Kombination aus Studium und Praxis

Dual Studieren

Eine Tafel mit Skizzen zum dualen Studium
Foto: Martin Rehm | Bundesagentur für Arbeit

Zweigleisig fahren? Ja, bitte! Ein duales Studium verbindet auf einzigartige Weise Theorie mit praktischen Erfahrungen und bietet aussichtsreiche berufliche Perspektiven. Daher verwundert es nicht, dass sich das Modell großer Beliebtheit erfreut.

Als Claudio Luckas noch Vollzeit im Schichtdienst eines Akutkrankenhauses arbeitete, hatte er bereits eine Vision: Der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger wollte gern eines Tages selbst eine Abteilung leiten. Ein praxisintegrierendes duales Studium in Gesundheitsmanagement erschien ihm die beste Option, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen. „Der akademische Abschluss wird hoch angesehen“, weiß der 24-Jährige.

Immer im Wechsel verbringt Claudio Luckas je eine Woche an der IUBH in Düsseldorf und an seinem Arbeitsplatz in einem Seniorenheim. An der Hochschule hört er Vorlesungen zu BWL, VWL, Gesundheitsökonomie oder Qualitätsmanagement. In den Praxisphasen im Seniorenheim arbeitet er der Geschäftsführung zu und fungiert als Schnittstelle für Pflegedienstleitung und Verwaltung. „Wenn ich 2022 meinen Bachelor in der Tasche habe, hoffe ich, Berufseinsteiger beraten und an den Pflegeberuf binden zu können. Auf jeden Fall möchte ich gern im unteren Führungsmanagement einsteigen“, gewährt er Einblick in seine Zukunftspläne.

Vier duale Varianten

Angeboten wird das duale Studium in vier Modellen: in der Erstausbildung entweder als ausbildungs- oder praxisintegrierendes, im Bereich der Weiterbildung ebenfalls als praxisintegrierendes sowie berufsintegrierendes Studium. Studierende, die sich für das ausbildungsintegrierende Modell entscheiden, erwerben zwei Abschlüsse: einen in einem anerkannten Ausbildungsberuf sowie einen Hochschulabschluss. „Das ist aber nicht prinzipiell so“, ergänzt Silvia Hofmann, wissenschaftliche Betreuerin bei AusbildungPlus, einem Projekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). „Bei der praxisintegrierenden Form führen die berufspraktischen Anteile nicht zum Berufsabschluss.“ Hier wird also kein Ausbildungs-, sondern lediglich ein Hochschulabschluss erworben.

Studienaufbau und -ablauf können unterschiedlich ausgestaltet sein und von Fall zu Fall variieren. Daher ist es ratsam, sich vor Studienbeginn bei der Studienberatung und dem Unternehmen über die jeweiligen Bedingungen zu informieren.

Große Auswahl und hoher Praxisbezug

„Das duale Studium entwickelt sich in allen Fachrichtungen“, erklärt Silvia Hofmann. „2011 waren es noch knapp 900 Angebote für die Erstausbildung. 2017 lag die Zahl bei 1.592. Mit 1.100 dualen Studiengängen gehören Fachhochschulen zu den größten Anbietern.“

Und wo kann man am besten dual studieren? „Regional gesehen verteilen sich die dualen Studiengänge vor allem auf Bayern mit 321 Angeboten, Nordrhein-Westfalen mit 311 und Baden-Württemberg mit 275“, fasst die Expertin zusammen. Besonders beliebt seien Ingenieurwissenschaften, gefolgt von Wirtschaftswissenschaften und Informatik sowie dem Bereich Soziales, Pflege, Erziehung und Gesundheit. Darüber hinaus gibt es duale Studienmöglichkeiten in den Naturwissenschaften sowie im Öffentlichen Dienst, etwa im Gehobenen Polizeivollzugs- oder Kommunalen Verwaltungsdienst.

