Internationale Karriere

Karriere im Auswärtigen Dienst

Aufnahme des Reichstagsgebäudes mit Glaskuppel in Berlin. Auf und vor dem Gebäude stehen mehrere Deuschlandflaggen und eine Europaflagge.
Foto: Meramo Studios | Bundesagentur für Arbeit

Diplomat, Botschafterin oder Generalkonsul – die Berufsbezeichnungen klingen nach weiter Welt, nach Ansehen und feinen Abendgesellschaften. Aber nur wer das anspruchsvolle Auswahlverfahren besteht und bereit ist, alle paar Jahre in einem anderen Land zu leben, ist für eine Beamtenlaufbahn im Auswärtigen Dienst geeignet.

Für Abiturienten interessant ist zum einen die Laufbahn des gehobenen Dienstes, die auch Antonia Korn anstrebt. Neben der Allgemeinen oder der Fachhochschulreife braucht man hierfür Deutschkenntnisse auf muttersprachlichem Niveau und mindestens gute Kenntnisse in Englisch sowie gute Grundkenntnisse in Französisch. In einem dualen Studium mit Praxiseinsätzen im In- und Ausland wird man auf seine spätere Tätigkeit vorbereitet.

Mit einem Master oder vergleichbarem Hochschulabschluss wie einem Staatsexamen steht Hochschulabsolventen eine Laufbahn im höheren Dienst offen. Die Voraussetzungen sind aber auch hier anspruchsvoll: neben dem Hochschulabschluss brauchen Interessierte sehr gute Kenntnisse in Englisch und in einer weiteren Fremdsprache. Spätestens zur Einstellung müssen zudem Grundkenntnisse in Französisch nachgewiesen werden. Eine überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit und ausgeprägtes politisches Verständnis sowie eine gesundheitliche Eignung werden ebenfalls verlangt.

Vorbereitungsdienst als Attaché

Wer das anspruchsvolle Auswahlverfahren besteht, wird in einem zwölfmonatigen Vorbereitungsdienst als Attaché/e auf die späteren Aufgaben vorbereitet. „Grundsätzlich können sich Absolventinnen und Absolventen aller Studiengänge bewerben, zur Zeit sind Juristinnen und Juristen besonders gesucht“, erklärt Jörg-Michael Wenzler, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Esslingen. „Vorteilhaft ist eine internationale Ausrichtung des Studiums, die durch Auslandssemester in verschiedenen Ländern bewiesen werden kann“, weiß der Berater. „Oder ein Auslands-Master oder ein Double Degree, also ein Abschluss einer deutschen und einer ausländischen Hochschule.“

Ein Porträt-Foto von Jörg-Michael Wenzler
Foto: privat

Nach der Ausbildung finden sich die Diplomaten vielleicht in einer der elf Abteilungen in der Berliner Zentrale wieder. Das kann zum Beispiel in der Abteilung für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung sein, in der Rechtsabteilung, der Abteilung für Kultur und Kommunikation oder auch im Protokoll, das beispielsweise Staatsbesuche oder internationale Konferenzen in Deutschland organisiert und betreut. Nach drei oder fünf Jahren geht es in die weite Welt. Und nach einigen Auslandsjahren dann wieder zurück nach Berlin.

Genauso wie der Einsatzort wechseln auch die Aufgabengebiete der Beamten. Wer als Kulturattaché in London war, der findet sich vielleicht im nächsten Turnus im Protokoll in Berlin wieder. Insgesamt verbringt man bis zu zwei Drittel seines Berufslebens im Ausland.

Lebenslange Flexibilität

Eine Entscheidung für eine Karriere beim Auswärtigen Dienst ist also auch eine Entscheidung für lebenslange Flexibilität. Mit allen Vor- und auch Nachteilen, denn nicht jeder Einsatzort wird London, Paris oder New York sein. Bei rund 230 Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amts müssen alle Mitarbeiter damit rechnen, auch mal in ein Krisengebiet oder an einen Dienstort entsandt zu werden, der zunächst wenig attraktiv erscheint. Das erfordert natürlich auch die Unterstützung der Familie.

Weil auch die Ämter innerhalb des Dienstes wechseln, sollten sich Bewerberinnen und Bewerber gut auf unterschiedliche Fachgebiete einstellen können. „Da Diplomaten nicht selten unter zeitlichem und inhaltlichem Druck arbeiten, sind soziale Kompetenz, Führungskompetenz, Teamfähigkeit und Organisationstalent gefragt“, weiß Jörg-Michael Wenzler. „Ganz allgemein sind Diplomaten Menschen, die gerne reisen und dabei großes Interesse an fremden Kulturen und Neugierde auf andere Länder und deren Besonderheiten haben. Außerdem haben sie eine hohe Affinität zu Außenpolitik, Wirtschaft und Kultur.“

Botschafterin: In der Welt zu Hause

Anka Feldhusen (53), Botschafterin in Kiew, zieht alle drei Jahre in ein anderes Land. Ihr Arbeitstag startet um 8 Uhr und endet nach der letzten offiziellen Veranstaltung oft spät am Abend. Aber: Der diplomatische Dienst ist ihr Traumberuf.

„Morgens lese ich in Internet-Portalen der ukrainischen Presse, was in der Nacht passiert ist“, berichtet Anka Feldhusen. „Zweimal in der Woche haben wir vormittags eine Besprechung mit ungefähr 20 Kolleginnen und Kollegen in der abhörsicheren Kabine“. An den Tagen, an denen keine Konferenz in der ‚Kabine‘ angesetzt ist, nimmt die Botschafterin Termine in den Regierungsbehörden der Ukraine war. In der Regel schließt sich ein offizielles Mittagessen an.

Oft folgen weitere Termine, bis die Diplomatin wieder in ihrem Büro ist und dort Berichte ihrer Kollegen aus den Referaten lesen und unterschreiben kann. Als Leiterin der Botschaft mit etwa 150 Mitarbeitern ist sie natürlich auch zuständig für Personalführung, Budgetverwaltung und andere Managementaufgaben.

Abends schickt Anka Feldhusen eine Mail an interessierte Kolleginnen und Kollegen in Berlin und an andere deutsche Botschaften und Konsulate, in der sie die Geschehnisse des Tages kurz zusammenfasst. Aber auch damit ist die Arbeit noch nicht zu Ende, wenn beispielsweise eine gesellschaftliche Veranstaltung auf die Diplomatin wartet.

Fließend Russisch

In Kiew ist Anka Feldhusen bereits zum dritten Mal eingesetzt: Auf ihrem ersten Posten im Auswärtigen Amt war sie dort Presse- und Protokollreferentin. Nach Stationen in verschiedenen anderen Ländern kehrte sie erst als stellvertretende Leiterin und im Anschluss an eine Dienstzeit in Berlin schließlich als Botschafterin zurück. „Ich habe als Einzige aus den alten Bundesländern in meinem Ausbildungsjahrgang fließend Russisch gesprochen, und während meines ersten Einsatzes in Kiew lernte ich zusätzlich Ukrainisch“, erklärt die Botschafterin.

Ein Porträt-Foto von Anka Feldhusen
Foto: privat

Russisch hat Anka Feldhusen im Gymnasium belegt und mit einem Slawistikstudium im Nebenfach weiterverfolgt. Im Hauptfach studierte sie Politologie in Kiel und Paris und arbeitete anschließend beim Institut d’Etudes Politiques in Paris.

Ein Zufall trug sie dann weiter in den höheren Dienst des Auswärtigen Amtes, als sie in Paris den deutschen Botschafter traf und dieser sie auf die Idee brachte, sich für den Auswärtigen Dienst zu bewerben. „Schon im Auswahlverfahren und durch die Art, wie es abgehalten wurde, wusste ich, dass ich unbedingt zum Auswärtigen Amt wollte“, erzählt die Botschafterin.

