Studienorientierung

Ein Semester, um sich zu entscheiden

Zwei lächelnde junge Frauen kommen aus der roten Glastür eines Gebäudes.
Foto: Martin Rehm | Bundesagentur für Arbeit

Ronja Schnellen (21) wusste nur, dass sie studieren will, konnte sich aber nicht für ein konkretes Fach entscheiden. Mit dem Goethe-Orientierungsstudium in Frankfurt am Main gewann sie die Klarheit, die sie brauchte.

Ein Porträt-Foto von Ronja Schnellen
Foto: privat

„Ich hatte vorher gedacht, dass ich ein Studium finden muss, das in jedem Detail zu mir passt. Ich habe mich informiert und alle Studientests gemacht, die ich finden konnte. Aber mit dieser Fülle an Informationen wurde der Druck eher noch größer“, erzählt Ronja Schnellen, die jetzt im ersten Semester Psychologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert.

Nach dem Abitur absolvierte sie einen neunmonatigen Bundesfreiwilligendienst und recherchierte parallel nach ‚ihrem‘ Fach. Dabei wurde sie auf das Orientierungsstudium aufmerksam. Sie bewarb sich über ein Online-Portal für das Sommersemester und bekam einen Studienplatz.

Was will ich eigentlich?

Das Orientierungsstudium der Goethe-Universität gliedert sich in vier Module. Aufgrund der Corona-Pandemie studierte Ronja Schnellen ausschließlich online und per Zoom. Im „Orientierungsmodul“ war die Studentin angehalten, sich aktiv mit ihren Potenzialen und ihrer beruflichen Orientierung auseinanderzusetzen. Sie beantwortete Fragen wie: Was interessiert mich wirklich? Wo liegen meine Kompetenzen? Außerdem besuchte sie virtuelle Vorträge zur beruflichen Orientierung.

In Gruppen- und Zweiergesprächen mit den Lehrenden lernte Ronja Schnellen ihre Interessen zu reflektieren. „Ich hatte außerdem einen Mentor und eine Tutorin, die mich unterstützt haben. Beide waren Masterstudierende. Meinem Mentor konnte ich immer schreiben und auch fragen, wie er verschiedene Situationen persönlich erlebt hat.“

Wie funktioniert Universität?

Im „Hochschulmodul“ studierte Ronja Schnellen die Entstehung, Struktur und Ziele von Universitäten und sie lernte, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert. Zudem gehörte „Studentische Partizipation“ zu diesem Modul. Hier geht es um die aktive Teilnahme in allen Bereichen, denn Uni ist mehr als nur Vorlesungen besuchen und zur Mensa gehen. „Auch weil ich das schon kannte, engagiere ich mich heute in der Fachschaft Psychologie“, erzählt sie.

Im ‚Projektmodul‘ besuchte Ronja Schnellen schließlich das frei wählbare Seminar ‚Digitale Gesprächsräume‘, unter Leitung einer Dozentin des Museums für Kommunikation Frankfurt. Sie verfasste einen Essay über Alexa, die sprachbasierte Technologie von Amazon, der später im Museums Blog veröffentlicht wurde. Und schließlich nutze sie ausgiebig die Möglichkeiten des Freien Studiums im vierten Modul: „Ich habe sehr bunt studiert“, erzählt Ronja Schnellen. Sie besuchte beispielsweise Vorlesungen über Kirchenmusik, Pilgern im Mittelalter, Sportmedizin und Einführung in die Ethnografie des Iran.

Es darf noch so viel offen bleiben

Die Möglichkeit, sich für eine Studienrichtung im Rahmen des Orientierungsstudiums zu entscheiden, um diese dann ohne Fachwechsel weiter zu studieren, hat Ronja Schnellen nicht genutzt. Sie hat sich für Psychologie entschieden - ein Studiengang, der nicht im Fächerkanon des Goethe-Orientierungsstudiums enthalten ist. „Ich habe am Ende so viele Möglichkeiten, zum Beispiel in Raumfahrtpsychologie, Sportpsychologie, Forensischer Psychologie oder Psychotherapie. Ich habe das richtige Studium für mich gefunden.“

Und auch ihr Resümee für das Orientierungsstudium fällt durchweg positiv aus: „Weil ich im Orientierungsstudium eine solche Bandbreite an Themen erfahren habe, konnte ich viel entspannter ins Studium starten.“

Beispiele aus dem Alltag: Studienorientierung