„Der hohe Praxisbezug macht es möglich, das im Studium erworbene theoretische Wissen unmittelbar im Betrieb anzuwenden“, erläutert Silvia Hofmann. „Die Unternehmen profitieren von Nachwuchskräften, die über ein hohes Maß an Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz verfügen.“ Die Abbruchquote sei mit sieben Prozent gering, die Übernahmechancen meist sehr gut – Belege dafür, dass das Modell trotz hoher Anforderungen und der viel Disziplin fordernden Doppelbelastung eine Win-Win-Situation darstellt.

Interview: „Übernahmechancen liegen bei 90 Prozent“

Ein duales Studium kombiniert wissenschaftliche Theorie an einer Hochschule mit beruflicher Praxis in einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung. André Meidenbauer, Geschäftsführer der bayerischen Dachmarke „hochschule dual“, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das beliebte Modell.

studienwahl.de: Herr Meidenbauer, welche Eigenschaften sollten Interessierte für ein duales Studium mitbringen?

Ein Porträtfoto von André Meidenbauer
Foto: privat

André Meidenbauer: Wichtig sind Engagement und Eigeninitiative. Die braucht es, um einen Praxispartner zu finden – also ein Unternehmen, das einen für das duale Studium auswählt. Und es gehört ein gewisser Biss dazu, schließlich ist man doppelt belastet und hat weniger Ferien und Freizeit. Da ist Durchhaltevermögen gefragt.

studienwahl.de: Wie lässt sich denn ein geeigneter Praxispartner finden?

André Meidenbauer: Da sind beispielsweise Messen sehr wertvoll. Dort lohnt sich übrigens auch der Gang zu den Ständen kleiner und mittlerer Unternehmen. Diese sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen und bieten daher oft attraktive Anreize und Perspektiven für dual Studierende.

studienwahl.de: Und worauf achten Personalverantwortliche bei Bewerbern?

André Meidenbauer: Eine gute Abiturnote steht an erster Stelle. Die Praxispartner gehen ja ein Risiko ein: Da wird jemand eingestellt, der über einen Zeitraum von mindestens sieben Semestern beschäftigt wird. Das Interesse ist groß, dass die- oder derjenige die Herausforderungen meistert und fachlich erfolgreich ist. Neben der Note ist auch das Brennen für ein Thema ein wichtiger Faktor.

studienwahl.de: Wie können Bewerber dieses Interesse kommunizieren?

André Meidenbauer: Gewöhnlich wird um ein Motivationsschreiben gebeten – das sagt schon viel aus. Große Unternehmen veranstalten auch oft Assessment-Center.

studienwahl.de: Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es an der Hochschule?

André Meidenbauer: Bildung ist Ländersache, das zeigt sich auch beim dualen Studium. Daher sind Zulassungsmodelle nicht einheitlich geregelt, sondern jedes Bundesland hat eigene Modelle.

studienwahl.de: Ein Beispiel?

André Meidenbauer: In Bayern müssen Bewerber beispielsweise die gleichen Kriterien erfüllen wie beim Standardstudium. Gilt etwa ein Numerus clausus, gilt er auch für duale Studienmodelle. Bei der Lehre gibt es ebenfalls große Unterschiede. An der DHBW in Baden-Württemberg werden Gruppen aus ausschließlich dual Studierenden gebildet. Woanders sitzen sie mit klassisch Studierenden im selben Hörsaal.

studienwahl.de: Wo können sich Interessierte über Angebote informieren?

André Meidenbauer: Da gibt es zum Beispiel den Hochschulkompass, eine Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz. Aber nicht zu vergessen: Dual ist nicht gleich dual! Interessierte sollten sich die vor Ort herrschenden Spezifikationen anschauen.

studienwahl.de: Wie sieht es mit den Übernahmechancen nach vollendetem Studium aus?

André Meidenbauer: Die Übernahmequote liegt bei 90 Prozent! Das Unternehmen hat viel Zeit und Geld investiert und ein Interesse, den oder die Mitarbeiter/-in zu halten. Das Label „dual“ ist auf dem Arbeitsmarkt fast ein Garant, gegenüber anderen Absolventen bevorzugt zu werden. Die Praxiserfahrung ist ein Mehrwert, der sich auch beim Einstieg, beim Aufstieg innerhalb der Hierarchie und dem Gehalt auszahlt.

studienwahl.de: Was, wenn der Absolvent noch einen Master draufsetzen möchte?

