Podcast
Berufseinstieg nach dem Studium
Hochschulabsolventinnen und -absolventen sind die Fachkräfte von morgen. Die aktuelle wirtschaftliche Lage erschwert jungen Menschen den Berufseinstieg jedoch. Während Fachkräfte weiterhin gesucht werden, ersetzen künstliche Intelligenzen zunehmend einfache Einstiegsjobs. Wie ihr euch auf den Übergang vom Studium ins Berufsleben vorbereiten könnt, erfahrt ihr in dieser Podcast-Folge.
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Man spricht heute von sogenannten Mosaikkarrieren, dass man eben nicht mehr diesen geraden Lebenslauf hat, sondern in ganz unterschiedlichen Bereichen Erfahrungen sammelt. Und deswegen glaube ich, kann man da ein bisschen den Druck rausnehmen.
Laura Bornmann ist HR-Influencerin und zählt zu den prägenden Stimmen für New Leadership in Deutschland. -
Das ist ein Übergangsprozess, in dem ich auch ein paar Erfahrungen sammeln muss. Niemand braucht in Panik zu verfallen, wenn er zwei Monate nach Studienabschluss noch keine Stelle gefunden hat.
Dr. Dirk Wieland hat als Berater für akademische Berufe ganz konkrete Tipps.
Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)
Jingle: Unser Podcast zur Studienorientierung
Anne Kreitlein: Habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, wie es nach dem Studium weitergehen soll? Ihr seid die Fachkräfte von morgen. Aber wie sieht die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger*innen eigentlich aus? Ich heiße Anne und da man sich mit der Thematik bestenfalls nicht erst kurz vor dem Abschluss beschäftigen sollte, spreche ich heute mit Herrn Dr. Dirk Wieland über den Berufseinstieg nach dem Studium. Er wird uns als Berater für akademische Berufe an der Agentur für Arbeit Kassel mal seine Sicht der Dinge schildern. Mit dabei ist außerdem die New-Leadership-Expertin Laura Bornmann. Sie war mit 28 Jahren bereits als Abteilungsleiterin für rund 18.000 Mitarbeitende verantwortlich und bringt ihre Expertise als ehemalige Personalmanagerin ein. Herzlich willkommen zum heutigen Podcast.
Dirk Wieland: Hallo, guten Morgen allerseits.
Laura Bornmann: Ja, ich freue mich.
Anne Kreitlein: Wie hat sich denn die Arbeitsmarktsituation für den Berufseinstieg nach dem Studium in den vergangenen Jahren so verändert? Können Sie uns das kurz umreißen?
Dirk Wieland: Also ich kann sicherlich feststellen, dass ich, sagen wir mal in den letzten Monaten, dass man häufiger davon konfrontiert ist, dass wir allgemein einen etwas schwierigeren Arbeitsmarkt haben. Dass das bedeuten kann, dass auch junge Akademikerinnen und Akademiker möglicherweise längere Zeit brauchen, bevor sie eine erste Stelle gefunden haben. Aber ich kann jetzt grundsätzlich keine allgemeinen tiefgreifenden Veränderungen bis jetzt beobachten, außer, wie gesagt, dass wir im Moment sicherlich eine kleine Delle haben, die für den Arbeitsmarkt generell gilt.
Laura Bornmann: Super spannend, dass Sie das aus Ihrer Expertensicht so darstellen. Ich mache tatsächlich die Erfahrung: Wir haben so einen ambivalenten Arbeitsmarkt. Also auf der einen Seite gibt es schon einige Branchen, nehmen wir mal die Automobilbranche, wo einfach auch gerade Menschen entlassen werden, und auch natürlich alle Zulieferer. Und da ist es schon schwer. Ich bekomme das auch persönlich mit, dass deutlich mehr Menschen als noch vor ein paar Jahren den Job verlieren oder Abfindungsangebote bekommen. Und auf der anderen Seite werden teilweise in den gleichen Unternehmen Menschen wieder gesucht, aber mit anderen Qualifikationen. Und neulich gab es einen interessanten Artikel im Handelsblatt, und da ging es eben darum, dass es gerade die Young Professionals schwer haben, einen Job zu finden. Und da gibt es wahrscheinlich viele Ursachen. Aber auch das Thema KI könnte eine Ursache sein, weil viele Einstiegstätigkeiten eine KI heute schon übernehmen kann. Aber wahrscheinlich hat es auch mit wirtschaftlicher Unsicherheit usw. zu tun. Deswegen spannend, dass Sie aus Ihrer Sicht sagen, dass sich da eigentlich gar nicht so viel verändert hat.
