
Auswärtiger Dienst: Welche (Studien-)Möglichkeiten gibt es?
Weltweit im Einsatz
Das Auswärtige Amt eröffnet jungen Menschen die Chance, ihre berufliche Zukunft auf internationalem Parkett zu gestalten. Für viele ist der Einstieg in den Auswärtigen Dienst nicht nur eine Möglichkeit, weltweit in Botschaften zu arbeiten, sondern auch, globale Politik aktiv mitzugestalten, interkulturelle Beziehungen zu pflegen und einen krisensicheren Karriereweg einzuschlagen.
Es sind die Menschen und die Begegnungen, die Rahaf an ihrem Beruf besonders schätzt, ebenso wie die Möglichkeit, weltweit zu reisen und Kontakte zu knüpfen. Die Regierungsobersekretärin ist im Mittleren Auswärtigen Dienst tätig und blickt bereits auf viele Auslandsaufenthalte zurück. Ein Lehrer empfahl Rahaf nach dem Abitur aufgrund ihrer sprachlichen Fähigkeiten und ihrer Leidenschaft fürs Reisen eine Karriere im Auswärtigen Amt. „Aber ich hatte großen Respekt davor“, erinnert sich die heute 32-Jährige. Deshalb entschied sie sich zunächst dagegen und schrieb sich für ein Studium in Germanistik und Deutsch als Fremdsprache ein. Während eines Auslandspraktikums am Goethe-Institut in Jordanien wurde ihr klar: „Das Lehrerdasein ist nicht das Richtige für mich.“ Daraufhin bewarb sie sich schließlich doch beim Auswärtigen Amt.
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Man wird als Anwärter stark an die Hand genommen, kann die Kollegen Tag und Nacht anrufen und verbringt teilweise auch die Freizeit zusammen – es ist wie Familie.
Rafah, Regierungsobersekretärin im Auswärtigen Amt -
Als Diplomat*in zu arbeiten – das ist keine alleinige Berufsentscheidung, das ist eine Lebensentscheidung.
Anja Kunkel, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Mannheim
225 Auslandsvertretungen weltweit
Das Auswärtige Amt ist als oberste Bundesbehörde zuständig für die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Gemeinsam mit rund 225 Auslandsvertretungen bildet die Hauptzentrale in Berlin mit zweitem Dienstsitz in Bonn ein globales Netzwerk, in dem rund 13.600 Beschäftigte – aufgeteilt in Inlandsmitarbeitende, lokal Angestellte und entsandte Beamt*innen – die Interessen Deutschlands vertreten. Ein zentrales Profilmerkmal des Auswärtigen Dienstes ist das Rotationsprinzip, bei dem das entsandte Personal alle drei bis vier Jahre den Dienstort weltweit wechselt, was ein Höchstmaß an Flexibilität erfordert. Die Beamt*innen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle für die internationale Handlungsfähigkeit Deutschlands. Ihr Aufgabenspektrum reicht von der großen Weltbühne bis zur ganz konkreten Hilfe vor Ort: Während die einen politische Interessen verhandeln und Kultur- sowie Wirtschaftskontakte knüpfen, rettet der Konsulardienst im Ausland oft Existenzen – als rettender Anker für gestrandete Deutsche bei Katastrophen, Unfällen oder Passverlust.
Die personelle Struktur im Auswärtigen Amt ruht auf drei Laufbahnen, die sich in Ausbildung und Verantwortung stark unterscheiden: Als praktisches Fundament fungiert der mittlere Auswärtige Dienst, der mit mindestens einem Mittleren Schulabschluss (MSA) und einer zweijährigen Ausbildung direkt im operativen Konsular- und Visawesen, oder in den Bereichen Verwaltung und IT anpackt. Für Abiturient*innen öffnet sich mit der allgemeinen Hochschulreife der direkte Weg in den gehobenen Auswärtigen Dienst. Dieser bereitet die Nachwuchskräfte über einen dreijährigen Vorbereitungsdienst, organisiert als duales Studium an der Hochschule des Bundes (Fachbereich: Auswärtige Angelegenheiten an der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin-Tegel) praxisnah auf anspruchsvolle Management- und Serviceaufgaben mit Personalführungsverantwortung vor, wobei der Fokus auf Recht und Verwaltung an den Botschaften liegt.
Für eine Karriere im höheren Auswärtigen Dienst ist das Abitur hingegen erst das Fundament: Er setzt ein abgeschlossenes Masterstudium oder Staatsexamen voraus, an das sich ein hochkompetitives Auswahlverfahren und ein 14-monatiger Vorbereitungsdienst (Attachéausbildung) anschließen. Nach der Ausbildung arbeiten die Beschäftigten als Referentinnen oder Referenten. Sie nehmen von Beginn an eine gestaltende Rolle ein. Zudem übernehmen sie schon früh Führungserfahrung in Berlin oder an einer Auslandsdienststelle und leiten später in der Karriere beispielsweise eine komplette Auslandsvertretung.
Rahaf entschied sich für eine Ausbildung im Mittleren Dienst.
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Anspruchsvoll, aber machbar!
