
Vom Gelände ins GeoPortal
Natur und Mensch sollen im Einklang miteinander existieren können. Dafür möchte sich Sebastian Martiny in seiner beruflichen Zukunft einsetzen. Das nötige Know-how vermittelt ihm der Masterstudiengang „Naturschutz und Landschaftsökologie“ an der Universität Bonn.
Eine kleine Gruppe Studierender bewegt sich behutsam durch die Siegaue bei Hennef, den Blick konzentriert auf den Boden gerichtet. Ab und an beugen sie sich hinab, betrachten Pflanzen durch eine Handlupe, fotografieren und machen sich Notizen. Unter ihnen ist Sebastian Martiny, der ab Oktober im dritten Semester den Masterstudiengang „Naturschutz und Landschaftsökologie“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn studiert. Die Exkursion gehört zum Modul „Feldmethoden Vegetationskunde“, das er in seinem zweiten Semester belegte. Einmal pro Woche war er draußen am Rhein, im Wald oder in der Flussauenlandschaft. Das Ziel: Pflanzengesellschaften zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort erfassen.
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Wir lernten, genau hinzuschauen, das Besondere zu entdecken, Pflanzen korrekt zu bestimmen und so die eigene Artenkenntnis zu erweitern.
Sebastian Martiny, Student im Master Naturschutz und Landschaftsökologie
Das Besondere entdecken
„Wir lernten, genau hinzuschauen, das Besondere zu entdecken, Pflanzen korrekt zu bestimmen und so die eigene Artenkenntnis zu erweitern“, erklärt Sebastian Martiny. Im nächsten Schritt wurden die vor Ort gewonnenen Erkenntnisse digital erfasst, um das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten zu dokumentieren und die Daten anderen zugänglich zu machen. Entsprechend steht „GIS im Naturschutz“ ebenfalls auf seinem Stundenplan. Geoinformationssysteme (GIS) dienen dazu, „im Gelände erhobene Daten zu digitalisieren und kartografisch darstellen zu können“, erklärt der Student. Die Arbeit mit diesen Tools faszinierte ihn bereits im Bachelorstudiengang Geographie an der Universität Marburg. Praktische Erfahrungen im Umgang mit GIS sammelte er zudem bei Praktika in Planungsbüros für Landschaftsökologie, Naturschutz, Raumplanung und Dorferneuerung.
Sein Ansporn fürs Studium und für seine berufliche Zukunft: Wege finden, wie Natur und Mensch möglichst harmonisch neben- und miteinander existieren können. „Die Natur in Deutschland ist fast überall vom Menschen geprägt: Es sind Kulturlandschaften, die wir mitgestalten und bewirtschaften“, erläutert der 24-Jährige. Lösungen zu finden und neue Konzepte zu entwickeln, um die unterschiedlichen Bedürfnisse „unter einen Hut zu bringen“ – dazu bilde der interdisziplinär angelegte Masterstudiengang sehr gut aus. So zählen beispielsweise Umwelt- und Naturschutzrecht, Biodiversitätsmanagement und Landschaftsplanung zu den Pflichtmodulen. Im Zentrum des Studiengangs steht laut Universität die „Vermittlung von naturschutzfachlichem Know-how sowie eine kritische Fortentwicklung von Naturschutzkonzepten“.
Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur
Momentan arbeitet Sebastian Martiny als Werkstudent beim Rhein-Sieg-Kreis und pflegt dort Geodatenbanken, die unter anderem als Basis für das öffentlich zugängliche GeoPortal dienen. Zu seinen Aufgaben gehört es, neue Informationen über Fundorte beispielsweise regional und überregional geschützter Arten in ein Kataster einzutragen: „Dieses nutzen Behördenmitarbeiter, um beispielsweise Bauherren Auskunft darüber zu geben, ob sich planungsrelevante Arten im Eingriffsgebiet befinden.“ Um etwa mit dem Ausbau erneuerbarer Energien voranzukommen, ohne schützenswerte Natur zu zerstören, sei es essenziell, dass solche Sammlungen aktuell gehalten werden, betont der Student.
Auch nach dem Studium möchte er sich mit den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur beschäftigen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Infrastrukturprojekten wie dem Ausbau von Straßen oder dem Bau von Stromtrassen: „Mit angewandter Umwelt- und GIS-gestützter Planung lassen sich Auswirkungen eines Bauvorhabens auf die Natur minimieren.“ Daran möchte er beruflich mitwirken – idealerweise in einer Kombination aus Büro- und Geländearbeit und damit mit der Möglichkeit, auch weiterhin draußen das Besondere entdecken zu können.
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