André Meidenbauer: Das Thema gewinnt an Bedeutung, denn „High Potentials“ geben sich eben oft nicht mit einem Bachelor zufrieden, und in gewissen Branchen ist ein Master sogar gewissermaßen Pflicht. Der duale Master wird daher auch verstärkt angeboten.

Ausbildungsintegrierendes duales Studium: Mit mehreren Bällen jonglieren

Sina Tong (26) steht kurz vor dem Abschluss ihres ausbildungsintegrierenden dualen Wirtschaftsstudiums an der Westfälischen Hochschule. Und bereut keinen Schritt auf ihrem Weg durch acht Semester.

Ein Porträtfoto von Sina Tong
Foto: privat

Während der Schulzeit hatte Sina Tong bereits zwei Praktika bei Cryptovision, einem Experten für elektronische Verschlüsselung in Gelsenkirchen, absolviert. „Nach dem Abitur wollte ich dann gerne Wirtschaft studieren – und die Firma bot mir eine Ausbildung an.“ So entschlossen sich das Unternehmen und die Abiturientin kurzerhand für das Modell des dualen Studiums. Es folgten acht Semester an der Westfälischen Hochschule, von denen die ersten zwei Jahre eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beinhalteten – inklusive IHK-Abschluss. Neben Vorlesungen in Marketing oder Controlling paukte Sina Tong also auch Rechnungswesen, Bürowirtschaft und -organisation.

Alle Fäden in der Hand

Während sie in ihren Semesterferien Vollzeit im Unternehmen arbeitete, war sie auch in der Vorlesungszeit dort anzutreffen. „Zwei Mal in der Woche besuchte ich die Hochschule. Montags hatte ich den ganzen Tag Vorlesungen. Der Dienstag teilte sich in morgens Hochschule, nachmittags Berufsschule. Und die restlichen drei Tage der Woche war ich im Unternehmen“, beschreibt die 26-Jährige den Ablauf.

Diese Herausforderung, mit mehreren Bällen zu jonglieren, bereitete der jungen Frau keine Probleme – tatsächlich half ihr die Abwechslung sogar, alle Fäden in der Hand zu behalten. „Es gibt ja auch dual Studierende, die drei Monate am Stück entweder nur an der Hochschule sind oder ausschließlich arbeiten“, sagt Sina Tong. „Dadurch dass ich im Unternehmen immer präsent war, verlor ich nie den Anschluss an Projekte.“ Die integrierte Ausbildung mit IHK-Anschluss könne sie ebenfalls jedem empfehlen. „Es ist ein tolles Gefühl, mit zwei Abschlüssen aus dem dualen Studium hervorzugehen.“

Aufstiegschancen durch Praxis

Ihre Prüfungen bestand Sina Tong im Februar, seitdem arbeitet sie Vollzeit bei Cryptovision. Nun steht noch die Bachelorarbeit an. Mit ihrem Arbeitgeber, einem mittelständischen Unternehmen mit 60 Mitarbeitern, ist sie mehr als zufrieden. Vom Einsatz am Empfang ging es dort schnell steil nach oben. Heute ist sie sowohl in der Business Administration als auch im Marketing-Team tätig. Sie fährt mit auf Messen, organisiert interne Events und reist auch schon mal nach Singapur oder London. „Ich habe hier zwei Hüte gleichzeitig auf – das wäre in einem großen Konzern kaum möglich.“

Den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften hat Sina Tong bald in der Tasche. Einen Master dranzuhängen, daran denkt die 26-Jährige derzeit nicht. „Ich bin glücklich dort, wo ich jetzt bin. Und gespannt darauf, was noch kommt.“

Berufsreportage: Wenn die Chemie einfach stimmt

Entwicklung, Laborarbeit und Projektmanagement: Der Job der Chemikerin Diane Weinberger ist ausgesprochen abwechslungsreich. Dass sie mit 25 Jahren schon so viel Verantwortung trägt, hat sie vor allem ihrem dualen Studium zu verdanken.

