Podcast

Schnittstellenstudiengänge

01.07.2026

Interdisziplinarität spielt in allen wissenschaftlichen Fächern eine große Rolle, und auch am Arbeitsmarkt wird sie immer wichtiger. Damit ist die Fähigkeit gemeint, Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen miteinander zu kombinieren, um sich Neues zu erschließen oder Bekanntes neu zu betrachten. Sogenannte Schnittstellenstudiengänge tragen die Interdisziplinarität bereits im Namen: Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftspsychologie, Bioinformatik, Industriedesign, Geoökologie, Ingenieurpsychologie oder Interfacedesign. Dies sind nur einige Beispiele. Wie zwei Fachrichtungen zusammenwirken können, wie ein interdisziplinäres Studium abläuft, welche Voraussetzungen nötig sind und wie die Zukunftschancen aussehen, zeigt der Studienwahl-Podcast.

  • Ein Porträt-Foto von Tolga T.

    Eigentlich bin ich durch meine Biologielehrerin am Gynasium auf den Studiengang aufmerksam geworden.

  • Ein Porträt-Foto von Caroline F.

    Andererseits ist es natürlich schon so, dass unsere Absolventen auch dadurch, dass es auch ein stark informatiklastiger Studiengang ist, auch sich auf informatische Stellen bewerben können. Also das heißt, sie haben immer noch das Spektrum an Stellenangeboten für Informatik Absolventen plus gleichzeitig, dass sie besser vorbereitet sind an bioinformatische Stellen.

    Prof. Dr. Friedel

Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)

Jingle: Unser Podcast zur Studienorientierung.

Klaus Harfmann: Herzlich willkommen zu unserem Podcast zur Studienorientierung. Die Fähigkeit, Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen miteinander zu kombinieren, um sich Neues zu erschließen oder Bekanntes neu zu betrachten, nennt man Interdisziplinarität. Sie spielt in allen wissenschaftlichen Fächern eine große Rolle und wird auch am Arbeitsmarkt immer wichtiger. Sogenannte Schnittstellenstudiengänge tragen diese Interdisziplinarität bereits im Namen, zum Beispiel Wirtschaftsingenieurwesen, Bioinformatik oder Ingenieurpsychologie. Wie zwei Fachrichtungen zusammenwirken können, wie ein interdisziplinäres Studium abläuft, welche Voraussetzungen nötig sind und wie die Zukunftschancen aussehen, besprechen wir heute im Podcast. Mein Name ist Klaus und ich habe mich heute mit Professor Dr. Caroline Friedel, die Professorin für Bioinformatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist, und Tolga Tabanli unterhalten, der Bioinformatik an der LMU studiert. Hallo Frau Prof. Dr. Friedel und hallo Herr Tabanli.

Prof. Dr. Friedel: Hallo.

Tolga Tabanli: Hallo.

Klaus Harfmann: Herr Tabanli, wie sind Sie denn auf den Studiengang Bioinformatik aufmerksam geworden?

Tolga Tabanli: Eigentlich durch meine Biologielehrerin am Gymnasium. Sie hatte mir immer gesagt: „Du willst ja Biologie studieren. Aber es gibt auch viele andere interessante Studiengänge wie Bioinformatik. Und das passt, glaube ich, dir sehr gut.“ Und dann habe ich das selber ein bisschen recherchiert und bin dann auf Bioinformatik in München gekommen. Das war quasi, wie es war.

Klaus Harfmann: Frau Friedel, wie ist der Studiengang in dieser Kombination denn entstanden? Also aus Biowissenschaften und Informatik.

Prof. Dr. Friedel: Das Fach an sich, das ist ja schon Ende des letzten Jahrtausends, also so in den 80er-, 90er-Jahren entstanden, weil immer mehr klar wurde, dass man in den Biowissenschaften Informatik braucht, um die Daten zu analysieren. Also, dass es einfach nicht mehr händisch weitergeht. Und dann ist mit der Sequenzierung des ersten menschlichen Genoms natürlich ein großer Bedarf gekommen, sodass dann Ende der 90er von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) eine Förderinitiative geschaffen wurde, wo verschiedene Bioinformatikzentren und entsprechende Studiengänge in Deutschland geschaffen werden sollten. Und die LMU und die TU München haben dann einen gemeinsamen Antrag gestellt und waren letztendlich erfolgreich mit dem Studiengang. Und so wurde der dann – ich glaube, 2000 war der erste offizielle Jahrgang – eingeführt.

Klaus Harfmann: Herr Tabanli, wie lief denn der Bewerbungsprozess für den Studiengang ab?

Tolga Tabanli: Das war für mich ein bisschen kompliziert, weil ich eigentlich ein ausländischer Student bin und weil ich selber einen International Baccalaureate gemacht habe, oder halt IB. Deshalb musste ich das gut koordinieren. Aber die Leute von der LMU im International Office waren auch sehr, sehr hilfreich. Für mich lief der Bewerbungsprozess ganz gut.

Klaus Harfmann: Gab es von Seiten der Uni dann noch Zulassungsbeschränkungen dazu?