Dirk Wieland: Ja, zumindest ist es nicht so, dass man daraus im Moment was ableiten kann. Nach dem Motto: Das und das wird passieren und man muss sich soundso verhalten, um da sozusagen möglichst unbeschädigt rauszukommen. Und es gibt im Moment natürlich sehr viele Unsicherheiten auch, die ja auch was damit zu tun haben, dass wir vielleicht jetzt im Hinblick auf die Industrie und auf viele große Unternehmen, ja, dass die vorsichtig sind. Also, wie gesagt, ich beobachte auch diese Entwicklung. Ich kann daraus keine klare Handlungsempfehlung ableiten, außer dass die Dinge, die immer schon wichtig waren für einen erfolgreichen Übergang, dass die vielleicht im Moment noch ein bisschen wichtiger sind.
Laura Bornmann: Man kann es wahrscheinlich nicht pauschal sagen. Also es gibt ja schon Branchen, die schwieriger sind, Bereiche, die schwieriger sind. Aber wenn wir uns das Gesundheitswesen anschauen, Bildung, Sozialbereiche, da wird natürlich auch weiterhin händeringend gesucht. Ich glaube schon, dass diese Vorsicht, das ist ein Thema: Die wirtschaftliche Unsicherheit, die wir gerade erleben in Deutschland. Das spiegelt sich natürlich auch in dem Bereich Arbeitsmarkt, Recruiting usw. wider. Das ist ja auch klar.
Dirk Wieland: Und es betrifft sicherlich im Moment, sagen wir mal Studienfelder und Bereiche, von denen man viele Jahre gesagt hat, die sind relativ „sicher“.
Laura Bornmann: Total. Das ist ja das Krasse. Vor drei Jahren haben wir noch gesagt, also gerade IT, Programmierer, die wurden überall gesucht, damit hat man ausgesorgt, sozusagen. Das war damals so das Motto. Und heute sieht die Welt anders aus.
Dirk Wieland: Richtig, auch Maschinenbauingenieure und Ähnliches. Deswegen nimmt das ja auch so viel Aufmerksamkeit. Das ist ja auch ein Thema, das durch die Medien so seit einigen Monaten geht, dass jetzt auch eben der Maschinenbauingenieur mit einem 1,0-Master oder so Schwierigkeiten hat, eine Stelle zu finden. Und dieses Medienbild färbt auch wieder ab. Dass jetzt Leute sagen: Meine fünf Bewerbungen waren nicht erfolgreich. Das liegt daran, dass der Arbeitsmarkt so schlecht ist und dass ja alle nichts kriegen. Dabei kann es auch natürlich andere Gründe haben oder andere Schräubchen geben, an denen man selber was stellen muss.
Anne Kreitlein: Das stimmt. Das könnte auch an einer schlechten Bewerbung liegen. Worauf kommt es denn Ihrer Meinung nach bei der Bewerbung auf die erste Stelle nach dem Studium an?
