Hochschulwahl

Uni, FH, Kunsthochschule: Welcher Hochschultyp passt zu mir?

Auf der Suche nach der passenden Hochschule

Blick vom Campus auf das Universitätsaltgebäude der Technischen Universität Braunschweig.
Foto: Michael Uhmeyer | Bundeagentur für Arbeit

Wer sich nach dem Abitur für ein Studium entscheidet, hat jede Menge Möglichkeiten. Nicht nur, was die Wahl des Studienfachs betrifft, sondern auch bei der Suche nach der passenden Hochschule. Duale Hochschule, Fachhochschule (FH), Universität oder Kunsthochschule? Zwar sind durch die Bologna-Reform die Abschlüsse der verschiedenen Hochschulen gleichgestellt, dennoch unterscheiden sich die jeweiligen Hochschultypen – vor allem auch im Fächerspektrum. Die Wahl der „richtigen“ Hochschule will also wohl überlegt sein.

Ein Porträt-Foto von Luca Maria
Foto: Matthias Piekacz

Luca Marie (20) hat sich für ein Studium an der Fachhochschule entschieden. Hoch hinaus will sie trotzdem – vielleicht sogar bis zur Promotion. Das ist heutzutage kein Widerspruch mehr. Schließlich sind die verschiedenen Hochschultypen durchlässiger geworden, auch wenn die grundsätzlichen Unterschiede „mehr Praxis an der (Fach-)Hochschule – mehr Wissenschaft an der Uni“ weiterhin zutreffen.

Luca Marie hat sich für ihren Bachelor in Maschinenbau an der Hochschule Magdeburg-Stendal eingeschrieben – in erster Linie, weil der Campus sie überzeugte. „Ein Bekannter studierte an der FH und erzählte, dass es ihm dort leichter fiel und mehr zusagte als an der Uni. Dadurch war ich schon in Richtung FH sensibilisiert. An einem Tag der offenen Tür habe ich mir den Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal dann angesehen und war auf Anhieb überzeugt.“ Inzwischen ist die 20-Jährige im fünften Semester und weiß an der Hochschule noch viel mehr zu schätzen als nur den Campus: „Von Bekannten, die an der Uni eingeschrieben sind, weiß ich, dass diese in viel größeren Gruppen studieren und die Dozenten auf den Einzelnen nicht so gut eingehen können. Das ist bei uns ganz anders. Die Hörsäle – außer dem Audimax – fassen höchstens 100 Personen, in den Seminaren sind wir Gruppen von maximal 20 Studierenden, meistens aber nur 15.“ Auch die Betreuung zeichnet den Hochschultyp ihrer Meinung nach aus: „Unsere Professoren haben mehr Zeit für uns. Ich habe mich hier also noch nie verloren gefühlt, nicht mal zu Beginn meines Studiums.“

„Besser oder schlechter gibt es nicht“

Luca Maria ist eine von derzeit rund 1,7 Millionen Bachelorstudierenden in Deutschland. Von den derzeit insgesamt rund drei Millionen Studierenden sind laut Hochschulrektorenkonferenz knapp ein Drittel an Fachhochschulen und rund zwei Drittel an Universitäten eingeschrieben. „Das ist keine Aussage über die Beliebtheit verschiedener Hochschulformen, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass Universitäten generell ein wesentlich breiteres Fächerspektrum anbieten als FHs und sonstige Hochschulen“, weiß Judith Blumenberg, Berufs- und Studienberaterin der Agentur für Arbeit in Erfurt. „Es gibt kein besser oder schlechter, denn die Abschlüsse sind vergleichbar.“ Als einzige Ausnahme nennt die Expertin private Hochschulen: „Hier sollte man sich (vorab) versichern, dass der Abschluss staatlich anerkannt ist.“

Die Entscheidung, ob man ein Studium an der Uni, der FH, an einer Kunsthochschule oder an einer dualen Hochschule wählt, ist für Judith Blumenberg vor allen Dingen eines: „eine Frage, wie man lernen will.“ Wenn man also zwischen den verschiedenen Hochschultypen wählen kann – was in einigen Studiengängen wie etwa Architektur durchaus möglich ist, in anderen, wie etwa den klassischen Geistes- und Gesellschaftswissenschaften oder Studiengängen mit Staatsexamen nicht – dann sollte man sich die Frage stellen: „Was passt zu meinem Lerntyp“, empfiehlt die Expertin. „An der FH trifft man in der Regel kleinere Lerngruppen an und findet ein durchstrukturiertes System vor. Dazu kommt der starke Anwendungsbezug. Wer sich bereits in der Schule mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit gewünscht hat, ein hohes Maß an Selbstorganisation und Disziplin mitbringt und an wissenschaftlicher Arbeit Interesse hat, wird sich im Lehrbetrieb an der Uni vielleicht besser aufgehoben fühlen. Und wer gar schon weiß, dass er später gern promovieren, also ‚einen Doktor machen‘ möchte, der sollte möglicherweise von vornherein an die Uni gehen.“

