Überblick

Bundesweite Zulassungsbeschränkung

In vier Studienfächern werden die Studienplätze an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen in allen Bundesländern zentral über Hochschulstart vergeben: Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie.

Eine Frau lernt am medizinischen Modell mit einem Buch.
Foto: Julia Hendrysiak

Nach Abzug von Vorabquoten für bestimmte Bewerbergruppen (u.a. für Ausländer*innen und Zweitstudienbewerber*innen) werden 30% der Studienplätze an die Abiturbesten eines jeden Bundeslandes vergeben. Die Verteilung von weiteren 10% der Plätze erfolgt mithilfe der „Zusätzlichen Eignungsquote“, während der Großteil der verfügbaren Studienplätze (60%) durch das sogenannte „Auswahlverfahren der Hochschulen“ vergeben wird. Anschließend werden die Plätze an Studieninteressierte vergeben, für die die Ablehnung eine außergewöhnliche Härte bedeuten würde. Zum Schluss werden (für den Studiengang Medizin) noch die Teilstudienplätze verteilt.
Sie müssen sich übrigens nicht für die Teilnahme an einer der drei Hauptquoten entscheiden: Im Rahmen der bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge nimmt eine Bewerbung für einen Ort stets automatisch an allen drei Quoten teil.

"Abiturbestenquote" (30%)

Die Auswahl der Bewerber*innen erfolgt nach der Gesamtpunktzahl der Hochschulzugangsberechtigung (umgangssprachlich: „Abinote“). Die in dieser Quote verfügbaren Studienplätze werden über 16 Landes-Ranglisten (also anhand eines landesinternen Leistungsvergleichs) vergeben, die abschließend in eine große Bundes-Rangliste überführt werden. Dies geschieht anhand von Berechnungen, die sich u.a. auf vorliegende Bevölkerungszahlen bzw. -anteile stützen.

Das in der Abiturbestenquote vorliegende Gesamtvolumen an Studienplätzen wird also in einem ersten Schritt auf die 16 Bundesländer aufgeteilt und im Anschluss in eine Bundesliste überführt. Danach werden die entsprechenden Kapazitäten mit Bewerbungen ausgefüllt, deren Rangfolge sich primär nach der im jeweiligen Bundesland erbrachten Abiturleistung und sekundär nach einem abgeleisteten Dienst sowie einer zufällig zugewiesenen Losnummer ausrichtet. Die Wahl der möglichen Studienorte spielt für die Ranglisten-Position keine Rolle.

Zusätzliche Eignungsquote (10%)

Die „Zusätzliche Eignungsquote“ setzt einen Schwerpunkt auf Kriterien, die unabhängig von der Abiturleistung eine Rolle bei der Studienplatzvergabe spielen. Im Wesentlichen fokussiert man sich hier auf Ergebnisse von Studierfähigkeitstests, aber auch andere Formen der Qualifikation wie bspw. eine relevante Berufsausbildung oder ein abgeleisteter Dienst können (je nach Vorgabe der Hochschule) in die Entscheidungsfindung einfließen.

Darüber hinaus wird im Rahmen dieser Quote für den Zeitraum bis Wintersemester 2022/23 an Hochschulen in Bayern noch die Wartezeit berücksichtigt. (Der Begriff „Wartezeit“ wird zu Beginn von Kapitel 4 im Kontext des Numerus clausus erläutert.)

Die Berücksichtigung der Wartezeit erfolgt nach einem bestimmten Punktesystem: In der zusätzlichen Eignungsquote kann eine Bewerbung maximal 100 Punkte erreichen. Maximal 55 davon werden anhand von schulnotenunabhängigen Kriterien vergeben. Wofür man hier wie viele Punkte bekommt, gibt die jeweilige Hochschule vor.

Für die Vergabeverfahren für das Sommersemester 2022 und Wintersemester 2022/2023 gilt an bayerischen Hochschulen, dass durch das Ansammeln von Wartezeit maximal 30 Punkte erreicht werden können. Diese 30 Punkte werden durch 15 oder mehr Wartesemester vergeben. Bei weniger Wartesemestern nimmt die Berücksichtigung linear ab. Für 14 Wartesemester werden nur noch 28 Punkte vergeben, für 13 Wartesemester 26 Punkte und so weiter.

