Studium: staatlich oder privat?

Welche Hochschule passt zu dir?

Die große Frage bei der Studienwahl ist nicht nur, welches Fach du studieren möchtest, sondern auch, an welcher Hochschule. Neben vielen staatlichen gibt es inzwischen auch mehr als 100 private Hochschulen in Deutschland. Welche Hochschulart am besten zu dir passt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist, dass du dich vorab gut informierst.

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Laptop lehnt an einem Stapel Bücher

Überschaubare Seminargruppen, Kooperationsprojekte mit Unternehmen, Praxisnähe und ein breit gefächertes Angebot an Wahlkursen – das waren für Elisabeth Kampeter die Hauptargumente, sich trotz Studiengebühren für ein Bachelorstudium an der privaten Universität Witten/Herdecke zu entscheiden. Inzwischen studiert die 23-Jährige dort im achten Semester Management sowie Wirtschaft, Politik und Recht – und ist begeistert.

Sie berichtet von einem intensiven Austausch in kleinen Gruppen und schätzt die vielen Möglichkeiten, sich neben dem Fachstudium in allen möglichen Bereichen weiterentwickeln zu können. Zu besonders spannenden Events im Studienverlauf zählen ihr Auslandssemester in Rom, eine simulierte UN-Konferenz in New York sowie der „Heiratsmarkt“, eine campuseigene Karrieremesse. Mit insgesamt mehr als 35.000 Euro Studienbeiträgen bis zum Bachelorabschluss hat das Studium allerdings seinen Preis.

  • Ein Porträt-Foto von Cort-Dennis H.

    Bildung wurde als Wachstumsmarkt erkannt, und private Institutionen nutzten fehlende Kapazitäten staatlicher Hochschulen, etwa in Fächern wie Psychologie, Jura, Informatik oder Medizin.

    Cort-Denis Hachmeister, Senior Experte für Datenanalyse beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

Privathochschulen hoch im Kurs

Mit ihrer Entscheidung für ein Studium an einer privaten Hochschule gehört Elisabeth Kampeter zwar zur Minderheit der Studierenden, folgt aber einem Trend: Private Hochschulen haben in den vergangenen Jahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Laut Zahlen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) waren im Wintersemester 2023/24 rund 13 Prozent der Studierenden an einer privaten Hochschule immatrikuliert – im Vorjahr waren es 12 Prozent. Ein echter „Gründungsboom“ privater Hochschulen habe um die Jahrtausendwende stattgefunden, weiß Cort-Denis Hachmeister, Senior Experte für Datenanalyse beim CHE. „Bildung wurde als Wachstumsmarkt erkannt, und private Institutionen nutzten fehlende Kapazitäten staatlicher Hochschulen, etwa in Fächern wie Psychologie, Jura, Informatik oder Medizin.“

Beim Vergleich von privaten und staatlichen Hochschulen müsse man laut Cort-Denis Hachmeister jedoch differenzieren: „Es gibt nicht die eine private Hochschule. Der Privathochschulsektor ist heterogen – mit sehr kleinen Einrichtungen und ein paar großen ‚Tankern‘ wie die IU Internationale Hochschule mit über 100.000 Studierenden oder die FOM Hochschule für Oekonomie & Management mit etwa 47.000 Immatrikulierten.“ Die meisten Privathochschulen haben allerdings weniger als 1.000 Studierende, während an vielen staatlichen Hochschulen jeweils mehr als 10.000 Studierende eingeschrieben sind. 

Als großen Vorteil privater Hochschulen nennt Cort-Denis Hachmeister die flexiblen Studienmodelle. Da ein Studium dort häufig remote oder in Teilzeit möglich ist, lässt es sich gut mit einer Berufstätigkeit verbinden. Allerdings ist das Fächerspektrum oft kleiner als an staatlichen Hochschulen.

Der größte Unterschied sind die Kosten: Während an staatlichen Hochschulen im Normalfall keine Studiengebühren anfallen (abgesehen von Semesterbeiträgen), werden diese an privaten Hochschulen erhoben. Deren Höhe schwankt jedoch stark, abhängig von Institution und Fach.

Beispiele aus der Praxis: staatlich oder privat?

  • Studium an einer privaten Hochschule

    Elisabeth Kampeter (23) hat sich für ein Bachelorstudium an einer privaten Hochschule entschieden. Sie studiert im achten Semester an der…weiterlesen »
  • Interview

    Ist ein Studium an einer privaten Hochschule besser? Welche Vorteile bietet ein Studium an einer staatlichen Hochschule? Und wie finden es…weiterlesen »

Informieren, vergleichen, priorisieren

Neben den Studiengebühren stellt der Betreuungsschlüssel laut Michael Hümmer, Berufsberater der Jugendberufsagentur Erlangen, einen weiteren Unterschied dar. An vielen Privathochschulen fällt die Relation von Studierenden zu Lehrenden vergleichsweise niedrig aus, was eine individuelle Betreuung und engen Austausch ermöglicht.

In Sachen Forschung seien private Hochschulen jedoch oft weniger gut aufgestellt, betont Michael Hümmer. „Wenn ich einen Studiengang suche, in dem ich mich intensiv mit Forschung beschäftige, zum Beispiel in den Naturwissenschaften, dann haben staatliche Hochschulen, allen voran die Universitäten, einen ganz anderen Hintergrund: Dort gibt es etablierte Forschungslabore, die Infrastruktur ist deutlich besser ausgebaut. An den wenigsten privaten Hochschulen findet Grundlagenforschung statt, dort steht meist die Wissensvermittlung im Vordergrund. Wenn ich also wissenschaftsorientiert studieren möchte, würde ich mich definitiv für eine staatliche Institution entscheiden“, erklärt er.

In jedem Fall sollte man sich vor der Entscheidung für eine Hochschule genau darüber informieren, welche beruflichen Perspektiven der Abschluss bietet. „Ich hatte kürzlich in einer Beratung den Fall, dass dem Studierenden nicht klar war, dass ihn der Psychologie-Abschluss an seiner gewählten Privathochschule nicht für die therapeutische Tätigkeit qualifiziert“, berichtet Michael Hümmer. Bei betriebswirtschaftlichen Studiengängen seien die qualitativen Unterschiede dagegen meist nicht groß; im Bachelor würden die nötigen Grundlagen sowohl an privaten als auch an staatlichen Hochschulen vermittelt. 

Der Berufsberater empfiehlt, sich vor einer endgültigen Entscheidung ganz genau mit den Modulen vertraut zu machen, verschiedene Hochschulen zu vergleichen und sich über die eigenen Prioritäten klar zu werden.

Stand: 02.03.2026