Ein Porträtfoto von Diane Weinberger
Foto: privat

Den ganzen Tag im Labor tüfteln – so stellen sich viele den Alltag einer Chemikerin vor. Dabei ist das Aufgabengebiet von Diane Weinberger weitaus vielfältiger. Im baden-württembergischen Weißbach arbeitet sie seit 2016 in der Folienentwicklung, einem Kerngeschäft der ehemaligen Konrad Hornschuch AG und inzwischen Teil des Continental-Konzerns. „Es geht um Folien im Außenbereich, etwa für Garagentore oder Fensterprofile“, erklärt die 25-Jährige. „Ich erstelle im Rahmen der Entwicklungsprojekte Laborprogramme, setze sie um und sorge dafür, dass erfolgversprechende Rezepturen in Produktion getestet werden.“ Dokumentation, Planung und Auswertung der Ergebnisse am PC gehören ebenso zu ihren Aufgaben wie das Präsentieren der Resultate.

Kein Tag gleicht dem anderen

Diese Vielseitigkeit macht Diane Weinberger Spaß. „Es ist ein spannender Berufsalltag, da ich im Rahmen meiner Funktion als Projektmanagerin mit vielen Schnittstellen in der Firma zu tun habe, zum Beispiel der Verfahrenstechnik, der Produktion, dem Einkauf und der Qualitätssicherung.“

2012 hatte sie das duale Studium mit vertiefter Praxis in Angewandter Chemie in Kooperation mit ihrem heutigen Arbeitgeber begonnen und 2016 mit dem Bachelor abgeschlossen. „Die Praxisphasen während des Studiums habe ich bereits in der Entwicklung verbracht. Dort hatte ich eine Ansprechpartnerin, die mir alle technischen Abteilungen gezeigt hat, mit denen ich auch heute als Entwicklerin zu tun habe: Verfahrenstechnik, Produktion und Analytik.“

Dualer Weg war goldrichtig

Zunächst arbeitete sie nur in den Semesterferien im Unternehmen und verbrachte die meiste Zeit an der TH Nürnberg. Im zweiten Studienjahr war Diane Weinberger dann aber ein Dreivierteljahr bei ihrem Praxispartner beschäftigt. „Für mich war das duale Modell die beste Entscheidung“, bilanziert die 25-Jährige.

Heute trägt sie viel Verantwortung. Das kommt nicht von ungefähr: Diane Weinberger hatte durch ihr duales Studium einen Vertrauensvorsprung und konnte so auf einem anderen Niveau einsteigen als „klassische“ Absolventen. „Ich kannte das Unternehmen und die betrieblichen Zusammenhänge eben schon.“ Und folgt jetzt noch ein Master? „Mal sehen, vielleicht etwas später und dann auch wieder dual“, lässt sich die Projektmanagerin künftige Optionen offen. „Erst mal genieße ich es, zu arbeiten und Ideen in Produkte umzusetzen.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Informationen zum dualen Studium
www.studienwahl.de/studieninfos/duales-studium

abi.de

Rubrik Studium
www.studium.abi.de

berufsfeld-info

Berufswelt Studium
www.berufsfeld-info.de/abi

BERUFENET

Ausbildung plus

Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für die berufliche Erstausbildung mit rund 1.500 dualen Studiengängen
www.bibb.de/ausbildungplus

hochschule dual

Dachmarke für das duale Studium in Bayern
www.hochschule-dual.de

Hochschulkompass

Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz zu allen Studiengängen
www.hochschulkompass.de

Wegweiser duales Studium

Informationen rund ums duale Studium
www.wegweiser-duales-studium.de

Technische Hochschule Nürnberg

Internationale Hochschule duales Studium (IUBH)

Westfälische Hochschule

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