In allen anderen Bundesländern außer Bayern wird ab dem Vergabeverfahren für das Sommersemester 2022 die Wartezeit in der Zusätzlichen Eignungsquote nicht mehr berücksichtigt.

Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) in bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen (60%)

Der Großteil der verfügbaren Studienplätze in den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen wird im Rahmen des Auswahlverfahrens der Hochschulen vergeben.

Bei der Auswahl im AdH hat die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung zwar einen maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl – aber diesem Auswahlkriterium muss mindestens ein weiteres (ge)wichtiges notenunabhängiges Kriterium zur Seite gestellt werden. Für den Studiengang Medizin müssen sogar mindestens zwei zusätzliche „bedeutsame“ Auswahlkriterien berücksichtigt werden.

Zu diesen Kriterien zählen vor allem das Ergebnis eines Studierfähigkeitstests, darüber hinaus können auch eine einschlägige Berufsausbildung, entsprechende berufliche Praxiserfahrung sowie die Ableistung eines Diensts oder der Nachweis akademischer Aktivitäten abseits eines Studiums (Bsp.: erfolgreiche Teilnahme an einem wissenschaftlichen Wettbewerb) in Betracht kommen. Auch Auswahlgespräche oder Motivationsschreiben können potenziell in die Entscheidungsfindung einfließen.

Wie genau die Auswahlkriterien gestaltet bzw. gewichtet werden und wie sie mit der Abiturleistung zusammenwirken, kann auf www.hochschulstart.de nachgelesen werden.

Die Bewerbung

Der erste Teil der Bewerbung für einen Studienplatz erfolgt online bei Hochschulstart. Dreh- und Angelpunkt ist auch für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge das DoSV-Bewerbungsportal. Wenn man sich dort nach einer Registrierung anhand des Studienangebots für einen bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang interessiert, wird man zum Dialogsystem „AntOn“ (= Antrag Online) weitergeleitet. Dort werden die Bewerber*innen programmgestützt durch die benötigte Antragstellung geführt.

Die zur rechtsgültigen Antragstellung notwendige Unterschrift sowie die zum Antrag gehörenden Unterlagen (z.B. beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses) müssen per Post nachgereicht werden.

Die Bewerbungsergebnisse werden schließlich im persönlichen Benutzerkonto des DoSV-Bewerbungsportals angezeigt. Weitere Details zum Bewerbungsablauf sowie weitere in diesem Zusammenhang wichtige Informationen finden Sie auf www.hochschulstart.de (bspw. Angaben zu den geltenden Bewerbungsfristen).

Die Rolle der Studierfähigkeitstests

Wer seine Chancen auf eine Zulassung erhöhen möchte, sollte sich ernsthaft mit dem Thema „Studierfähigkeitstests“ auseinandersetzen: Man kann bspw. einmalig an einem gebührenpflichtigen Test für Medizinische Studiengänge (TMS) teilnehmen. Für die Zulassung zum Studium ist die Teilnahme zwar nicht verbindlich, aber das Testergebnis ist nahezu flächendeckend für den Bewerbungsprozess relevant.

Der TMS findet einmal jährlich Anfang Mai zeitgleich an rund 50 Testorten in Deutschland statt. Anmeldeschluss ist jeweils der 15. Januar. Alt-Abiturient*innen können das TMS-Ergebnis nachreichen, wenn sie sich bei Hochschulstart fristgerecht beworben haben.

Weitere Informationen erhalten Sie bei den beteiligten Hochschulen, bei Hochschulstart und der TMS-Koordinationsstelle auf www.tms-info.org.

Alternativ zum TMS besteht außerdem die Möglichkeit, dass Hochschulen auch andere, lokale Testverfahren bei einer Bewerbung berücksichtigen (im Bereich Pharmazie beispielsweise den „PhaST“, der seit dem Wintersemester 2020/21 als fachspezifischer Studieneignungstest eingesetzt werden kann), für die sich die Bewerber*innen im Vorfeld auch lokal anmelden müssen. Auch unter diesem Gesichtspunkt lohnt sich also ein Blick auf die entsprechenden Informationen der Hochschulen.

