Studieren mit Kind(ern)

Studierender mit Kind

Zwei Studierende und drei Töchter

Gustav Neustadt (28) studiert Interfacedesign an der Fachhochschule Potsdam und hat bereits eine Familie gegründet. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin kümmert er sich um die gemeinsamen drei Kinder. Es ist ein Alltag voller Herausforderungen.

Der Student mit seinen zwei Kindern beim Drachensteigenlassen.
Foto: Lara Stratonowitsch

Wenn alle zuhause sind, wird es ganz schön eng in der Zwei-Raum-Wohnung, zumal das Wohnzimmer eine Glaswand mit Glastür hat. Hier leben Gustav Neustadt, seine gleichaltrige Partnerin Lara und ihre drei Töchter auf 65 Quadrat­metern. Ein, vier und sieben Jahre alt sind die Mädchen inzwischen. Die ursprüngliche Übergangslösung wurde zum Dauerzustand, wie der Student berichtet. „Wir suchen immer noch eine größere Wohnung, aber hier in Potsdam gibt es kaum Angebote, die zu unserem finanziellen Rahmen passen.“ Um in Ruhe seine Bachelorarbeit schreiben zu können, ist er in einen leeren Seminarraum der Fachhochschule geflüchtet. „Ideal ist das nicht, aber wir müssen uns eben arrangieren.“

„Schichtwechsel“ für die Bachelorarbeit

Gustav Neustadt studiert in Vollzeit und steht im 13. Bachelorsemester. Normalerweise sind es acht beim Studiengang Interfacedesign an der FH Potsdam, in seinem Jahrgang aber wurde die Regelstudienzeit wegen der Corona-Pandemie auf zwölf Semester angehoben. Extra Zeit kostet zudem die Betreuung der Kinder. „Weil unsere Kleinste noch den ganzen Tag zuhause ist, wechseln wir uns ab. Als ich besonders viel für mein Studium machen musste, hat Lara sich tagsüber um sie gekümmert. Nun mache ich das, weil sich Lara gerade in einem Vollzeitpraktikum befindet.“ Dieses absolviert seine Partnerin im Rahmen ihres Vollzeit­studiums, ebenfalls an der FH Potsdam.

Nun wird es etwas entspannter für sie werden, weil die Kleine bald in die Tagesbetreuung kommt. Dennoch gibt es viel zu organisieren: Die Vierjährige geht Vollzeit in die Kita, die Große bereits in die Schule und nachmittags in den Hort, also gilt es auch das Hinbringen und Abholen zu koordinieren, und natürlich möchten die Eltern in den freien Zeiten auch so viel wie möglich für ihre Kinder da sein. Als Zugezogene haben sie keine Angehörigen in ihrer Nähe, wie etwa eine Oma, die unterstützen könnte. Aber die Angebote der Hochschule helfen weiter, so wurde dort etwa eine Ferien­betreuung für Schulkinder eingerichtet. „Es erleichtert immerhin einiges, weil wir natürlich auch während der Schulferien einige Kurse für unser Studium belegen müssen“, sagt Gustav Neustadt.

Zuschläge bei der Finanzierung

Damit die junge Familie finanziell über die Runden kommt, bekommt Lara elterliche Unterstützung. Gustav erfüllt die Voraussetzungen für BAföG, und weil es ihr gemeinsamer Nachwuchs ist, kann er dabei auch den Kinder­betreuungs­zuschlag geltend machen. So kommt er auf einen Satz von rund 1.400 Euro monatlich. Auch bei ihrem Wohngeld­bezug gibt es ein Plus wegen der Kinder. „So kommen wir ohne Nebenjobs aus. Diese zusätzliche Belastung wäre auch zu groß bei einem Studium mit Kindern.“

Eine tägliche Herausforderung bleibt es, und doch ist es nun etwas einfacher für das Paar als noch vor einigen Jahren. Vor seinem Studium absolvierte Gustav Neustadt vorbereitend eine zweijährige schulische Ausbildung zum Medien­gestalter. Während dieser kam seine erste Tochter zur Welt. Als er dann schon studierte, begann auch Lara eine schulische Berufs­ausbildung. Aufgrund der zu dieser Zeit beginnenden Corona-Pandemie wechselte die Schule komplett auf Online-Unterricht. Acht Stunden täglich am Unterricht über Zoom teilnehmen, das war für die junge Mutter nicht machbar, aufgrund der geschlossenen Kitas konnten die Kinder nicht anderweitig betreut werden. Daher musste sie die Ausbildung abbrechen und entschied sich für den Hochschulbesuch. Es war die richtige Entscheidung, wie der Familienvater feststellt: „Nach unserer Erfahrung lässt sich ein Studium wesentlich besser mit Kindern vereinbaren als eine Berufs­ausbildung. Und natürlich sind wir froh darüber, dass die Kleinen da sind.“

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