Beispiele aus der Praxis: Uni, FH, Kunsthochschule: Welcher Hochschultyp passt zu mir

Unterschiedliche Aufnahmeverfahren

Ein Porträt-Foto von Judith Blumenberg
Foto: privat

Der Zugang muss zu FHs nicht leichter sein als zu Unis. „Sowohl Fachhochschulen als auch Unis haben bei stark nachgefragten Studiengängen einen N.c.“, also eine Zulassungsbeschränkung nach Abiturnote, gibt die Beraterin zu bedenken. Gegebenenfalls ist die Wahl der Hochschule aber auch schlicht vom eigenen Schulabschluss abhängig. Der Zugang an eine Uni erfordert in der Regel die allgemeine oder eine fachgebundene Hochschulreife.

Wer sich für eine Kunst- oder Musikhochschule entscheidet, muss dazu einen aufwändigen Aufnahmeprozess durchlaufen, der manchmal über Wochen andauert und viel mehr beinhalten kann, als eine Mappe einzureichen. Hier gilt es, sich frühzeitig über die Zugangsvoraussetzungen und Bewerbungsfristen zu informieren, weil diese sehr verschieden sein können. Auch zu einem Sportstudium wird in der Regel nur zugelassen, wer einen Sporttest erfolgreich absolviert hat.

Beim dualen Studium bewirbt man sich in der Regel über den Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb und erhält dann von diesem eine Vergütung. „Der Praxisbezug ist sehr hoch und ermöglicht eine starke Identifikation mit dem Arbeitgeber. Für diese Art des Studierens sollte man eine hohe Leistungs- und manchmal auch Leidensbereitschaft mitbringen, da die Studieninhalte sehr gestrafft sind“, betont Judith Blumenberg.

Land der Möglichkeiten

Angst haben, dass sich mit der Entscheidung für die eine oder andere Hochschulform auf eine unwiderrufliche Schiene gesetzt wird, muss man zum Glück in Deutschland ohnehin nicht. „Das deutsche Hochschulsystem ist sehr durchlässig“, beruhigt die Expertin. „Abhängig vom gewählten Studienfach ist ein Wechsel zwischen den Hochschulen grundsätzlich möglich, es kann allerdings passieren, dass man gewisse Kurse nachbelegen muss. Die Bedingungen variieren von Hochschule zu Hochschule. Letztendlich muss man sich immer an die Prüfungsämter und Studienberatungen der Hochschulen wenden, um zuverlässig Auskunft zu bekommen.“

Judith Blumenberg rät allen, die sie fragen, immer und vor allen Dingen eines: die infrage kommenden Hochschulen unbedingt anzuschauen! „Nutzen Sie Schnuppervorlesungen, Probestudien oder Campustage. Fragen Sie sich: „Sehe ich mich hier“? Eine Entscheidung für die Hochschule sollte halb mit dem Kopf und halb mit dem Bauch getroffen werden. Und den Bauch kann man nur sprechen lassen, wenn man vor Ort mal Atmosphäre geschnuppert hat.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Weitere Informationen zu den verschiedenen Hochschultypen finden Sie auf studienwahl.de.
www.studienwahl.de/studieninfos/hochschultypen

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de/hochschulen

Stiftung für Hochschulzulassung - hochschulstart.de

Portal für die Vergabe von allen bundesweit und einigen örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen.
www.hochschulstart.de

abi>> Hochschulpanorama

Im abi-Portal der Bundesagentur für Arbeit gibt es eine interaktive Deutschlandkarte, mit der man die Studienstädte in Deutschland virtuell entdecken kann.
hochschulpanorama.abi.de

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

Das gemeinnützige CHE versteht sich als Projektpartner von Ministerien und Hochschulen und veröffentlicht unter anderem in regelmäßigen Abständen Hochschulrankings.
www.che.de

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Die HRK ist der freiwillige Zusammenschluss der staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland.
www.hrk.de