
Ins Ausland mit Erasmus+
Kultur und Sprache entdecken
Erasmus+ eröffnet Studierenden die Chance, für ein Semester oder länger ins Ausland zu gehen. Für viele ist das Programm nicht nur eine Möglichkeit, ein neues Land kennenzulernen, sondern auch, interkulturelle Kompetenzen zu erweitern, Sprachkenntnisse zu vertiefen und die persönliche Entwicklung zu fördern.
„Rückblickend war das Auslandssemester eine sehr weise Entscheidung“, resümiert David Krüll (24). Dabei hatte er während seines Bachelorstudiums zunächst kein Interesse an einem Aufenthalt an einer Hochschule im Ausland. „Erst Gespräche mit Kommilitoninnen und Kommilitonen haben meine Neugier geweckt.“ Im Rahmen seines Masterstudiums der Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ging er schließlich für ein Semester ins spanische Zaragoza. „Eine andere Stadt, eine andere Kultur, eine andere Sprache – und der Austausch mit internationalen Studierenden“, fasst er seine Motivation zusammen.
Fachlich erlebte David Krüll deutliche Unterschiede zur Heimathochschule. „In Deutschland gibt es in meinem Studiengang mit Schwerpunkt Strategisches Management viel Frontalunterricht und wenig Interaktion“, berichtet der Student. In Spanien studierte er auf Englisch – mit stärkerem Praxisbezug. „Es fanden mehr Gruppenarbeiten und mehr Diskussionen statt. Das hat mir sehr gefallen.“
Auch persönlich habe ihn der Aufenthalt verändert. „Ich bin offener geworden“, sagt David Krüll. Sein internationales Netzwerk habe sich erweitert, seine Sprachkenntnis deutlich verbessert. „Ich habe komplett auf Englisch studiert und im Alltag ganz nebenbei auch etwas Spanisch gelernt.“
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Ich habe komplett auf Englisch studiert und im Alltag ganz nebenbei auch etwas Spanisch gelernt.
David Krüll, Student der Betriebswirtschaftslehre -
Das Programm ermöglicht nicht nur einen Auslandsaufenthalt, sondern fördert Studierende auch materiell während ihres Aufenthalts.
Dr. Stephan Geifes, Direktor der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD)
Zwei Wege ins Ausland
Wie David Krüll nutzen jährlich rund 70.000 deutsche Studierende Erasmus+, um einen Teil ihres Studiums oder ein Praktikum im europäischen Ausland zu absolvieren. Das Programm unterstützt sowohl Doppelabschlussprogramme (Double Degree) als auch integrierte Auslandsaufenthalte, verpflichtend oder freiwillig.
„Erasmus+ fördert beide Formen der Mobilität: Studium und Praktika“, erklärt Dr. Stephan Geifes, Direktor der Nationalen Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). „Das Besondere: Die Mobilität ist in die Zusammenarbeit der Hochschulen eingebettet. Anerkennung, Regularien und organisatorische Abläufe sind vorbereitet.“ Für Studierende senkt das die Hürden deutlich.
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Finanzierung als Schlüssel
Viele nehmen Erasmus+ vor allem als finanzielle Unterstützung wahr. „Und das ist auch richtig“, meint Stephan Geifes. „Das Programm ermöglicht nicht nur einen Auslandsaufenthalt, sondern fördert Studierende auch materiell während ihres Aufenthalts.“ Je nach Zielland können die Zuschüsse bis zu 600 Euro pro Monat betragen. Für Erstakademiker*innen, arbeitende Studierende oder Teilnehmende mit besonderen Herausforderungen gibt es ein zusätzliches Social Top-Up von 250 Euro. „Damit liegen wir bei bis zu 850 Euro monatlich – deutlich mehr als in früheren Programmgenerationen. Das ermöglicht auch jenen einen Zugang zu Auslandserfahrungen, für die dies bisher aus wirtschaftlichen, familiären oder gesundheitlichen Gründen nicht möglich war.“
Nachhaltigkeit und Mobilität
Erasmus+ ist an den mehrjährigen Finanzrahmen der EU gebunden. Die aktuelle Programmgeneration läuft von 2021 bis 2027. „In dieser Zeit konnten wir die Mittel stetig erhöhen“, sagt Stephan Geifes. Das habe es ermöglicht, Rekordzahlen an Mobilitäten zu fördern.
