Grüne Studiengänge

Grüne Studiengänge

Alles für eine lebenswerte Welt

Eine gelbblühende Bergwiese im Sommer, von der ein Teil mit einem Zaun abgeteilt ist.
Foto: Meramo Studios | Bundesagentur für Arbeit

Ohne Klima- und Umweltschutz keine lebenswerte Zukunft. Dieser Meinung sind laut Umweltbundesamt mittlerweile 68 Prozent der Deutschen. Klar, dass es deshalb auch immer mehr Studiengänge gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Wer sich unter Studierenden des Studiengangs „Nachhaltige Entwicklung“ an der Hochschule Bochum umhört, trifft auf Menschen, die Großes vorhaben: „Klimawandel, Umweltkatastrophen, soziale Ungleichheiten, ich möchte all das gerne zum Besseren wenden, selbst wenn ich nur einen kleinen Beitrag leisten kann“, sagt eine Studentin. Ein Kommilitone ergänzt: „Da muss jetzt was passieren! Ich will verstehen, warum die Welt so ist wie sie ist und helfen, sie zu dem zu machen, wie sie sein sollte.“

Genau deshalb haben sich die beiden für ihr Studium an der Schnittstelle zwischen Natur-, Wirtschafts-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften entschieden. In den ersten zwei Semestern erlangen die Studierenden Grundlagenwissen zur nachhaltigen Entwicklung, meist in Vorlesungen, aber auch im Labor. Wie ist die Qualität der Wasserprobe? Welche Oberflächen absorbieren das Licht? Über praktische Fragestellungen wie diese werden ihnen die naturwissenschaftlichen Aspekte ihres Fachs vermittelt. Neben Biologie, Chemie und Physik, stehen Mathematik, Statistik, Ethik, Betriebswirtschaftslehre, Rhetorik und Projektmanagement auf dem Modulplan.

Im dritten von insgesamt sieben Semestern müssen sich die Studierenden für eine von drei Vertiefungen entscheiden. Wer den Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften wählt, beschäftigt sich intensiver mit nachhaltiger Wirtschaftspolitik oder Corporate Social Responsibility und besucht etwa Kostenrechnungsmodule mit anderen BWL- und VWL-Studierenden. Beim Schwerpunkt „Infrastrukturplanung und Flächenmanagement“ erfahren die Studierenden viel über die Gestaltung von lebenswerter Urbanität – zusammen mit Ansprechpartner/-innen aus dem Bauingenieurwesen. Dritte Schwerpunktmöglichkeit ist „Ressourceneffizienz und nachhaltige Produktionstechniken“ mit dem Fokus auf ingenieurwissenschaftliche Fragestellungen rund um regenerative Energien und umweltschonende Technologien. Weiterhin belegen die Studierenden Nachhaltigkeitsmodule und erarbeiten in Kleingruppen Themen wie nachhaltige Entwicklung und Recht, Ökologie und Gesellschaft oder Bildung und Kommunikation.

Studiengänge fürs große Ganze oder einzelne Aspekte

„Nachhaltige Entwicklung“ ist nur ein Studiengang von vielen, die sich damit beschäftigen, wie die Menschheit trotz Klimawandel, endlicher Ressourcen, Artensterben und Umweltverschmutzung überleben kann. Die wenigsten davon haben allerdings das große Ganze im Blick, dafür beschäftigen sie sich intensiver mit einzelnen Lösungsansätzen. Sie heißen etwa Green Engineering, Klimaschutz, Umweltsicherung, Geoökologie, Environment and Energy oder Naturschutz.

Ein Porträt-Foto von Michael Hümmer.
Foto: privat

„Es gibt den technischen, naturwissenschaftlichen, betriebswirtschaftlichen oder rechtlichen Blick auf das Thema und dafür jeweils die entsprechenden Studiengänge“, weiß Michael Hümmer, Berater bei der Agentur für Arbeit Erlangen. „Unter einem ähnlichen Namen können sich allerdings völlig unterschiedliche Inhalte verbergen“, schiebt er nach. Ein Beispiel dafür ist Umweltmanagement, das sowohl ein Ingenieurs- als auch ein wirtschaftswissenschaftlicher Studiengang sein kann. „Ich empfehle jedem ins Modulhandbuch zu schauen, um zu sehen, in welche Richtung es geht. Manchmal ist es nicht viel mehr als ein normales BWL- oder Ingenieursstudium mit trendigem Marketingnamen.“