Laura Bornmann: Ich glaube, man darf nicht mehr nur alleine die Frage beantworten, was man gemacht hat. Also der Lebenslauf ist weiterhin wichtig, aber Unternehmen wollen heute vor allem wissen: Wie lernt man; also das Thema Lernbereitschaft, eine zentrale Kompetenz. Selbstständiges Lernen, weil wir heute immer schneller Neues lernen müssen. Weil sich die Welt so schnell verändert. Aber auch und damit einhergehend: Wie geht man mit Veränderungen um? Und vor allem, und da spreche ich auch immer wieder mit Unternehmen. Ich glaube, es wird viel wichtiger, in den Unternehmen nach Potenzialen einzustellen, also den perfekten Kandidaten für eine Stelle, den gibt es ja nicht mehr. Vielleicht gab es den auch noch nie, aber gerade so was wie Fachwissen. Ich will nicht sagen, dass das total unwichtig ist. Das ist es nicht. Aber es wird natürlich schon weniger wichtig in den Zeiten, wo KI einfach immer leistungsfähiger wird. Und da kommt es auf diese Meta-Kompetenzen an, also habe ich eine Motivation, brenne ich für ein Thema? Eigeninitiative, Problemlösungskompetenz. Das waren Dinge, die schon immer wichtig waren, aber in Zukunft noch viel wichtiger werden. Resilienz. Die Welt verändert sich so schnell, jeden Tag ist was anderes wichtig, gefühlt. In dieser Zeit auch gesund zu bleiben, resilient zu sein, das ist entscheidend. Und das ganze Thema natürlich KI-Kompetenz, also sich in diesem Bereich Kompetenzen anzueignen, das wird für uns alle wichtig.
Anne Kreitlein: Auf jeden Fall. Herr Wieland, haben Sie was zu ergänzen?
Dirk Wieland: Dem würde ich vollumfänglich zustimmen. Aber klar ist: Man sagt, die Situation ist schwierig für junge Akademikerinnen und Akademiker, ist die andere Seite aber auch ein Stückchen weit, dass natürlich das Studium grundsätzlich eine gute Basis sein kann für eine sich verändernde Arbeitswelt, weil es dort ja gerade eben um eigenständige Arbeitsweisen, um Selbstständigkeit, um sich schnell in neue Dinge einarbeiten geht und man dort solche Kompetenzen lernen kann. Und was so ein bisschen das Thema wirklich „Wie bewerbe ich mich nach dem Studium?“ angeht, ist auch wichtig, dass dieser Prozess viel früher anfängt. Wenn ich mit dem Studium anfange und dann überlege, so wie bewerbe ich mich denn jetzt? Sondern im Idealfall nutze ich natürlich das Studium, um mir Profil zu geben, um mir auch ein bisschen klarer darüber zu werden: Was will ich denn genau machen? Auch das ist ja etwas, was das Studium ausmacht. Die allermeisten Studiengänge gehen auf kein eindeutig definiertes Berufsbild zu. Okay, wenn ich Lehramt studiere, weiß ich, was ich werde, aber bei vielen anderen Studiengängen ist das deutlich offener bis sehr, sehr weit offen. Und deswegen ist es wichtig, dass ich auch im Studium daran arbeite. Was möchte ich denn eigentlich damit? Wo liegen meine Interessen? Welche Schwerpunkte bilde ich im Studium? Welche Potenziale brauche ich dafür oder welche Skills? Jenseits auch wirklich von reinem Fachwissen. Kann ich schon ein Stückchen weit Praxiserfahrung sammeln, was mir eine Brücke bauen kann in ein bestimmtes berufliches Feld? Und habe ich das Studium genutzt, um mich vielleicht sogar schon mal umzugucken? Wie heißen denn überhaupt solche Stellen, die für mich interessant sind? Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie man das meinen möchte. Also wirklich die Möglichkeiten nutzen, die es gibt, diesen Übergang Studium-Beruf auch im Studium schon so Schritt für Schritt ein bisschen zu entwickeln. Das heißt nicht, dass man im ersten Semester wissen muss, wo man genau hin will, aber dass man sich darüber bewusst ist, dass es ein Prozess ist, an dem man aktiv teilnehmen muss und den man aktiv gestalten muss im Idealfall. Das kann auch beinhalten, dass ich früh im Studium wirklich auch die Angebote wahrnehme, die es gibt: den Career-Service, die Hochschulberatung der Agentur für Arbeit. Vielleicht mal auf eine Messe gehen, mit Arbeitgebern sprechen, Kontakte knüpfen, Praktika machen. Mal überlegen: Was könnte ich denn für meine berufliche Idee brauchen? Könnte ich vielleicht noch ein Auslandssemester gebrauchen? Oder bestimmte Sprachkompetenzen oder andere Dinge? Das klingt sehr viel. Aber das Wichtige ist aus meiner Sicht, dass man aktiv sich damit befasst. Wo soll mich das Studium hinbringen? Und im Idealfall, und auch das ist menschlich und auch nicht das Ende der Welt, aber im Idealfall nicht, wenn ich mein Zeugnis in der Hand habe, dann anzufangen: Oh, was kann ich denn jetzt mit meinem Bachelor machen? Zum Beispiel.