Studierende können bis zu zwölf Monate mit Erasmus+ ins Ausland gehen – im Bachelor, Master oder in der Promotion, sowohl an europäischen Partnerhochschulen als auch außerhalb Europas. „Diese zwölf Monate gelten jeweils pro Studienphase“, betont der Erasmus-Experte. Ob am Stück oder aufgeteilt, für Studium oder Praktikum – vieles ist möglich, abhängig von den Regelungen der Heimathochschule.
„Physische Mobilität ist gerade für junge Menschen wichtig“, unterstreicht Stephan Geifes. „Einmal selbst im Ausland zu leben und über den eigenen Tellerrand zu schauen – das sollte jede Generation erleben können.“ Gleichzeitig gehe es darum, Mobilität verantwortungsvoll zu gestalten. Deshalb fördert Erasmus+ umweltfreundliches Reisen besonders: Wer mit Bahn oder Bus statt Flugzeug reist, erhält höhere Zuschüsse und zusätzliche Reisetage. „Das Angebot wird sehr gut angenommen – auch, weil Deutschland mitten in Europa liegt und viele Länder mit grünen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind.“
Unterstützung und Anerkennung
Neben der finanziellen Förderung begleitet Erasmus+ Studierende auch organisatorisch. Alle teilnehmenden Hochschulen verfügen über Erasmus-Koordinator*innen. „Die Koordinator*innen der Heimathochschule unterstützen die Studierenden beim Weg ins Ausland, die an der Gasthochschule vor Ort helfen bei organisatorischen und oft auch alltäglichen Fragen“, berichtet Stephan Geifes.
Zusätzlich stellt das Programm Online-Sprachkurse bereit, die vor und während des Aufenthalts genutzt werden können. Vor Ort bieten viele Hochschulen weitere Sprach- oder Integrationsangebote an – je nach Standort und Studiengang.
Damit im Ausland erbrachte Studienleistungen anerkannt werden, schließen die Studierenden vorab ein sogenanntes Learning Agreement mit ihrer Heimathochschule ab. „Darin wird festgelegt, welche Lehrveranstaltungen besucht werden und wie sie angerechnet werden“, erläutert Stephan Geifes. „Solange das Learning Agreement gilt, ist die Anerkennung gesichert.“
Mehr als ein Studienaufenthalt
Zu den beliebtesten Zielländern deutscher Studierender zählen Spanien, Frankreich und Italien. Entsprechend kommen auch viele Erasmus-Studierende aus diesen Ländern nach Deutschland. Großbritannien war lange eine der Top-Destinationen, fiel jedoch durch den Brexit aus dem Programm. „Wir gehen allerdings davon aus, dass das Vereinigte Königreich und auch die Schweiz ab 2027 wieder teilnehmen“, erklärt der Experte.
Sein Tipp an Studierende: den Blick weiten. „Europa bietet eine enorme Vielfalt an Hochschulsystemen – etwa in Nord- oder Osteuropa, oft mit englischsprachigen Studienangeboten und moderateren Lebenshaltungskosten.“ Ein Erasmus-Aufenthalt sei immer auch eine persönliche Erfahrung, betont Stephan Geifes. „Man lernt nicht nur viel über andere Länder, sondern auch über sich selbst.“ Die Erfahrung, selbst Gast in einem anderen Land zu sein, fördere Offenheit, Selbstständigkeit und Resilienz. „Das sind Kompetenzen, die in einer sich schnell wandelnden Welt und Arbeitswelt stark nachgefragt sind.“ Sein Fazit: „Erasmus+ bietet Studierenden eine niedrigschwellige Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen – strukturiert, finanziell unterstützt und europaweit anerkannt.“
Weitere Informationen
studienwahl.de
Weitere Informationen findest du in der Rubrik „Studieren im Ausland“:
https://studienwahl.de/studieninfos/studieren-im-ausland
Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit
Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) bündelt die internationalen Dienstleistungen der Bundesagentur für Arbeit.
www.ba-auslandsvermittlung.de
Deutscher Akademischer Austauschdienst
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) liefert wichtige Infos rund um das Studium im Ausland
www.daad.de
Erasmus+
Informationen zu Erasmus+, dem Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union
www.erasmusplus.de
rausvonzuhaus
Informationen zu Auslandsaufenthalten für Jugendliche, u.a. zu Freiwilligendiensten, Work & Travel und Studium
www.rausvonzuhaus.de
studieren weltweit
Initiative „studieren weltweit – Erlebe es!“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
www.studieren-weltweit.de