Wer ins Auswärtige Amt möchte, muss einige Einstellungsvoraussetzungen erfüllen – egal für welche Laufbahn man sich entscheidet:
- Deutsche Staatsangehörigkeit
- Sehr gute Deutschkenntnisse
- Gesundheitliche Eignung (einschließlich Tropentauglichkeit)
- Erweiterte Sicherheitsüberprüfung (nach erfolgreichem Durchlaufen des Auswahlverfahrens)
- Uneingeschränkte weltweite Versetzungsbereitschaft
Die Anforderungen bei der Bewerbung sind ebenfalls hoch, sehr gute Englischkenntnisse Voraussetzung. Die Bewerber*innen müssen außerdem ein mehrteiliges Auswahlverfahren mit Wissenstests, Psychologietests sowie Fach- und Sprachtests durchlaufen „Aber es ist alles machbar“, macht Rahaf Mut.
Zwischen Berlin und Damaskus
Im Rahmen der zweijährigen Ausbildung im mittleren Dienst sind neun Monate Praktikum an einer Auslandsvertretung Pflicht. Für Rahaf stellte dieser Auslandseinsatz, den sie in Singapur verbrachte, die erste große Herausforderung dar: Noch nie war sie so lange im Ausland und getrennt von Freund*innen und der Familie. „Dieses Praktikum zeigt, ob das wirklich das Richtige für einen ist. Ich habe aber definitiv gemerkt: Das ist was für mich“, erzählt sie begeistert. Ein anderes Land kennenzulernen, eine andere Kultur – und das alles im gesicherten Rahmen der Botschaft. „Man wird als Anwärter stark an die Hand genommen, kann die Kollegen Tag und Nacht anrufen und verbringt teilweise auch die Freizeit zusammen – es ist wie Familie.“
Aktuell arbeitet Rahaf als Regierungsobersekretärin im Protokoll in Berlin. Sie bekommt Projekte von ihrer Vorgesetzten vermittelt, die sie eigenständig betreut. So durfte sie beispielsweise den ausgehenden Staatsbesuch von Bundespräsident Steinmeier nach Wien begleiten. Bei diesem Projekt war sie für den Gegenempfang in der neuen Liegenschaft der deutschen Botschaft zuständig. „Ich habe viel mit Leuten zu tun, die man sonst nur im Fernsehen sieht, etwa mit Präsidenten und Außenministern. Man ist einfach näher an den Geschehnissen als andere Behörden.“ Vor ihrer Station in Berlin hatte Rahaf neben Singapur Auslandsposten in Kairo (Ägypten), Islamabad (Pakistan) und Bamako (Mali). In wenigen Wochen wird sie von Berlin nach Syrien wechseln und beim Aufbau der neuen Botschaft in Damaskus mitwirken.
„Das ist eine Lebensentscheidung“
„Als Diplomat*in zu arbeiten – das ist keine alleinige Berufsentscheidung, das ist eine Lebensentscheidung“, betont Anja Kunkel, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Mannheim. Wer diesen Berufswunsch hat, muss sich im Klaren darüber sein, dass er*sie weltweit im Einsatz ist, dabei alle drei bis vier Jahre die Position wechselt und als Generalist*in wirklich alle Aufgaben, die anfallen, zu erledigen hat. Sie rät Abiturient*innen daher, vorab Auslandserfahrungen zu sammeln, um das Leben fernab von Familie und Freund*innen zu erproben. Da das Auswahlverfahren sehr anspruchsvoll ist, empfiehlt die Berufsberaterin, sich vorab bereits realistische Alternativen zu überlegen. Wichtig sind neben der deutschen Staatsangehörigkeit sehr gute Englisch- und Deutschkenntnisse, eine weitere Fremdsprache sowie Interesse an Recht, Politik und Geschichte.
Das Studium für den gehobenen Auswärtigen Dienst ist gezielt auf die Ausbildung von Konsularbeamt*innen ausgerichtet. Dabei sind die Anforderungen an alle Rotationslaufbahnen, durch herausfordernde Lebensumstände an vielen Dienstorten, auch durch Kriege, Naturkatastrophen oder bewaffnete Konflikte, dauerhaft hoch. Diplomat*innen müssen in der Lage sein, sich extrem schnell auf wechselnde politische Situationen einzustellen und sich flexibel an die jeweiligen politischen Gegebenheiten anzupassen. Gerade bei einer Auslandsverwendung tragen sie in ihrer Rolle eine hohe Verantwortung, die es erfordert, fachlich sowie in Bezug auf die politischen Entwicklungen im Gastland stets auf dem Laufenden zu sein. Dafür erwartet die Mitarbeiter*innen des Auswärtigen Amtes durch die Rotation ein Leben lang neue, bereichernde Erfahrungen auf der ganzen Welt.
Weitere Informationen
studienwahl.de
Auswärtiges Amt – Kariere
www.auswaertiges-amt.de
Instagram: auswaertigesamt_karriere
„Podcast vom Posten”
Folge 81: Von der Bewerbung bis zur Botschaft – Karrierestart im Auswärtigen Amt
www.auswaertiges-amt.de/de/aamt/aussenpolitiklive/podcast-vom-posten/81-2748458