Laura Bornmann: Ich finde es super spannend, dieses Thema: Was will ich eigentlich? Weil meine Beobachtung ist: Viele Menschen können das gar nicht für sich beantworten. Auch Menschen, die schon lange in ihren Jobs sind. Die wissen nicht einmal, was sie richtig gut können. Wenige Menschen wissen, ist meine Erfahrung, das, was sie richtig gerne machen. So, und das muss nicht unbedingt deckungsgleich sein. Im besten Fall ist es das natürlich. Aber ich glaube, diese Frage zu beantworten im Studium, auch diese ganzen Themen: Was macht mich eigentlich aus? Also mehr über sich selber zu erfahren. Das haben Sie gerade so schön gesagt. Das würde ich auf jeden Fall unterstreichen. Und dann auch noch die Frage zu beantworten, und die ist auch wichtig: Womit kann ich in Zukunft Geld verdienen, meinen Lebensunterhalt bestreiten? Weil es gibt ja schon auch einige Studiengänge, da sind die Jobs einfach rar und vielleicht haben die in Zukunft auch keine Relevanz mehr. Und ich glaube, da muss man schon auch gut überlegen: Finde ich damit einen Job und kann ich damit Geld verdienen, dass ist das eine und das andere finde ich. Was ich auch noch unterstreichen möchte, ist das ganze Thema Netzwerk. Gerade für junge Menschen gibt es ja heute so viele Möglichkeiten, zum Beispiel auch auf LinkedIn. Sich da schon ein kleines Netzwerk aufzubauen, mal da ein Profil zu erstellen. Da mal mit Menschen, die man interessant findet, die vielleicht in den Bereichen arbeiten, die vielleicht das gleiche Studium haben, was man selbst hat, um mal zu schauen: Okay, welchen Weg sind die denn gegangen? Was können die uns empfehlen? Vielleicht auch mal Leute, mal mutig sein, Leute anzuschreiben und fragen: Hey, hast du vielleicht Zeit? Ich will nicht viel deiner Zeit in Anspruch nehmen, aber mal ab und zu mit mir zu sprechen. So als Mentor oder so. Also da gibt es so viele Möglichkeiten, die auch heute junge Menschen haben und die man nutzen kann.
Anne Kreitlein: Genau, man muss sich diese Optionen mal bewusst machen. Wir hatten ja das Thema KI schon. Herr Wieland, kann man künstliche Intelligenz beim Erstellen einer Bewerbung nutzen? Kann man sich da unterstützen lassen und was sollte man beachten? Oder ist es aus Ihrer Sicht ein No-Go?
Dirk Wieland: Also ich würde es nicht für ein No-Go halten, wenn am Ende dabei eine tolle Bewerbung rauskommt. Fakt ist aber, dass im Moment bei vielen Leuten, die so etwas mit KI machen, keine tolle Bewerbung dabei rauskommt, und dann ist es keine gute Idee. Das hängt damit zusammen, dass wir natürlich immer noch sehr am Anfang von diesem Prozess stehen. Und das etwas mit KI zu machen kein Automatismus ist, dass ich ein gutes Ergebnis kriege. Also ich muss auch verstehen, was KI macht. Das Ergebnis, was die KI gibt, auch beurteilen können.
Anne Kreitlein: Laura, wie siehst du das?