Eine abenteuerlustige Familie

„Ich habe es immer als großen Vorteil empfunden, alle drei Jahre umzuziehen. Ich freue mich auf neue Menschen, neue Themen, neue Herausforderungen“, sagt Anka Feldhusen. „Aber natürlich ist der Karriereweg im Auswärtigen Amt für Familien nicht leicht. Es bedeutet immer, dass alle mitziehen müssen. Man braucht für diesen Beruf eine abenteuerlustige Familie.“ Ihr Sohn, mittlerweile 17 Jahre alt, hat genauso wie seine Mutter Lust auf immer neue Wohnorte. „Es war sein expliziter Wunsch, sein Abitur im Ausland zu machen.“

Mit ihren Freunden aus der Schule und denen, die sie im Laufe ihrer beruflichen Karriere hinzugewonnen hat, ist Anka Feldhusen immer verbunden geblieben. „Durch die digitalen Medien ist es heute leichter, Kontakt zu halten.“ Und wenn sie Urlaub hat, zieht es die gebürtige Elmshornerin in die Heimat nach Schleswig-Holstein.

Nach ihrer Zeit in Kiew, wo sie drei oder vier Jahre bleiben wird, wird sie wahrscheinlich wieder nach Berlin zurückkehren, um vielleicht in einer politischen Abteilung eine Position als Beauftragte zu übernehmen. Danach möchte sie gerne wieder als Botschafterin eingesetzt werden – am liebsten in einem Land, das sie noch nicht kennt.

Studienreportage: Karriere im Auswärtigen Dienst

Antonia Korn (19) hat einen der begehrten Studienplätze für den gehobenen Auswärtigen Dienst an der Hochschule des Bundes in Berlin ergattert. Gerade hat sie ihr zweites von drei Studienjahren begonnen.

„Für mich ist der Dienst im Auswärtigen Amt einzigartig“, schwärmt Antonia Korn. „Bei kaum einem anderen Arbeitgeber hat man die Möglichkeit, immer wieder woanders zu wohnen und gleichzeitig seinen Job zu behalten. Man kann viel von der Welt sehen und verliert nie den Bezug zu Deutschland.“

Neunmonatiges Auswahlverfahren

Nach dem Abitur startete Antonia Korn mit einem Studium der Medienwissenschaften. Sie wusste, dass sie im Ausland arbeiten wollte und bewarb sich deshalb parallel für das duale Studium des Auswärtigen Amtes: „Ich musste neben meinen Sprachkenntnissen in einem Motivationsschreiben auch meinen Lebenslauf mit einfließen lassen. Alles online. Und dann hieß es erstmal warten“, berichtet die Studentin.

Ein Porträt-Foto von Antionia Korn
Foto: privat

Schließlich kam die Nachricht, dass sie zum zweiten Teil, einem schriftlichen Auswahlverfahren, eingeladen wurde. Die 19-Jährige konnte sich für eine von acht Städten in Deutschland entscheiden, um den Test zu durchlaufen. Zusammen mit zirka 60 Mitbewerbern trat sie in Bonn an. Insgesamt wurden 1.000 Bewerber für den schriftlichen Test zugelassen. Sie musste Rechen- und Textaufgaben lösen, Fragen zum Allgemeinwissen beantworten und zwei Sprachprüfungen ablegen. „Englisch war Pflicht, als zweite Sprache wählte ich Französisch.“ Das Auswärtige Amt hatte Sprachtests aus den Vorjahren online gestellt, mit denen Antonia Korn sich auf die Prüfung vorbereiten konnte.

Nach einigen Monaten erhielt sie die Einladung zum zweiten Auswahlverfahren nach Berlin Tegel. Nun waren es noch ungefähr 300 Bewerber.

Dort musste sie in einem psychologischen Gespräch bestehen und sich auf ein Rollenspiel mit einem Schauspieler einlassen, das eine interne Konflikt-Situation zwischen Kollegen in einer Botschaft darstellte. Außerdem wurde sie nach Studieninhalten befragt. Am Ende des Tages stand schließlich noch ein Kurzvortrag an, für den sie eine halbe Stunde Vorbereitung hatte.

