Arzt/Ärztin werden

Medizin studieren

Ein Mann im weißen Kittel, mit Stethoskop um den Hals, zeigt einer anderen Person im Fachbuch Pschyrembel eine Textpassage.
Foto: Jörg Moritz | Bundesagentur für Arbeit

Constanze Czimmeck (21) studiert Humanmedizin im Modellstudiengang an der Charité in Berlin. Schon während ihres Studiums sammelt sie erste praktische Erfahrungen im Umgang mit Patienten.

Medizinische Themen weckten schon immer das Interesse von Constanze Czimmeck. Direkt nach dem Abitur entschied sie sich für ein Schnupperstudium Medizin an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Zuvor hatte sie im Rahmen einer Tätigkeit bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ihre ersten medizinischen Erfahrungen gesammelt. „Nach einem Au-pair-Jahr in Frankreich habe ich mich dann auf einen Medizinstudienplatz in Berlin beworben“, erzählt Constanze Czimmeck. Ihre sehr gute Abiturnote sowie ein erfolgreich bestandener Aufnahmetest der Medizinischen Fakultät der Charité führten schließlich zu einer Zusage.

Mittlerweile studiert die 21-Jährige im sechsten Semester. Ein Medizinstudium dauert in der Regel zwölf Semester, wobei die letzten beiden auf das Praktische Jahr entfallen, in dem die Studierenden Vollzeit in einer Klinik oder einem Krankenhaus die Praxis üben – vier Monate in der Chirurgie, vier Monate im Bereich Innere Medizin und vier Monate auf einer Wahlstation.

Problembasiertes Studienmodell

Ein Portät-Foto von Constanze Czimmeck
Foto: Martin Büdenbender

In ihrem bisherigen Studienverlauf konnte Constanze Czimmeck ihr Wissen häufig an Patienten praktisch anwenden. „Die Charité bietet einen Modellstudiengang an. Die Aufteilung der Lehrinhalte ist dabei etwas anders als in einem herkömmlichen Studium“, erklärt die Studentin. „Wir lernen problembasiert. Das heißt: Drei bis vier Wochen behandeln wir in der Theorie zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System, lernen Anatomie und Therapien kennen und sind gleichzeitig auf der entsprechenden Station in der Klinik.“ Im herkömmlichen Studium durchlaufen die Studierenden in der Regel bis zum vierten Semester die sogenannte Vorklinik, die aus viel Theorie und nur wenig Praxis besteht. Erst im nächsten Studienabschnitt, der Klinik, haben sie Kontakt zu Patienten.

In speziellen Trainings lernen die Medizinstudierenden an der Charité unter anderem auch den Umgang mit Patienten und Angehörigen. Ethische Themen wie Abtreibung oder Tod stehen ebenfalls auf dem Stundenplan. Derzeit kann sich Constanze Czimmeck vorstellen, nach dem Studium als Ärztin in einer Praxis zu arbeiten. „Da ist der Patientenkontakt langfristiger als in einem Krankenhaus“, so ihre Erfahrung. Aber auch die Arbeit im öffentlichen Gesundheitsdienst schließt sie nicht aus. Diese lernt sie derzeit in einer Famulatur kennen – so werden die Praktika von angehenden Mediziner(-inne)n genannt.

Hintergrund: Das Studium

Nach einem Medizinstudium stehen viele Wege offen. Doch der Ausbildungsweg ist lang und anspruchsvoll. studienwahl.de hat die wichtigsten Informationen rund um das Medizinstudium zusammengetragen.

Mehr als sechs Jahre dauert es vom Studienbeginn bis zum dritten Abschnitt der ärztlichen Prüfung. Danach beginnt die Weiterbildung der Assistenzärzte und Assistenzärztinnen zum/zur Facharzt/-ärztin, die meist noch einmal fünf bis sechs Jahre in Anspruch nimmt. Erst dann dürfen sich die Mediziner(-innen) mit einer eigenen Praxis niederlassen oder als Fachärztin oder Facharzt in einer Klinik arbeiten, etwa im Bereich innere Medizin, Orthopädie oder auch alternative Medizin. „Weil der Ausbildungsweg so lang ist, sollte man sich immer wieder an seine Motivation erinnern“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Decking, stellvertretender Prodekan für Lehre und Studienqualität an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Das helfe über Phasen mit hohem Lernpensum, Stress sowie körperlicher und psychischer Belastung hinweg.

„Die meisten Studierenden im Bereich Humanmedizin wollen Arzt werden, um sich für das Wohl der Patienten einzusetzen. Damit haben sie ein klares Ziel vor Augen“, sagt der Mediziner.

Verstärkter Fokus auf praktische Erfahrungen

Porträt-Foto von Ulrich Decking
Foto: privat

Bundeseinheitlich geregelt ist das Medizinstudium durch die „Approbationsordnung für Ärzte“. Lediglich im Rahmen von Modellstudiengängen, wie sie etwa an den Universitäten in Aachen, Berlin, Düsseldorf oder Heidelberg angeboten werden, kann davon abgewichen werden. „Hier sind Praxis und Theorie vom ersten Semester an miteinander verzahnt“, beschreibt Ulrich Decking. So sieht es auch der Masterplan Medizinstudium 2020 vor, der bald an allen Universitäten in die Praxis umgesetzt werden soll.

Unterteilt ist das klassische Medizinstudium bisher in drei Abschnitte: In der sogenannten Vorklinik – der Zeit vor dem ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung, dem Physikum – werden vor allem theoretische Grundlagen sowie erste praktische Erfahrungen im Rahmen eines Pflegepraktikums vermittelt. Im darauffolgenden klinischen Teil stehen neben Grundlagenfächern und weiteren Übungen Praxisaufgaben an. Im Anschluss legen die Studierenden den zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung ab. Daran schließt das 48 Wochen dauernde praktische Jahr an, an dessen Ende der dritte Abschnitt der ärztlichen Prüfung steht.

Der Stundenplan der Medizinstudierenden ist gut gefüllt: Anatomie, Biochemie, Physiologie sowie Medizinische Psychologie und Soziologie sind die sogenannten großen Fächer in den ersten beiden Jahren im Regelstudium, hinzu kommen die kleinen Fächer Physik, Biologie, Chemie und Terminologie. Die zentralen Fächer in der Klinik sind die Innere Medizin und die Chirurgie mit einer Vielzahl an weiteren Fächern, von Mikrobiologie über Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie bis zu Augenheilkunde, Pädiatrie und viele mehr. „Ein hoher Anteil des Unterrichts findet am Krankenbett statt – und mit der geplanten neuen Approbationsordnung wird dies noch weiter verstärkt werden“, erklärt Ulrich Decking.

Komplexes Bewerbungsverfahren

Die Zulassung für das Medizinstudium hält viele Hürden bereit. Über 43.600 Hochschulzugangsberechtigte haben sich zum Wintersemester 2018/19 für einen Studienplatz in Medizin beworben – das bedeutet, fünf Bewerber/-innen kommen auf einen Studienplatz. Die Bewerbung erfolgt zentral über das Portal hochschulstart.de.

30 Prozent der Studierenden werden ab 2020 aufgrund ihrer Abiturnote („Abiturbestenquote“) aufgenommen, weitere zehn Prozent aufgrund der neu etablierten „Zusätzlichen Eignungsquote“. Diese setzt einen Schwerpunkt auf Kriterien, die unabhängig von der Abiturleistung eine Rolle bei der Studienplatzvergabe spielen. Im Wesentlichen liegt der Fokus hier auf Ergebnissen von Studierfähigkeitstests, aber auch andere Formen der Qualifikation wie beispielsweise eine relevante Berufsausbildung oder ein abgeleisteter Dienst.

Die restlichen 60 Prozent der Studierenden erhalten ihre Studienplätze über die Auswahlverfahren der Hochschulen. Anschließend werden die Plätze an Studieninteressierte vergeben, für die die Ablehnung eine außergewöhnliche Härte bedeuten würde und Teilstudienplätze vergeben. Die Möglichkeit, nach einer langen Wartezeit (zuletzt über sieben Jahre) unabhängig von der Abiturnote über eine reine Wartezeitquote einen Studienplatz zu erhalten, gehört inzwischen der Vergangenheit an. Alternativ besteht die Möglichkeit, Medizin an einer privaten Hochschule oder im Ausland zu studieren, wo die Hürden für die Zulassung oftmals deutlich niedriger angesetzt sind.