Laura Bornmann: Ich glaube, wenn wir einen neuen Status quo haben, sollten wir den auch nutzen. Ich halte es, auch im Bildungssystem zum Beispiel, für völlig falsch zu sagen: Okay, wir verbieten das jetzt. Ich glaube, was wichtig ist, vor allem kritisch zu hinterfragen, nicht einfach jetzt das Ergebnis unreflektiert abzuschicken, was wir ja, glaube ich, häufig gerade erleben. Das ist natürlich falsch, sondern zu gucken: Okay, wie kann ich das jetzt persönlich auch anreichern? Wie kann ich da meine Note reinbringen? Was natürlich viel wichtiger wird in Zukunft: All die Kompetenzen, die eine KI nicht können wird. Darauf müssen wir Menschen uns viel mehr fokussieren und da gehören die ganzen Soft Skills, Empathie usw. rein. Und wenn man das irgendwie rüberbringen kann, ich glaube, das ist entscheidend. Man muss das beurteilen, das Ergebnis. Herr Wieland, ich glaube, das haben Sie gesagt. Ich glaube, das ist auch in Bezug auf ganz viele andere Dinge entscheidend. Aber ich würde natürlich dafür plädieren, KI zu nutzen, da, wo es uns weiterbringt.
Dirk Wieland: Ich kann ein ganz simples Beispiel sagen: Das war eine der ersten KI-Bewerbungen, die ich gesehen habe von jemandem, der auch so am Übergang Studium-Beruf war. Und das las sich alles gut. Aber die Bewerbung sah schlecht aus, weil er der KI weder gesagt hat, was sie für einen Zeilenabstand lassen soll oder wie das Layout sein könnte von einem Anschreiben. Die Bewerbung wäre überall negativ aufgefallen, auch wenn sie inhaltlich durch die KI ganz charmant gestaltet war.
Laura Bornmann: Es kann eine Grundlage sein und dann muss es eben weiterentwickelt werden. Bei Bewerbungen, was schon spannend ist: Ich sehe immer mehr Unternehmen, ich mache es persönlich auch, die gar nicht mehr sagen: Okay, ich möchte irgendwie ein Anschreiben oder so, sondern die sagen: Okay, ich möchte ein kleines Video haben, in dem du dich mal vorstellst. Da kann man natürlich noch viel mehr erkennen, was man in so einem Anschreiben eben nicht erfährt. Aber es wird halt wichtiger, mit den Menschen auch in Austausch zu gehen. Ich meine, das war schon immer irgendwie wichtig, die Menschen persönlich kennenzulernen. Wofür stehen die eigentlich? Was sind die Werte? Und übrigens so was kann auch dann so eine Bewerbung, kann sich dahingehend auch verändern einfach.
Anne Kreitlein: Wenn es jetzt nicht direkt mit meiner Wunschstelle klappt. Was wären denn Ihrer Meinung nach gute Überbrückungsmöglichkeiten?
Dirk Wieland: Also grundsätzlich ist es normal. Das ist ein Übergangsprozess, in dem ich mich orientieren muss, in dem ich auch ein paar Erfahrungen sammeln muss. Und niemand braucht in Panik zu verfallen, wenn er zwei Monate nach Studienabschluss noch keine Stelle gefunden hat. Darüber ist es aber auch wichtig zu sprechen. Was ist da wichtig? Wie kann ich da Fuß fassen? Auch dann gibt es natürlich Dinge, die, sagen wir mal, so eine Art Brücke sein können zwischen dem Studium, was ja im großen Teil letztlich nur eine Bildungsqualifikation ist, und der Arbeitswelt. Also es gibt zum Beispiel spezielle Dinge für Studierende nach dem Studium, Volontariate zum Beispiel. Das wären Stellen, das haben wir viel, so ein bisschen im geistes-, kultur-, gesellschaftswissenschaftlichen Bereich, im Medienbereich, dass Unternehmen Volontariate anbieten. Das sind speziell zugeschnittene Stellen für Leute, die aus dem Studium kommen, wo die eben dann vielleicht in einem Jahr erste Berufserfahrung sammeln können und danach viel bessere Chancen natürlich haben, weil sie einfach schon Erfahrungen sammeln konnten. Dann gibt es beispielsweise auch Traineestellen, die Unternehmen anbieten, die auch explizit für, ich sag mal „Berufsanfänger“ gedacht sind, wo Unternehmen sagen, wir wollen eben Leute mit einem abgeschlossenen Studium, mit einem gewissen Potenzial. Aber das, was sie für uns dann letztlich in der Praxis brauchen, das „bringen wir ihnen bei“ in so einem Traineejahr. Ja, also das wäre jetzt keine Überbrückung in dem Sinne. Das sind beides natürlich auch Beschäftigungen. Das ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Umgekehrt: Die Unternehmen wünschen sich natürlich oft Praxiserfahrung. Und natürlich kann auch manchmal, da hängt natürlich dann auch die persönliche Situation, wie ist das mit den finanziellen und anderen Sachen her, kann natürlich auch noch mal ein Praktikum – auch nach dem Studium – eine Option sein. Es geht einfach darum, dass ich dadurch meine Ausgangssituation wesentlich verbessern kann.
Laura Bornmann: Finde ich gute Punkte. Ich würde vielleicht noch mal ergänzen: Es gibt auch ganz viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das hat ja auch viel mit Eigeninitiative, Engagement zu tun und auch da kann man viele Fähigkeiten lernen, die man später braucht. Also sowas ist toll. Dann grundsätzlich: Ich hatte schon mal LinkedIn erwähnt. Thema Netzwerk: Wie kann ich das denn angehen? Vielleicht wirklich mal mutig sein, Menschen anzusprechen. Es gibt ja ganz viele Konferenzen, Fachkonferenzen, aber auch übergeordnete. So viele tolle Möglichkeiten in verschiedenen Städten. Und da kann man auch einfach mal die Veranstalter anschreiben. Die haben auch oft so Kontingente für Studierende oder für Menschen, die jetzt auch nicht so viel Geld haben, sich da irgendwie so ein Ticket leisten zu können, dass man da auch so mal hinkommen kann und da mal Menschen ansprechen. Also ich glaube, da gibt es echt viele Möglichkeiten, auch ganz viel online auf YouTube oder so, es gibt ja so viele wirklich tolle Möglichkeiten, auch Dinge zu erlernen, auch in Bezug auf KI, wo man wirklich autodidaktisch sich Dinge auch aneignen kann. Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern, die auch noch einen ganz anderen Arbeitsmarkt kennen, die beeinflussen natürlich auch die Kinder, dass man irgendwie dann sagt, jetzt ist der Lebenslauf irgendwie nicht gerade oder wie auch immer. Aber da bin ich ganz sicher, dass wir das in Zukunft nicht mehr sehen werden. Also es ist normal, dass man verschiedene Dinge macht. Wir werden in Zukunft sowieso nicht mehr den einen Job für immer machen, weil der Job wird sich so schnell verändern. Von daher, glaube ich, kann man auch ein bisschen gelassener sein. Man spricht heute von sogenannten Mosaikkarrieren, dass man eben nicht mehr diesen geraden Lebenslauf hat, sondern in ganz unterschiedlichen Bereichen Erfahrungen sammelt. Und deswegen, glaube ich, kann man da ein bisschen den Druck rausnehmen.
Dirk Wieland: Das finde ich auch sehr gut. Ein bisschen Druck rausnehmen, ein bisschen Gelassenheit sind oft gute Rahmenbedingungen. Und was auch wichtig ist: Das Arbeitsleben ist jetzt schon nicht mehr so, wie es vielleicht ein, zwei Generationen vorher war. Und das wird sich noch mehr in die Richtung verändern. Man wird verschiedene Sachen im Leben machen und auch das ist ein wichtiger Punkt. Der erste Job, den ich nach dem Studium habe, der ist fast immer noch ein ganz gutes Stück weit entfernt von dem, was ich mir im Idealfall wünschen würde. Und auch das ist etwas ganz Normales. Viele berufliche Wege und berufliche Möglichkeiten lerne ich auch erst im Berufsleben kennen. Es ist völlig, völlig unrealistisch zu sagen: Ich muss jetzt praktisch den Pfeil werfen und ins Bullseye treffen, sondern ich muss meinen Weg irgendwo begehen und ich muss Erfahrungen sammeln.
