
Berufseinstieg nach dem Studium
Next Step: Karriere
Controlling und Accounting – diese beiden Bereiche interessierten Martin Schierhoff während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wuppertal am meisten. Heute gehören sie zu seinem Berufsalltag: Der 28-Jährige arbeitet bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte in Düsseldorf, wo er als „Mergers & Acquisitions-Consultant“ Unternehmen unter anderem bei Fusionen begleitet.
Zu Beginn seines Bachelorstudiums wusste Martin Schierhoff noch nicht, in welchem Bereich er später beruflich Fuß fassen wollte. Doch mit seinem Master „Finanzen, Wirtschaftsprüfung, Controlling und Steuern“ in Wuppertal lichtete sich das Feld. „In der Betriebswirtschaft gibt es viele Tätigkeitsfelder – es hilft, den Arbeitsmarkt und die Stellenprofile zu analysieren.“ Durch eine Werkstudententätigkeit im Risikomanagement bei einer Kapitalverwaltungsgesellschaft erprobte er sich zudem darin, das erlernte Wissen in der Praxis anzuwenden. Bei einem Gastvortrag eines Senior Managers von Deloitte ergriff er die Gelegenheit: Er kontaktierte den Redner – ein Absolvent seiner Uni – und sicherte sich ein fünfmonatiges Praktikum vor seiner Masterarbeit. Als das Feedback im Abschlussgespräch auf beiden Seiten positiv ausfiel, bewarb er sich direkt auf eine Vollzeitstelle. So konnte er bereits einen Monat nach seinem Masterabschluss ins Berufsleben starten.
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Der Arbeitsmarkt wandelt sich ständig. Das war schon immer so. Und im Vergleich zu anderen sieht der akademische Arbeitsmarkt immer noch sehr gut aus.
Martin Schierhoff, Mergers & Acquisitions-Consultant -
Akademische Werdegänge verlaufen selten stringent.
Dr. Andreas Eimer, Leiter des Career Service der Universität Münster
Durchblick statt Zukunftsangst
Martin Schierhoffs Wechsel vom Studium in die erste Anstellung gelang nahtlos, und das trotz der aktuell eher negativen Schlagzeilen: Die Zahl arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker ist so hoch wie lange nicht, besonders beim Nachwuchs. Vor allem die schwächelnde Wirtschaft, Einstellungsstopps und der Einsatz von KI, die insbesondere Einstiegstätigkeiten übernimmt, spielen hier eine Rolle.
Das sei faktisch alles korrekt, bestätigt Dr. Andreas Eimer, Leiter des Career Service der Universität Münster. Zugleich zeichne die Darstellung ein Zerrbild, da der Kontext fehle: „Der Arbeitsmarkt wandelt sich ständig. Das war schon immer so. Und im Vergleich zu anderen sieht der akademische Arbeitsmarkt immer noch sehr gut aus.“ Er plädiert dafür, sich von pauschalisierten und zugespitzten Aussagen nicht verunsichern zu lassen. Hilfreich sei es, die Fakten kritisch zu bewerten, denn: „Wissen schafft Empowerment“, wie es in der Ankündigung einer entsprechenden Veranstaltung des Career Service heißt. Das ist ein roter Faden der Vorbereitung auf den Berufseinstieg: Gut informiert zu sein, hilft, zielgerichtet zu planen – etwa, indem du die spezifischen Herausforderungen deines zukünftigen Teilarbeitsmarkts kennst. Wenn du dich beispielsweise für ein geisteswissenschaftliches Studium entscheidest, sollte dir bewusst sein, dass du für den Berufsstart in der Regel Eigenverantwortung und Flexibilität benötigst.
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Sich selbst reflektieren
Grundsätzlich gilt: Beginne früh, dich mit dem Berufseinstieg zu beschäftigen. Selbstreflexion stelle hierbei einen wichtigen Baustein dar, betont Andreas Eimer. „Wer bin ich, was kann ich, was will ich, wie kann ich mich positionieren?“ Die Career-Einrichtung deiner Hochschule begleitet dich dabei, deinen individuellen Weg zu finden. Die Uni Münster etwa bietet über 100 Veranstaltungen im Jahr an, die sich um Themen wie Profilbildung, Netzwerkaufbau, Bewerbungsstrategien und künstliche Intelligenz drehen. Bei der Frage, ob KI Arbeitsplätze wegnehme, rät Andreas Eimer dazu, Ruhe zu bewahren. KI werde die akademische Arbeitswelt weiter verändern, ersetze aber nicht die akademisch ausgebildeten Mitarbeitenden. „Sie ist ein Zuarbeiter, der codiertes Wissen schneller abrufen kann als wir“, erläutert er. „Was Arbeitgeber jetzt suchen, sind Menschen mit einem profunden moralischen und ethischen Urteilsvermögen und hohem Wissensstand, die das qualitative Niveau von KI-Ergebnissen und mögliche Folgen einschätzen können.“
Transferfähigkeit beweisen
Auch beim Finden passender Praktika und Werkstudententätigkeiten unterstützen die Career Services. Andreas Eimer bezeichnet sie als „Berufseinstieg auf Probe“. Du lernst, erworbenes Wissen praktisch anzuwenden. „So beweisen Studierende sich und späteren Arbeitgebern, dass sie transferfähig sind, flexibel auf Anforderungen eingehen sowie berufspraktische Herausforderungen meistern können.“
Und wenn es trotz guter Vorbereitung mit der Wunschanstellung nicht gleich klappt? „Akademische Werdegänge verlaufen selten stringent“, betont Andreas Eimer. Sich dessen bewusst zu sein, helfe bei einer etwaigen Neuorientierung. Dabei spricht er bewusst nicht von Überbrückungsmöglichkeiten, sondern von individualisierten, variantenreichen Berufswegen. Was ebenfalls Sicherheit gibt: Du bist nicht allein. Unterstützung bieten neben den Career Services, deren Beratungstüren dir oft noch bis zu einem Jahr nach Abschluss offenstehen, auch die Hochschulteams der Bundesagentur für Arbeit und manchmal auch Alumni-Netzwerke der Hochschulen.
Weitere Informationen
Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit
entgeltatlas.arbeitsagentur.de/entgeltatlas
Career Service der Universität Münster
www.uni-muenster.de/CareerService/
Artikel über Geisteswissenschaften + Berufseinstieg
Artikel von Dr. Andreas Eimer, Leiter des Career Service der Uni Münster, über Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf dem Weg in den Beruf
https://elibrary.utb.de/doi/10.3278/DVB2601W003
Broschüre „Arbeitsrecht – Informationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für Arbeitgeber“
www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a711-arbeitsrecht.pdf?__blob=publicationFile&v=8
Stephanus-Stiftung
Diakonische Organisation mit Angeboten für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen
www.stephanus.org