
Schnittstellenstudiengänge
Lernen an der Schnittstelle
Wirtschaft oder Mathe? Bio oder Chemie? Du interessierst dich für mehrere Fachgebiete und möchtest dich nicht auf eines davon festlegen? Dann könnte ein Schnittstellenstudiengang genau das Richtige für dich sein. Diese Studienangebote kombinieren Inhalte verschiedener Disziplinen und ermöglichen es, unterschiedliche Interessen in einem Studium miteinander zu verbinden.
„Medien“ und „Ethik“ – diese Kombination interessierte Felice. Deshalb entschied sie sich nach einem Bachelorstudium im Bereich „Angewandte Medien- und Kommunikationswissenschaften“ für den Masterstudiengang „Medien – Ethik – Religion“ an der Uni Erlangen-Nürnberg. Inzwischen ist sie im vierten Fachsemester und schreibt gerade die Masterarbeit.
Das Studium verknüpft medienwissenschaftliche Inhalte mit ethischen und religiösen Fragestellungen. Besonders relevant findet Felice den Bereich Medienethik: „Wer als Journalist arbeitet, hat eine gewisse Verantwortung gegenüber den Personen, über die er berichtet, und auch gegenüber dem Publikum.“ Im Studium wird unter anderem genau diese Frage, wie Medienschaffende Verantwortung übernehmen können, behandelt. Ethischer Journalismus bedeutet Felice viel. Besonders wichtig findet sie, dass Menschen am Rande der Gesellschaft ebenfalls eine Stimme bekommen. Sie wünscht sich, dass nicht nur über sie, sondern mit ihnen berichtet wird. Nach Abschluss ihres Studiums möchte Felice am liebsten als Redakteurin beim Fernsehen arbeiten.
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Wer als Journalist arbeitet, hat eine gewisse Verantwortung gegenüber den Personen, über die er berichtet, und auch gegenüber dem Publikum.
Felice, Studentin im Masterstudiengang „Medien – Ethik – Religion“ -
Ein weiterer Vorteil von Schnittstellenstudiengängen ist die vielfältige Methodenkompetenz.
Kerstin Seitz, Studienberaterin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Ethik und Religion als Schnittstelle
Auch eine Lehrveranstaltung an der Schnittstelle von Ethik und Religion hat Felice während ihres Studiums besucht: In einem Seminar zur queeren Theologie lernte sie unter anderem, wie es früher für queere Mensch war, in die Kirche zu gehen. Die Studierenden konnten dabei zwischen den Schwerpunkten Christentum oder Islam wählen. Besonders geeignet sei der Studiengang laut Felice für Absolvierende, die später im kirchlichen Umfeld arbeiten möchten, beispielsweise bei kirchlichen Magazinen.
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Zunahme interdisziplinärer Studiengänge
Das Fach „Medien – Ethik – Religion“ kann seit 2008 in Erlangen studiert werden. Fast jedes Jahr entstehen neue Schnittstellenstudiengänge, weiß Kerstin Seitz. Sie ist Studienberaterin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dort schon seit vielen Jahren tätig. Ein vergleichsweise neuer interdisziplinärer Studiengang sei „Artificial Intelligence“, der sich neben der Informatik mit ethischen Fragen rund um künstliche Intelligenz beschäftige. „Data Science“ wiederum sei ein Beispiel für einen Studiengang an der Schnittstelle von Mathematik und Informatik.
Verknüpfungen finden sich in vielen Bereichen: zwischen Biologie und Chemie, Wirtschaft und Psychologie oder Medizin und Technik. Auch im Managementbereich gibt es inzwischen einige interdisziplinäre Studienangebote, etwa Gesundheits- oder Sozialmanagement.
Zwei-Fach-Bachelor als individuelle Wahlmöglichkeit
Abgesehen von Studienfächern, die von vornherein mehrere Fachgebiete abdecken, ist auch ein Zwei-Fach-Bachelor eine gute Möglichkeit, fachübergreifend zu studieren, berichtet Kerstin Seitz. In den Geisteswissenschaften würden an vielen Unis Kombinationsstudiengänge angeboten, da von Synergieeffekten zwischen den Fächern profitiert werden könne: „Egal, ob ich Politikwissenschaft mit Geschichte kombiniere oder Philologie mit Kulturgeographie – ich werde immer wieder feststellen: Es gibt doch gewisse Überschneidungen.“ Allerdings unterscheide sich die Gewichtung des Erst-, Zweit- oder sogar des Drittfachs je nach Hochschule. Einen persönlichen Mehrwert bietet ein Zwei-Fach-Bachelor laut Kerstin Seitz ebenfalls: „Man legt sich nicht von Anfang an komplett auf einen kleinen Bereich fest.“ So können Studierende während des Bachelors mehrere Bereiche kennenlernen. Eine Spezialisierung kann anschließend immer noch im Master erfolgen.
Vorbereitung auf das Berufsleben
„Ein weiterer Vorteil von Schnittstellenstudiengängen ist die vielfältige Methodenkompetenz“, erklärt Kerstin Seitz. „Man lernt Methoden und unterschiedliche Herangehensweisen aus verschiedenen Fächern kennen und ist dadurch für unterschiedliche Berufsmöglichkeiten breit aufgestellt.“ Eine Bioinformatikerin beispielsweise kann Anwendungen für Unternehmen im Medizinbereich besser programmieren, wenn sie sich auch mit den biologischen Daten auskennt, die verarbeitet werden sollen. Besonders wenn aktuelle Themen wie Digitalisierungsprozesse in den jeweiligen Studiengang integriert werden, sei das eine gute Vorbereitung auf den heutigen Arbeitsmarkt, sagt die Studienberaterin. „Darüber hinaus ist die Vielfalt der erlernten Inhalte und Grundkenntnisse aus mehreren Fächern auf jeden Fall ein Pluspunkt.“
Weitere Informationen
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