
Ein starkes Netzwerk
Johann Schmidt (19) studiert im zweiten Semester Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar. Unterstützung bei Fragen rund ums Studium erhält er von der Initiative ArbeiterKind.de.
„Das Schwierige am Studium ist nicht unbedingt das Studieren an sich, sondern zu verstehen, wie ein Studium überhaupt funktioniert“, stellte Johann Schmidt zu Beginn seines ersten Semesters fest. Seine Eltern konnten ihm bei studienspezifischen Fragen nicht helfen, also suchte er Unterstützung – und fand sie bei einer Initiative, die er bereits aus der Schulzeit kannte: ArbeiterKind.de. In der 10. Klasse wurde Johann Schmidt in das Talentnetzwerk der Organisation aufgenommen.
Neben Präsenzveranstaltungen und monatlichen Online-Seminaren beinhaltete das einjährige Programm auch ein Mentoring mit einem Studierenden. „Mein Mentor studierte Architektur in Berlin. Da ich mich ebenfalls für das Fach interessierte, konnte ich gezielt Fragen zum Studium stellen. Wir haben uns auch mal an der Uni getroffen, das war echt toll“, erinnert sich der 19-Jährige. Inzwischen wurde das Projekt „Talentnetzwerk“ eingestellt, aber ArbeiterKind.de ist trotzdem noch aktiv.
80 lokale Gruppen
Nachdem Johann Schmidt für sein Studium von Rostock nach Weimar gezogen war, entdeckte er, dass es dort eine lokale Gruppe von ArbeiterKind.de gibt. Aufgrund seiner guten Erfahrungen mit der Organisation ging er einfach mal zu einem offenen Treffen. Seitdem ist er Teil des großen Netzwerks. „Zu den Treffen kann jeder kommen, der möchte“, betont er, „und zwar mit jedem Anliegen.“ Egal, ob es um den eigenen Studiengang oder Themen wie Studienfinanzierung geht. 80 solcher lokalen Gruppen gibt es in Deutschland, von Flensburg bis Passau. Wann und wo sich diese treffen, erfährt man auf der Webseite der Initiative. Die Treffen finden meistens monatlich statt.
Konkret helfen konnte die Ortsgruppe Johann Schmidt bei der Bewerbung für ein Stipendium. Gemeinsam mit erfahrenen Studierenden suchte er nach einem passenden Anbieter und erhielt Tipps für seine Bewerbung. Und falls er in die nächste Auswahlrunde kommt, hat er bereits einen Plan: „Es gibt ein riesiges Online-Netzwerk von ArbeiterKind.de mit vielen Alumni. Dort kann man einfach fragen, wer dieses Stipendium bekommen hat und wie das Vorstellungsgespräch abläuft.“ So hat er auf einen Schlag mehr Ansprechpartner*innen als die vier Mentoren, die sich in seiner Ortsgruppe aktuell um drei Studienanfänger*innen kümmern.
Aber auch bei der Organisation seines Uni-Alltags hilft ihm das Netzwerk: „Kürzlich habe ich hilfreiche Tipps bekommen, welche Anträge man stellen kann und wie man sich für bestimmte Kurse bewirbt.“ Bei Fragen zum Studienaufbau standen ihm seine Ansprechpartner*innen ebenfalls zur Seite. Der Austausch funktioniert aber nicht nur über die Treffen vor Ort. „Fragen kann man auch über unseren Telegram-Kanal klären“, erklärt der Student.
Mentor und Mentee in einem
Johann Schmidt ist aber nicht nur als Mentee im Netzwerk aktiv, sondern gibt seine Erfahrungen bereits an die nächste Generation weiter. „Ich war vor Kurzem bei einer Schulveranstaltung dabei, bei der wir ArbeiterKind.de vorgestellt und über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Studienfinanzierung berichtet haben“, erzählt er.
Dass es keine klare Grenze zwischen Mentor und Mentee gibt, gefällt dem Studenten: „Dort, wo ich Hilfe brauche, kann ich gut nachfragen. Aber da ich selbst schon studiere, habe ich auch ein bisschen Ahnung, was das bedeutet, und kann Fragen von Schüler*innen beantworten. Das passt deshalb ganz gut.“
Für Johann Schmidt ist klar: Er wird auch weiterhin die Angebote von ArbeiterKind.de nutzen – die offenen Treffen und die Möglichkeit, Fragen über den Telegram-Kanal zu stellen. Gleichzeitig will er sein Wissen bei Schulveranstaltungen weitergeben, „weil ich das ziemlich wichtig finde“. Die Grundlagen dafür hat er bei einem Seminar in Berlin gelernt. „Und irgendwann, wenn ich in einem höheren Semester bin und noch besser weiß, wie ein Studium funktioniert, möchte ich selbst Mentor werden und im 1:1-Mentoring einem Mentee auf dem Weg ins Studium helfen. Darauf hätte ich richtig Lust.“
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