Hoher Bedarf in der Humanmedizin

„Wer das Studium dann bis zum Ende durchzieht, hat gute Aussichten“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit. „Obwohl die Ärztezahlen kontinuierlich zunehmen, ist der Fachkräftemangel bei Humanmedizinern deutlich zu spüren – vor allem in ländlichen Gebieten.“ Im Laufe des Jahres 2018 wurden der Bundesagentur für Arbeit 5.000 neue Stellenangebote gemeldet. In Großstädten gibt es hingegen vergleichsweise viele arbeitslose Ärztinnen und Ärzte. Trotz Fachkräftemangel stieg ihre Zahl 2018 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf jahresdurchschnittlich 4.800.

„Insgesamt wächst aber der Bedarf an Humanmedizinern“, weiß Ralf Beckmann. Laut Mikrozensus waren 2017 rund 381.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland tätig, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Rund jeder Dritte arbeitet selbständig als niedergelassener Ärztin oder Arzt. Sozialversicherungspflichtig angestellt waren laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit 2018 rund 253.000 Ärztinnen und Ärzte.

Berufsreportage Assistenzarzt: Auf dem Weg zum Facharzt

Nach seinem Medizinstudium hat sich Rick Proschmann (30) dazu entschieden, sich auf das Fachgebiet der Urologie zu spezialisieren. Der Assistenzarzt macht derzeit eine Weiterbildung zum Facharzt am Universitätsklinikum Dresden.

Ein Porträt-Foto von Rick Proschmann
Foto: Björn Bürk

Während den Famulaturen im Medizinstudium an der Universität Dresden sowie in seinem praktischen Jahr hat Rick Proschmann die verschiedensten medizinischen Bereiche kennengelernt – darunter auch die Urologie, die sich mit Niere, Harnblase, Harnleiter, Harnröhre sowie den Geschlechtsorganen des Mannes befasst. „Ich fand den Bereich so vielfältig, dass ich beschlossen habe, mich darauf zu spezialisieren“, berichtet der 30-Jährige. Seit 2015 arbeitet er als Assistenzarzt am Universitätsklinikum Dresden. Fünf Jahre dauert die Weiterbildung, am Ende steht eine mündliche Prüfung an. Danach darf sich Rick Proschmann Facharzt für Urologie nennen.

„In den fünf Jahren müssen wir einen Katalog abarbeiten“, erklärt der Mediziner. „Dazu gehört, eine bestimmte Zeit in der Ambulanz und auf der Station gearbeitet sowie bei Operationen assistiert und selber welche durchgeführt zu haben.“ Sein Arbeitstag sieht jeden Tag anders aus: „Ich betreue Patienten vor und nach der Operation auf der Station, betreibe eine Ambulanz-Sprechstunde und berate Menschen in einer Spezialsprechstunde zu andrologischen Fragen, also zum Beispiel bei unerfülltem Kinderwunsch“, zählt Rick Proschmann einige seiner Aufgaben auf.

Hinzu kommt die Zeit im Operationssaal. Am Anfang seiner Weiterbildung hat er erfahrenen Ärztinnen und Ärzten assistiert, mittlerweile führt er häufig selber Operationen aus. Waren es zu Beginn Fälle wie eine Prostata-Biopsie, darf er nun zum Beispiel schon Blasenoperationen vornehmen. Selbst bei Nierentransplantationen war er bereits dabei.

Detailreiche Einblicke in die Praxis

„Herausfordernd finde ich vor allem den 24-Stunden-Dienst, bei dem ich einen ganzen Tag lang in Bereitschaft stehe. Nicht selten passiert dann auch tatsächlich etwas, zum Beispiel eine Nierenkolik. Ich bin dann der Ansprechpartner und muss die Notfälle behandeln“, erklärt der Assistenzarzt. In die Vielfalt der möglichen Krankheiten in der Urologie musste er sich erst einarbeiten. Das Studium hat ihm nur einen Überblick über alle medizinischen Fachbereiche verschafft – ins Detail geht es nun in der Praxis.

Weil er die Arbeit in der Urologie so interessant findet, plant Rick Proschmann, auch nach seiner Facharztausbildung weiter im Krankenhaus zu arbeiten. Ob er sich irgendwann einmal mit einer eigenen Praxis niederlässt, steht aber noch in den Sternen.

