
Psychologie studieren
Verstehen, was Menschen antreibt
Warum handeln wir, wie wir handeln? Was hat es mit Gefühlen wie Angst, Hass und Trauer auf sich? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Psychologie – eines der beliebtesten Studienfächer in Deutschland.
Wie Menschen Entscheidungen treffen, wie sie miteinander umgehen und was in ihnen vorgeht: Diese Fragen haben Samuel Fast (24) zum Psychologiestudium geführt. Nach seinem Schulabschluss hatte er zunächst eine kaufmännische Ausbildung absolviert und anschließend im Marketing gearbeitet. Dabei merkte er, dass es weniger die wirtschaftlichen Aspekte seiner Arbeit waren, für die er sich begeisterte, sondern vielmehr die Menschen. Nun studiert er im siebten Fachsemester an der Universität Gießen und steht kurz vor seiner Bachelorarbeit.
Am Bachelorstudium gefällt ihm die Mischung aus Uni-Veranstaltungen und intensiven Lernphasen in der Bibliothek. Besonders prägend war für ihn sein erstes Fachsemester. Obwohl der Bewerbungsprozess selbst unkompliziert ablief und er an seinem Wunsch-Studienort einen Platz erhielt, musste er sich erst einmal an die hohen Anforderungen des Studiums gewöhnen. Rückblickend nimmt er diese Phase als sehr lehrreich wahr.
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Viele junge Menschen interessieren sich dafür, wie Menschen denken, fühlen und handeln.
Bianca Gülük, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Ahaus
Fast so beliebt wie Medizin
Psychologie gehört zu den beliebtesten Studienfächern Deutschlands. Das bestätigt auch Bianca Gülük, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Ahaus: „Viele junge Menschen interessieren sich dafür, wie Menschen denken, fühlen und handeln.“ Mit etwa 116.500 Studierenden im Wintersemester 2024/25 sind in Psychologie fast so viele eingeschrieben wie in Humanmedizin mit 117.900 Studierenden. Besonders bei Frauen ist der Studiengang gefragt: Mehr als 75 Prozent der Studierenden sind weiblich.
Ein Grund für die Beliebtheit dürften unter anderem die Vielfalt des Faches und damit die Spezialisierungsmöglichkeiten sein. Wirtschaftsinteressierte können zum Beispiel Schnittstellenstudiengänge wie Wirtschaftspsychologie, Konsumentenpsychologie, Management & Psychologie oder Personalpsychologie wählen. Wer später im Medienbereich arbeiten möchte, kann sich etwa für Kommunikations- oder Medienpsychologie entscheiden. Studierende, die sich für das Gesundheitswesen interessieren, können ein Bachelor- und Masterstudium in klinischer Psychologie anstreben. Auch mit dem Masterstudiengang „Beratungspsychologie und psychologische Therapieansätze“ kann man im Gesundheitswesen arbeiten, allerdings nicht im medizinischen Sinne, sondern beratend, vor allem im sozialpädagogischen Bereich. Eine Übersicht aller grundständigen und weiterführenden Studiengänge gibt es bei der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit.
Im vergangenen Wintersemester haben 38 von 46 Hochschulen, die Psychologiestudiengänge anbieten, ihre Plätze über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) von hochschulstart.de vergeben. Auch das Nachrückverfahren wird dort koordiniert. „In der Regel braucht man einen Abischnitt von 1,0 bis 1,5, um einen Platz zu bekommen“, weiß Bianca Gülük.
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Zulassungschancen verbessern
Die eigenen Chancen auf einen Studienplatz kann man verbessern, zum Beispiel durch den Studieneignungstest der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. „Vor allem, wenn man nicht die Abiturbestnote erreicht, kann sich das durchaus lohnen“, ergänzt Bianca Gülük. „Denn ein gutes Testergebnis kann die Chance auf einen Studienplatz erhöhen“. Eine gute Vorbereitung lohnt sich, vor allem, um sich an den Zeitdruck zu gewöhnen, unter dem der Test stattfindet. „Viele Bewerber bereiten sich vier bis acht Wochen vorher auf den Test vor“, berichtet die Berufsberaterin. Dafür bietet die Deutsche Gesellschaft für Psychologie Trainingsaufgaben an.
Wer keinen Studienplatz in Psychologie bekommen hat, kann sich nach Alternativen umsehen. Bianca Gülük hilft in ihrer Beratung jungen Menschen bei der Suche: „Ich versuche dann herauszufinden, was den Schüler oder die Schülerin am Psychologiestudium am meisten interessiert. Geht es um die Therapie, die Arbeit mit Kindern? Je nachdem kann man auf ein Studienfach mit ähnlichen Inhalten ausweichen, zum Beispiel soziale Arbeit, Soziologie, Neurowissenschaften oder Erziehungswissenschaften.“ Die zuvor erwähnten Schnittstellenstudiengänge wie Wirtschaftspsychologie sind ebenfalls mögliche Alternativen.
Auch die beruflichen Perspektiven nach dem Studienabschluss sind vielseitig. „Man kann natürlich in den Bereich Therapie gehen“, greift die Berufsberaterin einen häufigen Berufswunsch auf. Um als Psychotherapeut*in arbeiten zu können, muss man nach dem Bachelorstudium in klinischer Psychologie einen Masterstudiengang in Psychotherapie abschließen. „Mit dem Masterabschluss erhält man die Approbation und damit die Erlaubnis, in der Heilkunde tätig zu sein,“ erklärt Bianca Gülük. Um eine eigene Praxis eröffnen zu können, folgt eine berufsbegleitende fünfjährige Weiterbildung in einem bestimmten Bereich, bevor die Kassenzulassung erteilt wird. Die Plätze sind allerdings begrenzt.
Aber auch abseits der Therapie gibt es viele Möglichkeiten, etwa in Unternehmen als Personalentwickler*in oder Recruiter*in oder in der Marktforschung. Außerdem kann man als Wissenschaftler*in an der Hochschule bleiben oder als Schulpsychologe*psychologin mit Kindern arbeiten. „Die konkrete Richtung hängt vom Schwerpunkt ab, den man im Masterstudiengang gewählt hat“, merkt Bianca Gülük an.