Testverfahren

„Ein Vorteil ist dabei die direkte Beratung“

Jemand sitzt an einem Tisch mit einem Stift in der Hand und schreibt etwas auf ein Blatt Papier
Foto: Bundesagentur für Arbeit

Einige Tests zur Studienwahl werden direkt bei den Arbeitsagenturen angeboten. Wie sie funktionieren und inwiefern sich die Angebote unterscheiden, erläutert Dr. Nicolas Crost vom Berufspsychologischen Service der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit.

studienwahl.de: Welche Tests zur Studienwahl sind im Rahmen der Berufsberatung der örtlichen Arbeitsagenturen möglich?

Nicolas Crost: Der Berufspsychologische Service der Bundesagentur für Arbeit bietet verschiedene kostenlose Dienstleistungen an. Speziell für Schüler und Abiturienten gibt es die studienfeldbezogenen Beratungstests (SFBT) in den Bereichen Informatik/Mathematik, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, philologische Studiengänge, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Dabei handelt es sich nicht um ein Self-Assessment, sondern um einen Test unter standardisierten Bedingungen.

studienwahl.de: Was bedeutet das konkret?

Ein Porträt-Foto von Nicolas C.
Foto: privat

Nicolas Crost: Die Aufgaben des SFBT beinhalten typische Problemstellungen aus den jeweiligen Fachgebieten. So erfährt man etwas über die Anforderungen entsprechender Studiengänge. Im Gegensatz zu einem Online-Self-Assessment kann man direkt in der Beratung die Ergebnisse besprechen – das ist ein Vorteil an diesem Test.

studienwahl.de: Und was tut man, wenn man noch gar nicht weiß, in welche Fachrichtung es gehen soll oder sich fragt, ob Studieren überhaupt das Richtige ist?

Nicolas Crost: In solchen Fällen kann die beratende Person eine umfassende Psychologische Begutachtung in Auftrag geben. Dabei kann der Test zur Selbsteinschätzung studienrelevanter Personenmerkmale zum Einsatz kommen. Er richtet sich an studieninteressierte Jugendliche, die sich noch nicht für eine Fachrichtung entschieden haben.

studienwahl.de: Wie funktioniert dieser Test?

Nicolas Crost: Der Test ist als Fragebogen angelegt und bietet die Möglichkeit, Interessen mit Hilfe von Inhalten aus 17 Studien- und Berufsfeldern zu erkunden. Außerdem werden auch Fragen zur Motivation und zum Arbeitsverhalten gestellt. Die Ergebnisse werden in einem ausführlichen Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen in der örtlichen Arbeitsagentur ausgewertet. So können Jugendliche erfahren, welcher Studienbereich besonders interessant für sie ist und sie bekommen eine Rückmeldung zu ihren studienbezogenen Einstellungen.

studienwahl.de: Können sich Studieninteressierte auf die Tests vorbereiten?

Nicolas Crost: Es kann nicht schaden zu wissen wie Multiple-Choice-Fragen funktionieren, aber intensiv vorbereiten sollte man sich nicht. Es geht ja um eine realistische Einschätzung: Was kann ich gut und was nicht so gut? Bei Interesse sind Beispiele zu möglichen Aufgaben im Internet zu finden.

studienwahl.de: Wie sollten Interessierte am besten vorgehen, um nützliche Erkenntnisse daraus ziehen zu können?

Nicolas Crost: Man sollte bei Leistungstests sein Bestes geben und alle Fragen offen und ehrlich beantworten – etwa, wenn es um die eigenen Interessen geht. So lassen sich besonders viele Erkenntnisse gewinnen. Dann sollte man für die Ergebnisse offen sein und sie reflektieren. Hier kann eine kostenlose Beratung bei der jeweiligen Arbeitsagentur unterstützen. Auf der Basis der Ergebnisse kann man dann gemeinsam das weitere Vorgehen besprechen und auch selbst im Internet recherchieren.

studienwahl.de: Wie findet man andere seriöse Angebote?

Nicolas Crost: Das ist tatsächlich ein Problem, denn Laien können die Tests nicht beurteilen. Unter den kostenpflichtigen Angeboten gibt es sicherlich seriöse Anbieter. Ich rate dennoch davon ab, weil aufgrund der hochwertigen kostenlosen Angebote keine Notwendigkeit besteht, Geld zu investieren. Insgesamt würde ich empfehlen, sich an die großen kostenlosen Anbieter zu halten. Die Unabhängigkeit und Neutralität der Angebote der Bundesagentur für Arbeit sind hier ein großer Vorteil.