Interview: „Mit vielen Mitbewerbern rechnen“

studienwahl.de sprach mit Dr. Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages, über die Herausforderungen eines Medizinstudiums und zukünftige Entwicklungen. Außerdem gibt er Tipps für angehende Studierende.

studienwahl.de: Herr Dr. Wissing, was macht aus Ihrer Sicht einen guten Arzt aus?

Frank Wissing: Chirurgen müssen sicherlich andere Kompetenzen mitbringen als ein Hausarzt oder ein Radiologe. Allen gemein sollte sein: Sie müssen schnell Probleme erkennen und beurteilen können. Sie müssen ihr erlerntes Wissen anwenden können und bereit sein, sich immer wieder neues Wissen anzueignen. Auch wissenschaftliches Denken, Zuwendung zum Patienten und gute Kommunikationsfähigkeiten sollten sie mitbringen oder im Studium lernen.

studienwahl.de: Gibt es Entwicklungen in der Humanmedizin, die sich auf das Medizinstudium und die spätere Ausübung des Arztberufes auswirken?

Ein Porträt-Foto von Dr. Frank Wissing
Foto: privat

Frank Wissing: Das Üben der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten spielt eine immer größere Rolle. Angehende Ärztinnen und Ärzte müssen sich daher Wissen über Gesprächsführung oder den Umgang mit den Patienten und Angehörigen aneignen. Der erste Patientenkontakt im Studium soll noch früher erfolgen als bisher.

Auch die Kommunikation mit anderen Berufsgruppen, etwa Pflegekräften, soll verstärkt werden und ebenso soll die Rolle der Wissenschaft für die ärztliche Tätigkeit noch stärker im Studium verankert werden. Darüber hinaus wird die Digitalisierung auch im Arztberuf sowie im Studium weiter zunehmen. Neben neuen Inhalten werden Studierende zum Beispiel künftig vermehrt in digitalen Simulationen neue Technologien üben.

studienwahl.de: Was ist das Besondere an einem Medizinstudium?

Frank Wissing: Wer Medizin studiert, muss sich umfangreiches Wissen über Krankheiten und deren Prävention, Diagnosen sowie Therapien aneignen. Parallel erlernen angehende Ärztinnen und Ärzte in sogenannten Famulaturen und noch weit über das Studium hinaus viele praktische Fähigkeiten. Auf das sechsjährige Studium folgt nämlich eine fünf- bis sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt. Weil das Studium so aufwändig und damit teuer ist, sind die Studiengänge stark zulassungsbeschränkt – man muss also mit vielen Mitbewerbern rechnen.

studienwahl.de: Welche Ratschläge haben Sie für die Bewerbung?

Frank Wissing: In manchen Bundesländern wird es künftig Landarztquoten geben: Wer sich verpflichtet, nach seiner Ausbildung zehn Jahre als Allgemeinärztin oder Allgemeinarzt in einer ärztlich unterversorgten Region zu arbeiten, erhält vorrangig einen Studienplatz. Bislang konnte man auch über Wartezeiten an einen Studienplatz gelangen, das wird aber zukünftig abgeschafft.

studienwahl.de: Was sind Ihre Tipps für angehende Medizinstudierende?

Frank Wissing: Um herauszufinden, ob einem der Arztberuf liegt, kann man vor dem Studium ein Praktikum oder ein Freiwilliges soziales Jahr im Gesundheitsbereich absolvieren. Studierende sollten dann die Breite des Studiums nutzen, um in verschiedene Felder hineinzuschnuppern und ihr Wissen dort zu vertiefen, wo ihre Interessen liegen. Keiner erwartet schon von Schulabgängern die Entscheidung, in welche Facharztrichtung sie gehen wollen.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Studienfeld Human-, Tier- und Zahnmedizin
studienwahl.de/studienfelder/medizin-gesundheitswesen-psychologie-sport/medizin

Rubrik Bewerbung > Auswahlverfahren > bundesweite Zulassungsbeschränkung
studienwahl.de/bewerbung/auswahlverfahren/bundesweit

abi.de

Rubrik Studium
studium.abi.de

berufsfeld-info.de

Berufswelt Studium: Human-, Zahn-, Tier­medizin (Ärzte)
berufsfeld-info.de/abi/human-zahn-tiermedizin

BERUFENET

hochschulstart.de

Bundesärztekammer

Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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