Psychosoziale Beraterin mit Linguistik-Master

Cora Döhns unkonventioneller Berufsweg führte sie über einige Umwege vom Linguistik-Studium in die Sozialwirtschaft. Dort hat sie eine Tätigkeit gefunden, die sie als sinnstiftend erlebt.

Foto: privat
Ein Porträt-Foto von Cora D.

Standortleiterin einer Beratungsstelle für Schwangere – dass sie einmal diese Position übernehmen würde, wäre Cora Döhn nach dem Abi nie in den Sinn gekommen. Als sie sich damals für „Kognitive Linguistik“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main entschied, habe sie gar nicht ans Berufsleben gedacht, sondern die Wahl getreu dem Motto „Die Welt steht mir offen“ rein interessengeleitet getroffen. Die Begeisterung für die Linguistik blieb, und sie schloss einen Master an der Humboldt-Universität Berlin an. Ein Praktikum eröffnete ihr ein für sie attraktives Arbeitsfeld: Deutsch als Fremdsprache (DaF) zu unterrichten. An diesen Bereich nach dem Studium anzudocken, war kein Problem, denn DaF-Lehrkräfte waren gesucht. Die geringe Bezahlung war dagegen eines, da es ihr das Gefühl vermittelte, dass ihre Ausbildung und Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt wurden. Cora Döhn orientierte sich neu, schrieb Bewerbungen, erhielt Absagen und oft gar keine Rückmeldung, bis sie die Zusage für ein Volontariat bei einem Online-Finanzmagazin erhielt. Im Anschluss wurde sie unbefristet übernommen. Jetzt stimmten Gehalt und soziale Absicherung. Doch ihr fehlte die Sinnhaftigkeit: „Alles kam mir bedeutungslos vor, ich konnte mich nicht verwirklichen.“ 

Den Cut wagen

Bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Berliner Aids-Hilfe, die sie nach dem Master begonnen hatte, war das anders. Für mehr Sinnhaftigkeit wagte Cora Döhn einen Cut: Sie kündigte ihre Stelle als Redakteurin und übernahm einen Job bei der Aids-Hilfe, der gerade frei geworden war: Aufgabe, Team, Bezahlung, positives Feedback – alles passte. Ebenso ihre Einstellung: „Mir war bewusst, wenn ich in einem ganz neuen Umfeld anfange, darf ich mir auch mit Master nicht zu schade für einfache Arbeiten sein.“ Ärmel hochkrempeln und anpacken – zu tun gab es genug. Ihre Chefin schätzte ihren Einsatz. In gemeinsamen Gesprächen wurde klar, dass die Zusammenarbeit Zukunft hat, auch in Bereichen mit mehr Verantwortung. „Was mir wichtig war: Ich wollte meine Tätigkeit legitimieren, sie mit dem notwendigen Know-how untermauern“, erläutert Cora Döhn ihre Entscheidung, berufsbegleitend Sozialmanagement an der Paritätischen Akademie Berlin zu studieren. Es folgte erneut eine glückliche Fügung: Pünktlich zu ihrem zweiten Masterabschluss konnte sie eine Referentinnenstelle bei der Aids-Hilfe übernehmen, weitere Erfahrungen sammeln und sich profilieren.

Mut, Rückhalt, Glück

Mittlerweile ist Cora Döhn Standortleiterin der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle der Berliner Stephanus-Stiftung. Sie leitet das Team und führt Beratungen durch. Bereut sie heute ihre erste Studienwahl? „Ja und nein.“ Ja, weil sie sich manche Unsicherheit und Rentenlücke hätte ersparen können. Nein, weil der Weg sie gestärkt habe. „Es macht Mut zu erfahren, dass man wie eine Katze letztlich doch wieder auf den Füßen landet.“ 

Sie rät Studierenden, erfinderisch zu sein, sich selbst zu reflektieren, mutig Strategien zu entwickeln und durchzuziehen – im Optimalfall wie bei ihr mit motivierendem Rückenwind von Vorgesetzten und einer Portion Glück.

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Stand: 01.10.2026