
Staatlich, privat, egal?
Ist ein Studium an einer privaten Hochschule besser? Welche Vorteile bietet ein Studium an einer staatlichen Hochschule? Und wie finden es Arbeitgeber*innen, wenn man „privat“ studiert hat? Studienwahl.de hat bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) nachgefragt und von Tilman Dörr, Leiter des Bereichs Bildung, Antworten bekommen.
Privathochschulen werben häufig mit einer intensiven Betreuung durch kleine Lerngruppen, mit moderner Ausstattung sowie engen Kontakten zur Wirtschaft. Heißt das, dass sich die Qualität der Lehre messbar von der an staatlichen Hochschulen unterscheidet?
Die Formel, dass private Hochschulen generell kleine Lerngruppen, moderne Ausstattung und enge Kontakte zur Wirtschaft bieten und staatliche Hochschulen nicht, trifft in dieser Pauschalität nicht zu. Entscheidender als der Hochschultyp sind der einzelne Studiengang und dessen Ausgestaltung. Auch staatliche Hochschulen pflegen vielfach enge Kontakte zur Wirtschaft. Ebenso stellen kleine Lerngruppen und Praxisorientierung kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zwischen privaten und staatlichen Hochschulen dar, da entsprechende Studienkonzepte in beiden Bereichen verbreitet sind.
Was sind die Vorteile einer staatlichen Hochschule?
Staatliche Hochschulen arbeiten – anders als viele private Hochschulen – nicht gewinnorientiert, sondern erfüllen einen öffentlichen Bildungsauftrag. Lehre und Studienbedingungen sind daher primär an fachlichen und wissenschaftlichen Kriterien ausgerichtet. Kennzeichnend ist zudem die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung. Ein Vorteil staatlicher Hochschulen ist auch, dass in der Regel keine Studiengebühren erhoben werden, wenn es sich nicht um weiterbildende Studienangebote handelt.
Wie bewerten Arbeitgeber*innen die Abschlüsse privater Hochschulen im Vergleich zu denen staatlicher Hochschulen?
Arbeitgeber*innen achten vor allem darauf, ob Bewerber*innen zur zu besetzenden Stelle passen. Dabei sind die erworbenen Kompetenzen sowie die fachlichen Schwerpunkte entscheidender als der Hochschultyp.
Wie finden Studieninteressierte heraus, ob und wenn ja welche Privathochschule für sie geeignet ist? Helfen Rankings weiter?
Studieninteressierte sollten Studienangebot und Hochschule anhand ihrer eigenen Interessen und Anforderungen auswählen. Dazu zählen fachliche Schwerpunkte, die Organisation von Studium und Lehre – darunter auch Präsenz- oder Onlineangebote –, die Möglichkeit eines berufsbegleitenden oder dualen Studiums sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote. Es ist ratsam, sich vor der Entscheidung gründlich zu informieren, auch vor Ort, und verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen. Auch der Hochschulkompass der HRK kann hierbei helfen. Die Aussagekraft von Rankings für die Studienwahl ist begrenzt, da insbesondere internationale Rankings häufig Kriterien berücksichtigen, die für Studierende nur eingeschränkt relevant sind, sodass sie kein vollständiges Bild liefern.
Was sollten Studieninteressierte vor der Entscheidung für eine Privathochschule besonders bedenken?
Private Hochschulen erheben teils erhebliche Studiengebühren. Zudem bieten sie nur bestimmte Studienfächer an, häufig wirtschafts- und sozialwissenschaftliche. Dafür haben sie einen höheren Anteil berufsbegleitender, oftmals als Fernstudium organisierter Studiengänge.
Die Zahl der Studierenden an privaten Hochschulen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Inzwischen sind 13 Prozent aller Studierenden an einer privaten Hochschule immatrikuliert. Rechnen Sie damit, dass sich künftig noch mehr Studierende für eine Privathochschule entscheiden werden?
Studierende entscheiden sich aus bestimmten Gründen für eine private Hochschule, etwa wegen des hohen Anteils von Studiengängen, die rein online studierbar sind und somit leichter berufsbegleitend absolviert werden können. Das zeigt sich auch am höheren Anteil Berufstätiger im Vergleich zu anderen Hochschulen. Diese Zielgruppe wird vielleicht noch etwas wachsen; der Anstieg dürfte jedoch abflachen, solange keine unerwarteten Änderungen eintreten. Wenn staatliche Hochschulen ihre Angebote berufsbegleitender Studiengänge weiter ausbauen und noch mehr Flexibilität in der Studienorganisation ermöglichen, könnten sie den Trend auch wieder umkehren – vorausgesetzt, sie sind dafür finanziell ausreichend ausgestattet.
Können private und staatliche Hochschulen voneinander lernen?
Hochschulen sind in einem intensiven Austausch über gute Praxis und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Entscheidend ist weniger die Trägerschaft als unterschiedliche Modelle, die sich vielfach an den Fragen von Fern- oder Präsenzstudium, kleineren Gruppen oder beliebten großen Studiengängen und an der Betreuungsintensität festmachen.
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