Wer einen „grünen“ Beruf ergreifen möchte, kann auch ein klassisches Studium wählen, betont Michael Hümmer: „Ich kann mit Elektrotechnik genauso im Master auf Regenerative Energien gehen oder mit BWL auf Environmental Gouvernance, mit Biologie auf Geoökologie.“ Was klar sein müsse: Zahlenaffinität, Interesse an Statistik, Naturwissenschaften sowie an Computern und Gesetzestexten seien Voraussetzung. „Biologie, Chemie, Physik spielen fast immer eine Rolle, genauso wie die Informatik. In vielen Studiengängen werden Szenarien mathematisch modelliert und am Computer simuliert oder Umweltauswirkungen sowie die Effizienz berechnet. Und was nachhaltig ist, welche Standards erfüllt werden müssen, wird nun mal vom Gesetzgeber definiert.“

Beispiele aus der Praxis: Grüne Studiengänge rund um den Umweltschutz

Jobaussichten im grünen Bereich

Wer all das mitbringt, auf den warten nach einem Abschluss gute Berufsmöglichkeiten. Nicht nur bei Mitstreiter(inne)n der Bewegung „Fridays for Future“, auch bei Unternehmen, Politik und Gesellschaft liegt das Thema im Trend. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes arbeiteten 2017 mehr als 2,8 Millionen Menschen im Umweltschutz, das sind 6,4 Prozent aller Erwerbstätigen. Mehr als die Hälfte davon im Bereich Klimaschutz.

„Die beruflichen Chancen für jemanden, der eine Tätigkeit im Klimaschutz anstrebt, stehen entsprechend seiner Bedeutung gut“, ordnet Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit, ein. „Durch die zunehmende Bedeutung des Klimaschutzes für die Zukunft erfreuen sich auch das Berufsfeld Umweltschutztechnik und Umweltmanagement und -beratung zunehmenden Wachstums. In dem (noch) relativ kleinen Berufsfeld sind derzeit 33.000 Personen sozialversichert beschäftigt, 19 Prozent mehr als noch 2013“, teilt die Arbeitsmarktexpertin weiter mit. „Die Zahl der Arbeitslosen ist rückläufig und die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt.“ Auch Ingenieure und Ingenieurinnen, die an der Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Produkten, etwa für E-Mobilität oder die Gewinnung von regenerativen Energien, beteiligt sind, waren laut Arbeitsmarktstatistik gefragt.

Fragt man die Studierenden im Studiengang „Nachhaltige Entwicklung“ in Bochum, war die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz nicht das ausschlaggebende Argument für die Studienwahl. Der eigene Antrieb habe sie dazu gebracht, sagen sie. Dennoch haben sich einige schon Gedanken über ihre berufliche Zukunft gemacht: Zum Beispiel in der Industrie im Bereich Umweltmanagement oder Produktionsplanung arbeiten, die öffentliche Hand in Nachhaltigkeitsfragen beraten oder neue Stadtquartiere entwickeln. Eine weitere Möglichkeit ist, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. „Um zu erforschen, wie der gesellschaftliche Wandel hin zu einer lebenswerteren Zukunft für alle tatsächlich herbeigeführt werden kann“, heißt das Ziel eines Studenten.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Weitere Studiengänge rund um Umwelt, Klima und Nachhaltigkeitsthemen finden Sie im Finder unter dem entsprechenden Stichwort.
www.studienwahl.de/finder

abi.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit. Unter dem Stichwort „Grün“, „Umwelt“, „Klima“ oder „Nachhaltigkeit“ gibt es umfassende Infos zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in diesen Bereichen.
www.abi.de

berufsfeld-info

Wegweiser mit über 1.500 Reportagen über Ausbildungsberufe, Weiterbildungen oder Studiengänge
www.berufsfeld-info.de/abi/landwirtschaft-natur-und-umwelt

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Umwelt, Nachhaltigkeit, Klima)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

GreenTech made in Germany

Das Portal für Umwelttechnologie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zeigt Trends und Innovationen, die die Entwicklung der GreenTech-Branche prägen.
www.greentech-made-in-germany.de

Netzwerk Grüne Arbeitswelt

Umweltbundesamt