
„Das war mein Kindheitstraum“
Verena (32) sitzt auf gepackten Koffern: Sie steht kurz vor ihrem ersten Auslandseinsatz als „ständige Vertreterin des Botschafters“ in Burundi.
Im Auswärtigen Dienst zu arbeiten, war ein Kindheitstraum von Verena. Ein lang gehegter Wunsch, den sie sich mit Anfang 30 schließlich erfüllte. „Ich habe Politikwissenschaften mit dem Nebenfach Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert“, blickt sie zurück. „Zusätzlich Anglistik und Pädagogik auf Lehramt.“ An der University of Sussex machte sie schließlich noch einen Master in Sustainable Development.
Mit diesem bunten Portfolio landete Verena zuerst bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und arbeitete für diese in Uganda, in Tansania und im Südsudan. Es folgte eine Station bei der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Die Auslandsbüros der politischen Stiftungen arbeiten oft eng mit den deutschen Auslandsvertretungen zusammen. „Man spielt das außenpolitische Spiel vom Spielfeldrand mit“, erklärt die 32-Jährige.
-
Wichtig ist, dass man sich in dieser Zeit ein soziales Netz aufbaut. Man steigt mit 40 bis 50 Leuten ein, die ebenfalls neu in Berlin und im Auswärtigen Amt sind. Es entstehen sehr enge Freundschaften, da das doch ein spezieller Berufsweg ist, für den man sich entscheidet.
Verena, ständige Vertreterin des Botschafters in Burundi
Auswahlverfahren? „Schaffe ich nie!“
Irgendwann wollte sie selbst „aufs Spielfeld“, wie sie sagt. Allerdings gab es eine große Hürde: „Das Auswahlverfahren für den höheren Dienst hat mich immer abgeschreckt“, erinnert sich die Diplomatin. „Ich dachte, das schaffe ich nie. Bis ich eines Morgens aufwachte und mir sagte: Ich mache das jetzt einfach.“
Zwei Monate später bekam sie die Nachricht, dass sie das schriftliche Verfahren bestanden hatte und nun zum mündlichen Auswahlverfahren eingeladen wurde. Sie meisterte auch diese Hürde und startete im Mai 2025 mit dem 14-monatigen Vorbereitungsdienst als Attachée. Die Ausbildung für den höheren Auswärtigen Dienst bereitet auf die Arbeit als Diplomatin oder Diplomat vor. Mitsamt ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern zog sie von München nach Berlin – wissend, dass das nur einer von vielen noch folgenden Umzügen sein würde.
Ausbildung zur Generalistin
Verena lernte im Vorbereitungsdienst alles, was sie braucht, um als Generalistin auf verschiedenen Posten im In- und Ausland eingesetzt zu werden. Sie besuchte Veranstaltungen zum Völker- und Konsularrecht, Vorlesungen in Geschichte und Politikwissenschaften sowie Sprachunterricht in Englisch und Französisch. Inzwischen spricht sie neben Englisch, Französisch und Italienisch auch Luganda und Suaheli.
„Wichtig ist, dass man sich in dieser Zeit ein soziales Netz aufbaut“, erklärt sie. „Man steigt mit 40 bis 50 Leuten ein, die ebenfalls neu in Berlin und im Auswärtigen Amt sind. Es entstehen sehr enge Freundschaften, da das doch ein spezieller Berufsweg ist, für den man sich entscheidet.“
Als Ständige Vertreterin des Botschafters nach Burundi
Inzwischen steht Verena kurz vor ihrem ersten Auslandseinsatz: In der deutschen Botschaft in Burundi wird sie als „ständige Vertreterin des Botschafters“ arbeiten. „Es ist eine sehr kleine Botschaft, mein Arbeitsbereich ist deshalb groß“, weiß sie. Neben repräsentativen Aufgaben und der Leitung der Presse- und Kulturabteilung wird sie als Wirtschaftsreferentin tätig sein. Bei Letzterem ist sie für alle Fragen rund um die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit Deutschland sowie für Fragen der Menschenrechte zuständig.
Außerdem wird sie sich um die Sicherheit der Botschaft kümmern. „Ganz konkret heißt das, dass ich prüfen muss, ob die Mauer um die Botschaft hoch genug ist, ob der Stacheldraht sitzt, ob das Sicherheitsprotokoll funktioniert. Es geht aber auch um die Sicherheit unserer Dokumente: Kommen nur die Leute an die Informationen ran, die sie haben dürfen?“
Auf diesen Einsatz hat sie sich intensiv vorbereitet, und zwar anders, als man das bei einem „normalen“ Job tun würde. Sie hat unter anderem ein zweiwöchiges Krisentraining bei der Bundeswehr absolviert, wo sie lernte, was im Falle einer Entführung, einer Evakuierung oder bei Beschuss zu tun ist.
Vertrauen, das zu wuppen
Für eine Besichtigungsreise war sie bereits vor Ort. Wohnen wird sie mit ihrer Familie in einem Häuschen im Grünen, gut geschützt hinter Mauern und Stacheldraht. Ihr Mann, der in Deutschland als Erzieher arbeitet, wird Französisch lernen und sich um die Kinder kümmern – bis er dann vielleicht eine Stelle als Erzieher findet.
Die Region ist Verena durch ihren früheren Job bei der Konrad-Adenauer-Stiftung vertraut. Dadurch weiß sie, dass zusätzlich zur prekären Sicherheitslage weitere Herausforderungen auf sie und ihre Familie zukommen: „Manchmal wartet man zwei Tage an der Tankstelle, um dann vielleicht 20 oder 30 Liter Sprit zu bekommen.“ In einem Land, in dem es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt und es nicht empfohlen wird, zu Fuß zu gehen, ist das durchaus problematisch. „Auch Supermärkte habe ich bei meinem Besuch dort nicht gesehen. Es gibt Tante-Emma-Läden, die zwar vieles, aber natürlich nicht alles haben“, sagt sie. Die Rebellengruppen an der nur wenige Kilometer entfernten Grenze zur Demokratischen Republik Kongo und das Ebolavirus, das sich bislang aber noch nicht in Burundi ausgebreitet hat, sind ebenfalls Aspekte, die die Deutsche berücksichtigen muss.
Nichtsdestotrotz ist sie glücklich darüber, dass sich ihr Kindheitstraum nun erfüllt hat. Auf die Frage, was ihr an ihrem Job besonders gefällt, muss sie nicht lange überlegen: „Das Vertrauen meines Arbeitgebers in seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das Vertrauen, dass wir das wuppen werden.“
Beispiele aus der Praxis: Auswärtiger Dienst
-
Das Auswärtige Amt eröffnet jungen Menschen die Chance, ihre berufliche Zukunft auf internationalem Parkett zu gestalten. Für viele ist der…weiterlesen » -

Studienreportage gehobener Auswärtiger Dienst
Internationale Politik, fremde Kulturen und der Kontakt mit Menschen – genau diese Mischung macht für Oskar den Reiz des gehobenen…weiterlesen » -

Übersicht
Es gibt zwei Möglichkeiten, im Auswärtigen Dienst zu arbeiten: zum einen über die Beamtenlaufbahnen des mittleren, gehobenen und höheren…weiterlesen »