs“ bietet Materialien und Informationen zur Berufs- und Lebensplanung für Jungen sowie ein Netzwerk zum Thema. Dort sind neben Vereinen, Behörden, Bildungswerken u.v.m. auch Hochschulen vertreten (www.neue-wege-fuer-jungs.de).

Zu nennen ist auch der Jungen-Zukunftstag Boys‘Day, den das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. (www.boys-day.de) koordiniert. Auf der Aktionslandkarte, dem „Boys‘Day-Radar“ können Sie Angebote in Ihrer Region recherchieren: www.boys-day.de/Boys_Day-Radar

Daneben wird in manchen Regionen eine Boys’Day-Akademie angeboten. Diese richtet sich an Schüler allgemeinbildender Schulen. Ziel ist, dass die jungen Menschen aktiv die zukunftsorientierten Ausbildungs- und Studienberufe aus den Bereichen Erziehung, Pflege, Soziales und Gesundheit kennenlernen können.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat unter „Perspektiven für Jungen und Männer“ (www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/jungen-und-maenner) Informationen und Links zur Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer zusammengefasst.

Informationen und Unterstützungsangebote zum Thema „Studieren mit Kind“ gibt es bei vielen Hochschulfrauenbüros.

Die Websites der Hochschulen und der Studentenwerke bieten Ihnen auch die Möglichkeit, Informationen über die Vereinbarkeit von Familie und Studium abzurufen.

Hinweis

Wer ein mathematisch-naturwissenschaftliches Fach oder Sprachwissenschaften studieren möchte, in der Schule jedoch keine entsprechenden Leistungskurse belegt hatte, kann an manchen Hochschulen an Vorkursen teilnehmen, um noch vor Studienbeginn mögliche Wissenslücken, z.B. in Mathematik oder Englisch, zu schließen. Mehr dazu unter "Vorkurse".

Weitere Informationen

abi>> extra „Typisch“

Tipps und Hinweise zum Thema gibt mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis das abi>> extra „Typisch Frau, typisch Mann“, erhältlich über die Agenturen für Arbeit oder als PDF-Download unter www.abi.de/bezugsmoeglichkeiten.htm.

Kompetenzzentrum Technik, Diversity, Chancengleichheit

Mach’ MINT

OnePage-Webseite der Bundesagentur für Arbeit
www.mint.arbeitsagentur.de

BuKoF

Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen
www.bukof.de

Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung

(Center of Excellence Women in Science CEWS)
www.gesis.org/cews

Mentorinnen Netzwerk

für Frauen in Naturwissenschaft und Technik
www.mentorinnennetzwerk.de  

Ada-Lovelace-Projekt

CyberMentor

Chance Quereinstieg/Männer in Kitas

Bundesforum Männer

Zukunftsberufe Pfleger und Erzieher

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