Schnittstellenstudiengänge

Schnittstellenstudiengänge

Studieren an der Schnittstelle

Nahaufnahme von verschiedenen nebeneinander stehenden Bücherrücken in einem Regalteil.
Foto: Michael Helbig | Bundesagentur für Arbeit

Sport oder Sprache kombiniert mit BWL, Naturwissenschaften plus Informatik oder Technik: Wer zwei Fächer im Studium und beruflich kombinieren möchte, hat breitgefächerte Möglichkeiten.

Ein Porträt-Foto von Jonas S.
Foto: privat

Jonas Seitz (21) hat sich für solch einen Weg entschieden. Er studiert Sportmanagement an der Universität Potsdam und befindet sich im sechsten Bachelorsemester. „Ich wollte das, was mir Spaß macht, zu meinem Beruf machen“, erläutert er seine Beweggründe. „Doch um mit Sport Geld zu verdienen, braucht man schon ein solides betriebswirtschaftliches Fundament. Also habe ich mich nach einem Studiengang umgesehen, der beides verbindet.“ Die Schnittstelle fand er im Fach Sportmanagement. „Da wird auf viele Sportarten eingegangen und gleichzeitig hat das Studium einen hohen BWL-Anteil.“ Ähnliches gilt für Fächer wie Dienstleistungsmanagement und Gesundheitsmanagement – vermittelt wird betriebswirtschaftliches Wissen und ein konkretes Anwendungsgebiet, hier: Dienstleistung bzw. Gesundheit.

Beispiele aus der Praxis: Schnittstellenstudiengänge

Sport als Wirtschaftsfaktor

Besonders gefällt Jonas Seitz, wie breit gefächert die Möglichkeiten in der Sportpraxis sind. „In den Grundmodulen lernt man die traditionellen Sportarten kennen, etwa Schwimmen, Turnen, Rhythmische Sportgymnastik und die Ballsportarten. In Aufbaumodulen kommen dann auch besondere Kurse wie Windsurfen oder Snowboarden hinzu.“ Diese beiden Kurse hat er selbst gewählt, außerdem die Klettersportart Bouldern sowie Kanufahren und Rudern.

Für die Zeit nach dem Bachelorabschluss hat Jonas Seitz auch schon Pläne. „Ich möchte einen Master im Bereich Sportökonomie oder Sportmanagement anschließen.“ Die Aussichten für das anschließende Berufsleben sind gut. „Das Studium Sportmanagement entwickelte sich parallel zur Professionalisierung und Kommerzialisierung des Sports“, erläutert Anja Friebe von der Agentur für Arbeit Rostock. „Weil die wirtschaftliche Bedeutung des Sports zugenommen hat, ist auch die Nachfrage nach Sportmanager*innen gestiegen.“

Ähnlich sieht es auch in anderen Branchen aus: Arbeitnehmer*innen, die das Wissen und die Fähigkeit haben, unterschiedliche Disziplinen miteinander zu kombinieren und mehrere berufliche Welten zu verbinden, werden auch in Zukunft gefragt sein. Das geht etwa bereits aus der Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)-Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)-Publikation „Megatrends – Relevanz und Umsetzbarkeit in den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen“ aus dem Jahr 2015 hervor.

Interdisziplinäre Bachelor-Studiengänge

Die Interdisziplinarität und Flexibilität, die im Arbeitsleben gefordert sind, werden durch die unterschiedlichsten Schnittstellenstudiengänge abgedeckt. „Dabei handelt es sich um interdisziplinär ausgerichtete Studiengänge, die mehrere Fachrichtungen miteinander vereinen“, ergänzt Berufsberaterin Anja Friebe. „Die Studierenden schauen sich Problemstellungen aus unterschiedlichen Winkeln und Richtungen an.“ Sie nennt weitere Beispiele aus der Praxis: „Das grundständige Studienfach Biotechnologie vermittelt wissenschaftliches Grundlagenwissen in Biologie, Mathematik, Chemie und Physik, kombiniert mit zum Beispiel Verfahrenstechnik. Angeboten wird dies unter anderem von der Universität Rostock – dort handelt es sich um Medizinische Biotechnologie – Studienplätze sind aber in allen anderen Bundesländern verfügbar.“

Studierende des Studiengangs Wirtschaftsrecht wiederum sollten als Jurist*innen denken und handeln und sich auch so fühlen. „Deshalb ist der juristische Anteil dieses Studienbereiches größer. Die Absolvent*innen eignen sich aber umfangreiche wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse an und beherrschen die Sprache der Wirtschaft. Sie werden die ‚In-house-lawyer‘ eines Unternehmens und können unter anderem bei Verbänden, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Steuer- oder Unternehmensberatungen tätig werden.“ Auch dieses Studium ist in verschiedenen Ausprägungen an Hochschulen bundesweit möglich.

Der Studiengang Ingenieurpsychologie wiederum, angeboten von der Hochschule Furtwangen (HFU) und der Hochschule Landshut, geht auf den „Human Factor“ ein. Er konzentriert sich auf den Menschen, dessen Verhalten und kognitive Fähigkeiten bei der Entwicklung und Gestaltung von Produkten und Prozessen. „Hier verbinden sich Psychologie und Technik“, ergänzt Anja Friebe. „Es werden psychologische, kognitive, soziale und ergonomische Aspekte im technischen Gestaltungsprozess berücksichtigt“.

Ein „eigener“ Zwei-Fach-Bachelor

Neben den Schnittstellenstudiengängen, bei denen festgelegt ist, aus welchen Fächern sich das Studium zusammensetzt, gibt es im Rahmen des sogenannten Zwei-Fach-Bachelors die Möglichkeit, sich aus zwei Studienfächern einen eigenen Schnittstellenstudiengang zu kreieren. Die Wahl der Fächerkombination ist relativ frei, wie die Berufsberaterin weiß: „Es können auch Studienfächer miteinander kombiniert werden, die keinen Bezug zueinander haben. Eventuelle Kombinationseinschränkungen regelt die jeweilige Universität oder Hochschule.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Im finder können Sie nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z.B. Bioinformatik).
www.studienwahl.de/finder

abi>> dein weg in studium und beruf

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zur beruflichen Orientierung.
www.abi.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Studie BIBB-IAB-Publikation „Megatrends – Relevanz und Umsetzbarkeit in den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen"