MINT meistern mit Mentoring

Ein Studium mit mehr Chancengleichheit für Frauen – das ist das Ziel des Mentoringprogramms makeMINT an der Hochschule Bremen. Es begleitet Studieneinsteigerinnen in männerdominierten Studiengängen dabei, ihr Potenzial zu entfalten, und fördert die Vernetzung von Frauen. Projektleiterin Susanne Peter erklärt, wie das Programm wirkt und warum weibliche Vorbilder entscheidend sind.

Foto: Hochschule Bremen, Köke
Ein Porträt-Foto von Susanne P.
studienwahl.de:

Frau Peter, warum braucht es überhaupt ein spezielles Mentoring für MINT-Studentinnen?

Susanne Peter:

Studentinnen in diesen Fächern sind zwar in der Regel leistungsstark und brechen ihr Studium seltener ab. Dennoch haben sie trotz guter Leistungen größere Selbstzweifel und setzen sich stärker unter Druck als ihre männlichen Kommilitonen. Gerade am Anfang des Studiums fehlen oft Vergleichsmöglichkeiten, um die eigenen Fähigkeiten einzuordnen. Das verstärkt diese Unterschiede. Viele denken dann, dass diese Zweifel etwas ganz Persönliches sind. Tatsächlich werden sie aber durch gesellschaftliche Zuschreibungen und Rollenbilder hervorgerufen.

studienwahl.de:

Und da setzt makeMINT an …

Susanne Peter:

Genau. Das zweisemestrige Programm ist Teil der Gleichstellungsstrategie der Hochschule Bremen und ein Baustein von Mentoring MINT. Es wurde entwickelt, um die Chancengleichheit im MINT-Studium zu stärken. Wir wollen aufzeigen, welchen Einfluss gesellschaftliche Zuschreibungen auf die eigene Selbsteinschätzung haben. Die Teilnehmerinnen können sich in einem geschützten Rahmen austauschen, ihre Erfahrungen einordnen und neue Sichtweisen entwickeln. Das hilft, Unsicherheiten besser zu verstehen und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. 

studienwahl.de:

Wie läuft das Mentoring konkret ab und welche Formate haben sich bewährt?

Susanne Peter:

In 1:1-Mentoringgesprächen werden Studienanfängerinnen im ersten und zweiten Semester –als sogenannte Mentees – mit erfahrenen Studentinnen aus höheren Semestern zusammengebracht, die als Mentorinnen geschult sind. Der Einstieg findet meist während des makeMINT-Winterfestes statt, bei dem fortgeschrittene Studentinnen und Ehemalige die Erstis willkommen heißen. Danach folgt das Matching nach einem Vorgespräch mit der Projektleitung auf Basis der Wünsche der Mentees. 

Die Treffen zwischen Mentees und Mentorinnen finden mindestens monatlich statt, ergänzt durch gemeinsame Treffen aller Mentees und Mentorinnen – die sogenannten Science TalksDort werden Fragen der Mentees diskutiert. Highlight sind die großen Netzwerkveranstaltungen, das makeMINT-Sommerfest und -Winterfest für alle aktuellen MINT-Studentinnen und Ehemalige. Diese Kombination aus individueller Begleitung und Gemeinschaft hat sich seit dem Start 2017 bewährt. Inzwischen ist ein großes MINT-Frauennetzwerk entstanden, über das Fragen entlang des gesamten Studienverlaufs aufgegriffen werden können – von der Prüfungsvorbereitung im ersten Semester über Praktikumsempfehlungen bis hin zum erfolgreichen Berufseinstieg.

studienwahl.de:

Warum sind weibliche Vorbilder im MINT-Studium so wichtig? 

Susanne Peter:

Weibliche Role Models helfen, Barrieren und stereotype Zuschreibungen sichtbar zu machen und aufzubrechen. Wenn Studentinnen erleben, dass andere Frauen ähnliche Wege erfolgreich gehen, entsteht zudem ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit: Ich bin nicht allein mit meinen Erfahrungen. Gleichzeitig können Role Models wertvolle Ratschläge geben – sie sind diese Wege ja bereits gegangen.

studienwahl.de:

Welche Perspektiven sehen Sie für das Programm und die Chancengleichheit? 

Susanne Peter:

Veränderungen hin zu echter Chancengleichheit brauchen Zeit und sind Teil eines langfristigen gesellschaftlichen Prozesses. Mentoring kann diesen Wandel unterstützen, ihn aber nicht allein herbeiführen. Das Programm makeMINT wird deshalb kontinuierlich weiterentwickelt. Ergänzt wird es durch das Programm meetMINT für Schülerinnen, das frühzeitig beginnt, MINT-interessierte Mädchen für ein MINT-Studium zu gewinnen. Beide Angebote setzen auf Vernetzung, Austausch und sichtbare weibliche Vorbilder.

studienwahl.de:

Ihr wichtigster Rat an Studieninteressierte in MINT?

Susanne Peter:

Wenn ihr Spaß an MINT habt, lasst euch nicht beirren. Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Und: Es wird immer Menschen geben, die euch unterstützen!

Beispiele aus der Praxis: Mentoringprogramme

  • Mentoringprogramme

    Mentoringprogramme sind ein fester Bestandteil der deutschen Bildungslandschaft. Sie verbinden Studierende oder Schüler*innen mit…weiterlesen »
  • Reportage ArbeiterKind.de

    Johann Schmidt (19) studiert im zweiten Semester Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar. Unterstützung bei Fragen rund ums Studium…weiterlesen »
  • Podcast

    Mentoring im Studium: Für viele Studienanfänger*innen eine wertvolle Unterstützung beim Start. Neue Stadt, neuer Campus, viele offene Fragen…weiterlesen »
Stand: 04.05.2026