Tolga Tabanli: Ja, wenn ich mich nicht irre – Frau Prof. Friedel kann mich auch korrigieren – ich glaube, es gibt seit vier Jahren eine NC-Beschränkung. Früher gab es das nicht. Jetzt wurde es, glaube ich, wegen der Kapazitäten hier an der LMU eingeführt.

Prof. Dr. Friedel: Also wir hatten früher ein Eignungsfeststellungsverfahren. Da haben wir eben geschaut, weil das so dieser kombinierte Studiengang aus Biowissenschaften und Informatik ist. Dann haben wir aber festgestellt, dass wir so viele Bewerbungen haben, dass wir die alle nicht mehr aufnehmen können, und haben deshalb die örtliche Zulassungsbeschränkung eingeführt. Ich glaube, das gibt es jetzt seit vier Jahren.

Klaus Harfmann: Genau da knüpfe ich gleich an: Abgesehen von Noten – welche Voraussetzungen sollte man denn noch mitbringen für den Studiengang?

Prof. Dr. Friedel: Also grundsätzlich sage ich immer: Das Wichtigste ist, dass man mit der Mathematik nicht auf dem Kriegsfuß steht, weil die ganze informatische Denkweise schon sehr in diese Richtung geht. Man muss jetzt noch nicht programmieren können, das lernt man alles. Beziehungsweise die Grundlagen in Informatik kriegt man mit. Man sollte sich natürlich für Biologie und Biowissenschaften interessieren, sonst ist das nicht der richtige Studiengang. Aber wie gesagt: Wichtig ist, dass man Mathematik und das theoretische Denken mag.

Klaus Harfmann: Wie spielen die verschiedenen Fachrichtungen in dem Studiengang zusammen, also in welchen Anteilen, in welchen Größen?

Prof. Dr. Friedel: Wir haben etwa die Hälfte des Ganzen spezielle bioinformatische Veranstaltungen, also Vorlesungen, Seminare und Praktika. Die gehen aber schon in die informatische Richtung. Also wir sind schon ein Informatikstudiengang mit einem starken bioinformatischen Schwerpunkt. Ansonsten haben wir noch Informatikveranstaltungen. Das ist dann ein Drittel vom Rest, also etwa ein Sechstel. Ebenfalls Mathematik und Statistik machen ein Sechstel aus und Biologie und Chemie noch einmal etwa ein Sechstel des Studiengangs. Das heißt, die eine Hälfte besteht aus Einführungsveranstaltungen der verschiedenen beteiligten Fächer und die andere Hälfte aus speziell bioinformatischen Veranstaltungen.

Klaus Harfmann: Herr Tabanli, unterscheiden sich die Fächer während des Studiums im Lernaufwand, in den Prüfungssituationen oder sogar in der gesamten Struktur des Studiums?

Tolga Tabanli: Für mich war der größte Aufwand eher bei den Programmiersachen, weil ich zu Anfang meines Studiums so gut wie keine Programmierkenntnisse besaß. Deswegen musste ich das gut lernen, die Dokumentation ein bisschen erkunden und alle Übungen machen und so weiter. Und wie Prof. Friedel auch gesagt hat: Mathematik muss man kennen, mögen und gut anwenden können. Aber für mich war es ansonsten ganz machbar. Ich meine, Informatik und Mathematik sind auch gut machbar, solange man Interesse hat. Zumindest war das bei mir so.

Klaus Harfmann: Frau Friedel, welche Vorteile bringt so ein Schnittstellenstudiengang wie Bioinformatik denn auf dem Arbeitsmarkt?

Prof. Dr. Friedel: Zum einen ist es natürlich so, dass wir Bioinformatiker ausbilden, die genau für die Stellen, die Bioinformatiker benötigen, die optimale Ausbildung haben. Da hat dann jemand, der nur Informatik studiert hat, zum Beispiel einen Nachteil, und jemandem, der nur Biologie studiert hat, fehlt einfach die ganze Informatikkenntnis. Andererseits ist es natürlich so, dass unsere Absolventen sich – weil es auch ein stark informatiklastiger Studiengang ist – auch auf informatische Stellen bewerben können. Das heißt, sie haben das Spektrum an Stellenangeboten für Informatikabsolventen plus den Vorteil, dass sie für bioinformatische Stellen besser vorbereitet sind.

Klaus Harfmann: Haben Sie für nach dem Abschluss schon Zukunftspläne, wo es mit diesem Abschluss hingehen soll?

Tolga Tabanli: Ich würde sagen, ich bin eher eine akademisch orientierte Person. Ich habe erstens vor, einen Master zu machen, und dann schaue ich, ob ich mit einem PhD weitermache. Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie einfach in die Industrie zu gehen, Consulting und so weiter. Aber da bin ich noch nicht sicher, und das liegt für mich auch noch weit in der Zukunft.

Klaus Harfmann: Vielen Dank an Sie, Frau Professor Dr. Friedel und Herr Tabanli. Wenn wir heute dein Interesse für Schnittstellenstudiengänge wecken konnten, dann schau dich doch noch bei den anderen Beiträgen des Top-Themas Schnittstellenstudiengänge um. Das war dein Podcast zur Studienorientierung. Redaktion und Produktion: Klaus Harfmann für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.

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Stand: 01.07.2026