
Mentoringprogramme
Erfahrungen teilen, Zukunft gestalten
Mentoringprogramme sind ein fester Bestandteil der deutschen Bildungslandschaft. Sie verbinden Studierende oder Schüler*innen mit Mentorinnen und Mentoren, die Wissen, Erfahrungen und Kontakte weitergeben. Neben fachlicher Unterstützung helfen sie dabei, sich im Studium und auf dem Arbeitsmarkt zurechtzufinden, eigene Stärken zu erkennen und berufliche Perspektiven zu entwickeln.
Arinna Riegel ist 24 Jahre alt und studiert Internationale Betriebswirtschaft und Interkulturelle Studien (IBIS) an der Hochschule Heilbronn. Ihr Studium verbindet wirtschaftliche Inhalte mit sprachlichen und kulturellen Perspektiven. Sie steht kurz vor dem Abschluss und schreibt aktuell ihre Bachelorarbeit im Finanzbereich.
Im Verlauf ihres Studiums begann sie, sich intensiver mit ihrer eigenen beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen und wurde auf das Cross-Mentoringprogramm WoMent aufmerksam. Nach einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren, bestehend aus Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und persönlichem Gespräch, wurde sie in das Programm aufgenommen.
„Meine Mentorin aus der Praxis und ich treffen uns etwa einmal im Monat und sprechen über ganz unterschiedliche Themen – von meiner Bachelorarbeit bis hin zu Bewerbungen oder meinen Stärken“, berichtet Arinna Riegel. Ergänzt wird das Mentoring durch Workshops und den Austausch in der Gruppe mit den anderen Mentees. „Man wird sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusster und geht selbstsicherer an die nächsten Schritte heran.“ Besonders wertvoll ist für Arinna Riegel der Blick von außen: Ihre Mentorin bringt langjährige Erfahrung in Führung und Coaching mit. „Ich bekomme dadurch ein ganz anderes Verständnis für viele Themen und lerne, meine eigenen Entscheidungen bewusster zu treffen“, so ihre Erfahrung. Gerade mit Blick auf den Berufseinstieg hilft ihr das, Ziele klarer zu formulieren und mögliche Wege besser einzuschätzen.
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Meine Mentorin aus der Praxis und ich treffen uns etwa einmal im Monat und sprechen über ganz unterschiedliche Themen – von meiner Bachelorarbeit bis hin zu Bewerbungen oder meinen Stärken.
Arinna Riegel, Teilnehmerin im Mentoringprogramm WoMent -
Mentoring hat sich als Personalentwicklungsinstrument bewährt und ist gerade im Hochschulkontext in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich gewachsen.
Katharina Rust, Projektleiterin WoMent
Mentoring als Entwicklungsinstrument
WoMent richtet sich gezielt an Studentinnen am Hochschulstandort Heilbronn, die ihren Berufseinstieg vorbereiten und ihre Karriere aktiv gestalten möchten. 25 Mentees pro Semester werden dabei ein Jahr lang von Mentorinnen und Mentoren aus Wirtschaft und Wissenschaft begleitet. Sie nehmen an Workshops teil und bauen sich ein eigenes Netzwerk auf. „Im Zentrum steht der persönliche Erfahrungsaustausch und die individuelle Entwicklung der Teilnehmerinnen“, erklärt Programmleiterin Katharina Rust.
Programme wie dieses sind Teil eines breiten Spektrums an Mentoringangeboten, die sich in den vergangenen Jahrzehnten fest an Hochschulen etabliert haben. „Mentoring hat sich als Personalentwicklungsinstrument bewährt und ist gerade im Hochschulkontext in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich gewachsen“, erläutert Katharina Rust. Ziel ist es dabei stets, den Austausch zwischen einer erfahreneren und einer weniger erfahrenen Person zu fördern und so Orientierung, Wissen und Netzwerke weiterzugeben.
Beispiele aus der Praxis: Mentoringprogramme
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Interview
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Podcast
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Klassisch, digital oder im Team
Mentoringprogramme richten sich an unterschiedliche Zielgruppen und Studienphasen – von Studienanfängerinnen und -anfängern über internationale Studierende bis hin zu fortgeschrittenen Studierenden oder Promovierenden. Besonders verbreitet sind Angebote im Kontext von Gleichstellung und Diversity, etwa zur Förderung von Frauen in MINT-Fächern oder zur Unterstützung sogenannter First-Generation-Studierender. „Hier stehen neben fachlichen Fragen oft auch die Orientierung im Bildungssystem oder die Karriereplanung im Vordergrund“, erklärt Katharina Rust.
Auch die Formate unterscheiden sich deutlich. Klassisch ist das One-to-One-Mentoring, bei dem ein erfahrener Mentor oder eine erfahrene Mentorin ein*e Mentee begleitet. Daneben gibt es Gruppen- und Peer-Mentoring sowie digitale Formate, die unabhängig von Ort und Zeit funktionieren. Ergänzend existieren Cross-Mentoring-Programme über Institutionen hinweg sowie das sogenannte Reverse Mentoring, bei dem auch jüngere Teilnehmende ihre Perspektiven und Erfahrungen an berufserfahrene Personen weitergeben. „Grundsätzlich ist Mentoring keine Einbahnstraße – beide Seiten lernen voneinander“, weiß Katharina Rust.
Mehr als Beratung oder Nachhilfe
Trotz der Vielfalt eint alle Programme ein gemeinsames Prinzip: Mentoring ist ein strukturierter, zeitlich begrenzter Austausch mit klaren Entwicklungszielen. Es unterscheidet sich damit von informellen Buddy-Programmen oder klassischem Tutoring. „Mentoringprogramme sind organisiert und verfolgen einen klaren Entwicklungsauftrag“, sagt Katharina Rust. Die Mentorinnen und Mentoren geben Einblicke in ihre Erfahrungen, teilen Wissen und begleiten Entscheidungen – ohne Beratungsfunktion.
Wer an einem Mentoringprogramm teilnimmt, braucht vor allem Offenheit und Eigeninitiative. „Entscheidend ist die Bereitschaft zur eigenen Weiterentwicklung“, so Katharina Rust. Der Nutzen hängt stark vom eigenen Engagement ab: „Je mehr man selbst in den Prozess investiert, desto mehr nimmt man mit.“
Orientierung durch Erfahrung
Auch aus Sicht der Berufs- und Studienberatung spielt Mentoring eine wichtige Rolle im Übergang in neue Lebensphasen. „Für mich ist Mentoring das wichtigste Instrument für den Einstieg ins Studium“, betont Sabine Najib, Studien- und Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Osnabrück. Besonders für Studieninteressierte ohne akademischen Hintergrund kann es Hemmschwellen abbauen. „Mentoren können etwas übersetzen, was man von außen nicht wirklich vermitteln kann – nämlich: Ich habe das selbst erlebt.“
Gerade alltägliche Fragen, die im Studium sonst unbeantwortet bleiben, können so aufgefangen werden – etwa, wie sich der Studienalltag tatsächlich anfühlt. Mentoring wirkt jedoch nicht nur beim Studienstart, sondern auch in späteren Übergängen wie dem Berufseinstieg. „Alles, was neu ist, kann Unsicherheit auslösen“, erklärt Sabine Najib. Genau hier setzen Mentoringangebote an, indem sie Erfahrungswissen zugänglich machen und Orientierung geben.