Anne Kreitlein: Möchten Sie noch abschließende Worte zum Thema äußern?
Laura Bornmann: Ich würde mich nicht von der Lage entmutigen lassen, sondern vor allem die Chancen sehen und die Zeit sinnvoll nutzen. Es kann ja auch wirklich toll sein, wenn man noch eine kurze Überbrückungszeit hat und sagt: Okay, ich gehe jetzt mal total rein in das Thema KI, weil ich weiß, das wird in Zukunft überall gefragt sein. Und da kann ich auch mir selbstständig eben Dinge aneignen. Oder ich mache mal Praktika. Ich lerne mal viel mehr über mich selber. Was will ich eigentlich im Leben? Was macht mich denn aus? Ich finde, die Zeit kann man super nutzen. Ich habe es jetzt schon ein paar Mal erwähnt, das Thema Netzwerk und LinkedIn auf jeden Fall. Da gucken die Unternehmen, da gucken die HR-Entscheider. Da mal sich reinzufuchsen. Das sind einfach noch mal so Themen, die ich mitgeben würde. Ich glaube ganz fest daran, so viele Risiken das ganze Thema KI und Zukunft birgt, genau so viele Chancen hat das Thema auch. Also das ist super, super spannend, was eine KI kann und in Zukunft können wird. Und ich glaube, da liegen so viele Chancen, dass wir in Zukunft einfach sinnstiftende und bessere Arbeit machen können und die uns auch mehr erfüllen wird.
Dirk Wieland: Ja, da würde ich mich auch anschließen wollen. Und ich würde auch dafür plädieren, sich keine Angst machen zu lassen. Ich habe kürzlich ein wirklich tolles Interview mit einem Soziologen gelesen. Das ist der Florian Butollo, wo es auch um die Zukunft der Arbeit ging. Da stehen viele interessante Sachen drin. Das ist auf dem Portal für Politikwissenschaft. Wen es interessiert, kann sich das mal durchlesen. Der auch sagt: Wir erleben eigentlich seit hunderten von Jahren eine ständige Automatisierung von Arbeit und Digitalisierung, die immer sehr viele Arbeitsplätze genommen hat, aber auch immer dafür gesorgt hat, dass durch diese Veränderung neue entstanden sind. Und natürlich gibt es jetzt keinen Grund, da ganz naiv mit umzugehen und zu sagen: Ach ja, das wird alles gut. Aber Dinge haben sich immer verändert, die werden sich weiter verändern. Und es ist immer eine gute Idee, sich so zu entscheiden, nach seinen Stärken, nach seinen Interessen, dass man wirklich versucht, Dinge zu machen, in denen man gut ist, an denen man Spaß hat. Das ist letztlich oft die richtige Entscheidung.
Anne Kreitlein: Das ist doch ein gutes Schlusswort. Dann bedanke ich mich für das schöne Gespräch.
Laura Bornmann: Danke dir. Hat sehr viel Spaß gemacht.
Dirk Wieland: Ja, ich bedanke mich auch. Genau. Mir hat's auch Spaß gemacht.
Anne Kreitlein: Das war's auch schon wieder mit unserem Podcast. Ich fand das Gespräch mit Dr. Dirk Wieland und Laura Bornmann wirklich spannend. Pauschal kann man also nicht sagen, dass der Berufseinstieg schwieriger ist als früher. Da muss man dann schon im Detail hinschauen. Lasst euch nicht unnötig verunsichern. Das Ganze ist ein Prozess. Wenn ihr könnt, versucht euch schon während des Studiums entsprechend zu qualifizieren. Beim Bewerben wird es dann nicht nur darum gehen, was ihr im Lebenslauf schon auflisten könnt, sondern auch Fähigkeiten wie Lernbereitschaft, Empathie und Resilienz sind von Bedeutung. Und denkt dran: Der erste Job nach dem Studium ist in den seltensten Fällen auch der letzte bis zur Rente. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Das war unser Podcast zur Studienorientierung. Redaktion und Produktion: Anne Kreitlein für den Meramo Verlag. Im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.