Antonia Korn war sich keineswegs sicher, dass sie auch diesen Test bestanden hatte. „Ich wollte unbedingt in den Auswärtigen Dienst, aber ich wusste auch, dass es schwierig werden würde.’“

Abwechselnd Theorie und Praxis

Aber sie hat es geschafft und startete zusammen mit 50 Kommilitonen im August 2018 an der hauseigenen Akademie in Berlin Tegel. Für ein halbes Jahr wurden die Studierenden vor allem in Sprachen, aber auch in öffentlichen Finanzen, Geschichte, Staatsrecht, Zivilrecht und Konsularrecht unterrichtet. „Mich hat vor allem überrascht, dass ich an der Akademie auf ganz normale und sympathische Menschen treffe, auch wenn es von außen elitär wirkt. Wir haben ein ganz normales Studentenleben und viele Veranstaltungen außerhalb des Lehrplans, die wir zum Teil auch selbst organisieren können, wie beispielsweise Kaminabende im Haus des Außenministers, zu dem wir Historiker und Politiker einladen können.“

Im Anschluss an das halbe Jahr Theorie absolvierte die „Beamtin auf Widerruf“ ein fünfmonatiges Praktikum in der Zentrale in Berlin. „Ich habe gleich ein familiäres Umfeld vorgefunden. Jeder grüßt einen, die Kollegen sind immer hilfsbereit und ich habe interessante Aufgaben bekommen.“

Die nächste Studienphase durchläuft Antonia Korn momentan an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, einem Kooperationspartner der Akademie des Auswärtigen Dienstes. Unterrichtet werden dort unter anderem Familien- und Erbrecht sowie Strafrecht.

Für die Zeit danach ist ein Auslandspraktikum geplant, das Antonia Korn in London verbringen wird. „Anschließend sind wir noch einmal neun Monate an der Akademie in Tegel und schreiben dann unsere Diplomarbeit.“ Konkrete Pläne für die Zukunft hat die Studentin erstmal nicht. „Ich freue mich sehr darauf, im Ausland zu arbeiten, und möchte gerne irgendwann mal in die USA.“

Der Auswärtige Dienst: Wer macht was?

Mit Abitur stehen Karrierewege im gehobenen und im höheren Dienst offen. Wer den Einstieg über das klassische Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes schafft, durchläuft eine klassische Beamtenlaufbahn. Exemplarisch stellt studienwahl.de einige Amtsbezeichnungen vor.

Attaché/Attachée Als Attaché/e werden die künftigen Beamtinnen und Beamten im höheren Dienst des Auswärtigen Amtes während ihres zwölfmonatigen Vorbereitungsdienstes bezeichnet. Sie erhalten Anwärterbezüge und sind Beamter oder Beamtin auf Widerruf. Der Vorbereitungsdienst endet mit einer schriftlichen und mündlichen Laufbahnprüfung

Legationsrat/Legationsrätin Wer seinen Vorbereitungsdienst erfolgreich abgeschlossen hat, wird zum Legationsrat ernannt. In der Zentrale werden Legationsräte etwa als Referentin oder Referent eingesetzt, im Ausland kann die Bezeichnung Botschaftssekretärin oder Botschaftssekretär lauten. Der Einsatzbereich ist vielfältig und reicht von Politik und Wirtschaft über Kultur und Wissenschaft bis zu Presse, Umwelt und Entwicklungsarbeit.

Konsul/Konsulin Konsuln sind eher verwaltend als diplomatisch tätig. Sie kümmern sich etwa um die Anliegen der in ihrem Empfangsstaat lebenden Deutschen, beispielsweise bei Pass- oder Aufenthaltsfragen. Konsulinnen und Konsuln leiten ein (General-)Konsulat oder sind Mitarbeiter einer konsularischen Mission oder einer Botschaft.

Botschafter/Botschafterin Wer in der Laufbahn des höheren Dienstes im Auswärtigen Amt nach zwanzig oder dreißig Dienstjahren ganz oben angekommen ist, ist vielleicht Chef einer der 153 Botschaften des Landes. Die Botschafter der Bundesrepublik Deutschland werden vom Bundespräsidenten ernannt. Sie sind Beamte des höheren Auswärtigen Dienstes.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Hochschulkompass

In der Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz kannst du unter anderem nach dualen Studiengängen recherchieren, auch selektiv nach ausbildungs- oder praxisintegrierenden Angeboten. www.hochschulkompass.de

JÖBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

Auswärtiges Amt

Weltweit wir – Beruf und Karriere im Auswärtigen Amt

Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung

Deutsche Botschaft Kiew

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