Bewerbungsschluss bei hochschulstart.de

Die genannten Bewerbungsfristen sind Ausschlussfristen. – Quelle: www.hochschulstart.de 2019

Für das Wintersemester

31. Mai: Alt-Abiturient*innen
Studienbewerber*innen, die ihre Studienberechtigung vor dem 16. Januar des laufenden Jahres erworben haben.

15. Juli: Neu-Abiturient*innen
Studienbewerber*innen, die ihre Studienberechtigung zwischen dem 16. Januar bis einschließlich 15. Juli des laufenden Jahres erworben haben.

Für das Sommersemester

15. Januar:
Für Alt- und Neu-Abiturient(inn)en

Hinweis

Auch Bewerber*innen mit ausländischen Schulabschlüssen eines EU-Landes, Islands, Liechtensteins oder Norwegens bzw. Ausländer*innen, die eine Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben, bewerben sich über Hochschulstart. Das gilt auch für deutsche Staatsangehörige, die ihren Schulabschluss im Ausland erworben haben. Diesbezügliche Entscheidungen der Hochschulen und der Stiftung für Hochschulzulassung werden in der Regel gegenseitig anerkannt..

Vorabquoten: Alternative Bewerbungswege für Medizin für Land- und Amtsärzt*innen

Für den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang Medizin besteht zudem die Möglichkeit, sich auch im Rahmen der Quote für sog. Landärzt*innen sowie in der Quote für den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) für künftige Amtsärzt*innen um einen Studienplatz zu bewerben. Diese Formen der Bewerbung werden nicht über die herkömmlichen Hauptquoten (s.o.) im Verfahren berücksichtigt, sondern mithilfe dieser besonderen Vorabquoten, die sich dadurch auszeichnen, dass sie gesetzlich in den jeweiligen Bundesländern eingerichtet sein müssen und eine entsprechende Bewerbung durch die je nach Landesrecht für zuständig erklärten Stellen entgegen genommen und verarbeitet wird (d.h. unabhängig von der Konkurrenz im Vergabeverfahren von Hochschulstart; erforderlich ist insoweit nur eine vorherige Registrierung im DoSV).

Im Rahmen der Verarbeitung legt die jeweils zuständige Stelle (bspw. das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) dann anhand der eingereichten Unterlagen bzw. Qualifikationsnachweise fest, welche*r Bewerber*in an welcher Hochschule des jeweiligen Bundeslandes eine Zulassung erhalten soll, wobei man im Rahmen der Bewerbungsabgabe selbst festlegen kann, für welche Hochschulen man sich grundsätzlich interessiert.

Bewerber*innen, die diesen alternativen Weg ins Studium wählen wollen, verpflichten sich bei erfolgreicher Zulassung im Gegenzug, im entsprechenden Bundesland zu studieren und die ersten Berufsjahre als Amtsarzt*Amtsärztin im ÖGD zu verbringen oder sich für einige Zeit als Landarzt*Landärztin in ärztlich unterversorgten Gebieten niederzulassen – und zwar ebenfalls im jeweiligen Bundesland. Hierzu wird ein Vertrag zwischen dem Bundesland und der*dem Bewerber*in geschlossen.

Folgende Bundesländer bieten den Weg ins Medizinstudium mithilfe einer Landarztquote an:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen-Anhalt

Folgende Bundesländer bieten den Weg ins Medizinstudium über eine besondere Vorabquote für den öffentlichen Gesundheitsdienst an:

  • Bayern
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen-Anhalt (ab dem Wintersemester 22/23)
info

Wichtiges Detail: Auch wenn der Bewerbungsprozess über die jeweils zuständigen Stellen läuft, so erhalten erfolgreiche Bewerber*innen ihren Zulassungsbescheid dennoch letztendlich von der Stiftung für Hochschulzulassung, da hier alle Fäden bezüglich der Zulassung für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge gesetzlich zusammenlaufen. Daher ist es auch notwendig, dass man sich im Rahmen der Bewerbung bei Hochschulstart registriert.

links

Die Details zu den jeweiligen Regelungen und Abläufen sowie die geltenden Termine werden durch die Bundesländer auf folgenden Internetseiten dargestellt:

Baden-Württemberg

Bayern

Mecklenburg-Vorpommern

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen-Anhalt